HP Velotechnik Scorpion Plus 26
Neues aus der Szene

SUV-Trike als Pedelec

Das Scorpion Plus 26 von HP Velotechnik.
Das Scorpion Plus 26 von HP Velotechnik. Das SUV unter den Trikes

Und wie setze ich mich da rein? Fast jeder, der zum ersten Mal vor einem Liegedreirad steht, stellt genau diese Frage.

Und viele fügen gleich hinzu: Im Stadtverkehr wäre mir das zu tief. Beim neuen Scorpion plus 26 sind solche Diskussionen passé. Fahrer steigt einfach von vorne völlig intuitiv ein und schwebt über den Dingen. Möglich wird das durch den kräftig gewachsenen Rahmen. Entspannte 57 Zentimeter Sitzhöhe waren für Räder dieser Bauart bisher nicht denkbar.

Herzstück des Trikes mit dem SUV-Gen ist der komplett neu konzipierte Rahmen. Dabei haben die Entwickler das physikalisch fast Unmögliche geschafft, wie Daniel Pulvermüller, Geschäftsführer und Leiter der Konstruktionsabteilung, sagt: Wir wollten ein hohes Mehrspurfahrzeug bauen, das dennoch ein Maximum an Kippstabilität aufweist. Das Scorpion plus wird eine solide Plattform für universelle Anwendungen sein ein echtes Sports Utility Vehicle eben.

Ein Vergleich: Das Scorpion Plus 20 und 26.
Ein Vergleich: Das Scorpion Plus 20 und 26.

Auf den ersten Blick ist der Rahmen im Vergleich zu den Vorgängern um jeweils rund zehn Zentimeter in Höhe und Breite gewachsen. Der entscheidende konstruktive Kniff, so Pulvermüller, offenbare sich erst bei genauerem Hinschauen: Im Vergleich zu sportiven Mitgliedern der Scorpion-Familie wie Enduro oder S-Pedelec rückt in der Generation Plus die Sitzkante scheinbar nach vorne an den Rahmenquerträger heran. Scheinbar, denn: Der Sitz wurde, bezogen auf die Gesamtkonstruktion, sogar noch weiter hinten positioniert. Das war notwendig zur Optimierung des Schwerpunktes, erst so gewinnt das hohe Vehikel seine beeindruckende Kippstabilität. Um dennoch ein geschmeidiges Einsteigen zu ermöglichen, haben die Entwickler die Geometrie der Vorderradachse massiv verändert. Die beiden Trägerelemente des Hauptrahmens spannen sich nun kraftvoll weit nach vorne. Sie laden mit einer Bewegung wie weit geöffnete Arme geradezu zum Hinsetzen ein. Auch Querlenker und Stabilisator-System wurden für das Komfortmodell radikal neu gedacht: Dem Linienverlauf des Rahmenquerträgers folgend sind sie weit nach hinten gebogen, wodurch die Konstruktion viel mehr Platz gewinnt zwischen Laufrad und Rahmen und so das entspannte Zusteigen ermöglicht. Extra-Plus bei der Operation Komfort: Die zulässige maximale Zuladung ist von 140 auf 150 Kilogramm gestiegen.

Das Verblüffendste am gewachsenen Scorpion plus aber ist: Die neue Geometrie ermöglicht nun auch erheblich kleineren Fahrern ab 1,49 Meter, sich locker in die stylischen Dreiräder zu schwingen und in die Pedale zu treten.Bei all dem verleugnen die Fahrzeuge keinesfalls ihre klassischen Scorpion-Gene: Das Trike ist voll gefedert und setzt auf das bewährte McPherson-Fahrwerk der Scorpion fs-Reihe.

Das Scorpion Plus 26 gefaltet.
Das Scorpion Plus 26 gefaltet.

Faltbar für den Transport im PKW

Dank des patentierten Schnellfaltgelenks von HP Velotechnik ist es mit wenigen Handgriffen faltbar und passt mit den Maßen 81 x 91 x 99 cm (L x B x H) in fast jeden Autokofferraum. Dem Wachstum in der Höhe entspricht die gewonnene Bodenfreiheit des Scorpion plus von 16 cm; SUV-typisch bringt es, ohne dabei kippelig zu werden, reichlich Abstand zwischen sich und rauem Gelände.

Sportliche Fahrer werden möglicherweise anstelle des hohen Netzsitzes ErgoMesh HS plus den BodyLink-Sitz bevorzugen. Doch selbst mit diesem sportlichen Schalensitz schraubt sich der Komandosessel noch auf herausragende 43 Zentimeter. Das Abnehmen der mit drei Schnellspannern befestigten Sitze geht, so versichert der Hersteller, in Sekundenschnelle. Und mit dem neuen Sitzanschlag sei jetzt auch die Feinjustierung rigoros vereinfacht.

Elektro-Rad mit Rückwärtsgang

„Bei unserer Komfort-Offensive haben wir uns aber nicht allein auf die Abteilung Sitz beschränkt“, stellt Paul Hollants klar, mit Pulvermüller Geschäftsführer von HP Velotechnik. Auch das U aus SUV habe man ernst genommen und kräftig an nützlichen Details für den Einsatz im Alltagsverkehr gefeilt. Spektakulärste Neuvorstellung ist der in Kooperation mit Premium-Zulieferer GO SwissDrive entstanden Nabenmotor mit elektrischem Rückwärtsgang. Bei maximal 4 km/h können die Trikes ihren bauartbedingten Vorteil ausspielen: Standsicher wie sie sind, gehen Rangiermanöver ab sofort auf Knopfdruck und ohne Aussteigen.

Das Bediendisplay des GoSwiss-Drive.
Das Bediendisplay des GoSwiss-Drive ist am Lenker montiert.

Doch der E-Antrieb der Schweizer mit 250 W kann noch mehr: Die neue Bedienung ist direkt am Lenkergriff montiert. Alle Schaltvorgänge lassen sich per Daumen über Tastfelder steuern, und zwar intuitiv ohne hinschauen zu müssen. Wer dennoch den Blickkontakt sucht, findet sich auf dem neuen, großen Farbdisplay sofort zurecht. Der Motor kann mit unterschiedlichen Profilen individuell programmiert werden. Die Option „Start Power“ etwa schiebt beim Anfahren extra-kräftig los. Der neue Motor entwickelt laut Hersteller zudem bei niedrigen Drehzahlen eine hohe Effizienz, sprich: Er kommt auch bei sehr langsamer Fahrt mit viel Stromfluss nicht ins Stottern. Passend dazu: Der ebenfalls weiterentwickelte Li-Ion-Akku (36 V) hat mit seinen 558 Wh satte 25 Prozent mehr Speicherkapazität. Bei der von HP Velotechnik angebotenen Doppelherz-Option, die zwei Akkus schwerpunktgünstig unter dem Sitz erlaubt, sind so Reichweiten bis zu 260 Kilometern möglich.

Dabei zeige sich ein weiterer Vorteil der Generation plus, hebt Hollants hervor: „Das gewachsene Chassis nutzen wir, um reichlich Platz für Gepäck zu schaffen.“ Die Aufnahme am Heck verkraftet vier handelsübliche Taschen mit bis zu 50 Kilogramm Zuladung, ohne dass Akkus und Trinkflaschen in die Quere kommen. Und wer ganz sperrige Güter transportieren will, wird den Scorpion als willigen Lastesel schätzen lernen. Er darf ihm bedenkenlos einen Radanhänger anvertrauen, denn: Die beiden gelenkten Vorderrädern an der breiten Front stets im Blickfeld, kann der Trike-Pilot sicher abzuschätzen, welchen Platzbedarf der angekoppelte Lastenträger entwickelt.

Handschmeichler und Bremslicht

Der große Scorpion zeigt seinen Charakter aber auch in den Details. Kleines Teil mit großer Wirkung ist die neue Handablage. Dazu Hollants: „Man muss kein radelnder Globetrotter sein, um schnell zu merken: Das abgestützte Polster unterhalb der Lenkergriffe ist ein echter Handschmeichler.“ Ergonomisch richtig justiert, werde damit das Cruisen durch die Landschaft noch lässiger als Autofahren mit Armablage auf der Mittelkonsole.

Die Handablage kann natürlich auch an sämtlichen anderen Modellen der hessischen Liegeradspezialisten verbaut werden. Dasselbe gilt für die Option Bremslicht, ein dickes Plus im Bereich Sicherheit: In Kombination mit einer Lichtanlage mit SON-Nabendynamo geben Liegeradler damit dem nachfolgenden Verkehr unübersehbar ein Signal, sobald sie in die Bremsen greifen.

Die elegante Note des SUV-Trikes unterstreicht der neue Farbton Sahara-Silber. Alternativ ist das Scorpion plus 26 in Magma-Rot verfügbar. Es ist von Januar 2015 an im Fachhandel ab 3.990,– Euro erhältlich. Die gewünschte Ausstattung, etwa als E-Trike, kann der Kunde wie bisher aus dem breit aufgestellten Baukastensystem wählen. Mit dem Premiummotor von GO SwissDrive kostet das Rad 6.480,– Euro, mit dem optionalen 250-W-Motor von BionX sinkt der Gesamtpreis auf 5.480,– Euro.

[Quelle: www.hpvelotechnik.com]

 

Alexander Theis

Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VelΩstrΩm.
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