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E-Bike-Tests Riese & Müller Zubehör

E-Bike Charger3 GT mit der Kindernay VII-Nabe: Übersetzung und Reichweite

Lesezeit etwa 10 Minuten

Hartnäckig halt sich der Mythos, E-Bikes wären nicht für lange Tagestouren geeignet. Ich trete hier an, das Gegenteil zu beweisen. Und zwar mit dem Charger3 GT von Riese und Müller, das seit zwei Monaten mit der Nabenschaltung Kindernay VII nachgerüstet ist. Dieser Erfahrungsbericht beschäftigt sich auch mit der der Übersetzung der norwegischen Schaltung.

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Schaut euch hier das Video zur Reichweite des Charger3 GT mit der Kindernay-Nabe an.
Übersetzung Kindernay 7-Gang Naben...
Übersetzung Kindernay 7-Gang Nabenschaltung: Ist das noch fahrbar?

Kindernay-Nabenschaltung

Von Kindernay aus Norwegen kommt eine ganz besondere Nabenschaltung: Hydraulisch und mit Schalthebeln statt per Bowdenzug und Drehgriff betätigt verspricht sie zuverlässige und einfache Bedienung bei größter Wartungsarmut. Die Siebengang-Version namens “Kindernay VII” wurde besonders für E-Bikes entwickelt. Sei kurzem sie zum Dauertest am Charger3 GT von Riese und Müller verbaut.

Charger3 GT von Riese und Müller

Das Charger3 GT ist von Riese und Müller als Gran Tourismo, also Tourenbike eingestuft. Bisher hat es im alltäglichen Pendelverkehr und bei Tagestouren überzeugt. Was mir jedoch schon von Beginn an vorschwebte, war ein Test der Reichweite des Premium-E-Bikes.

Natürlich ist klar: Die Reichweite eines E-Bikes hängt von vielen Faktoren ab, der Mensch ist dabei der bedeutsamste. Trotzdem will ich das Thema mal auf einer Strecke angehen, die mich seit langem interessiert:

Regionalpark Rhein-Main-Rundroute

Der Regionalpark Rhein-Main soll das Rhein-Main-Gebiet mit parkartig oder naturnah gestalteten Wegen und Grünflächen als Wohnumfeld und touristisches Ziel aufwerten. Die Rundroute umschließt den Rhein-Main-Regionalpark auf fast 200 Kilometern, wenn man keine Abstecher macht- was angesichts der vielen interessanten Abzweige nicht leicht fällt.

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Übersicht Rhein-Main-regionalpark-Rundroute.

Das Erholungs- und Erlebnisangebot ist praktisch gleich vor der Haustür, gut ausgeschildert und leicht mit dem Fahrrad zu erreichen. Mein Start ist am Regionalpark Portal Weilbacher Kiesgruben, das von der Autobahn gut zu erreichen ist.

Reichweite-Test Charger3 GT & Kindernay-Nabe: Rahmenbedingungen

Ich habe für meinen Test zufälligerweise einen der wärmsten Tage des Jahres erwischt. Die Packtaschen des Charger3 GT sind deshalb prall gefüllt: Neben etwas Verpflegung, Werkzeug für den Fall des Falles und Regenkleidung sind rechts und links je 2 Liter Wasser mit dabei. Außerdem habe ich in der Tasche auf dem Frontgepäckträger zusätzliche 3 Liter Wasser in einer Trinkblase dabei, beide Flaschen am E-Bike fassen nochmal je einen halben Liter. Acht Liter Wasser sollten für mein Vorhaben ausreichen.

Außerdem habe ich noch zusätzlich das Trelock-Schloß BC 680 dabei, das nochmal mit etwa 3 kg zu Buche schlägt. Ich werde unterwegs nicht laden, deshalb habe ich auch kein Ladegerät dabei.
Alles zusammen genommen komme ich sicher gut an das Gewicht heran, dass man normalerweise auf einer Radreise dabeihat. Das Charger3 GT ist aber noch vom maximalen zulässigen Gesamtgewicht von 160 kg entfernt.

Im Alltag fahre ich mit dem Charger3 GT im eMTB Mode, in dem die Unterstützung des Antriebs abhängig von der gerade anliegenden Trittleistung von Eco bis Turbo automatisch geregelt wird. Doch für den Reichweiten-Test werde ich komplett im Tour-Mode fahren, immerhin sagt der Name ja schon, für was er vorgesehen ist.

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Der 625 Wh große Akku des Charger zeigt 100% Ladung, die Elektronik schätzt eine Reichweite von 89 km im Tour-Mode.

Den kostenlos verfügbaren GPX-Track der Regionalpark Rhein-Main-Rundroute habe ich auf dem Smartphone, das macht Orientierungsstopps überflüssig. Das passt besonders zum meinem Plan, denn ich habe mir vorgenommen, möglichst wenige Stopps einzulegen. Doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht, denn es gibt viel zu sehen, und das fängt schon kurz nach dem Start an.

Rahmenbedigungen E-Bike-Reichweitentest

Hier noch einmal die Rahmenbedingungen des E-Bike Reichweiten-Tests im Überblick:

  • gesamte Strecke im Tour-Modus
  • wenige Stopps
  • Gepäck ähnlich einer Tagestour
  • kein Aufladen unterwegs
  • Genussfahren, kein Rennmodus.

Es geht los

Gut gelaunt fahre ich los. Es ist noch angenehm kühl, mit dem langärmeligen Shirt von Protest bin ich genau richtig angezogen. Die Kindernay-Nabe macht das Schalten zum Vergnügen, knackig und auf den Punkt lassen sich die Gänge wechseln, egal ob hoch oder runter. Mehrfach nutze ich auch die Möglichkeit, direkt drei leichtere Gänge mit einem Schaltvorgang zu wechseln. Es macht einfach Spaß mit dieser Schaltung unterwegs zu sein, denn die unkomplizierte Bedienung macht den Kopf frei, die Umgebung zu genießen.

Und dafür gibt es allen Grund. Schon kurz nach dem Regionalpark Portal muss ich einfach anhalten: Der Gravel-Weg führt an einer Kante vorbei, die einen Blick in ein grünes, tiefliegendes Areal freigibt. Es handelt sich um eine renaturierte Kiesgrube, wie das Schild am Aussichtspunkt verrät. Kaum zu glauben…

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Renaturierte Kiesgrube

Schon wenige hundert Meter weiter noch ein Halt. Immer mal wieder steht an der Regionalpark Rundroute Kunst, in diesem Fall ist es ein fast 3 Meter hoher Rabe aus Aluminium, gestaltet vom Flörsheimer Künstler Thomas Reinelt. Der Rabe wurde 1998 als erstes Objekt des Regionalparkprogramms “Kunst in der Landschaft” ausgestellt. Er steht als Symbol für Natur und Geselligkeit. Gesellig ist es hier momentan nicht und ich finde das auch gut so. Denn auf dieses Weise habe ich an diesem frühen Morgen die Landschaft für mich.

Durch die traumhaft schöne “Wasserwerksallee” aus zweireihigen Linden fahre ich auf Kopfsteinpflaster weiter. Die Luftfedergabel des Charger3 GT, die Thudbuster-Parallelogramm-Sattelstütze und die dämpfende Wirkung der “Al Grounder” von Schwalbe macht den Belag gut erträglich.

Wenig später geht es asphaltiert auf ebener Strecke weiter. Ideal zum Test der Übersetzung Kindernay VII-Nabe im Zusammenspiel mit dem Charger3 GT. Im vierten Gang erreiche ich bei meiner Wohlfühlkadenz von 79 die Unterstützungsgrenze des Antriebs, der dritte ist da für mich zu kurz, der fünfte zu lang. Im siebten kann ich noch fahren, jedoch ist mir die Kadenz viel zu niedrig.

Dieses Video zeigt euch deutlich, was ich meine:

Die Nachfrage bei trail.camp, dem deutschen Importeur der Kindernay-Nabe, ergibt, dass das Problem bei Kindernay in Norwegen bekannt ist. Jedoch sind nur (E-)Bikes mit Gates-Riemenantrieb davon betroffen. Deshalb muss sowohl eine kleinere Riemenscheibe vorne als auch ein größeres Ritzel hinten müssen aus patentrechlichen Gründen von Gates kommen – und Kindernay ist noch ein junges Unternehmen. Also wenn ein Testfahrer gesucht wird: Ich stünde zur Verfügung.


Weiterlesen: Was ist besser Riemen- oder Kettenantrieb?

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Was ist besser: Kette oder Riemen?

Im Arboretum Main-Taunus mache ich nur einen kurzen Halt, das verdient wirklich mal einen längeren Besuch. Denn hier kann man, innerhalb eines zweistündigen Spaziergangs, Bäume aus nahezu allen Waldregionen der Kontinente bestaunen.

Die Skyline von Frankfurt am Main im Blick wird es langsam hügeliger, allerdings reicht der dritte meist, manchmal muss es der zweite Gang der Kindernay VII Nabe sein.

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Skyline von Frankfurt am Main

Die erste längere Pause mache ich etwa bei Kilometer 50. Ich muss mal etwas essen, das mache ich, im Gegensatz zur Flüssigkeitsaufnahme dank der Trinkblase auf dem Frontgepäckträger, lieber im Stehen. Rastgelegenheiten gibt es auf der Regionalpark Rhein-Main-Route viele, alle bieten Sitzgelegenheiten und die meisten auch Müllkörbe.

Überhaupt ist die Infrastruktur, vor allem die Beschilderung der vielen Abzweige ist vorbildlich. Zur Not könnte man die Rundroute auch ohne GPS-Hilfe fahren: An allen Abzweigen finden sich Schilder und meist auch Markierungen auf dem Boden.

Reichweitenschätzung Bosch Performance Line CX

Die Reichweite wird am Bosch Kiox-Display offenbar unter Berücksichtigung der vergangenen und aktuellen Fahrweise und Anforderungen an den Antrieb ermittelt.

Ganz deutlich wird das etwa bei Kilometer 75 an der längsten Steigung der bisherigen Strecke. Von den geschätzten 21 Kilometern Restreichweite waren oben noch 17 Kilometer übrig. Für die Steigung reichte der zweite Gang der Kindernay-Nabenschaltung bei meiner Wohlfühlkadenz von 79 aus.

An der Mainfähre Rumpenheim, 18 Kilometer weiter, sind noch 16 Kilometer Restreichweite übrig. Die Erklärung: Seit dem letzten Stopp verlief die Strecke entweder bergab oder hauptsächlich eben.

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Doch es ist klar, dass ich mich langsam dem Ende dieser Akkuladung nähere. Spannend bleibt aber, wie weit ich tatsächlich noch komme, denn es geht jetzt immer mal wieder bergauf.

Nach 100 Kilometern erreiche ich nach gut 5 Stunde Fahrzeit das zweite Besucherzentrum des Rhein-Main-Regionalpark in Offenbach. Es liegt am hoch interessanten Wetterpark. Die Restreichweitenanzeige weist jetzt, nach 7 gefahrenen Kilometern, noch 3 Kilometer aus.

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Nach 100 Kilometern noch 3 km Restreichweite…
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…bei 730 Höhenmetern und kleiner Abweichung bei Komoot.

Letztendlich wurden aus diesen 3 dann doch noch 4 Kilometer, bis die Reichweitenanzeige auf 0 Kilometer wechselte.

Fazit E-Bike Reichweitentest Charger3 GT mit Kindernay VII-Nabe

Den Mythos, dass ein E-Bike nicht für lange Touren taugt, betrachte ich bei 104 km Reichweite im Tour-Modus bei 730 Höhenmetern als widerlegt. Wohlgemerkt ohne unterwegs aufzuladen, mit tourtauglicher Beladung und bei etwa 36 Grad Außentemperatur, was den 625 Wh-Akku zusätzlich gestresst haben dürfte. Zwei Wochen später bin ich den Rest der Tour bei bis zu 38 Grad Außentemperatur gefahren – mit nahezu gleichem Ergebnis.

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0 Kilometer Restreichweite bei 5% Akkuladung und insgesamt 104 Kilometern.

Die Kindernay-Nabenschaltung mit ihren 7 Gängen hat für die gesamte Tour problemlos ausgereicht, den ersten Gang brauchte ich an keiner Steigung, die Gänge fünf und sechs kamen allenfalls an Gefällestrecken zum Einsatz, der 7. Gang hatte nichts zu tun. Die Schaltvorgange liefen präzise und knackig ab, die hohen Außentemperaturen hatten offenbar keinen Einfluss auf die Viskosität des Hydrauliköls.

Besonders bei den staubigen, trockenen Sandstrecken war ich froh um die gekapselte Nabenschaltung und den Gates-Riemen. Eine Kettenschaltung hätte nach der Tour großen Pflegebedarf gehabt.

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Staubstrecke unterwegs.

Auch war es eine gute Idee, im letzten Jahr von den, beim Charger3 GT serienmäßigen, “Super Moto X” auf die “Al Grounder” von Schwalbe zu wechseln. Mit dem gemäßigten Stollenprofil rollen sie gut auf Asphalt, bieten aber auch in sandigen Passagen genug Grip. Der Track der Regionalpark-Rhein-Main-Rundroute bietet von beidem – und alle Abstufungen dazwischen.

Historie E-Bike Charger3 GT

Diese Artikel zum Charger3 GT von Riese und Müller sind bisher erschienen:

[Text:[at] | Fotos: VeloStrom, Komoot (2)]

Transparenzhinweis: Die Kindernay-Nabe wird vom Importeur trail.camp kostenfrei und ohne Vorgabe für den Dauertest zur Verfügung gestellt.

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Alexander Theis
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Ein Kommentar

  1. Ganz herzlichen Dank für diesen tollen Praxisbericht über die Rundtourstrecke, das Fahrrad, Reichweite des Boschantriebs, und die Nabenschaltung! Interessant wären noch die Übersetzungen der Nabe als Funktion der Gangzahl. Welcher Gang besitzt die 1:1 Übersetzung etc. ? Bei einem etwa identischen Umfang, wie Rohloff, ist es vermutlich eine Rohloff mit hydraulischer Schaltung. Gut ist natürlich für Norwegen, dass man das Laufrad von der Schaltung trennen kann, und somit leicht von Normalreifen auf Spikes wechseln kann.
    Die zu lange Übersetzung ist ja ein allgemeines Ärgernis in der Fahrradbranche. Die 7-Gang Leihräder auf Langeoog zum Beispiel erlauben einem normalen Radfahrer lediglich die Gänge 1-3, manchmal 4 zu treten. Bei entsprechender kürzerer Übersetzung des Kettentriebs könnte man wunderbar leicht die wenigen Berge dort hochfahren und alle 7 Gänge nutzen. Ich habe bei einem alten 26 “-Nabenschaltungsrad früher einfach ein 17-er durch ein 21er Ritzel (SRAM Nabe) ersetzt, und alle Nutzer haben das wunderbar leichte Fahren auf dem Rad gelobt. Auf meinem alten 20″-Stahl-Klapprad (1971) mit 7 Gang Nabe aufgerüstet habe ich ebenfalls ein 21er Ritzel montiert und konnte dann sämtliche Hochgebirgsstrecken auf Mallorca mühelos mit dem Klapprad fahren. Teilweise sogar mit Kleinkind im Kindersitz vorne.
    Durch diese notorisch zu langen Übersetzungen (nur geeignet für Tour-de-France Aspiranten) hat die Fahrradindustrie den vorherrschenden Eindruck des mühsamen Radfahrens erzeugt.
    Bei den breiten Ballonreifen (55-60) muss unbedingt beachtet werden, dass die Felgen die hohen Querkräfte nur bis etwa 3,5 bar aushalten. Die Monteure in den Radläden pumpen jedoch häufig gedankenlos auf 5 bar auf. Dies führt zu Längsrissen zwischen den Speichenlöchern, die man unter dem Felgenband nicht sieht. Bei hoher dynamischer Belastung gehen die Risse auf und der Schlauch wird eingequetscht, was zu unerklärlichen Platten führen kann. Ich hatte 3 solche Fälle bei 20” Rädern und 60-406 Reifen.

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