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E-Bike-Tests Riese & Müller

Riese & Müller Charger3: Vorstellung des neuen Dauertest-E-Bikes

Lesezeit etwa 9 Minuten

Das Charger3 von Riese und Müller ist Dauertestbike im Jahr 2021. Eine Vorstellung des Premium E-Bikes.

Inhalt

Einleitung

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Darf ich vorstellen: Das Riese und Müller Charger3 GT Vario HD 625 Kiox

Riese und Müller, Premiumhersteller aus Mühltal bei Darmstadt, baut E-Bikes, E-Cargobikes und das Faltrad Birdy. Gegründet wurde das Unternehmen 1993 von Markus Riese und Heiko Müller, mit aktuell mehr als 450 Mitarbeiter werden in Hessen Premium-Bikes sowie innovative und anwendungsorientierte Produkte rund um das E-Bike entwickelt. Riese und Müller ist weltweit präsent und vertreibt die Bikes über ein exklusives Fachhändlernetz.

Das Charger 3 GT Vario HD 625 Kiox wird von OK-move aus Bad Kreuznach für den Testzeitraum kostenfrei zur Verfügung gestellt. OK-Move berät auch telefonisch und versendet die Bikes deutschlandweit. Wer also auf der Suche nach einem neuen E-Bike ist, sollte auf jeden Fall mal im gut sortierten Online-Shop von OK-move vorbeischauen.



Besonderheit: Fertigungstiefe

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Charger3 GT Vario HD 625 Kiox in “ceramic white”

Riese und Müller fertigt fast das komplette E-Bike direkt in Mühltal, echtes “Made in Germany” also. Das erfordert eine ausgeklügelte Lagerlogistik, versetzt den Hersteller aber in die Lage, auf Änderungen bei der Nachfrage schnell zu reagieren. Das zahlte sich gerade im Corona-Jahr 2020 aus: Riese und Müller blieb trotz enorm gestiegener Nachfrage für fast alle Modelle lieferfähig.

Die Unabhängigkeit von einem unter Umständen weit entfernten Montagebetrieb hat aber noch einen weiteren Vorteil. Durch die Montage im Haus kann Riese und Müller viel mehr Einfluß auf die Fertigungsqualität nehmen. Beispielsweise bei den Laufrädern. Diese werden in Mühltal maschinell eingespeicht.

Das maschinelle Einspeichen sichert eine gleichbleibend hohe Qualität: Das Rad verlässt erst dann die Maschine, wenn ein bestimmtes Toleranzmaß für den Rundlauf erreicht ist. Das sorgt für ein robustes Laufrad sowie guten Rundlauf des gesamten Fahrrads, in der Folge für weniger manuelle Nacharbeiten beim Händler oder Kunden und damit für eine hohe Kundenzufriedenheit.

Hier ein kurzes Video eines Einspeichroboters, entstanden auf der Eurobike 2017. Hier werden die Speichen “eingeschossen”.
In diesem Video, ebenfalls entstanden auf der Eurobike 2017, wird das Laufrad zentriert.

Übrigens: Je besser der Rundlauf des Laufrades sein soll, je länger dauert das Einspeichen in der Maschine – sicher auch ein Grund für den etwas höheren Preis der Räder aus Mühltal.

Premium-E-Bike Charger3: E-Bike für Stadt und Pendler

Das Charger3 ist von Riese und Müller als Allroundbike positioniert. Praxisgerecht fürs tägliche Pendeln ausgestattet, gleichzeitig aber auch robust genug für Einkäufe und auch die große Tour. Riese und Müller bietet bei diesem Modell einige Varianten und eine Vielfalt an Ausstattungsmöglichkeiten. Für den Dauertest habe ich mich für das Charger3 GT Vario HD 625 Kiox in “ceramic white” entschieden. Eine lange Typenbezeichnung, die jedoch einen Großteil der Features bereits im Namen trägt:

GT

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Charger3 GT Vario: Praxisgerechte Zuladung dank 160 kg zulässigem Gesamtgewicht.

Das “GT” beim Dauertestbike steht für “Gran Tourismo”. Damit wird üblicherweise ein sportliches, elegantes Fahrzeug bezeichnet, das gleichzeitig aber tauglich für die Langstrecke ist. Sicherlich liegt Schönheit im Auge des Betrachters, jedoch ist das Charger3 GT mit den clever versteckt verlegten Zügen und Leitungen durchaus elegant, besonders in der Lackierung “Ceramic White”.

Das E-Bike ist für den Straßeneinsatz gedacht, die Bereifung mit Schwalbe Big Ben Plus dafür, meiner Meinung nach, eine gute Wahl. Wer mehr auf unbefestigten Wegen unterwegs ist wählt die “GX”-Variante mit grobstolligen All-Terrain-Reifen und griffigeren Pedalen.

Ebenso tourentauglich wie die Bezeichnung “GT” nahelegt ist der Gepäckträger, der bis zu 27 kg Zuladung verträgt sowie das zulässige Gesamtgewicht von 160 kg. Ebenso “GT”: Der Endantrieb per Gates-Riemen ist maximal wartungsfrei im Betrieb, auch bei widrigen Bedingungen und auf langen Strecken.



Vario

Das “Vario” in der Modellbezeichnung weist auf die verwendete Schaltung hin. Das E-Bike verfügt über die Enviolo380, eine stufenloses Nabenschaltung, die Lastspitzen beim Schalten vermeidet und eine besonders gleitende Fahrt ermöglichen soll. Diese Schaltung wurde bis vor ein paar Jahren noch als NuVinci vertrieben. Das erklärt den Schriftzug an der intuitiven und vollmechanischen Anzeige der Übersetzung am rechten Lenkerende: Beim Dreh am Schaltgriff erhebt sich vor dem stilisierten Radfahrer entweder ein Berg (kurze Übersetzung, leichtes Treten) oder der Berg glättet sich zu einer Ebene (lange Übersetzung, schwereres Treten).

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Die Brems- und Schaltarmatur am Riese und Müller Charger3

Interessant am Rande: Während beim Tern GSD, das vor kurzem im Test bei VeloStrom war, der Griff bei einer Steigung für die kurze Übersetzung nach hinten gedreht werden muss muss beim Charger3 GT Vario der Griff dazu nach vorne gedreht werden.

HD

Das “HD” steht bei Riese und Müller für “Hybrid Drive”, also ein Pedelec, das bis 25 km/h unterstützt. Die S-Pedelec-Varianten tragen “SD” (Speed Drive) im Namen. Das Charger3 GT Vario HD wird von einem Bosch Performance Line Antriebe der 4. Generation angetrieben. Erkennbar an dem großen Kettenrad, während die Motoren der 3. Generation ein kleines Kettenrad nutzen.

Der Bosch Perfomance Line CX Gen4 bietet eine Tretkraftunterstützung bis 340% und zerrt mit bis zu 85 Nm am Antriebsstrang. Bosch verspricht wirkungsvolle Unterstützung bis zu einer sehr sportlichen Kadenz von 120 U/min, im Vergleich zur Generation 3 weniger Tretwiderstand bei Fahrten oberhalb der Unterstützungsgrenze sowie 25% weniger Gewicht kombiniert mit geringerer Baugröße.

625

Der Antrieb wird beim Dauertestbike von einem 625 Wh-Intube-Akku mit Energie versorgt, was die Bezeichnung “625” erklärt. Dieser Akku sorgt für eine Reichweite, die auch bei kalten Temperaturen für meine tägliche Pendelstrecke (rund 16 km einfach) keine Probleme erwarten lässt. Zur Wahl stünde noch die “DualBattery 1125 Option”, die mit einem zusätzlichen 500 Wh-Akku auf dem Unterrohr jede Reichweitendiskussion am Stammtisch im Keim erstickt. 

Ein kleiner “Äpfel-Birnen-Vergleich” sei an dieser Stelle erlaubt: Beim Dauertest S-Pedelec Stevens E-Triton 45 reichen die 500 Wh des Akkus im Winter nicht ohne Aufladen für die Hin- und Rückfahrt in höchster Unterstützungsstufe. Freilich hat das S-Pedelec auch einen höheren Energieverbrauch.



Kiox

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Kiox-Display, verstellbarer Vorbau und Trinkflasche am Charger3 GT Vario

Beim E-Bike Charger3 stehen mehrere Displaytypen zur Wahl. Das Bosch Intuvia ist Serienausstattung, zusätzlich kann das Nyon-Display oder die kompakte KIOX-Anzeige gewählt werden.

Ich habe mich beim Test E-Bike für das Kiox-Display entschieden. Zum einen deshalb, weil es sehr kompakt gehalten ist und trotzdem alle wichtigen Anzeigen bietet. Zum anderen aber auch, weil es, gekoppelt mit Smartphone und der App “eBike connect” von Bosch auch die Routenführung auf dem KIOX-Display erlaubt.

Ausstattungs-Feuerwerk – mit Folgen

Das Riese und Müller Charger3 GT bietet neben den oben genannten Ausstattungspunkten noch einige andere Schmankerl.

Mit 29,35 kg ist das Charger3 ein eher schweres E-Bike.

Zum Beispiel den verstellbaren Lenkervorbau von Ergotec, ergonomische Lenkergriffe GP-1 von Ergon, die Supernova Mini-Frontleuchte mit Dauerlichtfunktion, Magura MT5-Bremsen mit Vierkolbensätteln vorne und hinten oder die Luftfedergabel Suntur AION 45. Die Gabel ist für S-Pedelecs zugelassen, bürgt dementsprechend für entsprechende Stabilität sowie durch die Luftfederung für sensibles Ansprechveralten. Interessante Details an der Gabel: Schwarz anodisierten Standrohre (macht die Oberfläche härter) aus Alu, Tauchrohre aus Magnesium, einstellbare Zugstufe.

Ebenso wie die Gabel kommt bei diesem E-Bike die Parallelogramm-Federsattelstütze Thudbuster von Cane Creek dem Fahrkomfort zu Gute. Eher zum Thema Sicherheit trägt die dauerlicht-Funktion der Beleuchtung und das serienmäßige Abus-Hinterbauschloß (mit gleichschliessendem Schlüssel zum Akku) bei.

Die beiden Trinkflaschen an speziellen Haltern im Lenkkopfbereich sind für Touren ideal und sparen Stauraum für Trinkflaschen in den Packtaschen.

Dass diese reichhaltige und sinnvolle Ausstattung nicht ohne Folgen bleiben kann ist klar: Die Waage zeigt 29,35 kg – das Riese und Müller Charger3 GT Vario HD 625 Kiox gehört damit zu den schweren Pedelecs. Von den E-Bikes, die bisher bei VeloStrom zum Test waren, war lediglich das QWIC Performance RD10 noch etwas schwerer.



Durch die bereits erwähnten 160 zulässigen Kilogramm Gesamtgewicht bleiben beim Charger3 GT Vario für FahrerIn, Gepäck, Verpflegung und was man sonst so auf Tour braucht noch praxisgerecht gute rund 130 kg übrig.

Fahrgefühl

Das Fahrgefühl passt zur Anzeige der Waage. Dabei ist das Charger3 jedoch nicht unhandlich, vielmehr liegt es satt auf der Fahrbahn und vermittelt… wie beschreibe ich es am besten?

Vielleicht so: Den Autos von Mercedes-Benz wurde früher das “schwere-Wagen-Gefühl” zugeschrieben. Gemeint ist damit ein Fahrgefühl, das Vertrauen, Komfort, Solidität und Souveränität vermittelt. Ja, das ist es: Beim Charger3 habe ich genau diese Empfindungen, sogar noch mehr. Es fühlt sich auf den ersten Kilometern schon so an, als könnte man direkt zur Fahrt rund um die Landesgrenzen aufbrechen.

Ich bin sehr gespannt und freue mich auf die Fahrten mit dem Charger3 GT Vario HD 625 Kiox und werde natürlich berichten.

[Text [at], & Fotos: Velostrom]

Alexander Theis