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Eurobike 2018: Mein persönlicher Rückblick, Teil 2

Lesezeit etwa 12 Minuten

eurobike_blogger_base[at] Hier kommt der zweite Teil meines persönlichen Rückblicks zur Eurobike 2018:

Wie ich bereits zu Beginn des ersten Teils meines Rückblicks geschrieben habe, wurde der Termin für die nächstjährige Eurobike ja bereits vor Beginn der diesjährigen bekannt gegeben.

Kurz nach der Messe überraschten die Veranstalter mit einer erneuten Terminverschiebung: So findet die Eurobike 2019 jetzt wieder im Spätsommer vom Mittwoch, 4. bis Samstag, 7. September 2019 statt. Der letzte Tag bleibt als Pubklikumstag erhalten – gut so!

Doch zurück zur 2018er Ausgabe der Eurobike und meinem Rückblick.

 

 

Lastenrad mit ABS und Heizgriffen

heizgriffe am lastenradLastenräder sind einer der der großen Trends im Bikebusiness, und gerade beim Lastenrad macht ein Pedelec-Antrieb sehr viel Sinn. Continental zeigte auf Basis eines Kargon-Lastenrads interessante Features, die vor allem diejenigen begeistern werden, die beruflich mit einem Lastenpedelec unterwegs sind:

Das Ausstellungsstück verfügte über Heizgriffe von Magura ,über das Bosch-ABS und jede Menge Akkupower: Der noch eher klobigen ABS-Modulator wurde, gemeinsam mit vier (!) Akkupacks  schwerpunktgünstig unter dem Ladeboden verstaut. Trotz der Heizgriffe und ordentlicher Zuladung sollte das Thema Reichweite bei diesem Cargopedelec kein Thema sein. 

Lastenrad als Monocoque

johnny_loco_monocoqueDirekt in der Nähe sorgte Johnny Loco für Aufsehen. Sonst eher bekannt für stilsichere und hochwertig ausgestattet Interpretationen klassischer Fahrräder sowie Lastenräder überraschten die Niederländer mit einem Pedelec-Lastenrad Prototypen, welcher ganz bewusst auf das Flair von Autos aus den 50er setzt.

Doch Johnny Loco wären nicht Johnny Loco, wenn es dabei nicht etwas besonderes gäbe: Das Rad ist als Monocoque konstruiert und soll so recht kostengünstig produzierbar sein. Der gezeigte Prototyp soll erst einmal Meinungen auffangen – und die waren durchaus kontrovers. 

Benur

benurBesonders gefreut habe ich mich, das top verarbeitete Serienmodell des “Benur” zu sehen. Beim “Benur” handelt es sich um ein Handbike mit Pedelec-Antrieb, bei dem man mit dem Rollstuhl über eine Rampe auf das Rad fährt, den Rollstuhl verriegelt und dann als Handbike weiterfährt. Also eine  Art Symbiose von Handbike und Lastenrad.

Auf der diesjährigen Spezialradmesse konnte der Prototyp Publikum und Fachjury überzeugen: Joseph Mignozzi, Initiator und Erfinder des “Benur” belegte den zweiten Platz beim Erfinderwettbewerb der Spezialradmesse. Josep war nach einem schweren Motorradunfall für ein paar Jahre selbst auf einen Rollstuhl angewiesen und baute daraufhin den Prototypen des Benur. Das auf der Eurobike gezeigte Serienmodell versteckt die Akkus unter der “Ladefläche” und sorgte auch mit der hochwertigen Ausstattung wie beispielsweise einer Shimano Di2 für großes Interesse. Ein wirklich tolles Konzept!

Faltrad aus Carbon

chedech_faltrad_aus_carbonDas fazinierende an der Eurobike ist, das man auch mal auf unerwartetes stößt. So zum Beispiel auf das Chedech, ein Faltrad aus Carbon. Beim Rahmen und Faltmechanismus stand offensichtlich Brompton Pate, das Material sorgt für ein sensationell niedriges Gewicht von etwa 8 kg. Ausgestattet mit einem speziell angefertigten Akku zwischen Sattel- und Oberrohr und dem Reibrollenantrieb von HiddenPower liegt das Gewicht bei etwas über 10 kg. Interessant: Das Unternehmen kommt aus Kora, “Chedech” ist aber der hebräischen Sprache entlehnt und bedeutet soviel wie “Rechtschaffenheit”.

Neues von Stromer

Stromer zeigte an seinem Stand zwei sehr interessante, konträre Konzepte.stromer_st3

Da war zum einen das ST3, das mit neuer Geometrie (kurze Kettenstreben, kurzer Radstand, tiefes Tretlager), speziellen Reifen von Pirelli, kompletter Telemetrie und elektronisch entriegelbarem Akkufach die technische Speerspitze der Schweizer markiert. Das ganzen in ein wirklich wunderschön-understatementmässiges Grün gehüllt.

stromer_st1Im Gegensatz dazu gab es das ST1 in einem knalligen gelb zu sehen. Das Bike ist eine Neuauflage zur Feier des zum 10jährigen Firmenjubiläum des ersten Stromer-Bikes. Die Anbauteile sind günstiger als beim ST3, was sich dem Vernehmen nach auch deutlich im Preis niederschlagen wird, jedoch bleibt die cleane Optik, der Motor und auch die Steuerung über das bekannte Oberrohr-Display.

Aus meiner Sicht die größte Besonderheit beim ST1: Als erstes Stromer soll es optional ohne die Telemetriefunktionen bestellbar sein! Unter uns: Das wäre für mich persönlich DER Kaufgrund für das Bike!

Technibike

technibike_trekkingradTechnibike ist vielen als Hersteller von Komponenten für Satelliten-TV bekannt. Seit kurzem kommen aus Daun in der Eifel aber auch Pedelecs. Das Trekkingbike glänzt beispielsweise mit einer tollen Ausstattung zu einem angemessenen Preis.

Zur Einführung und Positionierung der Marke Technibike konnte man Tom Specht gewinnen. Ehemals Sportlicher Leiter sowie PR-Verantwortlicher und Pressesprecher der Winora-Group leitet der sympathische Rheinländer nun den Vertrieb und das Marketing des jungen Herstellers. Im Gespräch erzählte mir Tom vom Hintergrund der Entscheidung ins Pedelec-Geschäft einzusteigen und von den Plänen der Dauner, die 2019 einige Überraschungen bereithalten. 

Elegante Schutzkleidung (nicht nur) für Biker

bastian_mueller_patronaceAuf der Eurobike 2018 gab es erstmalig für Startups die Möglichkeit, ihr Produkt einem größeren Publikum vorzustellen. Mit Bastian Müller, Industriedesigner und Gründer von PATRONACE, konnte ich mich später in der Blogger Base intensiv unterhalten. Mit PATRONACE stellt Bastian modische Schutzkleidung für Biker her, die nicht sofort als Schutzkleidung wahrgenommen wird.

Die Jacken sind aus einem sehr dehnfähigen, reißfesten und wasserabweisenden Stoff hergestellt, auf der Innenseite werden mit einem speziellen Verfahren kleinteilige Polsterflächen fest mit der Jacke verbunden. Dadurch entsteht auf der Außenseite der Jacke ein charakteristisches Muster. Der Schnitt ist mit langem Rücken und hoch schließendem Kragen ideal für Radfahrer, die Jacke macht sich aber auch gut bei der abendlichen Verabredung.

Pedelec-Erfinderin

Susanne Brüsch ist Erfinderin der Bezeichnung “Pedelec”: Vor etwa 20 Jahren prägte sie das Akronym für “Pedal electric cycle” im Rahmen ihrer Studien-Abschlußarbeit. Im Foyer Ost  berichtet sie kurzweilig und kenntnisreich vom Trend der E-Bike-Reisen und den damit susanne_brueschverbundenen Potenzialen und Herausforderungen für die Fahrradwirtschaft.

Wer hier einen trockenen Vortrag erwartet wurde angenehm enttäuscht. Denn neben dem sehr interessanten Zahlenmaterial zeigte Susanne auch beeindruckende Fotos ihrer abenteuerlichen Reisen: Sie bereist seit einigen Jahren gemeinsam mit Ihrem Team “Pedelec-Adventures” Wüsten, Berge, Steppen und Eis – natürlich mit Pedelecs!

 

Café-Überraschung

cycle_cafeDie Eurobike ist immer für überraschende Begegnungen gut. Beispielsweise traf ich beim Besuch des Vortrags von Susanne Brüsch auf einen Stand vom Cycle-Café, der auch nur zu diesem einen Tag auf der Eurobike war.

Das Cycle-Café ist unter anderem Sponsor von Paracycler Matthias Schindler und bei einem sorgfältig zubereiteten und leckeren Espresso ergaben sich mit den Umstehenden nette Gespräche, deren Thema durchaus nicht nur radaffin waren.

Vom Cycle-Café gibt es auch einen “Pott-Cast”, der alle 14 Tage erscheint und alles behandelt, “was auch nur irgendwie mit den Rennrad zu tun hat und nicht bei drei auf den Bäumen ist.” Reinhören lohnt sich! 

Nur Gadget oder wirklich nützlich?

tyrewizAuf dem Stand von SRAM stieß ich auf den “Tyrewiz” des US-Herstellers Quarq, der vor einiger Zeit schon kurz ein Thema auf VeloStrom war.  Was beim PKW schon bekannt ist soll es jetzt also auch auf’s Rad schaffen: Ein permanent installierter Reifendruckmesser. Tyrewiz wird per Adapter auf das Ventil geschraubt und meldet per BLE (Bluetooth Low Energy) oder ANT+ die Daten direkt ans Smartphone oder GPS-Gerät.

Beim französischen Traditionshersteller Hutchinson gab es ein ähnliches Gerät zu sehen. Meiner Meinung nach viel eleganter ist hier jedoch die Integration gelöst: Das Bauteil ist mit dem Ventil verbunden und verschwindet unsichtbar im Reifen. Leider ist das entsprechende Foto nichts geworden. ;-(

Ob die Technik eines permanenten Reifendruckmessers die Zielgruppe der gewichtssensitiven und grammfuchsenden Rennradler begeistern wird muss die Zukunft zeigen. Immerhin wird hier zusätzlich Masse an die drehenden Teile gebracht, die dann noch zusätzlich beschleunigt werden muss. 

 

Fahrradträger

yakima_roof_topJe beliebter Fahrrad oder Pedelec wird, je mehr steigt der Bedarf an Transportlösungen für den PKW: Schließlich will man ja auch im Urlaub nicht auf das Rad verzichten.

Neben den bekannten Herstellern waren auch die Australier von YAKIMA in Friedrichshafen präsent um verschiedenen Radträger vorzustellen. Neben diversen, sehr pfiffig konstruierten Trägern für die Anhängerkupplung hat mich besonders das Dachträgersystem begeistert.

Der Clou: Die Anpresskraft der Halterung ist über einen Ratschenmechanismus mit Drehmomentbegrenzung geregelt. Ab einer vordefinierten Kraft dreht der Knauf ins Leere und man kann sicher sein, dass das Rad fest genug gehalten wird. Vor allem die Befestigung des Fahrrads durch Umfassen des Vorderrads macht es einfach, Räder mit etwas empfindlicheren (oder für empfindlich gehaltene) Rahmenmaterialien sicher zu transportieren, beispielsweise Räder aus Bambus von MyBoo.

Bambus-Pedelec mit Gates-Riemen

myboo-teamEs macht Spaß zu sehen, wenn sich gute Konzepte über die Jahre hinweg bewähren und wachsen. So beispielsweise auch MyBoo aus Kiel, die ich schon ein paar Jahre beobachte.

MyBoo stellen nachhaltige Räder aus Bambusrohren her, die in Ghana nach präzisen Vorgaben gefertigt werden und auf diese Weise sinnstiftende Arbeitsplätze vor Ort in Ghana schaffen.

Nach den ersten Rädern ist MyBoo mittlerweile auf dem Weg in Richtung Vollsortimenter, beispielsweise haben die Norddeutschen mit dem “my Volta Gates” ein Bamusrahmen-Pedelec mit Shimano-Antrieb und Gates-Riemen im Angebot. Der Besuch am Stand und die kurze Probefahrt mit dem “my Volta Gates” waren mir ein besonderes Vergnügen.

Publikumsvoting

copenhagen_wheelSuperpedestrian, Produzent des Copenhagen Wheel hat sich entschieden, das Wheel auch in einer anderen Farbe als rot anzubieten. Noch nicht entschieden war, welche Farbe es sein soll. Aus den drei zur Verfügung stehenden sollten die Eurobike-Besucher den Favoriten bestimmen. Mein Favorit ist das dunkle grau, ich bin gespannt welche Farbe letztendlich das Rennen machte.

CEO Assaf Biderman sprach mit mir über die interessanten Zukunftsperspektiven für das Copenhagen Wheel und den Plänen, die zu der B2B-Initiative geführt haben.

Bikepacking

blb_hitchhikerBei Brick Lane Bikes (BLB) stand ein Gravelbike auf Basis des neuen Stahrahmensets “Hitchhiker” für mich im Mittelpunkt. Zwar nicht elektrifiziert aber versehen mit einem passenden Taschenset zog es meine Blicke wie magisch an.

Meine glänzenden Augen blieben auch Peter von BLB nicht verborgen und so entspann sich ein sehr entspanntes aber anregendes Gespräch über Stahlrahmenräder im allgemeinen und Pedelecs im Besonderen. Peter erzählte, dass er sehr beeindruckt vom Pedelec-Boom auf dem Kontinent sei und davon ausgehe, das der Trend langsam aber sicher auch auf die Insel überschwappen würde. Ich meinte, das ein Gravelbike auf Basis des Hitchhiker-Rahmens, versehen mit einem Copenhagen-Wheel doch sicher eine sehr interessante Kombi wäre. das brachte Peter zum Nachdenken, mal sehen…

Fazit

Wie bereits im ersten Teil meines Rückblicks angedeutet fanden weniger Besucher den Weg zur diesjährigen Eurobike als das im letzten Jahr der Fall war. Besonders am Sonntag, dem ersten Messetag, fiel mir das besonders auf: Der sonst übliche Messestau war nicht vorhanden und an den Radständer war noch genügend Platz.

Die vergleichsweise leeren Gänge machten die Wege zwischen den einzelnen Terminen für mich entspannter. Am dem zweiten Messetag füllten sich die Hallen aber fühlbar. Trotzdem waren alle Aussteller, mit denen ich sprach, zufrieden mit dem Interesse, alle Gesprächstermine seien gut gebucht gewesen. 

Das Konzept, die Pedelec-Themen in möglichst eine Halle zu bündeln hat für mich persönlich einen großen Vorteil: Die Wege zwischen den Gesprächsterminen waren nicht so lang. Auf der anderen Seite bringt das aber auch einen Nachteil mit sich: Man “stolpert” weniger zufällig über interessante Ausstellungsstücke, die nicht direkt mit dem Thema Pedelec zu tun haben.

[Text, Fotos & Video: VeloStrom]

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Alexander Theis

Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VeloStrom.de
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