Frau mit mehreren Kleidungsschichten
Alltag Ra(d)tgeber

Ra(d)tgeber: Mit der Zwiebeltaktik gegen Regen und Kälte

Frau m it verschiedenen Kleidungsstücken
Das „Zwiebelprinzip“ hat sich bewährt

[at] Auch wenn man mit dem Pedelec unterwegs ist, muss man treten und kann dabei durchaus ins Schwitzen geraten. Bei Regen oder Kälte, erst recht wenn beides zusammen kommt, kann das unangenehm werden.

Dagegen hilft die „Zwiebeltaktik“, dank moderner Hight-Tech-Fasern, heute noch besser als noch vor eingen Jahren. Doch auch der Alltagsradler sollte nicht am falschen Ende sparen, denn die Kleidung muss vielen Ansprüchen genügen: Sie soll Wärmeisolation, Wetterschutz und Atmungsaktivität bieten, gleichzeitig aber auch Tragekomfort und gute Sichtbarkeit gewährleisten. Die eventuell erprobte Wanderbekleiung auch auf dem Rad zu nutzen liegt dabei nahe. Jedoch machen gerade radspezifische Schnitte, wie verlängerte Rücken- oder Armpartien, hier oft den Unterschied zwischen Lust und Frust beim Radeln aus.

Stephanie Herrling vom Outdoor-Spezialisten Vaude (www.vaude.com) erläutert: „Das Mehrlagenprinzip hat sich als effizienter Kälteschutz bewährt. Dabei werden mindestens drei Kleidungsschichten aus atmungsaktiven Materialien übereinander getragen. Sie leiten die entstehende Feuchtigkeit von der Haut weg.“ Und nicht nur der Schweißtransport, auch die Temperatur lässt sich dank Zwiebeltaktik Schicht für Schicht regulieren.

Mensch in Funktionsunterwäsche
Die sog. „Baselayer“: Unterwäsche aus Funktionsfasern
1. Lage: Feuchtigkeitsregulation

Auf der Haut wird der durch verdunstenden Schweiß verursachte, unerwünschte Kühlungseffekt besonders schnell unangenehm. Deshalb besteht die Hauptaufgabe der ersten Lage darin, den entstehenden Schweiß möglichst schnell an die darüber getragene Kleidungsschicht weiterzugeben. Laut Dieter Schreiber vom US-amerikanischen Radbekleidungshersteller Giro (www.grofa.com) begünstigt enganliegende Wäsche den Feuchtigkeitstransport. Gefertigt ist solche Wäsche aus synthetischen Materialien oder immer häufiger aus kratzfreier Merinowolle, die im Gegensatz zur Baumwolle das Klimamanagement beherrscht. Der im Stoff verbleibende Schweiß hinterlässt im Unterschied zu synthetischen Produkten zudem kaum Geruchsspuren. So setzen auch Hersteller wie Giro oder Vaude beim Thema Unterwäsche oft auf die tierische Wolle: „Im Unterschied zu synthetischen Fasern kann Merinowolle weitaus mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Auch in feuchtem Zustand fühlt sie sich trocken auf der Haut an und behält ihre wärmende Eigenschaft“, erklärt Stephanie Herrling. „Direkt auf der Haut getragen wie bei unserem ,Base Layer Crew‘, ist Merinowolle ein wirklich optimales Material“, bestätigt auch Schreiber.

 

Mann in wärmender Weste
Signalfarben sind auch bei der Weste sinnvoll
2. Lage: Wärmeisolation

Um das Thema „Wärmeisolation“ kümmern sich am besten mehrere Kleidungsstücke. Auf diese Weise können, je nach Temperaturempfinden, einzelne Lagen ausgezogen oder ergänzt werden. Am besten eignen sich leichte und dehnbare Unterzieher bzw. Trikots wie das „LA High Neck Zip-up“ von Giro (149,95 Euro) oder stärker wärmenden Oberteile aus dünnem Fleece-Material dazu. Wenn es richtig kalt wird, bietet sich wattierte Kleidung auch auf dem Fahrrad an. Hier spielt Primaloft, ein aus dem Bersport bekanntes Füllmaterial, seine Vorteile aus: Es lässt sich besonders klein komprimieren, ist leicht und speichert trotzdem Körperwärme sehr gut. Mit gut 25 Gramm dieses Materials ist etwa die sehr leichte „Insulated Vest“ von Giro gefüttert. Die Weste in weit sichtbarem Signalrot oder dezentem Grau kostet 169,95 Euro und eignet sich auch sehr gut um bei einer Pause das Auskühlen zu verhindern.

Ein Jacke mit Kaputze
Die oberste Schicht: Wetterfeste Jacke
3. Lage: Wetterschutz

Die oberste Schicht schließlich bildet eine atmungsaktive Wind- oder Regenjacke. Den besten Kompromiss aus Atmungsaktivität und Wetterschutz bieten übrigens Softshell-Jacken. „Sie eignen sich gleichermaßen als Isolations- und Schutzschicht. Lediglich bei starkem Regen sollten sie mit einer klassischen Regenjacke kombiniert werden“, erläutert Stephanie Herrling. Wenn sich die Ärmel bei einer solchen Jacke noch abzippen lassen, kann man sich der Witterung noch besser anpassen.

Warm von Kopf bis Fuß

Im Sommer ist der kühlende Luftstrom der Belüftungsöffnungen am Helm höchst willkommen, stört bei kalter Witterung das Komfortempfinden jedoch enorm. Dagegen hilft eine sogenannte „Unterziehmütze“: Diese Art Mütze ist mit besonders flachen Nähten ausgestattet, damit es beim Tragen unter dem Helm nicht zu unangenehmen Druckstellen kommt. Durch die Verwendung von hochatmungsaktivem aber winddichtem Materiel kann die Mütze sehr dünn gehalten werden und trägt deshalb unter dem Helm kaum auf.

Helm "Urbanaut" von Abus
Ein Radhelm der auch für`s Skifahren zugelassen ist: „Urbanaut“ von Abus

 

Gehört auch das Skifahren zum Hobby könnte ein besonderer Helm von Abus interessant sein: Der „Urbanaut“ schützt mit verschließbare
Lüftungsöffnungen vor kalten Winden und ist, laut Torsten Mendel von Abus, „auch fürs Skifahren zugelassen, was für seinen Wintereinsatz spricht“.

Durch den permantenen Fahrtwind müssen besonders die Hände des Radfahrers vor Kälte geschützt werden. Wattierte HandsMann mit Regenbekleidung auf dem Fahrradchuhe wie das Modell „Syberia Gloves II“ von Vaude (55 Euro) halten die Hände auch bei Minusgraden warm und beweglich. Dafür werden Zeigefinger und Daumen, die für die Bedienung von Schaltung und Bremse frei beweglich sein müssen, separat verpackt. Die restlichen drei Finger kommen in eine gemeinsame Kammer, wodurch die Wärme besser gespeichert wird und die einzelnen Finger nicht so schnell auskühlen.

 

 

Regenhose mit Stulpen

Auch beim Beinkleid gibt es spezielle Herbst- und Wintermodelle: Im Look einer klassischen Alltagshose gehalten, bietet etwa die aus robustem Stretch-Material gefertigte City-Radhose „Lauca Windproof Pants“ von Vaude (130 Euro) dem Wetter Paroli. Im hinteren Bereich schützt sie vor Regen- und Spritzwasser; vorne ist die Hose laut Hersteller komplett winddicht und hält kalten Fahrtwind vom Bein. Die zum Schutz vor Kette und Kurbel hochgekrempelten Hosenbeine bringen die enganliegenden Stulpen der Hose zum Vorschein. Diese sind mit reflektierenden Elementen ausgestattet und erhöhen die Sichtbarkeit des Radlers im Straßenverkehr.

Regenüberschuhe

Wasserfestes Schuhwerk oder spezielle Radüberschuhe halten in der nasskalten Jahreszeit die Füße vor Regen- und Spritzwasser geschützt.

So gewappnet macht das Radfahren auch bei winterlichen Bedingungen Spaß.

Alexander Theis

Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VelΩstrΩm.
Alexander Theis

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