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Fertig-Pedelecs

Dauertest Fantic FatSport GS 888: Halbzeit!

Lesezeit etwa 8 Minuten

[at] Beim Fantic FatSport GS 888 ist die Hälfte der Dauertestzeit erreicht, Zeit für ein Zwischenfazit.

antic_fatsport_gs_888_vor_skulpturSeit Dezember 2018 ist das Fantic FatSport GS 888 bei VeloStrom zum Dauertest. Es handelt sich um ein gebrauchtes Bike von Greenstorm, das zuvor für eine Saison im Verleih eingesetzt wurde. Nach dem Ende der Saison nimmt Greenstorm die Bikes zurück, checkt sie in der Werkstatt durch und verkauft die Räder mit 2 Jahren Garantie auf Akku und Motor weiter. Minimale Gebrauchsspuren machen die Räder zu einer günstigen Empfehlung.

Auch beim Fantic FatSport konnte man kaum einen Unterschied zum Neubike feststellen. Am ehesten war noch an den Reifen zu sehen, dass das Bike schon mal unterwegs war. Doch das war spätestens nach der ersten Ausfahrt erledigt.

Bremsen, Schaltung, Antrieb, alles funktionierte einwandfrei und tut das auch noch heute so. Überhaupt: Defekte gleich welcher Art blieben bisher komplett aus. Super!

Warum überhaupt ein Fatbike?

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Mein Bike wurde von Ben durchgechekt (Klicken zum Vergrößern).

Fatbikes sind so ein bisschen ein Fall für die Radler, die etwas ausgefallenere Bikes schätzen. Vor ein paar Jahren schien es so, als würden Fatbikes den Markt aufrollen, mittlerweile haben sie sich einen feste Nische und einen Liebhaberkreis aufgebaut. Die dicken Reifen vermitteln ein robustes “ich-komm-überall-durch”-Gefühl und beim Fahren eine ganz spezielle Gelassenheit. Mehr noch als ein E-MTB motiviert das Fantic dazu, neue, unbekannte Wege zu entdecken. Denn der Antrieb sorgt dafür, dass auch ein Sackgasse bergauf kein Ärgernis ist und die Bereifung bringt einen eigentlich überall durch.

Der größte Nachteil bei Fatbikes ist vielleicht, das man ohne Aufsehen zu erregen eigentlich nicht unterwegs sein kann. Gerade vorgestern auf dem Weg ins Büro unterhielt ich mich angeregt mit einem Rennradler, der sich dem Reiz des Fantic Fat Sport auch nicht entziehen konnte. Und dank des famosen Brose-Antriebs konnte ich auch über der Unterstützungsgrenze bei 25 km/h noch ganz gut mithalten.

Übrigens noch ein Vorteil eines Fatbikes mit Pedelec-Antrieb: Wem das Fahren mit einem Pedelec etwas peinlich ist (“Bist du schon so alt, dass du einen E-Antrieb brauchst?”) für den könnte ein E-Fatbike die perfekte Lösung sein (“Cooles Teil, und mit Antriebe macht das auch richtig Spaß!”).

Was war bisher positiv?

  • Die Anmutung

Die positiven Punkte begannen schon beim Auspacken, denn wie gesagt war das Bike nicht als gebrauchtes Pedelec zu erkennen. Bremsen und Schaltung waren sauber eingestellt, der Akku geladen, es konnte also nach den üblichen Einstellarbeiten (Lenker gerade, Pedale dran schrauben, Sattel auf die richtige Höhe bringen) direkt losgehen. Sicher Geschmackssache ist die Farbgestaltung, mir persönlich gefällt sie sehr gut, das Rad wirkt trotz der fetten Reifen trotzdem irgendwie elegant.

  • Der Motor
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Der Motor von Brose unterstützt sehr kräftig und reagiert spontan und sensibel auf den Pedaldruck. Dabei ist er durch Verwendung eines Riemens für die interne Kraftübertragung sehr leise, was das Gefühl des “echten” Radfahrens noch zusätzlich unterstützt.

Andererseits: Das Laufgeräusch der mit 4 Zoll wirklich breiten Reifen würde wohl auch einen lauteren Antrieb übertönen.

  • Die Reichweite
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Die Reichweite des Fantic FatSport 888 ist für meine bisherigen Belange, auch im winterlichen Pendelbetrieb weit mehr als ausreichend. Bei 16 km einfacher Strecke habe ich abends je nach Streckenwahl und Außentemperatur zwischen 65 und 25 km Restreichweite auf dem Display stehen. Das ist sicherlich aber auch dem Akku mit satten 630 Wh Kapazität zu verdanken. Und der Tatsache, dass ich meist in der mittleren Unterstützungsstufe unterwegs bin.

 

  • Die Schaltung

Zunächst hatte ich bedenken, die 1×11-Schaltung von Shimano würde für meine Einsatz nicht ausreichen. Das war jedoch unberechtigt. Die Übersetzung ist klug gewählt und passt prima zur Abstimmung des Antriebs. So komme ich auch den steilsten Antieg auf meiner Pendelstrecke noch ohne Nutzung des “Rettungsrings” hoch und kann auf der Ebene die Trittfrequenz prima an die Fahrwiderstände anpassen.

Die Gangwahl erfolgt präzise und knackig, der Antrieb nimmt beim Schalten unter hoher Last etwas Druck raus, um Kette und Zahnräder zu schonen. Die dabei entstehende Geräuschkulisse wirkt auf Unerfahrene, als sei die Schaltung kaputt. In der Praxis nehme ich mittlerweile beim Schalten selbst etwas Druck vom Pedal. Da ich nicht im Wettkampfmodus unterwegs bin und das tatsächlich nur bei hoher Last vorkommt, kann ich damit prima leben.

  • Die Bremsen 

Die Bremsen (Shimano M369) verrichten zuverlässig, gut dosierbar und standfest ihren Dienst. Schäden traten bisher keine auf, auch die Beläge sehen noch gut aus. 

  • Die Gabel 

Fantic-Fat-Sport-GS- 888-GabelDas Fantic FatSport GS 888 verfügt über eine Luftfedergabel (RST Renegade) mit 100mm Federweg. Zunächst war ich skeptisch, ob die wegen der breiten Reifen nicht überflüssig wäre. Doch es hat sich herausgestellt, dass die Gabel die Dämpfung der Reifen beim Fahren mit etwas höherem Luftdruck noch unterstützt und komfortabler sowie ermüdungsfreier macht. Da sie blockierbar ist kann man das schön austesten.

Aber wieso höherer Luftdruck? Die breiten Reifen führen bei wenig Luftdruck zu einer breiten Aufstandsfläche, was beim Fahren auf Asphalt beim Einlenken mehr Kraft notwendig macht. Zuviel Druck macht die Fuhre handlicher aber dafür unkomfortabel. Und so galt es, einen entsprechenden Kompromiss zu finden.

  • Gepäckträger
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Von Beginn an war mit klar, dass das Fantic als Pendlerbike eingesetzt werden wird. Und dafür fehlte mir persönlich ein Gepäckträger. Deshalb habe ich den “Topeak UNI Super Tourist FAT Disc” montiert. Praktisch ist, dass das Fatbike am Hinterbau über passende Anlötösen verfügt. Die Gegenstücke am Sattel fehlen zwar, aber das ließ sich mit einer passenden, speziellen Sattelschelle umgehen. 

Die Montage war einfach und schnell erledigt und der Träger unterstreicht das robuste Erscheinungsbild des Bikes, wie ich finde, zusätzlich. Im Alltag ist er genauso robust wie er aussieht.

  • Fender
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Ohne und mit montierten Fendern (klicken zum Vergrößern).

Nach den ersten Regenfahrten war klar, dass der zunächst benutzte Mudguard nicht ausreicht. Deshalb habe ich Schutzbleche montiert, meine Wahl fiel auf ein Set aus Kunststoff von Classic Cycle. Die Montage war schnell erledigt, für die Befestigung an der Gabel habe ich immer noch keine passenden Schellen gefunden. Aber das Provisorium mit den Kabelbindern hält bisher gut. 

Was war nicht so positiv?

  • Der Sattel
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Der Sattel sieht, nun wie soll ich sagen, italienisch gut gestylt aus. Auf mittleren Strecken bis etwa 40 km ist er auch bequem. Für längere Strecken würde ich mit aber einen, gerade im Frontbereich, bequemeren Sattel wünschen.

Dafür kann aber Fantic nichts, denn die Sattelpassform ist aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Und so muss das jeder individuell für sich selbst lösten.

  • Die Griffe
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Das Fantic FatSport GS 888 ist als Sportbike konzipiert. Deshalb sind auch die Griffe typische Sportgriffe: Minimalistisch und griffig. Und für mich auf Dauer etwas zu spartanisch.

Hier würde ich andere Griffe verbauen, und ich denke, das wird auch noch passieren.

  • Die Sitzposition

Die Sitzposition ist sportlich (s. oben) leicht, aber nicht extrem vornüber gebeugt. Das trainiert zwangsläufig die Rumpfmuskulatur, denn auf längeren Strecken erinnern einschlafende Hände daran, dass man die Bauchmuskeln anspannen, oder eventuell andere Griffe montieren sollte (s. oben).

  • Der Transport auf dem Träger
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Die breiten Räder machen es etwas schwierig, neben dem FatBike noch ein anderes Rad auf dem Anhängerkupplungsgepäckträger (was für ein Wort 😉 ) zu transportieren. Deshalb waren dem Bike schon einige Stranderlebnisse verwehrt. Mit dem richtigen Träger, zum Beispiel dem Yakima Just Click 2, klappt das aber.

Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen dass das Fantic FatSport GS 888 einen riesigen Spaß macht, und zwar auf jedem Kilometer und bei jedem Wetter! Ich freue mich auf jede einzelne Fahrt mit dem Bike!

[Fotos: VeloStrom]

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Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VeloStrom.de
Alexander Theis