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Fertig-Pedelecs Test & Technik

Test Klever X Commuter: Cooles Pedelec für Selbstbewusste

Lesezeit etwa 8 Minuten

[at] Das mit dem Red Dot Design Award 2017 ausgezeichnete Klever X Commuter war für einige Wochen Gast in der Redaktion von VeloStrom. Wie hat sich das stylische Pedelec im Alltag geschlagen?

Das Klever X Commuter wurde auf der Eurobike im letzten Jahr vorgestellt. Während die andere Pedelecs von Klever eher zurückhaltend gestylt sind und einen eher konservativen Charme versprühen (ohne wirklich konservativ zu sein!) schlug das X Commuter mit seinem polarisierenden Design ein wie eine Bombe.

 

Pedelec für Selbstbewusste

„Integration“ ist zur Zeit eines der Haupthemen im Pedelec-Bereich.

Während andere Hersteller darunter verstehen, den Akku optisch möglichst verschwinden zu lassen, stellt Klever den Akku beim X Commuter als Designelement ganz bewusst in den Vordergrund: „Seht her, ich bin ein Pedelec und ich stehe dazu!“

Die Integration findet bei Klever viel unauffälliger aber nicht weniger aufwändig statt:

Beispieklever_x_commuter_lampelsweise sind alle anderen Züge, Schläuche und Kabel, die sich sonst so an einem Fahrrad finden, beim Klever X Commuter, soweit es technisch machbar ist, verdeckt verlegt.

Das Ergebnis ist ein cleanes Design, das mit dem einprägsamen Rahmen aus der Masse anderer Pedelecs sofort heraussticht.

Selbst die helle Beleuchtung von Axa und der aus kräftigen Rohren geformte Gepäckträger fügen sich stilsicher in die Designlinie ein.

Ein weiteres schönes Beispiel für eine gelungene, sehr alltagstaugliche Integration: Das Schloss des Abus-Bordo ist mit dem Schloss des Akkus gleichschließend. Das bedeutet in der Praxis einen Schlüssel weniger am meist eh schon überfüllten Schlüsselbund.

Akku…

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Super praktisch: Abus Bordo und Verriegelung des Akkus sind gleichschliessend (Klicken zum Vergrößern)

Der Akku ist, wie bereits gesagt, ein prägendes Designelement des Klever X Commuters. Und glänzt dem entsprechend natürlich auch mit einem fast edel zu nennenden Äußeren. Beim Testrad verfügte der Akku über eine Kapazität von 470 Wh, und war bei meiner Nutzung und bei höchster Unterstützungstufe immer für eine Reichweite von 60 km gut.

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Rahmenschutzfolie (Klicken zum Vergrößern).

Der Akku kann im Rahmen oder außerhalb des Rahmens geladen werden und lässt sich am stabilen Griff einfach aus der abschließbaren Halterung entnehmen. Geschickt: Eine Folie schützt den Rahmen im oberen Bereich vor möglichen Kratzern. Durch die Form und Größe sowohl des Gehäuses als auch des handschmeichelnden Griffs kann man ihn sehr gut tragen; er fällt auch bei Business-Kleidung in keinster Weise negativ auf.

…und Rahmen prägen Design

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Das Klever X-Commuter (Klicken zum Vergrößern).

Der Rahmen mach das Klever X Commuter zu einem Blickfang, auch wenn, wie das Testexemplar, das Pedelec selbst eher in gedeckten Farben daherkommt. Doch ist der Rahmen weit mehr als nur ein Blickfänger:

Die breiten Rahmenprofile stellen so direkt wie möglich eine Verbindung zwischen dem Lenkkopf und der Hinterradaufnahme her. Das sorgt für eine sehr hohe Steifigkeit des Rahmens und als Folge davon zu einem sehr sicheren Fahrgefühl.

Konsequenterweise wird das Vorderrad mit einer Steckachse in der starren Gabel verschraubt.

Gentleman-Sportler

klever_x_commuter_sattelDer steife Rahmen und die starre Gabel sorgen neben einer beeindruckenden Fahrstabilität natürlich auch für eine gewisse sportliche Härte. Die der, überraschend bequeme, Sattel durch ein dünnes Polster und das Sattelrohr etwas mildert: Durch die Rahmenform bedingt ragt das Sattelrohr sehr weit aus dem Rahmen heraus, dadurch flext es ein wenig, was dem Fahrkomfort zugute kommt.

Noch mehr Fahrkomfort ist drin, wenn man aus den Schwalbe Super-Moto etwas Luft herauslässt. Freilich lassen dann die Zielgenauigkeit beim Einlenken und die sonst fast spielerische, sportliche Handlichkeit fühlbar nach.

Doch selbst mit maximalem Luftdruck werden durch die dicken Super-Moto Belastungsspitzen, wie sie beispielswiese beim Überfahren von Kopfsteinpflaster auftreten, überraschend gut geschluckt.

klever_x_commuter_pedalDie Pedale sind griffig und auch für Business-Schuhe geeignet: Sie verfügen über eine breite Auflage, die (ähnlich der Moto-Pedale) mit einer Art Sandpapier belegt ist: Da rutscht nichts.

Praxisgerecht sind auch die Schutzbleche (hier durchaus wörtlich zu nehmen): Besonders das vordere ist ausreichend lang geraten um die Füße vor zuviel Spritzwasser bei Regenfahrten zu schützen.

Die Sitzposition auf dem Klever X Commuter ist, dem sportlichen Auftreten gemäß, recht gestreckt, die Hände greifen tief zu den anatomisch geformten Softgriffen. Das Aufrechthalten der Körperspannung hilft dabei, die Belastung in den Handgelenken niedrig zu halten.

Die rechte Hand gebietet über die passende Übersetzung aus dem 1×10-Repertoire, die klassengemäß über Shimano Deore-Komponenten knackig, präzise stets wunschgemäß bereitgestellt wird.

Display…

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Das Display des X Commuter (Klicken zum Vergrößern)

Die linke Hand indes hat wenig zu tun, außer sich vielleicht durch das Menü des großen und übersichtlichen Displays zu zappen. Wenn denn die Bedienknöpfe etwas näher und besser erreichbar gestaltet wären. Vielleicht sind aber auch nur meine Finge etwas zu kurz geraten: Für mich war es schwer, an die Knöpfe zu kommen ohne die Hand vom Lenker zu nehmen.

Die Größe der Anzeige sorgt zum einen natürlich für eine übersichtliche Darstellung der bereitgestellten Informationen (z.B. wird auch der Kalorienverbrauch angezeigt!), auf der anderen Seite wirkt es etwas klobig und fällt meiner Meinung nach aus dem sonst schlüssigen Design des Klever X Commuter heraus.

Sehr positiv überrascht hat mich die Akkuratesse der Restreichweite: Bisher hatte ich noch kein Pedelec gefahren, dass in der höchsten Unterstützungstufe bei vollem Akku eine Reichweite von 50 km angibt, und nach 60 gefahrenen Kilometern, mit durchaus auch einigen Steigungen, immer noch eine Restreichweite von 10 km zeigt. Top!

…mit Diebstahlschutz…

Ohne Zweifel sehr praktisch ist auch die Möglichkeit, das Display schnell und einfach abzunehmen. Entsprechend konfiguriert aktiviert dies die Wegfahrsperre: Das Hinterrad blockiert und ein lauter Signalton ertönt, wenn das Rad bewegt wird.

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Entsprechend konfiguriert aktiviert die Abnahme des Displays die Wegfahrsperre (Klicken zum Vergrößern).

Übrigens ist das Display mit „seinem“ X Commuter verheiratet, was einen weiteren Diebstahlschutz mit sich bringt: Wird ein Klever X Commuter ohne Display geklaut, muss sich der Dieb ein neues Display besorgen. Und das wiederrum gibt es nur beim Klever-Händler.

Übrigens: Es ist durchaus möglich, mehrere Displays mit einem X Commuter zu verheiraten. So könnte man sich beispielsweise ein Klever X Commuter mit mehreren Nutzern teilen, wobei jeder dann mit „seinem“ Display unterwegs sein könnte.

…und Connectivity

Zur Zeit noch eher rudimentär sind die Connectivity-Features des Displays ausgeprägt: Es kann, die passende App und ein iPhone vorausgesetzt, mit dem Smarphone gekoppelt werden und zeigt dann eingehenden Anrufe mit Namen und Nummer auf dem Display an. Zum Annehmen des Anrufs muss man jedoch anhalten. Ich meine: Gut so!

Der Trend geht jedoch zu deutlich mehr Interaktion, und so wird die kommende Generation der App auf deutlich mehr Funktionen bieten und auch für Android-Devices verfügbar sein.

Biactron-Antrieb

Klever verwendet bei allen Pedelecs einen eigenen Heckmotor, „Biactron“ genannt. Es handelt sich dabei um einen Direktläufer, der durch den Verzicht auf ein Getriebe nahezu lautlos seine Arbeit verrichtet. Das Betriebsgeräusch von weniger als 50dB (Herstellerangabe) ist im Fahrbetrieb nur für wirklich feine Ohren zu hören.

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Der hauseigene Biactron-Antrieb am Clever X Commuter (Klicken zum Vergößern)

Der Motor verfügt, wie beim Pedelec üblich, über 250 Watt Nenndauerleistung und bringt ein Drehmoment von 43 Nm auf. Doch Vorsicht: Wer ob der, insbesondere bei Mittelmotoren üblichen höheren Drehmomentwerte jetzt abwinkt, möge bedenken, dass diese 43 Nm des Biactron-Antriebs direkt auf das Rad wirken und keine Leistungsverluste durch ein internes Getriebe oder die Kette auftreten.

In der Praxis arbeitete der Biactron-Motor im Klever X-Commuter dermaßen unauffällig und gleichzeitig kräftig, das ich gerade zu Beginn öfter per GPS die Geschwindigkeit kontrollierte: Ich konnte einfach nicht glauben, wirklich schon im Abriegelbereich des Antriebs unterwegs zu sein. Um wirklich sicher zu sein habe ich sogar einmal einen drahtgebundenen Tacho montiert.

Auch bergauf unterstützt der Motor kräftig und ausdauernd. Vom prinzipbedingten Nachteil des Überhitzens von Direktläufern an langen Steigungen konnte ich nichts feststellen. Auch nicht im rheinhessischen Hügelland, das für seine knackingen Steigungen fast schon berüchtigt ist.

klever_x_commuter_bremshebelIn echter Gebirgsumgebung mag das anders sein, aber dafür ist das Klever X Commuter nicht konzipiert. Wobei dort die Fähigkeit des Motors zur Rekuperation, also des Wiederaufladens des Akkus bei Bergabfahrt, sicher zum Tragen käme. Im eher flachen Rhein-Main-Gebiet sind dafür geeignete, ausreichend lange und nicht zu steile Gefällestrecken dagegen eher selten.

Die Abstimmung der Motorleistung durch die Elektronik erfolgt beeindruckend harmonisch, das Ansprech- bzw. Fahrverhalten ist sehr nahe am „normalen“ Radgefühl dran. Der elektrische Rückenwind stapelt hier tief, man ist schneller schnell, als es den Anschein hat.

Gut, dass die Scheibenbremsen von Tektro (Gemini, vorne 180mm, hinten 160mm) dem Vorwärtsdrang des X-Commuters jederzeit gewachsen sind. Da gilt auch bei Beladung.

Gepäckträger

klever_x_commuter_gepaecktraegerDas Testexemplar des Klever X Commuters war mit dem aus kräftigen Rundrohren gefertigten Gepäckträger ausgestattet.

Er erlaubt für ein Commuter-Bike bis zu 20 kg Zuladung und wird an nahezu unsichtbar angebrachten Befestigungen ans Rad geschraubt. Auch dies ein schönes Beispiel für eine gelungene Integration.

Zufall oder Absicht: Die Rohre des Trägers sind so dimensioniert, dass Ortlieb-Taschen ohne Distanzstücke ausgeprägt satt sitzen. Gleichzeitig ist die Beschichtung so widerstandfähig, das auch nach Testende kaum Gebrauchsspuren am Träger zu sehen waren.

 

Herausragende Verarbeitung

 klever_x_commuter_gewichtDurch dieses „satte Sitzen“ klappert auch bei oben genannten Kopfsteinpflasterstrecken nichts. Wie auch das gesamte Klever X Commuter durch die völlige Abwesenheit von Klappergeräuschen jeglicher Art glänzt. Was, gerade bei Berücksichtigung der im Rahmen verlegten Züge, auf eine außerordentlich gute Verarbeitung des Pedelecs schließen lässt.

Klever selbst spricht auf der Website von einem Rahmen, „der von den besten Aluminium-Rahmenbauern der Welt geschweißt wird…“ Was zunächst sehr nach „Marketing-Sprech“ klingt: Die Klapperfreiheit des Rahmens spricht sehr für diese Aussage.

Mit einem Gewicht von 27,12 kg (fahrbereit) gehört es aber nicht zu den besonders leichten Pedelecs.

Fazit

Mit dem X Commuter ist Klever ein beeindruckendes Pedelec für sportliche Fahrerinnen und Fahrer gelungen. Die außergewöhnliche Rahmenform ist ein überzeugendes Argument dafür, dass sich „Form“ und „Funktion“ nicht zwingend widersprechen müssen.

Das Design polarisiert, und das ist als ausdrückliches als Lob an die Designer gedacht. Noch nie wurde ich von so vielen Menschen unterwegs ausdrücklich auf die gelungene Designsprache des Klever X Commuters angesprochen.

Doch auch die Funktionswerte des Klever X Commuters überzeugen: Kräftiger, alltagstauglicher Gepäckträger, ausreichend lange Schutzbleche, griffige Pedale, passende Übersetzung, zuverlässige Bremsen. Dazu der hauseigene Biactron-Antrieb, der prima mit der dem sportlichen Habitus des Bikes harmoniert und dessen Akkukapazität für die avisierte Zielgruppe absolut ausreichend sein dürfte.

Gekrönt durch eine überragende Fertigungsqualität hat Klever mit dem X Commuter ein Pedelec auf die Räder gestellt „wie geschaffen für eine neue Generation von Pendlern“ (Zitat Website Klever).

Ich danke Klever-Mobility für das kostenfreie zur Verfügung stellen des Testrades.

[Fotos: VeloStrom]

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Alexander Theis

Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VelΩstrΩm.
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