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Messen & Veranstaltungen

Rückblick Fahrrad Essen: Ganz im Zeichen von Lastenrad und Pedelec

Lesezeit etwa 9 Minuten

[at] Die Fahrrad Essen ist mit einem Besucherplus ins Ziel gerollt: Rund 83.000 Besucher (2017: 80.000) kamen, sahen und kauften auf Nordrhein-Westfalens größter Fahrradmesse. Im Mittelpunkt standen Pedelecs zahlreicher Hersteller.

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E-Bikes und Pedelecs lagen in der Besuchergunst mit 51 Prozent ganz vorne und legten um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Auf den weiteren Plätzen folgten radtouristische Angebote wie das radrevier.ruhr mit seinem 1.200 Kilometern Radwegenetz und Radfahrerzubehör.

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Kompaktes Lastenrad Chike

Als alternatives Verkehrsmittel gewinnen vor allem Lastenräder an Bedeutung, die das Fahrrad mit einer großzügigen Transportmöglichkeit kombinieren – ideal für größere Ausflüge und Einkäufe. Auf der Fahrrad Essen würdigten eine herstellerübergreifende Sondershow und ein Lastenradrennen in Halle 6 diese Entwicklung.

Radfahren gewinnt an Relevanz

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Entscheidungshilfe der Verbraucherzentrale NRW

„Das Thema Fahrrad gewinnt an gesellschaftlicher Relevanz. Wir spürten dieses Jahr ein deutliches ‚Umparken im Kopf‘ bei vielen Gesprächen auf der Messe – aber auch am sehr großen Interesse für Elektrorad-Konzepte. Gerade in den Städten setzen sich immer mehr Menschen ernsthaft mit alltagstauglichen und flexiblen Alternativen zum Auto auseinander“, fasst Hartmut Ulrich, Leiter im RadClub Deutschland, die aktuelle Entwicklung zusammen.

Auch das Fazit von Messechef Oliver P. Kuhrt ist positiv: „Fahrradfahren boomt, das merken wir sehr deutlich an der Resonanz unserer Aussteller und Besucher. Mit der Fahrrad Essen bieten wir die passende Messe im größten urbanen Ballungsraum Deutschlands.“

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Polizei-Pedelec (Klicken zum Vergrößern)

 

 

Zum Thema “Brauche ich ein Pedelec?” bot die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen eine toll gemachte Entscheidungshilfe und direkt nebenan informierte die Polizei gemeinsam mit der Verkehrswacht unterhaltsam mit einem Quizz-Duell über verkehrsgerechtes Verhalten.

Nachwuchs begeistert

fahrrad_essen_radtrialWer sich auf dem “Kids-Parcours” umschaute staunte nicht schlecht: Zahllose Knirpse waren dort auf Rad oder Laufrad unterwegs, bezwangen Wippen oder Slalomstrecken und hatten ganz offensichtlich sehr viel Spaß dabei – und die zusehenden Eltern augenscheinlich auch.

Bestimmt kamen einige der Kids auch in Halle 6 auf den Geschmack, wo Trial-Radler bei ihren Vorführungen Rad- und Körperbeherrschung vom Feinsten boten. Es war fast so, als wären die Grenzen der Physik aufgehoben. Radfahren uncool? So dargeboten sicherlich nicht!

youmoEin besonderes Pedelec, das ganz offensichtlich besonders auch das jüngere Publikum (aber bei weitem nicht nur) begeisterte kam aus der Schweiz nach Essen: Beim YouMo handelt es sich um einen wirklich coolen Cruiser, der in verschiedenen Varianten verfüg- und individualisierbar ist.

Wie ich auf einer Probefahrt auf dem Parcours feststellen konnte ist die Sitzposition bequemer als sie auf den ersten Blick aussieht. Das Bike ist außerdem mit hochwertigen Komponenten technisch absolut auf dem aktuellsten Stand.

Eine Messe zum Ausprobieren und Kaufen

probefahrtparcoursFür viele dieser Besucher war die Trend-Arena in Halle 7 die erste Anlaufstelle: Dort präsentierten bekannte Hersteller ihre Premiummodelle für besonders anspruchsvolle und sportliche Radfahrer. Mit mehreren Parcours bot die Fahrrad Essen Raum, um das Wunschrad vor dem Kauf ausgiebig zu testen. Besonders beliebt waren der E-Bike-Testparcours in Halle 7 und der Jedermann-Testparcours für Fahrräder ohne E-Antrieb in Halle 6.

Insgesamt 3.233 Testfahrer erlebten die Probefahrt per Pedelec. „Erstmalig wurde der Parcours zentral in der Halle 7 angeordnet. Damit stand die Probefahrt im Mittelpunkt dieser Messehalle “, resümiert Hannes Neupert (1. Vors. ExtraEnergy e.V.) zu dem gelungenen ExtraEnergy Rahmenprogramm 2018. „Alle Aussteller der Halle 7 konnten den ExtraEnergy Testparcours nutzen. Durch die zentrale Anordnung war der Zugang sehr einfach.” 

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Velodeville: Rahmen in Wunschfarbe

ExtraEnergy brachte 39 Räder aus dem ExtraEnergy Pedelec und E-Bike Test mit. „Die Testfahrer waren meist positiv überrascht, dass sie die Pedelecs so lange Probe fahren konnten, wie sie wollten”, berichtete Rotsy Ratsiorimanana, Head of Test IT Show Management, Extraenergy.org.

Angebot und Programm passten zu den Wünschen der Besucher, deren Kauftätigkeit leicht stieg: 77 Prozent kauften oder bestellten auf der Messe oder schlossen dies im Verlauf ihres weiteren Besuchs nicht aus. Nicht miteingerechnet ist das Messenachgeschäft. 

Spannen dabei fand ich persönlich, dass man immer wieder breit strahlende Gesichter aller Altersklassen sah, die das auf der Messe neu erworbene Rad durch die Hallen schoben. Sicherlich sorgten auch die teils sehr attraktiven Messepreise für regen Umsatz bei den Ausstellern.

Großes Interesse an Zubehör

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Faszinierend: Beim Druck um die Rundung wird das Bild nicht verzerrt!

manybellsBegehrt waren Radfahrerzubehör wie Bekleidung und Helme, E-Bikes und Pedelecs sowie Fahrradzubehör wie Lenker und Ketten oder farbenfrohe Klingeln, beispielsweise von manybells.com.

Deren Geschäftsführer André Sibering wollte mir beim Gespräch aber dann doch nicht die Technik hinter seinen individuell bedruckbaren Klingeln verraten: Das Bild umfasst auch die Rundungen der Klingel – ohne zu verzerren!

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An alles gedacht: Tasche von Xover (Klicken zum Vergrößern)

Ein etwas anderes Taschenkonzept habe ich am Stand von X-Over erlebt:

Mit einem durchdachten Trägersystem sind die Taschen im ungewöhnlichen dreieckigen Schnitt schnell und sicher am Rücken fixiert ohne beim Radfahren zu stören. In verschiedenen Größen und Farben verfügbar sind sie nicht nur für Kurierfahrer interessant.

Eine Besucherin war nach der Anprobe begeistert: “Das Gewicht in der Tasche ist wirklich super gleichmäßig verteilt. Und mit ein wenig Übung habe ich die Tasche sicher bald genau so schnell im Griff wie der Verkäufer!”

Die “Fahrradgarage” ich am Stand der Schraeder GmbH hat mich sehr beeindruckt: Der Fahrradsafe heißt nicht von ungefähr so, er macht einen sehr stabilen Eindruck, ist exquisit verarbeitet und sehr ansprechend gestaltet.

fahrradsafeDer Zugang zum Fahrradsafe erfolgt per Schlüssel, RFID-Token, Pin-Code oder Smartphone-App.

Vornehmlich für den öffentlichen Bereich konzipiert macht der Fahrradsafe aber auch vor dem heimischen Domizil die sichere Unterbringung selbst von Lastenrädern oder Velomobilen möglich. Und sieht dabei auch noch gut aus!

Verleihung des Deutschen Fahrradpreis

Anlässlich der Fahrrad Essen veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Kreise und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen (AGFS) ihren jährlichen Kongress, der sich um das Thema „Infrastruktur: Konkret“ drehte. Auf dem Programm standen beispielsweise Fahrradstraßen und das RadLand NRW. Im Anschluss fand die Verleihung des Deutschen Fahrradpreises statt, der unter anderem an den Schauspieler Hannes Jaenicke als fahrradfreundlichste Persönlichkeit des Jahres ging.

Reisen und Radfahren gehört zusammen

– das bestätigen die Besucher der Fahrrad Essen: Mit 45 Prozent bezeichnet sich die Mehrheit als Urlaubstyp Fahrradfahrer. Das sehen natürlich auch Radreiseveranstalter so, wie mir Ruth Entrup, Product Manager E-Bike Tours bei edelweissbicycle.com im persönlichen Gespräch verriet.

Wem Edelweiss-Bike-Tours an dieser Stelle irgendwie bekannt vorkommt liegt vollkommen richtig: Edelweiss-E-Bike-Tours ist ein seit 37 Jahren tätiger, sehr bekannter Anbieter von Motorrad-Reisen und erweitert sein Portfolio nun auf den Pedelec-Sektor. Natürlich mit den bekannten Qualitätsansprüchen. So kommt als Leihpedelec beispielsweise das NEVO von Riese und Müller mit NuVinci-Nabe und kraftvollen Bosch Performance CX-Motor zum Einsatz.

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B Turtle, aufblasbares Zelt aus Österreich, auf einem Radhänger montiert.

Parallel zur Fahrrad Essen fand in der Messe Essen NRWs größte Urlaubsmesse Reise + Camping statt. 75 Prozent der Besucher beider Veranstaltungen gefällt die Kombination sehr gut, vier Prozent mehr als im Vorjahr, so de Veranstalter.

Beide Themen passen prima zusammen, und so konnte man in den Hallen natürlich auch verschiedene Zelte unter die Lupe nehmen.

Das interessanteste Konzept in diesem Zusammenhang war für mich B Turtle das aufblasbare Zelt, montiert auf einem Fahrradanhänger des österreichischen Herstellers Gentle Tent aus Wien.

Das Zelt verfügt statt eines Stahl- oder Fiberglasgestänge über Luftschläuche und ist mit einer Luftpumpe in wenigen Augenblicken aufgepumpt. Bei der Messe kam jedoch ein elektrischer Kompressor zum Einsatz, was das Prinzip in wenigen Sekunden verdeutlichte.

Hier das kurze Video dazu:

 

Ausstellerstimmen

Jörg Lange, Projektmanager Media Relations/PR, Riese & Müller:

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Riese und Müller Supercharger

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Fahrrad Essen. Besonders der intensive Austausch und der direkte Kontakt zu unseren Endkunden waren uns während der Messe wichtig. Das Angebot, die neuesten Riese-&-Müller-Bikes auch direkt vor Ort zu testen, wurde sehr gut angenommen.

Besonders unser Packster 40, ein E-Cargo-Bike mit einer 40-cm-Ladefläche und einem Gesamtgewicht von unter 30 kg, konnte die Kunden überzeugen. Ein Highlight war aber auch das Supercharger. Ein E-Bike mit zwei vollständig in den Rahmen integrierten Akkus und einer Gesamtkapazität von 1.000 Wh. Damit können nicht nur längere Touren, sondern auch deutlich mehr Höhenmeter erreicht werden.”

Dirk Nissen, Gebietsleiter, BERGAMONT Fahrrad Vertrieb:

„Das Messepublikum war heterogen, insbesondere zum Wochenende wurde es jünger. Gefühlt waren es mehr Besucher als im vergangenen Jahr, wir hatten viel zu tun. Mein Eindruck von der Messe ist, dass die Wertigkeit des Fahrrads einen höheren Stellenwert erfährt. Die Beratung nimmt zu, und der Besucher ist bereit, mehr Geld für ein qualitativ hochwertiges Bike auszugeben. Die Kunden haben klare Vorstellungen und wissen, dass das richtige Produkt nicht immer das günstigste ist.“ 

[Fotos: Messe Essen|Rainer Schimm (2), Messe Essen |Schuchrat Kurbanov (1), VeloStrom, Video: VeloStrom]

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Alexander Theis

Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VelΩstrΩm.
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