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Das Besondere

Konzept: Lastenrad mit Wippantrieb aus Österreich

Lesezeit etwa 5 Minuten

[at] Manchmal bedarf es radikal anderer Denkansätze. Michael Thalhammer aus Wien hat das getan, das Ergebnis: Das Konzept eines Lastenpedelecs mit Wippantrieb.

Der Österreicher entwarf ein Lastenrad mit einer halbaufrechten Liegeposition. Das Dach verfügt über Solarzellen und unterstützt den Pedelec-Akku, der Antrieb erfolgt mittels einer Wippkonstruktion. Es ist auch als Tandem oder zum Kindertransport einsetzbar.

Wippen statt Kurbeln

rad_wippantrieb_2Ein Wipphebelantrieb mit 6fach-Schaltung ersetzt die übliche Hinterradschaltung und kann  mit einer 3er-Kettenblattschaltung kombiniert werden. Die Schaltung bietet eine sowohl für Berg- wie auch Talfahrten geeignete Gesamtübersetzung und macht dabei Schaltvorrichtungen am Lenker überflüssig: Geschaltet wird per Druck mit dem Fuß.

Im Hinterrad befindet sich ein Pedelec-Antrieb, welcher die optimale Umsetzung der Beinarbeit in Energie unterstützt. Weitere Vorteile sind laut Thalhammer auch die leichtere Erlernbarkeit des Wippantriebs, sowie das Erreichen der Wunschübersetzung durch das einfache Austauschen weniger Teile.

Tandem

Ein über den Tretachspunkt hinaus verlängerter Hebelarm ermöglicht es eine erweiterte Pedalmechanik für einen zweiten Fahrer anzubringen. Dies wird durch den gestreckten Fahrradrahmen und die Anbringung eines Zweitanlehnesattels sowie einem zusätzlichen Paar Gleithülsen samt Pedalen erreicht. Optional können diese Aufsätze bei Single-Fahrten auch abmontiert und stattdessen ein Gepäckkorb montiert werden.

Der zweite Fahrer tritt beim Wippantrieb in gegengleichem Rhythmus mit, wobei der jeweilige Gang individuell und unabhängig voneinander ausgewählt werden kann.

Lehnsattel

Im Gegensatz zu klassischen Rädern, auf denen man meist mit gekrümmtem Rücken sitzt und Liegerädern, auf denen man sich zu nahe am Asphalt befindet, bieten Räder mit Rückenlehnen nach Ansicht von Michael Thalhammer zahlreiche Vorteile. Etwa das Verhindern eines Abgangs über den Lenker im Falle eines Sturzes, eine höhere Sicherheit durch einen entsprechenden Gurt sowie den möglichen Schutz des Kopfes bei Unfällen.

Auch das Sitzproblem auf vielen herkömmlichen Sätteln soll gelöst sein: Zwei längliche, sogenannte Gesäßbackenschalen bewegens ich bei der Wippbewegungen mit und sollen für einen äußerst hohen Sitzkomfort  vor allem bei längeren Fahrten sorgen.

Zwei je am Vorder- und Hinterrad angebrachte U-Bügel dienen als Klappständer und sorgen auch bei Sturm für optimale Standfestigkeit.

Wetterschutz

rad_wippantrieb_1Um das Fahren bei Hitze sowie Regen attraktiver zu machen, kommt ein waagrechtes, optionales, Wetterschutzdach mit Alurahmen ins Spiel: Dieses ist aerodynamisch geformt und erzeugt aufgrund einer photovoltaischen Folie auf dem Dachrahmen (grundsätzlich auch als Rolljalousie ausführbar) elektrische Energie.

Der vom Dach erzeugte Strom wird in den im Rahmen integrierten Solar-Akku eingespeist, der seinerseits die Beleuchtung versorgt.  Die ca. 150W -PV-Folie “erntet” den ganzen Tag und auch bei diffuser Wetterlage- Tageslicht-Strom.

 

 

Sportlichen Radfahrern könnte dieses Aufsatzdach auch ohne E-Antrieb gefallen, mit Perlonstoff anstatt PV-Folie bespannt wiegt es nur ca. 700g.

Michael Thalhammer: “In einer längeren Testphase fuhr ich ein solches [Dach] problemlos – auch bei kräftigen Windstößen. Zur Nachrüstung wäre so ein Dach – hinter der Sattel-Anlehne oder am Lenkerschaft anklickbar – allemal ein Gewinn.”

Auch für Radfahrer ohne E-Antrieb könnte die Solardachvariante von Interesse sein: Die gelieferte Energie ließe sich beispielsweise zum Betrieb von Smartphone oder Navi nutzen. 

Handfederung

Um Belastungen im Handgelenk zu reduzieren, könnten zur Stoßmilderung in den Lenkgriffen bzw. deren Übergängen zum Lenkbügel hin je eine zylindrische Rohrstopfen-Verbindung aus einem Elastomer eingelassen sein. Diese steif-elastische Brücke könnte abhängig vom Gewicht einer Person erhältlich sein bzw. Individuell eingelassen werden.

Lastentransport

Der Bereich hinter der Rückenlehne des Fahrerplatzes bietet Platz für Gepäck in einem Streckgitterkorb mit Klappdeckel oder ein bis zwei Kinderplätze. Der Korb ist abnehnmbar und kann auf vier Lenkrollen gezogen werden. Der Klickverschluss zum Abringen auf dem Rad ist genormt und somit auch beispielsweise für die erwähnten Kindersitze geeignet.

Im Cargobereich lassen sich zudem 3-Rad-Anhänger mit eigenem E-Motor für Schwerlasttransporte wie zum Beispiel Carla Cargo ankuppeln, deren Dachabdeckung ebenso mit einer Photovoltaik- Folie bestückt werden könnte.

Diebstahlschutz

Durch ein in den Rahmen integriertes, herausziehbares Stahlkabelschloss, sowie einer mechanischen Schnell-Wegfahrsperre kann das Rad gegen Diebstahl gesichert werden. Die Schlösser dieser beiden Diebstahlsicherungen sind gleichschließend, womit nur ein Schlüssel notwendig ist. Ebenfalls denkbar ist eine elektronische Verriegelung mittels einer App, gemeinsam mit einem akustischen Alarmd und einer “Auffindfunktion”.

Michael Thalhammer versteht sich als Ideengeber: “Jede Firma kann diese Ansätze zu einer Produktlinie der Marke ausbauen. Es gibt keine Patente und keine strikten Bedingungen. Für Feedback, Kritik und technische Anregungen stehe ich gerne zur Verfügung.”

Tiefer gehende Informationen sind online unter www.tubewaysolar.at zu finden.

[Abbildungen: Michael Thalhammer]

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Alexander Theis

Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VelΩstrΩm.
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