Foto eines Smartphones mit der E-Bike-Charger-App
Ladeinfrastruktur Neue Pedelecs und E-Bikes

Mit dem Smartphone das Pedelec laden

Lesezeit etwa 3 Minuten
Foto eines Smartphones mit der E-Bike-Charger-App
Der gesamte Ladevorgang wird per App gesteuert

Studierende der FH Münster entwickeln Ladestation und App für Pedelec

Den Akku aufladen und losradeln – Elektrofahrräder sind bequem, umweltfreundlich und immer mehr auf den Straßen zu sehen. Und wem unterwegs der Strom ausgeht, der steuert einfach eine E-Bike-Tankstelle an und sorgt für Nachschub. Bei vielen Stationen zahlt der Betreiber für die Energie. Welche Alternativen es gibt, damit haben sich zwei Studenten des Fachbereichs Elektrotechnik und Informatik der FH Münster beschäftigt. Florian Wegener und Christian Schmidt haben in Steinfurt eine E-Bike-Ladestation entwickelt, bei der es technisch möglich ist, dass die Besitzer von E-Bikes mit dem Smartphone für den Strom bezahlen.

Von A bis O alles selbst entwickelt

Von den ersten Planungen über das Schreiben einer App und der Entwicklung der Elektronik bis hin zum Bau des Gehäuses – Wegener und Schmidt machten alles selbst. Zwei Semester lang arbeiteten sie im Labor für Halbleiterbauelemente und Bussysteme unter Leitung von Prof. Dr. Peter Glösekötter an ihrem „E-Bike Charger“. „Mit unserer Android-App lässt sich eine E-Bike-Tankstelle auswählen und die gewünschte Lademenge festlegen“, sagt der 28-jährige Wegener. Anschließend wird die Lademenge per Bluetooth an den E-Bike Charger übermittelt und das Fach öffnet sich. „Dann lässt sich das Ladegerät einstecken und der Akku des Rades aufladen“, erklärt Schmidt.

Guthaben auf dem Smartphone verwalten und teilen

Etwa ein bis zwei Stunden dauert es, bis das E-Bike aufgeladen ist, so Schmidt. Doch solange muss der Nutzer natürlich nicht warten. Das Ladegerät lässt sich im Fach einschließen und später durch Entriegelung mittels Smartphone wieder entnehmen. Möglich wird das durch die einzigartige Bluetooth-Kennung des Smartphones. Der „E-Bike Charger“ speichert diese Kennung und erkennt somit tatsächlich den jeweiligen Eigentümer. Die am E-Bike Charger genutzte Energie wird mit Guthaben gezahlt, das der Nutzer in der App auf dem Smartphone verwaltet. Mit dem Smartphone lässt sich Guthaben vom Online-Konto auf das Gerät buchen oder Guthaben mit Freunden teilen. „Diese Funktion haben wir mit einer Serverlösung implementiert“, sagt Wegener. Die Aufladung dieses Online-Kontos erfolgt bislang per Überweisung.

Zusätzlich bietet die Station nützlichen Stauraum für den Fahrradhelm oder kleinere Einkäufe, während der Besitzer zu Fuß weiterzieht. Nur das Ladegerät, das muss jeder selbstmitbringen. „Es gibt inzwischen so viele verschiedene Modelle auf dem Markt, sodass nicht für jeden Typ ein Ladegerät eingebaut werden kann“, so Schmidt.

Einführung wird geprüft

Welche Funktionen eine E-Bike-Tankstelle haben muss, was technisch zu beachten ist und wie die Anforderungen aussehen, darüber haben Schmidt und Wegener im Vorfeld mit Prof. Dr. Christof Wetter vom Institut für Energie und Prozesstechnik (IEP) gesprochen. Beratend unterstützt hat sie darüber hinaus Doktorand Gregor Rebel. „Momentan überlegen wir, ob und wie der E-Bike Charger einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann“, sagt Wetter.

Schmidt absolviert wie sein Kommilitone das Masterprogramm Informationstechnik und hat während des einjährigen Projekts viel gelernt. „Wir haben wichtige Einblicke in verschiedenste Bereiche der Elektrotechnik gewonnen. Das war sehr spannend“, so der 24-Jährige. Und trotz zahlreicher Besprechungen, Planungen, Recherchearbeiten und zeitintensiver Umsetzungen hatten sich die beiden auch nach Feierabend noch viel zu sagen: Die Freunde leben in Münster in einer Wohngemeinschaft.

[Quelle: Fachhochschule Münster]

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Alexander Theis
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2 Kommentare

  1. Ist ja ganz nett, aber die Vorstufe dazu wurde schon 2013 in Düsseldorf gelegt. Siehe Artikel in der Rheinischen Post:
    http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/kostenlose-ladestation-fuer-e-bikes-aid-1.3286449
    Hat auch noch einen weiteren Vorteil: Dort ist der Strom umsonst! Desweiteren, habe ich mir überlegt, hat die beschriebene Sache eine weiteren Haken: Wer kann denn schon einschätzen, wieviel Strom er benötigt? Sollte das nicht umgekehrt laufen? Ich stecke das Ladegerät ein und bezahle die verbrauchte Menge? Wie kommt man denn darauf, das ein Pedelec in ein bis zwei Stunden aufgeladen ist? Kommt doch auf den verbrauchten Strom an. Sicher gibt es schon Ladegeräte, welche in ein bis zwei Stunden 80% den fehlenden Stroms aufladen, das ist aber eher selten.
    In dem Artikel kann man auch wieder sehen: Standard ist alles. Zitat: „Nur das Ladegerät, das muss jeder selbstmitbringen. „Es gibt inzwischen so viele verschiedene Modelle auf dem Markt, sodass nicht für jeden Typ ein Ladegerät eingebaut werden kann“, so Schmidt.“ Würde ja den Pedelecern das Mitschleppen des eigenen Ladegerätes ersparen!

    1. Hallo Pedelecer,
      vielen Dank für den Link, das ist sehr interessant!

      Was die Normung angeht bin ich voll auf Ihrer Seite! Die wenigsten Pedelec-Fahrer nehmen das Ladegerät ständig mit. Auf der anderen Seite reicht die Kapazität der meisten Akku m.E. für die alltäglichen Strecken aus. Anders ist es möglicherweise bei Radreisen. Eine einheitliche Ladeinfrastruktur würde die Situation erheblich verbessern. Der Extra Energy e.V. unternimmt da schon erhebliche Anstrengungen, Stichwort „EnergyBus“. Und auch das Ladeschlosskabel zielt auf das gleiche Thema: http://www.lade-infrastruktur.org/de/ladeschlosskabel/das-ziel/aufbau-der-ladeinfrastruktur.html
      Aber wie alle Normungen wird es wohl noch eine lange Zeit dauern, bis alle Hersteller „an einem Kabel“ ziehen.

      Gruß
      Alexander Theis

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