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E-Bike-Tests E-Bikes Test & Technik

Test E-Bike Moustache „J. all“

Lesezeit etwa 23 Minuten

Der beste vollgefederte Tiefeinsteiger? Das Urbanbike „J“ von Moustache aus Frankreich war bei VeloStrom zum Test.

Obwohl Moustache weltweit jährlich mehr als 65.000 Pedelecs in 14 (!) Kategorien (sogar ein FatBike ist dabei) baut, ist das Unternehmen in Deutschland nur wenigen bekannt. Doch das wird sich bald ändern, da bin ich sicher.

„Moustache“ ist französisch für „Schnurrbart“ und bezieht sich auf die Form des charakteristischen Lenkers, der viele der Fahrräder des Herstellers ziert – das „J“ jedoch nicht.

Die meisten E-Bikes von Moustache sind nach Wochentagen benannt, gefolgt von einer Zahl, die sich auf die Laufradgröße bezieht. Doch es gibt auch Ausnahmen davon – eine ist das „J“.

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Weitere Informationen

Das zeigt schon, dass dieses Pedelec „Made in France“ eine Ausnahmeerscheinung ist. Ob das auch für die restlichen Qualitäten gilt wird der Test zeigen.

Moustache

Seit etwa 10 Jahren gibt es Fahrräder von Moustache. Für die Gründer Emanuel „Manu“ Antonot und Greg Sand war von Anfang an klar, dass sie sich nur auf E-Bikes konzentrieren würden. Als Motorenlieferant hatten die beiden sich Bosch auserkoren.

„Ich werde nie den Blick vergessen, den ich mit Manu tauschte, als uns das gesamte Team von Bosch in Reutlingen nach unserer Präsentation applaudierte! Moustache ohne Bosch wäre nicht Moustache!“ sagt Greg Sand.

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Doch es ist nicht nur der Antrieb, der die Pedelecs aus Frankreich auszeichnet. Das zeigen auch die Preise, die das „J“ sammelt: Neben dem Eurobike Gold Award, dem German Design Award und dem Design & Innovation Award sticht der Gold iF Design Award 2024 dabei besonders heraus: Denn unter nahezu 11.000 Beiträgen aller Branchen im Jahr 2024 hat das Moustache J als einziges Fahrrad diese renommierte Auszeichnung erlangt.

Design und Innovationen sind das eine – Qualität im Alltag eine andere. Doch auch hier brilliert Moustache:

Alljährlich lädt das renommierte Branchenmagazin SAZbike Fachhändlern dazu ein, ihre Lieferanten zu bewerten. In diesem Jahr haben sich deutschlandweit über 500 Experten an dieser digital durchgeführten Erhebung beteiligt. Es ging darum ihre Einschätzungen der Lieferanten in Kriterien wie Außendienst, Innendienst, Kundenservice bei Anfragen und Reklamationen, Qualität der Vormontage, Fertigungsstandards und umgesetzte Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu teilen.

Moustache belegt aus dem Stand heraus den 1. Platz der Handelspartner Fahrrad / E-Bike 2023! Darüber hinaus konnten sich die Franzosen in einigen der einzelnen Segmente direkt auf dem 1. Rang positionierten.

Mehr als nur ein Ritterschlag, zumal auch bekannte und teils seit Jahren gut platzierte Mitbewerber auf die Plätze verwiesen wurde. Auf diese Auszeichung kann das Team um Steffen Krill, Marketing-Manager für Deutschland und Österreich, mit Recht stolz sein.

Moustache „J“- Herstellung

Das Moustache „J“ setzt neue Maßstäbe im E-Bike-Sektor, besonders wenn es um Nachhaltigkeit und Effizienz in der Herstellung geht.

Eines der grundlegenden Ziele bei der Entwicklung dieses innovativen E-Bikes war die Realisierung kurzer Lieferwege: Statt der branchenüblichen 18.500 Kilometer Wegstrecke erzielt das „J“ eine beeindruckende Reduzierung auf unter 1.000 Kilometer vom ersten Produktionsschritt bis zur finalen Montage. Dies führt nicht nur zu einer beachtlichen Verringerung der CO2-Emissionen, sondern ermöglicht auch eine agilere Entwicklung und Produktion.

Zur Fertigung des robusten Aluminiumrahmens wird eine hochwertige Legierung verwendet, die direkt aus dem Erz extrahiert und von Partnern in Frankreich und Italien bezogen wird. Ein engagiertes Recycling-Konzept sorgt dafür, dass im Produktionsprozess anfallende Abfälle und Materialüberschüsse konsequent wiederverwertet werden.

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Das Gussverfahren des zweiteiligen Rahmens, das in Vitrolles nahe Marseille stattfindet, ist in dieser Form ein Pionierakt: Interne Verstärkungen optimieren die Rahmenkonstruktion so, dass sie trotz ihrer Tiefeinsteiger-Bauweise eine Torsionssteifigkeit auf dem Niveau eines klassischen Diamantrahmens bietet.

Weitere Präzisionsarbeiten am Rahmen werden in Poligny, im Herzen des französischen Jura, vorgenommen, bevor in Schirmeck im Elsass das Pulverbeschichten erfolgt – ein Verfahren, das ohne die bei herkömmlichen Lackierungen genutzten Lösungsmittel auskommt.

Schließlich findet die Endmontage des Moustache „J“ im eigenen Werk in den malerischen Vogesen statt, wo jedes Detail mit Sorgfalt und einem hohen Qualitätsanspruch vollendet wird.

Nur Worthülsen? Die Auszeichnungen (siehe oben) sprechen eine andere Sprache.

Moustache „J“- Positionierung

Bei der Entwicklung des Moustache „J“ standen neben den nachhaltigen Aspekten auch Anwenderfreundlichkeit und Universalität im Fokus.

Das ambitionierte Bestreben war es, ein E-Bike zu konzipieren, das durch seinen hohen Komfort sowie sein exzellentes Handling überzeugt und mit einer ansprechenden, klaren Ästhetik punktet.

Ziel war es, ein Fahrrad zu erschaffen, das sich für die verschiedensten Verwendungszwecke eignet und dabei so gestaltet ist, dass es Fahrerinnen und Fahrer unabhängig von ihrer Körpergröße oder Proportion ideal unterstützt.

Moustache „J“- Ausstattung

Die Konzeption des Moustache „J“ zielt darauf ab, außergewöhnlichen Komfort in den Alltag des E-Bike-Fahrens zu integrieren. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leistet das Antriebssystem:

Der Bosch Performance Line Mittelmotor in Verbindung mit dem Hinterrad ist auf einer speziell entworfenen Triebsatzschwinge montiert. Diese ist durch eine zentrale Achse und zwei groß dimensionierte Lager fest mit dem Hauptrahmen verbunden und wird durch einen justierbaren Stoßdämpfer abgefedert. Für das Vorderrad sorgt eine hochwertige Luftfedergabel von Suntour für die nötige Führung und Dämpfung.

Die Gestaltung des Tiefeinsteiger-Rahmens erleichtert das Auf- und Absteigen erheblich, während die vom Lenker aus steuerbare Teleskop-Sattelstütze dafür sorgt, dass auch bei erhöhter Sattelposition die Füße beim Stop bequem und sicher den Boden erreichen.

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Für eine ergonomische Haltung und ein natürliches Sitzgefühl sorgt der anpassbare Lenker mit einem verstellbaren Vorbau, in den der Trelock-Lighthammer Frontscheinwerfer nicht nur funktionell, sondern auch ästhetisch passend eingefügt ist. Zudem sind alle Kabel, sofern dies praktikabel ist, sauber im Rahmen verlegt.

Auch der Akku findet im Rahmen Platz, mit der Option, durch einen zusätzlichen Bosch Power-More-Akku die Reichweite bei Bedarf zu erhöhen.

Hinsichtlich der Bereifung bietet das Moustache „J“ – je nach gewählter Ausführung – Varianten, die für optimale Performance sorgen: von 2,4 Zoll breiten Schwalbe Super Moto X über 2,6 Zoll breite Johnny Watts bis hin zu 2,4 Zoll breiten Maxxis Rekon im 29-Zoll-Format.

Moustache „J. on“ Fahrwerkstechnik

Zum Test kommt das „J. on“, das mit stufenloser Enviolo Hinterradnabe und rahmenfestem Gepäckträger zunächst als City-Bike erscheint. Das Testexemplar ist mit den eher grobstolligen Johnny Watts bereift. Das verschafft dem Pedelec aus Frankreich, gemeinsam mit der tannenwaldgrünen Lackierung, ein kerniges Aussehen.

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Manchem mag an der Konstruktion des Gepäckträger etwas bekannt vorkommen: Ähnliches gab es bei Riese und Müller vor einigen Jahren beim Delite – aus gleichem Grund: Diese Konstruktion verhindert, das Gepäck die ungefederten Massen erhöht und dadurch der Federkomfort leidet. Denn je leichter das zu federnde Laufrad ist, je sensibler und präziser kann der Dämpfer arbeiten.

Beim Hinterbaudämpfer setzt Moustache auf die „Magic Grip Control“-Technologie: Ein präzise abgestimmter Kolben kontrolliert die Zugstufe des Dämpfers. Beim Fahren öffnet der Öldruck im Dämpfer, je nach Intensität der Stöße, die Ventile des Hochgeschwindigkeitskreislaufs mehr oder weniger weit. So kann das Öl, anstatt immer nur den Weg über die schmale Öffnung des Nadelventils zu nehmen, dynamischer zirkulieren. Das erlaubt eine Dämpfung, die das Hinterrad gut am Boden hält und trotzdem sensibel auf Unebenheiten reagiert.

Das Federungsverhalten kann über ein Luftpolster individuell abgestimmt werden, über ein kleines Rändelrad kann die Dämpfung schnell und einfach reguliert werden. Zusätzlich lässt sich die Federung über einen kleinen Hebel komplett blockieren. Der Federweg: 115mm.

Vorne kommt beim „J“ eine luftgefederte Mobie 25 von SR Suntour mit Lockout-Funktion [->E-Bike-FAQ: Was ist „Lock-out“?] und 100 mm Federweg zum Einsatz.

Moustache „J“: Fahreindrücke

Ich hatte auf der Eurobike 2023 bereits erste Fahreindrücke mit dem das Moustache „J“ gewinnen können. Damals habe ich den Fahrkomfort des Citroen CX mit Hydropneumatik-Federung verglichen. Ich bin gespannt, ob sich dieser Eindruck beim Fahren im Alltag erhärtet. Als Referenz fährt ein Pegasus Premio Evo 10 mit Bosch Performance-Line CX mit.

Sinnvoll: Dropper-Post

Schon beim Aufsteigen auf das Moustache „J“ wird deutlich, wie sinnvoll die über den Hebel am Lenker absenkbare Sattelstütze ist. Ich bin mit 179 cm Größe nicht der kleinste, doch bei passend eingestellter Sattelhöhe habe ich Problem, mit dem Fuß den Boden zu berühren. Woher kommt das?

Die Achse des Tretlagers befindet sich beim „J“ etwa 32,5 cm über dem Boden. Zum Vergleich messe ich beim Dauertester Charger 3 GT rund 28,5 cm. Vier Zentimeter, die mehr ausmachen, als man zunächst glauben mag!

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Vergleich Tretlagerhöhe: Links Moustache „J“, rechts Riese & Müller Charger 3 GT

Denn mit dem Charger setze ich in Kurven mit dem inneren Pedal öfter mal auf. Noch dazu, da mit dem Z.1 Z-Line Fold Pedal von by.Schulz die Pedalachse noch etwas tiefer sitzt. Doch dafür bietet das Pedal andere Vorteile – die aber an dieser Stelle nicht das Thema sind.

Sitzposition & Ergonomie

Die Sitzposition beim „J“ ist entspannt, der winkelverstellbare Vorbau erlaubt eine gute Anpassung der Lenkerposition an die persönlichen Bedürfnisse.

Auf den griffigen Pedalen sind die Füße leicht nach vorne positioniert. Das bringt eine entspannte Pedalhaltung – gut für lange Strecken. Ebenso gut: Die ergonomisch geformten Handgriffe.

Bedienung HMI Bosch

Zurück zum Moustache „J“. Das Testbike verfügt über den Bosch Performance Antrieb mit Kiox-Display und Bediensatelliten am linken Lenkerende. Das HMI [->E-Bike-FAQ: Was ist ein HMI bei einem Pedelec?] ist deutlich filigraner als das beim Charger 3 GT.

Die Bedienung klappt aber intuitiv – und das Teil bietet sogar – ohne das man auf das Display am Lenker schauen müsste – Infos zum Akkustand und der eingelegte Unterstützungsstufe, Top!

Beim Charger nutze ich eigentlich immer die „e-MTB“-Stufe. In dieser Stufe regelt der Antrieb, abhängig von meinem Einsatz, automatisch die Unterstützungsstufe. Das funktioniert ganz hervorragend, deshalb nutze ich die auch beim Moustache „J“.

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Wie erwartet reagiert der Antrieb sensibel auf den Pedaldruck, so dass das Anfahren sich sehr natürlich anfühlt. Kein plötzlicher Leistungseinsatz sondern fein abgestimmt auf das, was gerade am Pedal passiert. Super!

Federung

Wenige dutzend Meter nach dem Losfahren überfahre ich die abgesenkte Bordsteinkante ganz bewusst, ohne wie üblich aus dem Sattel zu gehen. Test bestanden: Die Federelement vorne und hinten bügeln die Kante nahezu unspürbar aus! Top!

Weiter geht es eine kleine Gefällestrecke bergab zur Hauptstraße. Das „J“ wird schneller, die Linksbiegung lässt sich bei etwa 20 km/h sauber anbremsen und auch in der Kurve kommt keine Unsicherheit auf.

Vor dem Einbiegen in die Hauptstraße muss das Tempo bis zum Stillstand reduziert werden. Dabei taucht die Gabel tief ab. Das ist eine Nebenwirkung der komfortablen Abstimmung. Jedoch kommen zu keiner Zeit Bedenken auf, das E-Bike bleibt stabil.

Schaltung

Am Testbike ist die stufenlose Nabenschaltung [-> E-Bike FAQ: Was ist eine stufenlose Nabenschaltung?] von Enviolo verbaut. Deshalb kann ich ganz entspannt nach dem Bremsmanöver im Stehen die passende Übersetzung zum Anfahren wählen.

Die Bedienung ist intuitiv. Im Gegensatz zu einer konventionellen Fahrradschaltung, bei der Gang mit einer Kette von einem kettengetriebenen Zahnrad zum nächsten wechseln muss, arbeitet die stufenlose Nabenschaltung vollständig ohne Gangsprünge. So kann die Pedalumdrehung [->E-Bike FAQ: Kadenz] perfekt an die persönlichen Belange angepasst werden.

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Welche Übersetzung gerade anliegt, wird am rechten Lenkerende mit einem kleinen, stilisierten Radfahrer angezeigt: Türmt sich vor dem Symbol ein Berg auf ist eine leichte („kurze“) Übersetzung gewählt. Wird der Berg flacher oder gar zur Ebene ist die Übersetzung länger – man tritt also schwerer. Im Fall des „J“ wird die Übersetzung beim Dreh nach hinten länger. Besonders für Menschen, die schonmal Motorrad gefahren sind, ist das sehr vertraut.

Meine Erfahrungen mit der Enviolo-Schaltung beim Charger 3 GT zeigen, dass ich mit der rechten Hand die Gangsprünge simuliere. Beim Anfahren komme ich einfach mit dem Drehen des Schaltgriffs nicht schnell genug nach. Während der Fahrt ist es allerdings sehr bequem, die Übersetzung feinfühlig an die eigenen Belange anpassen zu können.

Noch besser wäre es, wenn die Kadenz vorgewählt werden könnte und dann von der Enviolo automatisch gehalten würde. Das sieht man bei Moustache ebenso, weshalb es seit kurzem auch eine Version des „J“ mit automatischer Schaltung gibt: Das „J Automatiq“.

Performance on road

Ich wähle also durch Drehen am Griff eine kurze Übersetzung zum Anfahren und folge meiner Begleitung. Nach wenigen hundert Metern sind wir auf dem Radweg, der auch von Landwirten mit ihren schweren Traktoren genutzt werden. Entsprechend vernarbt ist der Straßenbelag.

Doch Dank der komfortablen Federung des Moustache „J“ ist davon kaum etwas zu spüren. Selbst wenn ich ganz bewusst die fiesesten Absätze oder Schlaglöcher ansteure: Das „J“ bügelt sie einfach glatt! Mir fällt der Vergleich mit dem Citroen CX wieder ein – er bestätigt sich hier auf ganz beeindruckende Weise.

Mein Grinsen wird breiter, das ist es wohl, was Moustache mit dem Slogan „Smiling Machines“ meint.

Derweil entschwindet mir meine Begleitung langsam aber unaufhörlich. Der „Performance Line CX“ im Pegasus bringt 85 Nm Drehmoment, der „Performance Line“ im „J“ 75 Nm – ob das diese 10 Nm ausmachen? Vielleicht. Vielleicht ist es aber auch so, das vom Drehmoment durch die Nabenschaltung weniger davon am Hinterrad des „J“ ankommt als bei der Kettenschaltung des Pegasus?

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Um wieder aufzuholen wechsle ich in den „Turbo“ Mode und trete in die Pedale. Dabei fällt mir auf, das der Abtrieb in meiner „Wohlfühlkadenz“ von 79 (lässt sich prima im KIOX-Display ablesen) weniger kraftvoll wirkt als bei einer Kadenz um 60. Ich erinnere mich daran, das mir Andrea Escher von Moustache auf der Cyclingworld in Düsseldorf schon davon erzählt hatte.

Doch um die Lücke zu schließen muss ich mich oberhalb der Unterstützungsgrenze des Bosch-Antriebs bewegen. Das gelingt gut, der aktuelle Bosch setzt bei höherem Tempo fühlbar weniger Widerstand entgegen als der des Charger 3 GT.

Schließlich fahre ich wieder neben meiner Begleitung, wobei mir auffällt, das der Antrieb beim „J“ wesentlich leiser, kultivierter zu Werke geht als der beim Pegasus Premium Evo 10. Auch hier ist also eine Weiterentwicklung zu spüren.

Performance of road, Teil 1

Auf der geplanten Runde kann man einen kleinen Abstecher durch einen Waldweg machen. Die grobstolligen 2,6 Zoll breiten Johnny Watts lassen das „J“ fast wie von selbst auf die kleine Waldrunde abbiegen. Die verläuft zwar weitgehend eben, aber schmal und etwas verwinkelt.

Es macht großen Spaß, mit dem „J“ diesen Weg und die Räder zu nehmen. Die Stollen bieten auf dem trockenen Waldboden guten Halt, der Antrieb reagiert sensibel auf Pedaldruck, der breite Lenker erlaubt gute Kontrolle. Die Bremsen zeigen auch, was sie können, als nach einer Biegung plötzlich ein Baumstamm quer über dem Weg liegt. Beim Wenden am Lenkanschlag beweisen Bike und Antrieb, wie harmonisch sie zusammen arbeiten.

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Als ich wieder aus dem Wald auftauche muss ich die Frage „Und, hat’s Spaß gemacht?“ gar nicht beantworten – mein breites Grinsen ist Antwort genug.

Performance bergab, Teil 1

Das „J“ macht soviel Spaß, dass ich die ursprünglich geplante Runde ausweiten will. Meine Begleitung will jedoch lieber die vorgesehene Strecke fahren. Also fahre ich ab jetzt alleine.

Auf dem Weg liegt meine Teststeigung, in diese Richtung ist sie jedoch zunächst eine Abfahrt. Bevor ich die in Angriff nehmen, halte ich noch kurz, hole die Wasserflasche aus der Packtasche. Der Gepäckträger des Test-„J“ ist mit integrierten QL3-Befestigungspunkten für kompatible Taschen ausgestattet.

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Diese sind bei Nutzung von Taschen ohne Quick-Lock-Befestigung eher hinderlich – und können deshalb abgeschraubt werden. Das habe ich beim Testbike jedoch nicht gemacht, sondern habe die Tasche einfach weiter unten eingehängt – das ist zwar etwas fummelig, doch die Gepäcktasche hält trotzdem gut und stabil.

Nachdem ich die Flasche wieder verstaut habe geht’s auf mein Testgefälle. Das Pedelec nimmt zügig Fahrt auf – schnell bin ich auf 30 km/h. Die kommende Rechtskurve bremse ich kräftig an, biege ein – und die Rückhand des „J“ verhagelt mir kräftig die Line. Das Hinterrad beginnt zu „gautschen“, die ganze Fuhre wird unruhig!

Was ist da los?

Ein kurzer Moment der Überlegung bringt mich auf die Idee: Kann es sein, dass die komfortförderliche Kombination von geringem Luftdruck der Johnny Watts im Zusammenspiel mit dem Stollenprofil und zu weit geöffneter Zugstufe [-> E-Bike FAQ: Was ist „Rebound“?] des Dämpfers die Ursache für das Verhalten ist?

Das ist schnell ausprobiert. Dank des Bosch kurbele ich die Strecke zügig wieder nach oben. Danach erhöhe ich den Luftdruck der Reifen um 0,5 bar und schließe die Zugstufe um zwei Klicks – was durch das griffige Rändelrad am Dämpfer kein Problem und schnell erledigt ist.

Jetzt geht es wieder bergab – und siehe da, die Kurve kann ich jetzt sicher umrunden, ohne das es zu Unruhen im Fahrwerk kommt. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig eine gute Einstellung von Federelementen ist.

Nach der Kurve geht es weiter bergab, das Kiox-Display zeigt knapp über 40 km/h an. Unten muss das Bike kräftig eingebremst werden um die scharfe 90-Grad-Kurve zu schaffen.

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Die Bremsen beißen gut dosierbar zu, die Gabel taucht tief ein ohne auf Block zu gehen und der Dämpfer sorgt dafür, dass das Hinterrad des Moustache guten Bodenkontakt hat. Dabei bleibt das Pedelec sauber in der Spur – eine überzeugende Vorstellung. Übrigens: Die Gabel ist ebenso in Dämpfung und Zugstufe einstell- und blockierbar wie der Dämpfer.

Performance bergauf

Da der Dämpfer des Moustache „J“ mit einem Hebel blockiert werden kann kurbele ich nochmal die Strecke hoch – dabei kann ich dann gleich die Klettereigenschaften des E-Bikes testen.

Dafür wähle ich am Bedienteil die Stufe „Turbo“ aus. Aus dem Stand geht es zügig bergan, auch nach der scharfen Linkskurve bleibt die Geschwindikeit noch bei 25 km/h. Danach wird die Steigung steiler und am Ende komme mit 19,5 km/h auf dem Tacho oben an.

Zum Vergleich: Mit dem Engwe P26 komme ich mit 14,3 km/h oben an. Beim Himiway Zebra waren es, locker tretend im 3ten Gang 18 km/h, beim Himiway Cruiser waren es 20 km/h, beim Jeep Fatbike MHFR7100 an gleicher Stelle 14,5 km/h. Und mit dem Charger3 GT 20 km/h.

Das Moustache „J“ spielt also auch hier in der oberen Liga mit.

Den Weg berab legt das Moustache mit blockiertem Dämpfer noch stabiler zurück als zuvor, jedoch wird die Hinterhand beim scharfen Bremsen etwas unruhiger – das deutet darauf hin, dass das Hinterrad etwas an Bodenhaftung verliert.

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Bevor ich weiterfahre lege ich den Hebel wieder um und aktiviere damit wieder die Hinterradfederung.

Genussvolles Gleiten

Weiter geht es entlang des Mains. Der Radweg glänzt mit glattem Asphalt ohne jedes Schlagloch, das „J“ zieht ruhig und souverän seine Bahn. Von hinten höre ich einen Rennradler heranrauschen, auf einem kurzen Bergaufabschnitt über einen Damm kann ich ihn noch in Schach halten, doch dann zieht er gnadenlos an mir vorbei. Soll er – das 2J“ vermittelt eine gelassene Ruhe, die in Zusammenspiel mit der aufrechten, bequemen Sitzposition und der intuitiven Bedienung das Geniessen der Landschaft in vollen Zügen ermöglicht.

Daran ändern auch die Fugen der Betonplatten nichts, mit denen der Radweg jetzt belegt ist. Die höre ich zwar, aber spüre sie kaum. Der Komfort des Moustache „J“ ist sänftengleich. Und so wird aus dem Main in meiner Fantasie die Loire, entlang der ich auf dem Weg zum nächsten Schloß bin.

Nach wenigen Kilometern quere ich den Main wieder und schlage den Bogen zurück. Die Abfahrt der Brücke wartet mit einem Drängelgitter auf, das ich dank der guten Handlichkeit und Manövrierfähigkeit des Moustache und des auf Pedaldruck berechenbar ansprechenden Bosch Performance Line sicher und ohne Probleme umrunden kann.

Kurz danach wird Weg etwas kurviger, die rechts-links-rechts-Kombination auf dem gut asphaltierten Radweg lassen sich mit dem „J“ zügig bewältigen.

Performance bergab, Teil 2

Die wenige hundert Meter danach folgenden, mit wassergebundenem Belag versehene, Steigungsstrecke stellt für das französische Pedelec ebenfalls keine Herausforderung dar. Der weitere Weg verläuft bei gleichem Belag in einem leichten bergab und bergauf, bis ich an eine weitere Schlüsselstelle komme: Eine starke Gefällestrecke mit tief ausgefahrenem Einstieg.

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Natürlich kann man die Stelle auch umfahren – und die dafür vorgesehene Strecke ist sogar sehr reizvoll. Doch ich will sehen, wie das „J“ mit dieser Herausforderung umgeht.

Mit dem Hebel am Lenker ist der Sattel schnell in die untere Position gebracht – so kann ich mein Gewicht für die bergabfahrt leichter nach hinten verlagern. Hier, bei der Einfahrt in die Steilstrecke, gerät dem Moustache „J“ die große Bodenfreiheit zum Vorteil: Ohne mit den Pedalen aufzusetzen kann ich die Engstelle meistern.

Auf der langsamen Fahrt bergab müssen zudem die Bremsen zeigen, was sie können. Denn es gilt, ohne Fading – also nachlassende Bremsleistung – sichere Verzögerung zu gewähleisten. Das gelingt ohne Tadel, und auch das Fahrverhalten ist gut berechenbar und ohne Tücken. Dank auch des langen Radstands und der guten Möglichkeit der Gewichtsverlagerung.

Unten angekommen geht es über einen Bohlensteg weiter und entlang blühender Apfelbäume. Herrlich!

Performance of road, Teil 2

Entlang der Stecke gibt es eine Abkürzung, die über einen sehr holprigen und aktuell mit hochem Gras bewachsenen Feldweg führt. Ideal um das Fahrverhalten des Moustache „J“ auf rauhem Terrain zu testen. Ich biege zackig ab und nehme die Abkürzung.

Das hohe Gras verhindert, das ich Schlaglöcher früh genug erkennen kann, und so muss die Federung des „J“ richtig viel Arbeit leisten. Das macht sie souverän, bügelt Wellen glatt und steckt auch starke Schläge an der Hinterhand weg ohne durchzuschlagen.

Die gezahnten Pedale bieten, ebenso wie die grobstolligen Schwalbe Johnny Watts ordentlichen Grip. Hier zeigt das SUV-Bike was in ihm steckt – das es nicht nur so macht als ob. Und ich habe mächtig viel Spaß. Smiling Machine eben.

Moustache „J“ – Akku

Nach wenigen hundert Metern geht der Feldweg wieder auf den Radweg über – die verbliebenen Kilometer bis nach Hause verlaufen wieder im Genussrad-Modus.

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Nach insgesamt 33 Kilometern bin ich wieder zu Hause. Das Display vermeldet 51% Akkustand und ich schließe das Bike an das Ladegerät an der gut zugänglichen und mit einer soliden Klappe geschützen Ladebuchse an.

Der Akku des „J“ kann auch zum Laden entnommen werden. Bei der Konstruktion hat Moustache auch hier an die Praxis gedacht: Denn der Energiespender wird nach entfernen einer Abdeckung nach oben aus dem Rahmen herausgenommen. Damit entfällt der bei vielen E-Bikes durch die Entnahmen nach unten nötige Bückling.

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Zusätzlich bleiben die Hände sauber. Denn erfahrungsgemäß – und bei einem Bike wie dem „J“, das sich auch offroad wohlfühlt, ganz besonders – ist der untere Bereich des Rahmens meist dreckig.

Das Gewicht das „J. all“ beträgt satte 32,76 kg – hier fordern der stabile Rahmen und die gute Ausstattung ihren Tribut.

Moustache „J“ – Testfazit & Preis

Während das „J“ am Strom nuckelt hole ich mir eine Apfelschorle, setze mich auf einen Stuhl und lasse das Bike in der Realität und die zurückgelegte Strecke im Gedächtnis nochmal auf mich wirken.

Moustache positioniert das „J“ als SUV-Bike. In drei Ausstattungen ist es als nacktes Bike ohne Gepäckträger und Schutzbleche („J. off“), als sportliche Version mit Fendern und minimalistischem Gepäckträger („J. on“) und als Fulldresser wie beim Testbike („J. all“) zu haben.

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Dazu besteht die Auswahl zwischen Ketten- oder Nabenschaltung sowie, je nach Schaltung, Ketten- oder Riemenantrieb.

Das Testbike steht aktuell mit der stufenlosen Enviolo-Nabenschaltung und Gates-Riemen mit rund 6.200€ (Stand: April 2024) in der Preisliste auf „pflegeleicht und komfortabel“ ausgelegt. Dieser Charakter passt hervorragend zum komfortbetonte Fahrwerk, das aber bei Bedarf auch straff und sportlich abgestimmt werden kann.

DieKonstruktuion des Moustache „J. all“ macht dem Heckdämpfer die Arbeit einfacher: Durch den rahmenfest montierten Gepäckträger erhöht kein Gepäck die ungefederten Massen. Was die Fahrwerksabstimmung leichter macht und dem Dämpfer ein besonders feinfühliges Ansprechen ermöglicht.

„Fahren wie Gott in Frankreich!“

Genau das ist hoch beeindruckend und bestätigt meinen Fahreindruck von der Eurobike 2023. Ich bleibe bei meinem Vergleich mit dem Citroen CX: Das Moustache „J. all“ bietet ein sänftengleiches Fahrwerk, das ich bisher bei keinem E-Bike so erlebt habe!

Was die Fahrdynamik angeht hinkt der Vergleich zum Citroen CX: Während dieser besonders gut zum Gleiten und weniger zur dynamischen Kurvenhatz gebaut war, hat das „J“ durchaus auch dynamische Qualitäten. Wenn man die Fahrwerkseinstellungen entsprechend anpasst. Jedoch wird aus dem „J . all“ kein Downhill-Bolide und auch keine Cross-Country-Rennfeile. Und das ist gut so!

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Das Moustache „J. all“ ist ein sehr komfortables und qualitativ hochwertiges E-Bike mit einer tollen, vollstädnigen Ausstattung (z.B. Frontleuchte Trelock Lighthammer) das seine vielen Auszeichnugen verdient eingeheimst hat. Es ist ein Pedelec, das auch auf ruppigen Strecken – egal ob in der Stadt oder auf Tour unterwegs – gleichermaßen zeigt, was es kann.

Ein sorgsam abgestimmtes, gut ausgestattetes Gesamtkonzept und Allrounder par excellance. Entwicklungsziel erreicht? Ja!

Das Testbike steht mit der stufenlosen Enviolo-Nabenschaltung und Gates-Riemen sowie 625 Wh-Akku mit rund 6.400€ (Stand: April 2024) in der Preisliste.

Viel Geld, fürwahr. Das jedoch für alle, die ein vielfältig einsetzbares Pedelec suchen, gut angelegt ist. Ich empfehle eine Probefahrt bei einem der immer zahlreicher werdenden Moustache-Händler.

Mehr Infos gibt es online bei Moustache.

[Text: [at], Fotos: VeloStrom]

Transparenzhinweis: Das Produkt wurde vom Hersteller kostenfrei und ohne Auflagen zur Verfügung gestellt.

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Alexander Theis