Lucas Toledo, CEO von Gi FlyBike
Interview Neues aus der Szene

Gi FlyBike: Interview mit CEO Lucas Toledo

Lucas Toledo, CEO von Gi FlyBike
Hat allen Grund zur Freude: Lucas Toledo, Geschäftsführer von Gi FlyBike

[at] Ich hatte die Gelegenheit Lucas Toledo, Geschäftsführer und Mitbegründer von Gi FlyBike ein paar Fragen zu stellen.

Das Gi FlyBike legte letzte Woche einen fulminanten Start auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter hin: Binnen weniger Stunden war das Funding-Ziel von 75.000 US-Dollar erreicht, zur Zeit steht die Fundingsumme bei mehr als 142.000 US-Dollar! Und es sind noch 28 Tage bis zum Ende der Kampagne.

Nun setzt das argentinische Gi FlyBike-Team um Lucas Toledo, Agustín Augustinoy und Eric Sevilla konsequent den nächsten Schritt und geht als David zusammen mit Goliath ins Rennen: Die Jungunternehmer geben eine exklusive Partnerschaft mit der chinesischen Yadea Technology Group, einem der weltweit führenden Produzenten und Vertreiber von E-Bikes und E-Scootern, bekannt. Damit zeichnet Yadea alleinig für die Produktion des innovativen Smartbikes verantwortlich.

Trotz des Trubels um das Gi FlyBike fand Lucas Toledo, Geschäftsführer und Mitbegründer, Zeit, mir ein paar Fragen zu beantworten.

Alexander Theis: Lucas, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum wirklich beeindruckenden Start eurer Kickstarter-Kampagne! Wie kamt ihr zum Name eures Projekts „Gi FlyBike“?

Lucas Toledo: Vielen Dank, Alex! Lass und zunächst mit „Gi“ beginnen. Es steht für „Great Insights“ und repräsentiert eine Säule unseres Unternehmens: Kreative Lösungen für wichtige Fragen zu finden. Der zweite Teil des Namens „FlyBike“  bezieht sich darauf, dass und wie sich das Rad von anderen Fahrrädern unterscheidet. Natürlich ist das FlyBike im Kern immer noch ein Fahrrad, aber es ist auch soviel mehr. Gi FlyBike verbindet dich mit Raum und Zeit in einer Weise, wie es ein herkömmliches Rad nicht vermag. Zum Beispiel erlaubt es die GI FlyBike App, das Rad, termingesteuert, an Freunde zu verleihen. Und es verbindet dich mehr mit der Umwelt als ein anderes Rad. Natürlich berührt das Gi FlyBike wie ein normales Rad mit den Rädern den Boden und du fühlst den Fahrtwind im Gesicht. Aber im Gegensatz zu einem normalen Fahrrad zeigt dir das Gi FlyBike wie viel Co2 du der Umwelt durch das Fahren mit dem FlyBike erspart hast. FlyBike ist bestrebt, das Empfinden für die Fahrt mit dem Rad einzufangen und zu bewahren.

AT: Das Gi FlyBike besteht aus Aluminium, wo wird es produziert?

LT: Wir sind unglaublich begeistert, das wir eine Partnerschaft zur Herstellung des Gi FlyBike mit der Yadea Technology Group bekanntgeben können. Bei der Yadea Technology Group handelt es sich um einen weltweiten Titanen im Bereich von Serienfertigung und -Vertrieb von Elektrofahrzeugen. Yadea hat 17 Jahre Erfahrung im Bereich der E-Bike-Industrie und verkauft mehr als 3,2 Millionen Fahrzeuge jährlich in mehr als 57 Länder. Mit Hilfe von Yadea wird das Gi FlyBike schneller den globalen E-Bike-Markt erreichen. Der Firmensitz von Yade ist China, verteilt auf vier Haupt-Produktionsstätten in Jiangsu (Hauptsitz), Zhejiang, Tianjin und Guangdong. Alleine in China besitzt Yadea einen Marktanteil von 10-15% im Markt der Elektrofahrzeuge und bietet damit dem FlyBike einen Marktzugang zum weltweiten größten Markt für E-Bikes. Agustín Augustinoy, Co-Gründer und CTO von Gi, wird in China sehr eng mit dem Produktionsteam von Yadea zusammenarbeiten um die erste Serie der FlyBikes zu produzieren. Mit der großen Erfahrung im Herstellen von E-Bikes im Rücken ist Yadea der ideale Partner, das komplexe Design des FlyBikes Realität werden zu lassen. Dabei ist es sehr wichtig, das Yadea unsere Verpflichtung zur Qualität und High-Performance teilt und mal um mal beweist, dass es zu einem der führenden Anbieter der E-Bike-Welt zählt.

AT: Wie wird der Vertrieb des FlyBike erfolgen? Sind Ladengeschäfte geplant?

LT: Wir haben bereits jetzt Verbindungen zu hunderten Distributoren weltweit aufgebaut und sind gerade dabei, die Partnerschaft mit diesen Distributoren zu besiegeln. Natürlich arbeiten wir auch hart daran, Partnerschaften mit Händlern rund um die Welt aufzubauen, die als zertifizierte Händler das FlyBike verkaufen werden.

AT: Wie werden Kunden an Ersatzteile kommen, falls welche benötigt werden?

LT: Unsere Kunden können Ersatzteile über unsere zertifizierten Händler beziehen. Wir haben bereits Partnerschaften mit einigen zertifizierten Händlern in verschiedenen Orten rund um die Welt und wir werden in den kommenden Wochen weiter hart daran arbeiten, diese Partnerschaften zu festigen.

AT: Das Rad ist ein Single-Speed. Plant ihr eine Version mit Schaltung?

LT: Technisch gesehen ist das Gi FlyBike kein Single-Speed-Bike. Vielmehr kannst du mit dem Gi FlyBike mit Hilfe der Gi FlyBike-App den Grad der Unterstützung durch den Pedelec-Antrieb jederzeit beeinflussen. Auf diese Weise kann jeder Fahrer frei wählen, wie schnell er fahren will. Wir haben auch über einen Version mit Gangschaltung nachgedacht und es ist definitiv eine Option für die Zukunft. Doch zunächst ist das Gi FlyBike ein „Urban Bicylce“. Wir wollen ein minimalistisches Design verwirklichen und unseren Kunden, das was sie benötigen, ohne Übermaß oder Zwang bieten.

AT: Warum habt ihr euch für mechanische Scheibenbremsen statt für hydraulische entschieden? Ich vermute wegen der automatischen Verriegelung?

LT: Die Züge für die Bremsen verlaufen innerhalb des Rahmens. Durch den Faltmechanismus können wir die zuverlässige Funktion von hydraulischen Scheibenbremsen beim aktuellen Design des Rades nicht garantieren.

AT: Wie funktioniert die automatische Verriegelung?

LT: Innerhalb des Fahrrades stellt ein Sensor fest, wie weit das Smartphone des Besitzers vom Gi FlyBike entfernt ist. Beträgt die Entfernung mehr als 5 Meter wird die automatische Verriegelung aktiviert.

AT: Wie wird verhindert, dass das Rad während der Fahrt automatisch verriegelt wird?

LT: Das Verriegelungssystem, egal ob automatisch oder manuell, funktioniert nicht, wenn sich die Räder bewegen. Das wird durch einen Sensor an jedem Rad sichergestellt, der den Status der Räder permanent an den Verriegelungssensor weitermeldet. Eben so wenig wird das Rad verriegelt, wenn der Akku leer ist. Es ist auch unmöglich, das Rad während der Fahrt zu falten: Der Faltmechanismus ist so konstruiert, dass er sich selbst verriegelt, sobald das Rad mit dem Fahrer bzw. einem Gewicht mit mehr als ca. 2 kg belastet wird.

AT: Die gesamte Steuerung erfolgt über das Smartphone des Besitzers. Was passiert, wenn das Smartphone verloren geht oder defekt ist? Kann ich die automatische Verriegelung mit einem neuen Smartphone deaktivieren?

LT: Mit deinem Gi FlyBike erhälst du einen speziellen USB-Key, der für jedes Bike einmalig codiert ist. Wenn du den USB-Key in den USB-Port des FlyBikes steckst, entriegelt sich das Rad und du kannst es mit den zuletzt getroffenen Einstellungen fahren. So ist sichergestellt, dass du auch dann mit dem FlyBike fahren kannst, wenn dein Smartphone defekt ist.

AT: Ich vermute, alle Benutzerdaten werden in der Cloud gespeichert. Wie sicher sind diese Daten gegen Diebstahl oder Missbrauch, zum Beispiel dem Erstellen von Bewegungs-Profilen?

LT: Wir sichern nur die Daten der letzten Fahrt komplett, danach bleiben nur die Fitness- und nicht die Bewegungsdaten erhalten. In jedem Fall aber werden alle Daten SSL-verschlüsselt und gesichert auf Amazon-Servern gespeichert.

AT: Das Feature mit der Navigations-App familienfreundliche Fahrradrouten zu erstellen klingt super! Welche Kartenbasis benutzt ihr?

LT: Zur Zeit nutzen wir Google-Services, da diese die meisten und zuverlässigsten Informationen in Bezug auf Fahrradwege bieten. Wir arbeiten aber auch daran, andere Kartensysteme zu integrieren.

AT: Kommen wir mal zum Akku, wie groß ist dessen Kapazität?

LT: Das Gi FlyBike besitzt einen speziellen Akku, bestehend aus Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LiFePo4) von Samsung mit 6 Ah und 234 Wh.

AT: Im FlyBike ist eine Lademöglichkeit für das Smartphone integriert. Wird der Strom dafür aus dem Akku bezogen?

LT: Ja, die Energie zum Laden des Smartphones wird aus dem Akku des FlyBikes bezogen.

AT: Soweit ich sehen kann, besitzt das FlyBike keine Schutzblechen. Als Allwetterfahrer interessiert mich natürlich ob Schutzbleche, beispielsweise als Zubehör, angeboten werden.

LT: Wir arbeiten gerade an einer Reihe von Zubehörteilen für das Gi FlyBike, die kurz nach Ende der Kickstarter-Kampagne angeboten werden. Die ersten verfügbaren Zubehörteile werden Schutzbleche sein.

AT: Letzte Frage: Wie kann die Sitzhöhe beim Gi FlyBike justiert werden?

LT: Mit den Spezialschrauben kannst du den Sattel um einige Grad verstellen. Außerdem haben wir Stahlgestänge in verschiedenen Größen um die Sitzhöhe anzupassen.

AT: Lucas Toledo, vielen Dank für das Gespräch! Ich wünsche euch weiter viel Erfolg mit dem Gi FlyBike!

[Das Interview wurde in englischer Sprache geführt und vom Autor übersetzt]

Weitere Informationen sind im Internet unter www.giflybike.com zu finden.

 

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Alexander Theis

Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VelΩstrΩm.
Alexander Theis

2 Kommentare

  1. Wie soll das mit dem radial eingespeichten Vorderrad und der Scheibenbremse funktionieren? Zudem eiert das Vorderrad im Werbevideo, aber ist hoffentlich nur ein Prototyp 😉

    1. Hallo Georg,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich gehe auch davon aus, das es sich um einen Prototypen handelt. 😉
      Lucas Toleda spricht wohl bewusst im Interview vom „komplexen Design des FlyBikes“.

      Gruß
      Alex

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