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Nachrüst-Pedelecs Pendix

Test Pendix eDrive

Lesezeit etwa 12 Minuten

Mit dem eDrive von Pendix kann man ein Rad zum EBike machen. Ausführlicher Test des Antriebs.

rad_mit_pendix_totaleNachrüstantriebe haben ihren Reiz, das kann ich aus eigenem Erleben sagen. Denn mit dem Nachrüsten eines Rades zum E-Bike fing die Begeisterung für diese Art der Elektromobilität bei mir an. Dieses erste Pedelec ist nach mehr als sieben Jahren immer noch in Betrieb und macht auch noch Spaß. Doch wenn ich von modernen E-Bikes umsteige merke ich deutlich: Die Zeit ist nicht stehengeblieben. 

Vom technischen Fortschritt profitieren aber natürlich auch heutige Nachrüstsets, sie bieten deutlich mehr Fahrerlebnis. Das System von Pendix war zu einem Test bei VeloStrom.

Über Pendix

Die Pendix GmbH aus Zwickau ist seit September 2015 mit dem “Pendix eDrive” auf dem Markt. Das Unternehmen besteht seit 2013, die sechs Gründer haben zuvor Prototypen für die Automobilindustrie und den Motorsport entwickelt. Die Pendix GmbH beschäftigt aktuell 32 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz in einstelliger Millionenhöhe. Investoren sind u.a. der Technologiegründerfonds Sachsen, die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen und AS Vantage Holding.

Erster Eindruck

Das von Pendix zur Verfügung gestellte Testbike war ein 29er-MTB mit einem außergewöhnlichen Designelement: Zwei elegante Rohre verlaufen parallel auf der gesamt Länge von Sattel- zu Steuerrohr und bilden das Oberrohr. Das sieht nicht nur elegant aus, sondern lässt auch fast freien Blicke auf den Akku, der auf dem Unterrohr anstelle des Flaschenhalters montiert ist.

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Akku des Pendix eDrive.

Optisch ist der Akku mit seiner eleganten Formgebung in schwarz wirklich super gelungen. Am oberen Ende des E-Bike-Akkus befindet sich ein aus mattiertem Alu gefertigter Drehregler, mit dem man die Unterstützungsstufen (Eco, Smart, Sport) regelt. Der Regler macht einen sehr soliden Eindruck und fasst sich sehr wertig an. Beim Drehen ist keinerlei Spiel fühlbar, die einzelnen Stufen rasten nur leicht, aber gut fühlbar ein. Die Rändelung an den Seiten ermöglicht auch mit behandschuhten Händen eine sichere Bedienung. Super!

Aktiviert wird der Antrieb durch einen Druck auf den Schalter auf dem Drehregler, bei aktiviertem Antrieb leuchtet ein umlaufender LED-Ring direkt unterhalb des Reglers auf. Mit diesem Ring wird auch der Ladezustand des Akkus angezeigt: Grün (Ladezustand 100%), gelb (Ladezustand 70%), orange (Ladezustand 40%) rot (Ladezustand 10%).

Da alle Bedienelemente des Antriebs im Pedelec-Akku vereinigt sind wird kein separates Bedienteil am Lenker benötigt. Beim Nachrüsten spart das mindestens ein Kabel und Platz am Lenker ein. Prima gelöst, wie ich finde.

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Antrieb des Pendix eDrive.

Doch zu einem eBike gehört nicht nur der Akku sondern auch der Motor. Der ist bei Pendix als getriebeloser Direktantrieb ausgeführt und direkt in die linke Kurbel integriert. Kurbeln und Motor machen einen ebenso soliden und qualitativ hochwertigen Eindruck wie der Akku. Jedoch irriteert optisch die zunächst sehr ungewohnte linke Seite des Rades: Außer bei Tandems ist die linke Seite der Kurbel normalerweise eher zierlich, beim Pendix eDrive sitzt jedoch der Antrieb auf dieser Seite. 

Beim Umrüsten zum eBbike werden einfach die vorhandenen Kurbeln nebst Tretlager entfernt und durch den Pendix-eDrive inkl. passender Kurbeln ersetzt. Diese speziellen Kurbeln gleichen die etwas größere Baubreite des Motors aus, sodass sich ein etwas größerer Q-Wert ergibt.

In Fahrt

Doch genug des Theoretisierens, ich will jetzt endlich los und schwinge mich aufs eBike. Ein bisschen komme ich mir bei einem 29er immer vor, als säße ich auf einem Hochrad, doch der Eindruck ist rasch verflogen.

Zunächst lasse ich den Pendix eDrive noch aus, und das Rad fährt sich praktisch wie ein normales Rad. Die Zentralisierung der (Motor-)Massen nahe dem Tretlager sorgt dafür, dass das Mehrgewicht nicht wirklich auffällt. Zu messen ist es sicherlich, doch ohne direkten Vergleich kaum zu fühlen. 

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Blick durch den Rahmen auf die Akkuhalterung des Pendix eDrive. Gut zu sehen: Die magnetisierte Steckverbindung

Die etwas außergewöhnliche Rahmengestaltung des Testrades bietet einen Vorteil: Durch das geteilte Oberrohr kann man einen Blick auf den Pedelec-Akku werfen und sehen, ob er aktiviert ist. Ein besonderes Display ist hier tatsächlich nicht nötig. Das Fehlen jeglicher Bedien- oder Anzeigeelemente eines eBikes im direkten Blickfeld am Lenker sorgt für ein “normales-Rad-Gefühl”.

Aber hier ist ja ein Pedelec unterwegs. Also los: Ein sanfter Tipp auf den Powerknopf im “Deckel” des Akkus aktiviert die erste Unterstützungsstufe.

Der elektrische Rückenwind ist in der ECO-Stellung eher ein laues Lüftchen. Man spürt schon, dass da etwas mithilft, aber es ist halt recht dezent. Aber mal ehrlich: Eine Eco-Stufe soll ja auch die Reichweite maximieren, und das macht sie sicher gut. Auf ebener Strecke kann man, ohne Ambitionen auf maximalen Speed, mit lockerem Tritt recht mühelos 15 km/h erreichen und diese auch halten. 

Ein kurzer Dreh nach links am Akku schaltet auf die Stufe “Smart”. Ja, das ist schon ein deutlicher Unterschied zu “Eco”: Jetzt ist wirklich deutlicher Schub des eDrive zu fühlen. Das ehemals laue Lüftchen wird kräftiger und schiebt jetzt eher wahrnehmbar voran. Meine Trittfrequenz steigt, schließlich will ich ja fahren und nicht gefahren werden, und die nächst höheren Gänge sorgen dafür, dass die 20 km/h-Grenze flugs überwunden wird.

Ein weiterer Dreh nach links aktiviert “Sport” und jetzt ist es wirklich ein Rückenwind! Ebenso wie man einen Rückenwind nicht hört, hört man auch den Pendix eDrive nicht. Einer der Hauptvorteile eines sogenannten Direktläufers, also eines Elektromotors ohne Getriebe.

Kräftig geht es weiter bis zur sanften Abregelung bei 25 km/h. Das fühlt sich wirklich nach eBike an, kein Vergleich mit meinem alten, umgerüsteten Schätzchen! 

Von rechts kommt ein andere Radler auf die Straße gebogen und ich höre kurz auf zu treten. Huch, was war das? Mir war, als würde sich der eDrive und damit auch die Kurbel trotzdem ein Stück weiter drehen. Kann das sein?

Also beschleunige ich wieder, höre auf zu treten und: Tatsächlich, die Kurbel tritt kurz nach! Ein paar weitere Versuche zeigen, dass die Kurbel etwa eine viertel Umdrehung “nachschiebt” nachdem man mit dem Treten aufgehört hat. Nach Auskunft von Pendix handelt es sich dabei um ein typisches Verhalten eines Direktläufers.

Um es deutlich zu sagen: Ja, es fällt auf aber nein, es nimmt nie kritische oder gar gefährliche Züge an. Und nach ein paar Dutzend Fahrten hat man sich daran gewöhnt.

Uphill

Ich biege ab in Richtung “Hausberg” um zu sehen, wie sich der Pendix eDrive am Berg verhält. In der Nähe verläuft eine Art Hohlweg steil bergan, grob gepflastert, teils nur blanker Boden: Ideal für MTB’s und super zum Testen von Ansprechverhalten, Dosierbarkeit und Kraft des Antriebs.

Ich sortiere die Gänge (praktisch, das die originalen Kettenblätter weiterverwendet werden können), bleibe in Stufe Sport und fahre in den Hohlweg ein. Die Gabel tut ihr bestes um das Vorderrad trotz der Steigung und den Wackersteinen am Boden zu halten und der Pendix eDrive schiebt kraftvoll mit. Das ist ziemlich überzeugend.

An einer etwas kniffeligen Stelle nehme ich kurz Druck vom Pedal…und schubs bringt mich das Nachlaufen des Motors von meiner Linie ab. Das kam jetzt doch unerwartet, das muss ich nochmal ausprobieren.

Also fahre ich ein Stückchen zurück, wende und will aus dem Stand am Berg anfahren. Das klappt nicht so mühelos wie gedacht, denn bis der Pendix eDrive unterstützt dauert es gefühlt etwa ein halbe Kurbelumdrehung. Das kenne ich von meinem heckgetriebenen, selbst umgebauten Rad, es überrascht mich aber etwas an einem Mittelantrieb.

Als ich zu der Schlüsselstelle von vorhin komme greife ich zu einem kleinen Trick: Statt Druck vom Pedal zu nehmen bremse ich leicht hinten und tatsächlich: Es klappt, ich kann die kniffelige Stelle auf meiner gewünschten Linie befahren, ohne das mich der Antrieb drüber schubst. Na also, geht doch!

Stufe rot

Oben angekommen stelle ich fest, dass der Ring des eBike-Akkus statt wie bisher in grün nun rot leuchtet: Durch die Fahrmanöver im Vorfeld und im Hohlweg mit entsprechenden Belastungen hat sich der Akku schneller geleert als gedacht. Sicherlich ist das auch den niedrigen Außentemperaturen um 0 Grad geschuldet. Also ab nach Hause aber vorsichtshalber in Stufe “Smart”. Die Steigungen auf dem Weg zurück werden jetzt also etwas langsamer bezwungen.

Aufladen

pendix_akku_detailDer eDrive-Akku kann nicht am Rad geladen werden, als nehme ich, zu Hause angekommen, mit einem kurzen Dreh den Akku aus der Halterung am Rad – er ist nicht mit einem Schloss am Rahmen gesichert. Um einem Diebstahl vorzubeugen gibt es am Boden des Akkus allerdings einen ausziehbaren Stahlbügel. Mit dem kann man z.B. mit einem Koppelschloss den Akku am eBike sichern. Ziemlich umständlich meiner Meinung nach, aber designtechnisch ist der Verzicht auf ein Schloss sicher super. Da ist es fast schneller denn Akku einfach immer mitzunehmen. Zum Laden muss er ja sowieso immer mit.

Zum Lieferumfang gehört eine wirklich schön gestaltete Ladestation, die einen massiven und wertigen Eindruck macht. 

Der eDrive-Akku wird aufrecht draufgestellt, dank des Rosen-Steckersystems ist das Verpolen nicht möglich. Am leuchtenden Ring kann man den Ladevorgang und – Zustand erkennen, der Akku wird so fast zum Einrichtungsaccessoire. 

akku_in_ladestationNachteil der Ladestation: Sie ist recht sperrig und  auch recht schwer geraten, so dass man sie auf Radreisen eher weniger gern mitnehmen wird. Aber dafür ist sie auch nicht gedacht: Das Pendix-eDrive-System, es liegt schon fast im Namen, ist vorwiegend für Pendler gedacht und gemacht. Und da bleibt die Ladestation eh immer zu Hause.

Natürlich ist das Thema Reichweite immer eine der Hauptfragen bei jedem Pedelec – und genauso natürlich kann man darauf keine allgemein gültige Aussage treffen, zu unterschiedlich sind die Anwendungsszenarien.

Pendix bietet einen Akku mit 300 Wh und einen mit 500 Wh an. Bei den Testfahrten, die teils bei Temperaturen deutlich unter Null Grad Celsius stattfanden, kam ich mit dem 300 Wh Akku zwischen 15 und 40 km weit, je nach Strecke.

Für die meisten Pendlerstrecken sollte der kleine Akku daher also ausreichen – wohlgemerkt: Immer abhängig vom Einzelfall. So wird beispielsweise die erzielbare Reichweite beim Einsatz an einem Lastenrad auf hügeliger Strecke tendenziell geringer ausfallen als bei einem leichten Rennrad auf ebener Strecke.

Einsatz und Kosten

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Mit 21,12 kg ist das mit Pendix  eDrive nachgerüstete Rad im gängigen Bereich dessen, was ein “nacktes” E-MTB wiegt (Klicken zum Vergrößern).

Der Pendix eDrive kann an die meisten Fahrräder (Zitat Pendix: “mit handelsüblichem Bauraum und Tretlager mit Standardgewinde BSA 68 mm / 73 mm”) nachgerüstet werden. Der Umbau selbst wird nur von autorisierten Händlern vorgenommen, die sich vor Umbau vom Zustand und der Eignung des Rades überzeugen.

Das ist wichtig, da nach aktueller Rechtsauffassung (Stand 05/2018) mit dem Umbau zum Pedelec ein neues Fahrzeug entsteht. Dadurch erlischt eine eventuelle Gewährleistung des Radherstellers; der Umbauende wird zum Hersteller des neuen Fahrzeugs und haftet entsprechend.

Manche Fahrradhersteller bieten deshalb ihre Räder schon fertig mit dem Pendix eDrive ausgerüstet an. So zum Beispiel Muli-CyclesChristiana Bikes oder Boettcher Fahrräder

Wer den eDrive ans eigene vorhanden Fahrrad nachrüsten will muss mit Kosten von 1.490 € für das System mit 300 Wh-Akku bzw. 1.690 €  für die Ausführung mit 500 Wh-Akku rechnen (Preise Stand 05/2018). Dazu kommen die Kosten für die Montage beim Pendix-Händler.

Fazit

Der Pendix eDrive ist eine interessante Variante zur Umrüstung des eigenen Rades zum Pedelec. An die ungewohnte Optik und das “Nachschubsen” des Antriebs gewöhnt man sich rasch.

Durch die konsequente Ausrichtung auf Pendler geht meiner Meinung nach sowohl die Reichweite als auch die Art des Ladens über eine Ladestation in Ordnung. Super finde ich die reduzierte Bedienung ausschließlich über den Drehregler des Akkus, der Lenker am Rad bleibt “sauber”. Für manche ein Nachteil: Zum Umstellen der Unterstützungsstufe muss man eine Hand vom Lenker nehmen.

Sehr unpraktisch finde ich die Lösung der Akkusicherung, zum Beispiel mit einem Kabelschloss: Fummelig mit der Gefahr, die Sicherung deshalb im Zweifel zu vergessen. Und den eBike-Akku mitzunehmen ist auch nicht immer eine Option.

Ob sich der Umbau des eigenen Rades lohnt, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Theoretisch wäre die Mitnahme des Antriebssystems beim Fahrradwechsel möglich, wodurch freilich wieder Montagekosten anfallen. Eine Alternative wäre der Kauf eines bereits “von Werk aus” mit dem Pendix eDrive ausgerüsteten Rades.

Infos zum Pendix eDrive sind online unter www.pendix.de zu finden.

Mein Dank geht an Pendix für das kostenfreie zur Verfügung stellen des Testrades.

[Text: [at],Fotos: VeloStrom]

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Alexander Theis
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