fantic-fatsport-888-auf-feld
Fatbike Fertig-Pedelecs Test & Technik

Dauertest Fantic FatSport GS 888: Abschlußbericht und Fazit

Lesezeit etwa 10 Minuten

[at] Das Fantic FatSport GS 888 war seit Dezember 2018 bei VeloStrom zum Dauertest. Zum Ende des Dauertestzeitraum hier das Fazit.

fantic-fatsport-888-auf-feld
Debrauchtes Bike von Greenstorm: Das Fantic Fat Sport GS 888 war bei VeloStrom ein Jahr zum Dauertest. 

Ein Fatbike als Dauertester stand schon lange auf meiner Wunschliste, eigentlich seit ich 2015 das Felt Lebowsk-E testen konnte. 

Als ich dann bei Greenstorm sah, das gebrauchte Fantic Fat Sport GS 888 mit Garantie und wenigen Kilometern angeboten wurde, war fast schon klar, was passieren würde. Ein paar Wochen später holte ich das Fatbike aus dem Karton. 

Used Bike mit nur 82 km

fantic_fatsport_gs_888_durchgechecktDass es sich um ein gebrauchtes Rad handelte war kaum zu erkennen, nur die Reifen waren ein wenig angefahren. “Ein wenig” kann wirklich wörtlich genommen werden, denn das Bike hatte erst 82 km auf dem Display. Wie alle gebrauchten Räder von Greenstorm wurde auch das Fantic vor dem Versand durchgecheckt, das Protokoll hing als Nachweis am Lenker. Durch den Check ist man sich auch bei Greenstorm sicher, dass kein defektes Rad in Umlauf kommt: Immerhin gibt es auch auf gebrauchte Räder 2 Jahre Hersteller- und Greenstorm Garantie auf Rahmen und Akku.

Die ersten Testfahrten gingen mit einem breiten Grinsen einher, das FatSport macht einfach großen Spaß und ist ein Hinkucker par excellance. Nach ein wenig Experimentieren mit dem Reifendruck hatte ich den richtigen Kompromiss zwischen Komfort und Härte gefunden. Denn ist der Reifen zu weich braucht es viel Kraft, um das Bike zu einer Richtungsänderung zu bewegen. Ist er zu hart aufgepumpt geht der Komfort flöten. Wobei man auch beim Aufpumpen umdenken muss: Drücke um 1,0 bar bringt man normalerweise nicht mit “hart aufgepumpt” in Verbindung.

Das FatSport wurde beim mir überwiegend zum Pendeln genutzt. Da ich ungern mit Rucksack fahre, gab es kurz vor Weihnachten 2018 ein Update in Form eines Gepäckträgers:  “Topeak UNI Super Tourist FAT” Damit konnte ich meine Arbeitstasche besser transportieren und bei Pfützendurchfahrten den Einferkelfaktor von hinten ganz gut im Zaum halten.

fantic_fatsport888_alltag_einkaufVorne mühte sich ein Mudguard redlich, konnte aber kritische Blicke meiner Kolleginnen nicht verhindern, wenn ich nach einer Regenfahrt morgens ins Büro kam. Deshalb gab es als nächstes Update Schutz”bleche”, in dem Fall aus Kunststoff. Die eigentlich als Provisorium gedachte Fixierung des vorderen Schutzfängers per Kabelbinder ist immer noch im Einsatz: Ich habe bisher keine (optisch) passenden Schraubschellen für die mächtige RST Renegade gefunden.

Apropos RST Renegade: Die hat sich entgegen der ersten Vermutung doch auch am Fatbike als sinnvoll herausgestellt. Denn ein mit wenig Druck gefahrener Reifen federt zwar, aber er dämpft nicht. Und da ich die Reifen eher “hart” fahre steigerte die Federgabel den Komfort an der Front deutlich. Hinten war es nicht gar so schlimm. Denn durch die Last auf dem Gepäckträger wurde das Luftpolster im Reifen stärker komprimiert, so fiel die fehlende Dämpfung nicht wirklich auf.

Brose + FatBike = prima Paarung

fantic_steigungDer Brose-Antrieb am Fantic Fat Sport GS 888 passt prima zum Bike. Die Kraftenfaltung des Motors sorgt gemeinsam mit der passend abgestimmten Endübersetzung dafür, dass man selbst bei steilen Anstiegen kaum aus dem Sattel muss. Die Shimano Deore serviert die 10 Gänge stets knackig und zuverlässig, dank nur einem Kettenblatt gibt es auch keine “verbotenen Gänge”.

Der Akku bietet mit 630 Wh Kapazität für meinen Anwendungszeck bisher immer genügend Reichweite. Auch wenn das Display mit teils dreistelligen Reichweitenangaben lockte sind 75 km im Tourmodus immer drin gewesen, in der maximalen Unterstützungsstufe wohlgemerkt. Aber wie immer gilt auch hier: Die Reichweite ist immer abhängig von Gepäck, Terrain, Luftdruck in den Reifen, Fahrweise usw. und damit hoch individuell.

Fatbike sorgt für Aufsehen

Individuell ist genau das richtige Stichwort: Wer mit einem Fatbike unterwegs ist muss sich dran gewöhnen, für Aufsehen zu sorgen. Das reicht von Fahrern fetter Ami-Pickups über Motorradfahrer und Kinder, die unglaublich viel Spaß an der Optik der fetten Reifen haben. In Frankreich meinte ein ca. 16jähriger zu mir “Bonne veló, monsieur!” – das will wohl was heißen!

Die Optik des Fantic Fat Sport 888 , vor allem die rot-schwarz-weiße Farbkombi, gefällt auch mir nach wie vor immer noch sehr gut. Fantic sorgt durch metallisch glänzende Applikationen am Motor noch zusätzlich für etwas italienischen Chic. Was jedoch wie Alu aussieht ist in Wahrheit eine Klebefolie, die mittlerweile teils etwas zur Ablösung neigt.

Das könnte jedoch auch daran liegen, dass das Fatsport in den Niederlanden und Frankreich auch mal artgerecht am Strand bewegt wurde und dabei natürlich auch mit salzhaltiger Luft und Feuchtigkeit in Berührung kam. Die Einflüsse der salzhaltigen Luft zeigten sich auch ein wenig an der Kassette sowie ein wenig an den Polen des Akkusteckers. Bei letzterem musste ich manchmal beim Akkuwechsel wohl deshalb etwas Nachdruck walten lassen. Die restlichen leichten Rostspuren an den VA-Schrauben des Gepäckträgers sind wohl weniger der Nordsee als vielmehr der Montage mit “nicht-VA-Werkzeug” geschuldet: Der dabei zurückbleibende minimalen Abrieb sorgt für diese etwas morbide Optik.

Fahrradträger für Fatbike: Yakima Just Click 2

fantic-fat-bike-auf-hecktraeger-yakima-just-click-2-schienen-ebenenDen Weg sowohl in die Niederlande als auch nach Frankreich legte das Fantic auf dem Heckgepäckträger zurück. Das klappt mit dem Yakima Just Click 2 sehr gut.

Denn bei diesem Träger sind die Radschienen nicht nur weiter auseinander sonder auch in der Ebene versetzt zueinander montiert!  Außerdem stehen die dicken Reifen besser auf der Schiene auf, auch wenn sie nicht breit genug ist um das Format komplett aufzunehmen.

 

Neue Reifen und…

Kurz vor dem Dauertestende mussten noch neue Reifen her. Weniger wegen Verschleiß der originalen Reifen, sondern viel mehr weil ich neugierig war, ob mit moderneren Reifen möglicherweise das Einlenkverhalten in Kurven anders werden würde.

Denn durch die breite Aufstandsfläche der Reifen setzen diese einer Richtungsänderung relativ viel Widerstand entgegen. Mehr Luftdruck verbessert das Verhalten zwar, aber dann geht auch der Komfort flöten – und damit einer der Hauptreize beim FatBike.

fantic-fat-sport-gs-888-neuen-reifen-abstand-kettenstrebeAuf der Suche nach entsprechenden Reifen stieß ich auf den “Bulldozer” von VeeTire, von dem die Werbeprose ja wahre Wunderdinge verspricht. Nach einer intensiven Beratung bei auf fatbike24.de  hatte ich mich schließlich für den Reifen entschieden, der mit seiner Breite von 4,25 Zoll (original 4 Zoll) übrigens gerade noch so in den Rahmen passte.

Gemessen an meinem Anwendungsszenario (Pendeln auf meist festen Wegen, kaum Offroad-Einsatz) zeigte sich der Bulldozer von VeeTire bei ähnlichem Luftdruck tatsächlich leichter im Einlenkverhalten als die originalen Pneus, die jedoch 0,25 Zoll schmaler sind. Im Gegenzug stieg der Komfort etwas an, ebenso wie das Laufgeräusch. Beides sind jedoch Faktoren, die ehrlicherweise nur im direkten Vergleich auffallen.

Durch die breiteren Reifen ist jedoch weniger Platz zwischen Rad und Schutzblech, eine Tatsache, die insbesondere an der Front immer wieder nervte. Denn das provisorisch befestigte Schutzblech suchte immer mal wieder Kontakt mit dem Reifen was zu teils arg nervigem Schleifen führte. Also: Entweder ohne Schutzbleche fahren oder eine gescheite Befestigung finden.

…neuer Gepäckträger

wren-traeger-einzelteileDurch das breite Reifenformat ist die Auswahl an Gepäckträgern für FatBikes nicht sehr groß. Der montierte “Topeak UNI Super Tourist FAT” hat sich bisher prima bewährt. Bei der Suche nach anderen Reifen stieß ich bei FatBike24.de auf einen Gepäckträger von WREN. Der soll ein wahrer Tausendsassa sein und für alle Radgrößen von 26 bis 29 Zoll sowie für Reifenbreiten von ein bis fünf Zoll passen. Damit wäre er ein idealer Träger für alle Fatbikes. Leider war der Träger eine Weile nicht lieferbar, traf aber kurz vor Ende des Dauertests dann doch noch ein. 

Der Träger kommt in einem flachen Paket und ist in ca. 30 Minuten zusammen- und angebaut. Von der Optik her ist er deutlich zierlicher als der Topeak und auch 495g leichter als dieser. Wobei das bei einem FatBike in der Regel weniger ins Gewicht fallen wird. Wichtiger ist der clevere Verstellmechanismus der dafür sorgt, dass der Träger tatsächlich an sehr vielen Bikes mit unterschiedlichsten Reifenbreiten montierbar sein wird.

Durch das Ende des Dauertest des Fantic FatSport 888 konnte ich die Qualitäten des WREN nicht ausführlich testen. Das wird sicherlich am nächsten Dauertestbike fortgesetzt werden.

Der bisher montierte “Topeak UNI Super Tourist FAT” verdient auf jeden Fall eine dicke Empfehlung.

Tschüss, Fantic!

Jetzt ist das Fantic FatSport GS 888, wieder im Originalzustand, auf dem Weg zurück zu Greenstorm. Am liebsten hätte ich es behalten, denn kaum ein Rad vorher bereitete mehr Vergnügen, beim Fahren und beim Schauen. Doch leider ist der Platz in meiner Garage begrenzt.

fantic_fatsport_gs_888_gewichtNatürlich ist der Rollwiderstand der breiten Reifen höher als der der schmäleren Pneus, aber dank des kraftvollen Brose-Antriebs ist das beim E-Fatbike überhaupt kein Problem. Das Bike erwies sich als sehr zuverlässig, sowohl von den mechanischen als auch den elektrischen Komponenten. Nie ließ es mich im Stich, auch im Winter konnte ich bei meinen Pendelfahrten dank der großen Akkukapazität auf das Nachladen im Büro verzichten. Mit Fendern und Gepäckträger ergänzt war das FatSport sehr nahe am perfekten Pendlerrad, mit etwas mehr zulässigem Gesamtgewicht auch ein sehr gutes Reiserad.

Die einzigen “Problempunkte” aus meiner Sicht sind Sattel, Lenkergriffe und eventuell die Sitzposition. Der Sattel war nur bis rund 40 km bequem und die Griffe verdrehten sich permanent. Beide lässt sich jedoch mit wenig Aufwand ändern. Die Sitzpostion ist sportlich, aber nicht zu weit gestreckt. Das kann auf Dauer jedoch etwas anstrengend sein. Dagegen hilft entweder Training der Rumpfmuskulatur oder ein anderer Vorbau am Bike.

Aus meiner Sicht ist das Fantic FatSport GS 888 ein nahezu perfektes und vor allem äußerst zuverlässiges Pedelec, das mit seiner Konzeption ein sehr breites Einsatzspektrum bietet. Und als gebrauchtes Bike bei Greenstorm dazu auch noch ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis.

Hier alle Artikel zum Fantic FatSport GS 888.

[Fotos: VeloStrom]

Jetzt VeloStrom-Newsletter abonnieren und kostenloses E-Book-sichern:

Alexander Theis

Experte für alles rund ums Thema Pedelec und E-Bike, Gründer und Herausgeber von VeloStrom.de
Seine Mission: Menschen für das Pedelec begeistern!
Alexander Theis