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Neues aus der Szene Zubehör

Smarter Fahrradhelm von Livall

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Leuchtet, zeigt die Abbiegerichtung an, spielt Musik, telefoniert, liest Textnachrichten vor und misst den Puls: Smarthelm von Livall (Klicken zum Vergrößern)

[at] Das Startup LIVALL aus dem chinesischen Shenzhen hat einen smarten Fahrradhelm entwickelt der mehr Menschen zum Tragen eines Fahrradhelms motivieren soll.

Kommte es bei einem Fahrradunfall zu Kopfverletzung sind Helmträger deutlich im Vorteil. Das zeigt eine Studie aus dem Oktober 2015 der US-amerikanischen Universität Arizona. Die Wissenschaftler hatten Daten von mehr als 6.200 Patienten, die nach einem Fahrradunfall ein Gehirntrauma erlitten ausgewerter. Die Daten stammen aus der National Trauma Data Bank (NTDB) aus dem Jahr 2012. Die Forscher ermittelten, das Fahrradhelmträger ein um 58% niedrigeres Risiko haben bei einem Fahrradunfall schwere Hintraumata zu erleiden als Nicht-Helmträger. Das Risiko für tödliche Hinrnverletzungen war gar um 60% niedriger, wenn ein Helm getragen wurde und auch das Risiko von Gesichtsverletzungen lag bei den Helmträgern um 26% niedriger.

Die deutsche Hannelore Kohl-Stiftung stellt fest: „Rund 37 % der bei Unfällen verletzten Radfahrer erleiden Kopfverletzungen. Rund 80 % der schweren Hirnverletzungen ließen sich durch das Tragen eines Helms vermeiden.“ Außerdem würde Reflektroren oder Rücklichter am Helm die Sicherheit erhöhen.

Helmträger uncool?

Die Anzahl der Helmträger der US-amerikanischen Studie lag bei den untersuchten Fällen bei nur rund 25%, in der Altersgruppe der 10-20-jährigen gab es besonders wenige Helmträger. Möglicherweise liegt das daran, das ein Helm in dieser Altersklasse als „uncool“ empfunden wird.

Und genau da setzt der Helm von LIVALL an: Ziel war es einen sicheren und smarten Helm zu entwickeln, der mit seinen zahlreichen Features gerade auch von Jugendlichen nicht als uncool empfunden wird. Die zweite Generation dieser smarten Helme wurde auf der gerade zu Ende gegangenen Eurobike in Friedrichshafen mit sieben neuen Designs vorgestellt.

Doch was genau macht diesen Fahrradhelm zum smarten Fahrradhelm?

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Beim BH60 gut zu sehen: Die Lautsprecher in Höhe der Ohren und das Bedienfeld samt Micro vorne am Helm (Klicken zum Vergrößern)
  • LED-Laufleisten an der Rückseite des Helms sorgen zum einen für ein besseres „gesehen werden“ und dienen zum anderen als Blinker
  • Im Helm sind Lautsprecher (2×0,5 Watt) eingebaut. Wird der Helm mit einem Smartphone via Bluetooth (BLE4.0, HFP/HSP/A2DP) verbunden, kann während der Fahrt Musik gehört werden.
  • Text-to-speech: Eingehende Textnachrichten werden automatisch in Ton-Nachrichten umgewandelt
  • Folgerichtig ist es auch möglich, Telefonate entgegenzunehmen, das notwendige Mikrofon ist in der Helmschale im Stirnbereich angebracht.
  • Walkie-Talkie-Funktion: Mehrere Helme können via Bluetooth verbunden werden. So können Eltern und Kinder beispielsweise während eines Ausflugs miteinander kommunizieren ohne herumbrüllen zu müssen.
  • SOS-Funktion: Bewegt sich der Fahrer während eines bestimmten Zeitraums nach einem Unfall nicht mehr, erfolgt automatisch die Kontaktaufnahme zu einer vorab bestimmten Telefonnummer
  • Die eingebaute Sensoren im Kopfbereich (nur Helm „BH81H“) machen einen Brustgurt zur Messsung der Herzfrequenz überflüssig
  • Foto-Dokumentation während der Fahrt
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Der Bediensatellit, „Bling-Jet“ genannt (Klicken zum Vergrößern)
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Smartphone-Halter und Bling-Jet am Rad montiert (Klicken zum Vergrößern).

Die Funktionen werden über eine App gesteuert, die sowohl für Android als auch iOS zur Verfügung steht und auch Tourendaten auf Basis des GPS-Signals aufzeichnet. Damit das Smartphone gut im Blickfeld liegt, ist eine spezielle Smartphone-Halterung erhältlich, die direkt am Vorbau befestigt wird und zusätzlich mit einem integrierten Akku (5.000 mAH) das Smartphone lädt. Außerdem ist die Steuerung über ein kleines Bluetooth-Modul „Bling-Jet“ genannt, möglich, das am Lenkerende befestigt wird. Der Akku des Bling-Jet hält mit 3.7V und 120mAH ca. 100 Stunden durch und ist über Mico-USB in ca. 2 Stunden geladen.

Der im Helm eingebaute Akku mit 380 mAH (1,4 Wh) soll für 10 Stunden Blinken und 3-6 Stunden Musikhören gut sein und in drei Stunden via Micro-USB geladen sein, die Standby-Zeit wird mit maximal 180 Tagen angegeben, das Helmgewicht beträgt zwischen 249g und 349g.

Hier ein Produktivdeo in englischer Sprache:

Nähere Informationen zum Smart-Helm von Livall sind online, leider nur in englischer Sprache, unter www.livall.com zu finden. Der Deutschlandvertrieb wird gerade aufgebaut.

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Kommentar:

Ich oute mich hier mal: Ich gehöre zu der ersten Generation, die auf dem Mofa einen Helm tragen musste und fühlte mich damals sehr erwachsen damit. Heute bin ich mit dem Pedelec im gleichen Geschwindigkeitsbereich unterwegs wie damals mit dem Mofa (nein, meines war nicht frisiert) – und trage meist keinen Helm. Sehr merkwürdig, das gebe ich zu und wenn ich mir die Studien betrachte auch nicht rational zu begründen.

Ich denke, der Smart-Helm von Livall hat das Zeug dazu, die „always-online-Generation“ zum Helmtragen (und damit auch Radfahren) zu motivieren, fast völlig unabhängig vom Alter.

 

Alexander Theis

Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VelΩstrΩm.
Alexander Theis

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