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Fertig-Pedelecs Test & Technik

Das Gentleman-Pedelec: Test des Electrified S von VanMoof

[at] Das Electrified S von VanMoof strahlt pures Understatement aus. Das es noch mehr drauf hat, konnte es für einige Wochen als Gast bei VeloStrom zeigen.

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Das VanMoof Electrified S (Klicken zum Vergößern)

VanMoof wurde 2009 von den Brüdern Ties und Taco Carlier in Amsterdam gegründet. Beide wollen das perfekte Fahrrad für Stadtbewohner zu entwickeln, um sich schneller, sicherer und mit Stil durch die City zu bewegen. Dabei liegt der Fokus auf absoluter Funktionalität.

Die Modelle von VanMoof bestechen durch klares Design, hochwertige Verarbeitung und smart umgesetzte Funktionen. Für die innovativen Modelle erhielt der niederländische Fahrradhersteller bereits zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den EUROBIKE Award, den Dutch Design Award sowie den Red-Dot-Design Award.

Im März 2015 sah ich auf der Berliner Fahrradschau zum ersten Mal Räder von VanMoof. Damals gab es auch schon ein Electrified, das mit seinem Design die Besucher polarisierte: Manche fanden es elegant, andere meinten, es sehe aus wie selbst „zusammengebrutzelt.“ Obwohl die Verarbeitung damals ok war, wirkte das Electrified mit dem rustikalen Knotenblech zwischen Ober- und Unterrohr gemeinsam mit der Farbe von Rahmen und Rädern auf mich wie ein Rad aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg.

Das Electrified S, sozusagen der Nachfolger, wurde nach einer erfolgreichen Pre-Sales Kampagne im März 2016 mit einem Verkaufswert von mehr als 3 Millionen Euro schnell zum erfolgreichsten Fahrrad in der mittlerweile neunjährigen Firmengeschichte.

Als ich zum ersten Mal Fotos des Electrified S sah, wurde mir sofort klar, dass man sich bei VanMoof intensiv Gedanken um die Weiterentwicklung des Konzepts gemacht hatte. Das Rad wirkte viel eleganter. Umso gespannter war ich, wie es sich fahren würde.

Out of the box

VanMoof betreibt Brand-Stores in Amsterdam, Taipei, Bangkok, New York und Berlin, die Räder werden direkt ohne Zwischenhandel vertrieben. Das bedeutet, dass ein VanMoof per Spediteur (in meinem Fall per Dachser) in einer Kiste zum Kunden kommt.

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Ladegerät des Electrified S

Mit einem nachgemessenen Gewicht von 19.85 kg ist das Electrified S für ein Pedelec sehr leicht geraten und entsprechend einfach aus der Kiste gehoben. Sämtliches Zubehör (Pedale, Ladegerät, Werkzeug, Doku) ist in einem stabilen dreieckigen Karton im Rahmen des Pedelec untergebracht.

Nach dem Anschrauben der Pedale, dem Geraderichten des Lenkers und dem Justieren des Sattels kann es direkt zur ersten Fahrt losgehen. Das für diese Arbeiten erforderliche Werkzeug wird mitgeliefert, der Akku ist vorgeladen.

Trotzdem sollte man sich vor der ersten Fahrt etwas mit dem VanMoof Electrified S bekannt machen. Denn obwohl es sehr unauffällig daherkommt, hat es das Pedelec faustdick im Rahmen.

Smart-Bike

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Schloßverriegelung mit Warnhinweis im Rahmen (Klicken zum Vergrößern).

Das VanMoof Electrified S bietet als Smart-Bike einige interessante Features. Das offensichtlichste Feature ist die im Rahmen verankerte Verriegelung für das mitgelieferte Kabelschloss.

Dieses ist mittels Klettverschlüssen am Rahmen befestigt und damit immer dabei. Das wirkt zunächst etwas hemdsärmelig, erweist sich aber nach etwas Übung als sehr praktikabel.

Gewöhnt daran, auch nach Möglichkeit ein Laufrad mit anzuschließen, kam mir das Kabelschloss zunächst etwas kurz vor.

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Spezielle Anti-Diebstahl-Mutter am VanMoof Electrified S (Klicken zum Vergrößern)

Doch VanMoof hat hier eine pfiffige Diebstahllösung gefunden: Die Laufräder sind mit einer speziellen Mutter gesichert, die nur mit einem entsprechenden Gegenstück gelöst werden kann. Super! Man sollte nur unbedingt daran denken, dieses Gegenstück auch zum Werkzeugset zu nehmen…

Kabelschloss

Das Schloss kann entweder per kleinem Handsender oder per App entriegelt werden. Es funktioniert jedoch nur eines von beiden: Entweder App oder Handsender. Ist das Rad mit der App verbunden, funktioniert der Handsender nicht. Eine Eigenart, die zwar im Benutzerhandbuch steht, nach meinem ersten Halt an einem Supermarkt jedoch zu Schweißperlen auf meiner Stirn sorgte.

Da die Konnektierung zwischen meinem Smartphone und dem Electrified S nicht immer 100% auf Anhieb klappte, nutzte ich zukünftig zum Entriegeln lieber den kleinen Handsender.

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Handsender zum Entriegeln (Klicken zum Vergrößern)

Was jederzeit immer zuverlässig klappte: Nach dem Drücken des Sendeknopfs ertönt ein gut wahrnehmbares Klacken des Verriegelungsmechanismus und man hat einige Sekunden Zeit, das Schloss aus der Verriegelung am Rahmen zu lösen. Dieses Zeitfenster wird am Rahmendisplay visualisiert. Ist das Zeitfenster geschlossen verriegelt sich das Schloss automatisch wieder. Tolle Idee, professionell, praktikabel und vor allem zuverlässig umgesetzt.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen könnte das Electrified S trotzdem mal abhanden kommen. Dafür sorgt VanMoof mit einem weltweit bisher einmaligen Konzept vor:

Anti-Diebstahl-Garantie

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Ein wichtiges Mitglied des VanMoof Rescue Teams 🙂

Mit dieser Garantie bietet das niederländische Unternehmen seinen Kunden einen zusätzlichen Sicherheitsservice und ein bis dato in der Fahrradbranche einzigartiges Versprechen: „Unsere „Bike Hunter“ finden dein gestohlenes VanMoof SmartBike dank des integrierten Trackingsystems innerhalb von 14 Tagen wieder oder du bekommst von uns ein neues“, erklärt Taco Carlier „Ziel ist es, unseren Kunden in Deutschland und auf der ganzen Welt die Möglichkeit zu bieten, wirklich überall hinfahren zu können, ohne Angst vor Fahrraddiebstählen zu haben. Wir geben die VanMoof Garantie“, so Carlier.

Beinahe alle bisher gestohlenen SmartBikes konnten laut VanMoof wieder an die Besitzer zurückgegeben werden. Nur ein Fahrrad musste ersetzt werden.

In der Praxis wird nach einer Diebstahlmeldung, z.B. via App, das Rad von VanMoof mit dem Tracking-System lokalisiert. Danach machen sich die BikeHunter auf den Weg und versuchen das Rad unter Mithilfe der örtlichen Polizeikräfte wiederzubeschaffen.

Edit: Nach Information von VanMoof gilt diese „Peace of Mind-Garantie“ jedoch für das Smart-Bike, nicht für das Electrified S. Allerdings unterstütze VanMoof im Fall des Falles einen Geschädigten nach Kräften, zum Beispiel durch Mitteilung des Standorts des gestohlenen Electrified S.

App

Vanmoof_SmartBike_App_LockÜber die App kann das Electrified S wie schon erwähnt ebenfalls entsperrt werden. Darüber hinaus genügt ein Fingertipp um es zu aktivieren oder das Licht einzuschalten. Zudem kann der Akkustand kontrolliert und auf der Kartendarstellung nachgeschaut werden, wo man das Rad abgestellt hat.

Das alles funktioniert gut, sobald die Verbindung stabil aufgebaut ist. In der Praxis habe ich die App trotzdem selten genutzt, einfach weil die Bedienung auch ohne leicht (wie ich finde sogar leichter als mit der App) von der Hand geht. Vielleicht ist das aber auch nur ein Problem des Alters. 😉

Eleganter Alltagsbegleiter

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Robuster Gepäckträger, am Rahmen verschraubt (klicken zum Vergrößern)

Das Testrad kam in elegantem schwarz, netterweise hatte das VanMoof-Brand-Store in Berlin auf meine Bitte hin den sehr stabilen und bis zu einer Traglast von 25 kg zugelassenen Gepäckträger montiert: Ich bin kein großer Fan von Rucksäcken beim Radfahren.

Beim Betrachten des Electrified S merkt man sofort, dass man sich bei VanMoof sehr viel Gedanken um das Thema „Wartungsarmut“ gemacht hat.

Auffälligstes Merkmal ist sicher der geschlossene Kettenkasten. Danach fallen die Schutzbleche (das „Blech“ ist hier wörtlich zu nehmen!) auf, die ausreichend lang und breit gestaltet sind.

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Als nächstes fällt der Blick auf die mechanischen Scheibenbremsen. Eine gute Wahl, denn sie sind insgesamt weniger wartungsanfällig als ihre hydraulischen Pendants und von der Wirkung für den Einsatzbereich des Electrified S allemal ausreichend. Dosierung und Wirkung waren bei Trockenheit und Nässe ohne Tadel, ebenso waren sie perfekt und schleiffrei montiert, die Hebel mit und ohne Handschuhe gut bedienbar.

Purismus

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Elegante Zugverlegung (Klicken zum vergrößern)

Wo wir gerade bei den Bremshebeln und damit im Cockpit angelangt sind: Der Lenker glänzt durch die puristisch-elegante Abwesenheit aller sonst von einem Pedelec gewohnten Anbauteile: Kein Display ist zu sehen, allenfalls ein kleiner unscheinbarer Taster am linken Lenkergriff deutet darauf hin, dass sich hier etwas Besonderes verbirgt. Ansonsten zwei Bremshebel, deren Züge elegant geschwungen hinter dem Steuerlager im Rahmen verschwinden, eine Klingel, der eben erwähnte Taster, fertig.

Noch nicht einmal Schalthebel sind zu sehen, denn das Electrified S ist mit der Automatix von SRAM, einer automatischen Zweigang-Nabenschaltung, ausgestattet.

sram_automatix_vanmoof_electrifiedWas zunächst etwas befremdlich klingt funktioniert sehr gut: Zwischen 18 und 20 km/h wird der Gang gewechselt, entweder nach oben oder nach unten. Mit etwas Übung gelingt es, auch an Steigungen im Geschwindigkeitsbereich des ersten Gangs zu bleiben.

Trotzdem hätte ich mir die Gesamtübersetzung etwas kürzer gewünscht, auch wenn der geheimnisvolle Knopf am linken Lenkerende hilft.

Eine Eigenart der Automatix möchte ich noch erwähnen: Tritt man nach Rollphasen wieder in die Pedale dauert es ca. eine halbe Kurbelumdrehung bis die Schaltnabe den Kraftschluß wieder herstellt und die Kraft am von der Kurbel auch am Hinterrad ankommt.

Eingebauter Zusatzschub

Beim Electrified S handelt es sich um ein Pedelec, aber um eines der unauffälligsten seiner Art. Der Motor im Vorderrad ist als Getriebemotor recht kompakt und könnte als etwas groß geratener Nabendynamo durchgehen.

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Einschaltknopf und Ladebuchse am Oberrohr des Electrified S (Klicken zum Vergrößern)

Die Verkabelung verschwindet sehr dezent nach wenigen Zentimetern im rechten Gabelholm. Der Akku ist im Unterrohr verbaut, die Bedienelemente so reduziert wie möglich gehalten: Der Einschaltknopf ist ebenso wie die Ladebuchse griffgünstig unter dem Oberrohr eingebaut.

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Oberrohrdisplay am VanMoof Electrified S (Klicken zum Vergößern).

Darüber befindet sich das sehr zurückhaltend gestaltete Display, das dennoch dank raffinierter Aufteilung alle wichtigen Daten auf einen Blick bietet: Unterstützungsgrad (bei Stillstand), Ladezustand, Geschwindigkeit (beim Fahren) , alles prima ablesbar.

Das Electrified S bietet vier Unterstützungsstufen, die entweder über die App oder, was ich praktikabler finde, per Tipp auf das Display direkt eingestellt werden können. Die Ladeanzeige des Akkus ist über eine Kreissegmentanzeige realisiert, unter dieser wird die gefahrene Geschwindigkeit angezeigt.

Ominöser Knopf am linken Lenkerende.

van_moof_electrified_s_11Mit diesem Knopf wird ein Extraschub aktiviert, mit dem das Electrified S  mit voller Kraft anschiebt bzw. eher anzieht, schließlich handelt es sich ja um einen Frontmotor.  VanMoof spricht vom „Boost-Button“ und das trifft es sehr genau. Der Extraschub hält an, solange der Knopf gedrückt wird und lässt bei ca. 20 km/h merklich nach.

Dieser Trick ist sowohl beim Anfahren als auch bei längeren Bergaufpassagen superpraktisch: Denn damit bietet das Electrified S immer dann die nötige Unterstützung, wenn die für meinen Geschmack etwas zu lange Endübersetzung ihren Tribut fordert.

Auf der anderen Seite sorgt die lange Übersetzung dafür, dass es genügend Reserve für Bergabfahrten gibt. Vor allem aber verleiht das dadurch bedingte langsame Treten dem Fahren mit dem Electrified S dieses besondere Gefühl von Souveränität und Würde.

Fahrverhalten

Wie unschwer aus dem vorangegangenen zu schließen ist: Beim Electrified S handelt es sich nicht um einen Renner. Dazu passt auch das Fahrverhalten. Gutmütiger Geradeauslauf, aber trotzdem agil genug um bei Bedarf den ein oder anderen Haken zu schlagen.

Schwalbes Big Apple passen ganz prima ins Erscheinungsbild und dämpfen so gut, dass ich eine Federung nie vermisst habe.

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Electrified S mit Tasche „Toronto“ von Zimmertaschen (Klicken zum Vergrößern)

Der Gepäckträger ist direkt und stabil mit dem Hinter bau verschraubt und darf bis zu 25 kg tragen. Die Rohre sind vertrauenerweckend kräftig dimensioniert, so dass man dem Träger auch mehr Last zutraut. Deshalb musste ich die die Haltehaken der Radtasche „Toronto“ von Zimmertaschen etwas aufbiegen. Sie saß immer noch straff, vorsichtshalber habe ich sie aber mit dem Schultergurt gesichert. Die Tasche passt meiner Meinung nach zum Electrified S wie als wenn sie für es gemacht wäre.

Beladen ist das Fahrverhalten des VanMoof unbedenklich, wenn man die im Verkehr erforderliche Sorgfalt walten lässt.

Bequeme Sitzposition

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Bequemer Sattel am Electrified S (Klicken zum Vergrößern)

Zu dem eben genannten Fahrgefühl trägt auch die entspannte Sitzhaltung auf dem recht breiten aber dennoch bequemen und mit Polymerdämpfern versehenen Sattel sowie der elegant geschwungene Lenker, der mit den Lenkergriffen angenehm zur Hand liegt, bei.

Das alles ergibt das Fahrgefühl eines Hollandrades, und das ist hier alles andere als despektierlich gemeint.

„Gentleman-Pedelec“

Auch wenn es paradox klingt: Dieses Pedelec bringt Ruhe in die Fahrt. Bin ich sonst eher versucht, mich am oberen Rand der Unterstützungsgrenze des Motors (oder darüber) zu bewegen, ist das Thema Geschwindigkeit beim Electrified S zweitrangig.

In Abwandlung eines Sprichworts vermittelt das Electrified S den Eindruck: Über Geschwindigkeit redet man nicht, man hat sie.

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Elegant geschwungener und bequemer Lenker am Electrified S (Klicken zum Vergößern).

Wenn ich in der Überschrift von einem „Gentleman-Pedelec“ gesprochen habe, trifft dies das Fahrgefühl auf dem Electrified S recht genau: Man ist entspannt und ohne Hektik unterwegs, genießt die Landschaft und das leise Klicken der Automatix-Nabe (wer kann sich noch an das Geräusch der legendären Torpedo-Dreigang-Nabe im dritten Gang erinnern? Genau so klingt es!), fehlt nur noch der elegante Zweireiher und ein Bowler.

Doch auch so zieht man die Blicke der anderen Verkehrsteilnehmer auf sich.

Denn obwohl das VanMoof, gerade mit schwarzem Lack, sehr unauffällig daherkommt, macht es Eindruck. Sei es durch die Sitzposition, das elegante Erscheinungsbild oder die ihm eigene unspektakuläre Art der zügigen Fortbewegung.

Kräftiger Frontmotor

Beim Electrified S ist ein Frontnabenmotor mit Getriebe verbaut. Es war das erste Mal, dass ich für längere Zeit ein Pedelec mit Frontmotor gefahren bin. Der Motor zieht kräftig an, ist zwar konzeptbedingt durch das Getriebe lauter als ein getriebeloser Motor, jedoch kann man meiner Meinung nach nicht von einer übertriebenen Lautstärke sprechen.

Wenngleich stets präsent, ist das Geräuschbild gefühlt nicht nennenswert anders als ein zum Vergleich gefahrener Bafang-Hinterradantrieb.

Insgesamt fallen die grundsätzlichen Nachteile dieser Antriebsform wie schlechte Traktion und kopflastiges Fahrverhalten beim Electrified S meiner Meinung nach nicht übermäßig ins Gewicht, da man selten „auf Angriff“ fährt oder in schlechtem Terrain unterwegs ist.

Prinzipbedingt kann der Motor nicht rekuperieren, also bei Bergabfahrten den Akku wiederaufladen. Doch dies ist gerade in Anbetracht des Nutzungsszenarios, für welches das Electrified S konstruiert wurde, auch nicht nötig. Denn wie ich beim Test des Stromer ST2S sehen konnte, benötigt es schon lange Bergabfahrten, die noch dazu nicht zu steil sein dürfen, um mit der Rekuperation den Akku nennenswert wieder aufzuladen.

Reichweite

Die Reichweite mit dem Electrified S in höchster Unterstützungsstufe und eher flachem Terrain (nur unterbrochen durch wenige Brückenauffahrten) betrug ordentliche 60 km. Meine Meinung nach mehr als genug für den vorgesehenen Einsatzzweck.

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Licht am Electrified S (Klicken zum Vergrößern)

Neben der Stromversorgung des Motors wird vom Akku auch noch die Beleuchtung sichergestellt. Die Lichtausbeute des fest im Rahmen verbauten Frontscheinwerfers ist in Ordnung, gewöhnungsbedürftig ist, dass der Lichtkegel nicht direkt dem Lenkeinschlag folgt.

Die Ausleuchtung ist zweigeteilt: Im Nahbereich breit und weiter vorne ein heller kreisförmiger Bereich. Bedingt durch die Einbauposition wirft das Vorderrad einen Schatten. Im dunklen solltem man, gerade bei unbekannten Kurven, etwas Geschwindigkeit herausnehmen.

Die hintere Beleuchtung ist sehr hell, einziger Kritikpunkt hier: Wird Gepäck oben auf dem Gepäckträger mitgeführt kann die Lampe eventuell verdeckt werden.

Sorgen um die Energieversorgung muss sich niemand machen: Selbst wenn der Akkustrom nicht mehr für den Antrieb reicht, für die Beleuchtung reicht es immer noch.

Verarbeitung & Support

Die Verarbeitung des VanMoof Electrified S bewegt sich auf einem hohen Niveau, die Schweißnähte sind akkurat gezogen, alle Schrauben vertrauenserweckend fest, nichts klappert. Allenfalls die bei Nässe arg rutschigen Pedale würde ich tauschen wollen. Wobei es schwer werden dürfte, griffige Pedale zu finden, die zum restlichen Look passen.

Das Direktvertriebskonzept von VanMoof bedingt, dass in der Regel kein Händler in der Nähe ist, der mal eben schnell weiterhelfen kann. Zumindest solange man nicht in Amsterdam, Taipei, Bangkok, New York oder Berlin wohnt.

Jedoch ist der Support per Mail und Telefon „auf Draht“ und hilft schnell und kompetent weiter. Wie man jedoch zum Beispiel einen Reifen flickt, sollte man schon wissen. Obwohl dabei sicher auch gerne ein örtlicher Radhändler weiterhilft.

Da man das Rad auf diese Weise auch nicht Probefahren kann, bietet VanMoof eine 30-Tage-Rückgabegarantie: Käufern, die nach 30 Tagen das Rad zurückgegeben, wird ohne wenn und aber der Kaufpreis komplett erstattet. Auch die Kosten für den Rücktransport werden übernommen.

Zielgruppe

Das Electrified S ist perfekt auf die Zielgruppe der urbanen Pendler hin entwickelt: Wartungsarm, bequem, sicher und sauber.

Jedoch sollte das urbane Wirkungsfeld des Besitzers nicht allzu bergig sein, dann kommt die Automatix-Nabe auch mit Unterstützung des Boost-Knopfes doch an ihre Grenzen. Oder eben die Oberschenkelmuskeln von Fahrerin oder Fahrer.

Natürlich könnte man auch im Wiegetritt einen steilen Berg hochfahren, doch wie singt schon Sting „A gentleman will walk but never run“.

Fazit

van_moof_electrified_s_3Das VanMoof Electrified S ist mir in den Wochen, in denen ich es bewegen durfte, richtig ans Herz gewachsen. Es ist ein erfrischend anderes Konzept, das nicht die mögliche Geschwindigkeit des Pedelec in den Vordergrund stellt. Vielmehr ist es ein eleganter und im positivsten Sinn unauffälliger Alltagsbegleiter, der dem täglichen Pendeln gekonnt die Hektik nimmt.

Es ist mit knapp unter 20 kg für ein Pedelec relativ leicht geraten um auch mal über eine Treppe getragen zu werden oder auf einen „normalen“ Fahrradheckgepäckträger zu passen. Denn auch Radtouren, nicht zu steiles Terrain vorausgesetzt, machen mit dem Electrified S Spaß.

VanMoof ist es gelungen ein für die Zielgruppe perfektes Pedelec auf die Räder zu stellen, das mit raffinierten Features, pfiffigen Details und beeindruckenden Talenten glänzt, sich dabei aber nie in den Vordergrund spielt. Eben wie ein echter Gentleman.

Das es das erfolgreichste Modell bei VanMoof ist hat es sich wahrlich verdient. Da SRAM die Produktion aller Schaltnaben, somit also auch der Automatix, eingestellt hat, wird über kurz oder lang kein VanMoof Electrified S mit Automatix mehr zu haben sein. Das könnte also ein Grund sein, sich noch eines zu sichern.

Das Electrified S ist dank des Direktvertriebs für 2.798€ (Stand: 05/17) zu haben.

Viele weitere Infos sind online unter vanmoof.com zu finden.

Mein Dank geht an den VanMoof-Brand-Store Berlin für das zur Verfügung stellen des Testrades.

[Fotos: VanMoof (2), VeloStrom]

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Alexander Theis

Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VelΩstrΩm.
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