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Fertig-Pedelecs Test & Technik

Fantic FatSport GS 888: Neue Reifen fürs Testbike von Vee Tire

Lesezeit etwa 5 Minuten

[at] Nach fast einem Jahr bekommt das Fantic FatSport GS 888 erstmals neue Reifen. Doch die Auswahl war nicht ganz so einfach wie gedacht.

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Nach fast einem Jahr bekommt das Fantic FatSport GS 888 neue Reifen (klicken zum Vergrößern).

Das Fantic hatte, als Gebrauchtbike von Greenstorm, 82 km auf der Uhr, entsprechend neuwertig waren auch die Reifen. Trotz vieler Kilometer auf asphaltierten Wegen sehen die Reifen eigentlich noch ganz gut aus, doch ich wollte auch mal schauen, ob sich der Kraftaufwand bei Richtungswechseln mit neuen Reifen verringern lässt.

Neue Reifen für ein Pedelec zu kaufen war bisher für mich immer recht einfach: Seit Jahren fahre ich Schwalbe Marathon Plus in den verschiedensten Formaten. Manchmal, wie zum Beispiel auf meinem Trip von Frankfurt am Main nach Berlin, auch mal aus Neugier einen Racing Ralph. Das ein oder andere Testbike rollte auch mal auf Conti, aber eigentlich war es das schon. Es sollte also nicht so schwierig werden, für das Fantic neue Reifen zu bekommen. Aber weit gefehlt.

Exotische Räder+wenig Nachfrage=hoher Preis?

vee-tire-bulldozer-profilDenn FatBikes sind irgendwie immer noch Exoten unter den Fahrrädern und in Deutschland und Europa nicht so weit verbreitet wie beispielsweise in Nordamerika. Wenig verwunderlich ist deshalb, dass es bei den großen bekannten Fahrradreifenbäckern keine Pneus im passenden Format gibt. Ein Schwalbe Marathon Plus im Format 26×4? Fehlanzeige!

Also habe ich die Suchmaschine meiner Wahl angeworfen, die auch nach kurzer Suche einige Reifenfabrikate ausspukte. Ich hatte eigentlich die Idee, das Fantic mit Straßenreifen zu besohlen, das hätte einfach besser zum Haupteinsatzzweck gepasst. Doch FatBikes sind nun mal eigentlich Geländebikes und folglich gibt’s fast nur Reifen mit viel Positivprofilanteil. Ab und an auch mal einen Weißwandreifen für einen Cruiser, ja und auch Slicks, aber soweit wollte ich doch nicht gehen. Nun denn, es werden also wieder Offroad-Reifen.

Doch da ist die Formatvielfalt auch überraschend groß – die Preisspanne übrigens ebenso: Zwischen rund 79€ und 179€ UVP kann man rechnen, pro Stück wohlgemerkt! Ein Spikereifen schlägt übrigens mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von atemberaubenden knapp 300€ zu Buche! 

Schließlich stieß ich auf fatbike24.de, wo es nicht nur Fatbikes samt Zubehör sondern auch Verschleißteile und günstige Preise für Fatbikereifen gibt. Noch ein Pluspunkt: Die Beratung von Shopmanager Alex (nein, ich bin mit ihm weder verwandt noch verschwägert) ist wirklich erstklassig! Nach zwei, drei Mails hatten wir den passenden Reifen für meine Ansprüche aus dem Angebot von fatbike24.de gefunden: Ein “Bulldozer” im Format 26×4,25 des Herstellers “Vee Tire”. 

Vee Tire? 

Gepolt auf Schwalbe und Conti, allenfalls noch Kenda oder Maxxis, waren mir Reifen von Vee Tire bisher noch nie begegnet. Aber gerade im Segment der Fatbikes ist der Hersteller aus Thailand, gerade in den USA, eine richtig große Nummer! Aber nicht nur dort, denn die Vee Tire versorgt auch die Bau- und Logistikbranche mit Reifen. Genauer: Mehr als 25 Millionen Reifen werden pro Jahr produziert! Trotz mehr als 4.000 Beschäftigten weltweit ist Vee Tire auch mehr als 40 Jahre nach dem Firmenstart 1977 immer noch ein Familienunternehmen, das vom Gründer Vitorn Sukanjanapong und seinen drei Brüdern geführt wird. 

Besonders stolz ist man bei Vee Tire darauf, dass ein Großteil der Reifen nach wie vor aus Kautschuk von den familieneigenen Plantagen in Thailand hergestellt wird.

Darüber hinaus kann sich auch die Fertigungstiefe sehen lassen: Forschung und Entwicklung wird im Haus betrieben, sogar eine eigene Werkstatt für Reifenformen gibt es!

Das sorgt für kurze Wege und schnelle Entwicklungszyklen, was dem Erfolg der FatBike-Reifen offensichtlich sehr zu Gute kam. Denn mittlerweile wird mit der Produktion dieser Reifen eine komplette Fertigungsstraße in einem der Werke ausgelastet. Und seit 2018 ist Vee Tire dabei mit kleinen Schritten auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen.

Bulldozer

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Im Format 26×4,25 wiegt der Vee Tire Bulldozer 1.390 g (klicken zum Vergrößern).

Doch zurück zum Fantic FatSport 888. Großvolumige Reifen neigen, besonders bei niedrigem Druck dazu, sich ihre Kurvenlinie selbst zu suchen, zum Einlenken braucht es beim Fatbike etwas mehr Nachdruck als bei anderen Bikes. Mit steigendem Luftdruck nimmt diese Eigenart zwar ab, dafür geht aber Komfort und Haftung verloren. Es gilt also, den individuell passenden Kompromiss mit Hilfe des Reifendrucks herauszuarbeiten.

Vee Tire gibt beim Bulldozer ein Gewicht von ca. 1400g an und die Waage zeigt: Das passt. Außerdem versprechen die Thailänder leichten Lauf und besonders viel Grip dank einer speziellen Silica-Mischung. Ich bin gespannt, ob der Reifen im Vergleich zum bisherigen bei gleichen Luftdruck tatsächlich leichter läuft. Und vorm allem ob und wie sich das Einlenkverhalten ändert. Erfahrungsgemäß ist das nämlich auch abhängig von der Fahrwerksgeometrie. Es gilt also: Probieren statt studieren.

[Fotos: VeloStrom]

Mehr zum Fantic Fatbike findet ihr unter diesem Link.

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Alexander Theis

Experte für alles Rund ums Thema Pedelec und E-Bike. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VeloStrom.de
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