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E-Bike-Tests Hersteller Riese & Müller

Dauertest-Fazit Charger3 GT von Riese und Müller, lohnt es sich soviel Geld auszugeben?

Lesezeit etwa 11 Minuten

11 Monate mit dem Premium E-Bike Charger3 GT Vario HD 625 Kiox unterwegs: Viel Licht und etwas Schatten.

Im Dezember letzten Jahres kam das Charger3 GT Vario HD 625 Kiox von Premium-Hersteller Riese und Müller als Dauertest E-Bike zu VeloStrom. Jetzt, nach elf Monaten endet der offizielle Dauertest mit einer Werkstattdurchsicht bei OK Move aus Bad Kreuznach, die das E-Bike kostenfrei zum Test zur Verfügung gestellt haben.

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Riese und Müller E-Bike Charger3 G...
Riese und Müller E-Bike Charger3 GT Vario HD 625 Kiox: Vorstellung und Walkaround des Dauertestbikes

Charger3 GT Vario HD 625 Kiox?

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Was bei dem E-Bike aus Hessen natürlich zuerst auffällt ist die ellenlange Typbezeichnung. Die macht allerdings Sinn und gibt dem Kenner auf den ersten Blick alle wichtigen Informationen zur Ausstattung des E-Bikes. Das Ausstattungsniveau des Charger3 GT bleibt allerdings nicht ohne Folgen: Mit 29,35 kg ist es eines der schwereren E-Bikes.

Apropos Gewicht: Die leichtesten Ausstattungs-Features, die beiden Flaschen, die rechts und links des Vorbaus an speziellen Haltern Platz finden, habe ich tatsächlich während des Testzeitraums nicht benötigt.

Denn, auch bedingt durch Corona, ich habe mit dem E-Bike keine “echte” Radreise unternommen. Bei den Tagestouren hatte ich nicht so viel Gepäck dabei, so dass die Getränkeflaschen in den Packtaschen am stabilen Gepäckträger des Charger3 GT Vario Platz fanden.

Fahrkomfort

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Das Charger3 GT macht jedoch gerade beim Fahrkomfort Lust auf lange Touren. Die sensibel ansprechende und vielfältig einstellbare Luftfedergabel AION 45 von Suntour an der Front wird von der Parallelogramm-Federsattelstütze Thudbuster von Cane Creek ergänzt. Vor allem die Wirkung der Federsattelstütze hat mich sehr positiv überrascht. Von OK Move mit Polymeren auf das Fahrergewicht angepasst nimmt sie Frostaufbrüchen oder Schlaglöchern mehr als nur die Spitzen.

Aus meiner Sicht eine sinnvolle, wenn auch nicht ganz billige, Ergänzung für alle E-Bikes ohne Hinterradfederung. Bei der Thudbuster am Charger3 GT lösten sich im Sommer allerdings die Dichtungsringe auf – laut OK Move ein bekanntes Problem einer Charge der Thudbuster. Die Dichtringe wurden auf Garantie ersetzt.

Sehr gut ist auch vielfältige Verstellbarkeit des Lenkers, die eine gute Anpassungen an die persönlichen Vorlieben zulässt. Das die Verstellung selbst, durch die stabile Verschraubungen, etwas aufwändig ist lässt sich verschmerzen. Denn erstens macht man dass nicht jeden Tag und zweitens beugen die Verschraubungen Knackgeräuschen und Instabilität des Vorbaus vor.

Reifen-Drama

Das Premium E-Bike von Riese und Müller rollt auf Schwalbe Super Moto X*. Ich fahre schon seit vielen Jahren auf den unteschiedlichsten Rädern und E-Bikes, inklusive dem Velomobil, Schwalbe Marathon Plus.* Mit dem Pannenschutz sind sie tatsächlich nahezu unplattbar.

Meine Vorliebe für den Reifen hat jedoch nichts damit zu tun, das ich keine Schlauch flicken könnte. Nein, als Pendler habe ich einfach keine Lust dazu. Denn nach Murphys Law hat man entweder im Regen, bei Dunkelheit oder Kälte einen Platten – oder eben bei allen drei Bedingungen gleichzeitig. Deshalb haben Reifen von Schwalbe bei mir einen großen Vertrauensvorschuß.

Doch zurück zum Charger 3 GT. Relativ zu Beginn des Tests hatte ich einen “schleichenden” Platten am Hinterrad. OK, das kann ja mal vorkommen. Bei der Gelegenheit hatte ich dann gleich mal die Möglichkeit, den Ausbau des Hinterrades mit Gates-Riemen und Enviolo-Nabe zu üben. Was ich zu dem Zeitpunkt nicht ahnte: Diese Übung wurde in der Folge noch öfter fällig!

Denn ein Platten am Hinterrad des Charger3 GT kam in der Folge noch sehr oft vor – so oft, dass mir im Urlaub die Flicken ausgingen und ich einen neunen Schlauch kaufen musste. Dafür, das es dann mit den Platten trotzdem weiter ging, kann der Schlauch von Conti nichts. Es musste, so die einheillige Meinung vieler, am Mantel selbst liegen, vielleicht ein Produktionsfehler? Auf die Idee, den vorderen Super Moto X gegen den hinteren Super Moto X zu tauschen, kam ich übrigens nicht. Vielleicht, weil der Frust zu tief saß?

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Reifen von Schwalbe: Super Moto X (hinten) und Al Grounder (vorne).

Wie es auch sei: Ich hatte das Vertrauen zu dem Super Moto X komplett verloren und sah mich nach Ersatz um – und fand ihn im brandneuen Al Grounder von Schwalbe. Auch, weil mich das Profilbild des Schwalbe Al Grounder sehr an den Metzler Tourance, den Allzweckreifen für schwere Reise-Enduros vom Schlage einer BMW GS erinnert.

Mit dem Al Grounder sieht das Charger3 G Vario HD 625 Kiox noch robster aus, als es eh schon ist. Nach dem Motto “Ich könnte ja, wenn ich wollte”. Das Fahrverhalten gefällt mir persönlich auch besser – und tatsächlich sind die Platten seit der Montage des Al Grounder kein Thema mehr.

Enviolo-Schaltung

Das “Vario” im Namen des Charger3 GT von Riese und Müller deutet darauf hin: Am E-Bike ist eine stufenlose Enviolo-Nabenschaltung eingebaut. “Stufenlos” bedeutet, dass es keine festen Gangabstufungen gibt, es kann je nach Lust, Laune und Notwendigkeit zwischen theoretisch unendlich vielen, gleitenden Möglichkeiten gewählt werden. Selbstverständlich im Rahmen der konstruktionsbedingten Voraussetzungen.

Diese Art der Schaltung bedeutet zu Beginn eine Umgewöhnung für alle, die Schaltungen mit festgelegten Übersetzungen gewohnt sind. Doch das ist schnell erledigt. Mittlerweile schätze ich die Möglichkeit, die Kadenz sehr feinfühlig an die eignen Bedürfnisse anzupassen. Auch wenn es unter Last (also bergauf) nicht immer so geschmeidig klappt.

Die Schaltung macht das Ausbauen des Hinterrades etwas aufwändiger als bei einer Kettenschaltung. Sie hat aber, vor allem im Zusammenspiel mit dem Gates-Riemen, den Vorteil, extrem wartungsarm zu sein – und ist damit ideal für Pendler-Bikes, die bei Wind und Wetter bewegt werden.

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Aufgespleisster Bowdenzug am Charger3 GT Vario von Riese und Müller

Möglicherweise durch das, wegen der vielen Reifenpannen, oftmalige Ein- und Ausbauen des Hinterrads bedingt, spleißte sich der Bowdenzug auf: Es lösten sich einzelne Drähte ab. Dadurch wurde das Schalten sehr viel schwerer, in der Folge verschleißte wohl auch die Mechanik am Lenkerdrehgriff. Kurz vor Testende konnte dann gar nicht mehr geschaltet werden. Der Tausch von Bowdenzug und Drehgriff (beides kostenfrei durch OK Move) stellte die Funktion wieder her.

Bosch Performance Line CX

Oftmals sind Bikes mit Nabenschaltungen zu lang für starke Anstiege übersetzt. Man muss deshalb an steilen Stellen aus dem Sattel. Riese und Müller hat das beim Charger3 GT Vario HD 625 CX clever gelöst. Die Hessen verbauen mit dem Performance Line CX den aktuell stärksten Antrieb von Bosch.

Der sorgt auch an den steilsten Stücken, zur Not mit dem “Turbo”-Modus, für entspanntes pedalieren und souveränen Vortrieb. Normalerweise fahre ich bei E-Bikes immer in der höchsten Unterstützungsstufe, beim Charger3 GT Vario HD 625 CX war es meist der Sport-Modus, eben weil der Antrieb sehr kräftig ist. Im Gegenzug ist er deutlich zu hören, was vielleicht auch durch den leisen Gates-Riemen besonders auffällt.

Der Performance Line CX ist beim Dauertest-Charger3 GT mit dem großen In-Tube-Akku mit 625 Wh Kapazität kombiniert. Damit ist Reichweite im üblichen Alltag kein Thema. Wie auch beim KTM Macina ist das Einsetzen des Akkus eine ziemlich hakelige Sache, deshalb lade ich den Akku eigentlich immer eingebaut.

Hoher Alltagsnutzen

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Der kräftige Motor ist natürlich, unabhängig von steilen Anstiegen, vorteilhaft. Beispielsweise wenn man nach dem Einkauf voll bepackt nach Hause fährt. Dafür ist das Charger3 GT gut gerüstet, der stabile, mit dem Rahmen verschraubte Gepäckträger darf bis zu 27 kg tragen. Das reicht auch für einen Hundekorb samt Hund. Besonders clever ist auch der längenvariable Spannriemen, der bei Nichtgebrauch klapperfrei unauffällig am Gepäckträger befestigt ist.

Beladen, und bergab zeigt das Charger3 GT Vario HD 625 CX auch bei hohen Geschwindigkeiten eine beeindruckende und souveräne Stabilität. Die auch bei starken Bremsmanövern mit den standfesten Magura-Bremsen beibehalten wird. Die Federgabel ist übrigens auch für S-Pedelecs, die bis 45 km/h unterstützen, zugelassen und bietet entsprechend hohe Reserven.

Dazu ist das Charger3 GT Vario durch die Nabenschaltung und den Gates-Riemen sehr wartungsarm, was besonders Vielfahrer schätzen werden.

Mehr Licht!

Vielfahrer sind auch oft im Dunkeln unterwegs. Serienmäßig ist das Charger3 GT mit Tagfahrlicht und der “mini 2” von Supernova als Frontleuchte ausgestattet. Das ist wahrlich keine schlechte Wahl! Mit der TERRAFLUX 4-Linse holt die kleine Lampe aus 4,8 Watt Leistung einen Lichtstrom von 235 Lumen bei einer Helligkeit von 100 Lux. Das ist eine beeindruckende Leistung und zeigt sehr deutlich, wie sich die Beleuchtung am Fahrrad in den letzten Jahren entwickelt hat.

Es geht aber noch besser: Mit Fernlicht! Seit 2015 ist das in der Richtlinie ISO 6742 geregelt. Diese Richtline gibt internationale Standards für die Funktion der Fahrradbeleuchtung vor und ist ebenfalls in der StVZO erwähnt. Darin ist u. a. vorgegeben, wie ein Fernlicht für Radfahrer konzipiert werden soll. Also ist ein Fernlicht am E-Eike nicht nur praktisch sondern in Deutschland sogar zulässig!

Deshalb habe ich die AE-130 des taiwanesische Herstellers Litmove, der bei einigen Bikes auch Erstausrüster ist, ans Charger3 GT geschraubt. Auch wen die Montage etwas aufwändiger war, hat es sich definitiv gelohnt. Gerade beim Fernlicht sieht man mit der LED-Leuchte aus Taiwan einfach mehr. Doch auch bei Abblendlicht ist der Lichtkegel breiter als bei der Supernova Mini2, die beim Charger 3 GT Vario serienmäßig verbaut ist.

Im ausführlichen Artikel zu dem Thema könnt ihr auch die verschiedenen Lichtkegel vergleichen.

Fazit des Dauertests

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Das Charger3 GT Vario HD 625 CX von Riese und Müller überzeugte als Premium-E-Bike mit hohem Gebrauchswert, beeindruckender Stabilität und sehr guter Verarbeitung. Beim Preis von deutlich über 4.000€ kann man das aber auch erwarten.

Das E-Bike macht beim Fahren sehr viel Spaß und ist vielfältig einsetzbar, vor allem auch wegen des hohen zulässigen Gesamtgewichts von 160 kg. Besonders praktisch ist die große Wartungsarmut.

Die wenigen, aber teils nervigen Probleme (Reifen, schwergängige Schaltung) kamen von Zulieferteilen und sind, bis auf die Dichtungen der Parallelogramm-Sattelstütze vermutlich Einzelfälle. Das gilt aber offenbar nicht für die frickelige Akkuentnahme, da sehe ich die Ursache in der Konstruktion der Mechanik, denn das war auch beim KTM Machina so und ist beim Stevens E-Triton ebenso.

Hier findet ihr zum Nachlesen noch einmal alle Artikel zum Charger3 GT zusammengefasst:

Bisher gab es diese Artikel zum E-Bike:

Alles in allem kann ich das E-Bike Charger3 GT Vario HD 625 CX von Riese und Müller* besonders Vielfahrern und Pendlern ans Herz legen, auch wenn der Einstandspreis schon schmerzt.

Epilog

Nach der Durchsicht bei OK Move, bei der die Firmware des Kiox-Display ein Update erhielt, die Dichtungen der Sattelstütze, die Bowdenzüge und die Drehgriffarmatur der Schaltung kostenfrei getauscht wurden, habe ich mich entschlossen, das Charger3 GT zu kaufen, als Referenz zum Test anderer E-Bikes. Außerdem habe ich noch den Frontgepäckträger montieren lassen. Zum einen um die Lademöglichkeiten im Alltag zu ergänzen, zum anderen aber als Vogriff auf ein in groben Zügen schon seit langem geplantes Projekt, das hoffentlich im Jahr 2022 verwirklicht werden wird.

[Text:[at], Fotos: VeloStrom]

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Alexander Theis

Ein Kommentar

  1. Bei den dicken Reifen darf man nicht mehr als 3 bis 3,5 bar aufpumpen, sonst reißen die Felgen (Längsrisse zwischen den Speichenlöchern). Dies kann manchmal zu unerklärlichen Platten führen, Einklemmen der Schläuche bei starken Stössen. Bei mir sind diese Risse bisher bei 3 Rädern aufgetreten (Kendu von R&M, Silbermöwe und Phoenix von Utopia-Velo). Die Felgenhersteller müssten auch Maximaldrücke abhängig von der Reifenbreite angeben, nicht nur die Reifenhersteller.

    Weiterhin wäre es sehr hilfreich, wenn die gefahrenen Kilometer angegeben würden, die bei dem Dauertest auch bis zum Auftreten der Probleme aufgelaufen sind.

    Bei meinem Equinox von R&M haben die Probleme erst ab km 8000 angefangen (Brüche der Dämpferbolzen), so dass Leute, wie der Radhändler selbst, der lediglich bis km 3000 gekommen ist, keinerlei Probleme hatte(n).

    Bisher ist das Equinox 35000 km etwa gefahren. Hauptprobleme durch Auswechseln einer geänderten Alu-Hinderrradschwinge von R&M gelöst.

    Alles Gute und eine schöne Adventszeit Wolfgang Hoppe Bremen

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