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Fertig-Pedelecs Test & Technik

Test QWIC Performance MN380

Lesezeit etwa 9 Minuten

[at] Mit Brose-Antrieb, Gates-Riemen und NuVinci-Nabe nobel ausgestattet war ein QWIC Performance MN380 bei VeloStrom zu Gast.

Die Niederlande sind wohl DIE Fahrradnation überhaupt, und nur auf den ersten Blick ist es verwunderlich dass dort sehr viele Pedelecs verkauft werden. Zwar hat es dort wenige bis keine Steigungen aber dafür einen fast permanent wehenden Wind, der gefühlt immer von vorne kommt.

Hintergründe

Seit 2006 erst gibt es die Marke QWIC, der Name ist ein Akronym für “Quality With Innovative Convenience”, auf deutsch in etwa “Qualität mit innovativer Bequemlichkeit”.

Die Idee, Pedelecs zu bauen kam den beiden Gründern Taco und Michiel 2004 auf einer über 7.000 km langen Radtour von Beirut nach Peking; im Jahr 2006 kam es dann zur Firmengründung. Bei Bau und Entwicklung der Pedelecs verfolgt man bei QWIC einen besonderen Ansatz:

„Wir nehmen kein non-elektrisches Fahrrad und statten es mit einem Motor aus. Wir betrachten von Beginn an unser Produkt als ein E-Bike. Daher lassen wir uns von der Automobilindustrie bei der Entwicklung von unseren Rädern inspirieren.” erklärt Marijn Molenaar, Industrial Designer von QWIC.

Deshalb stimmt QWIC beispielsweise auch die einzelnen Komponenten selbst aufeinander ab und übernimmt nicht die Software des Antriebsherstellers um das spezielle QWIC-Fahrgefühl zu gewährleisten.

Eine weitere Besonderheit: Pedelecs von QWIC sind nicht nur mit einem Antriebssystem erhältlich. Vielmehr gibt es sie mit Front, Mittell- und Heckantrieb. Dazu Christian Schertel, der für den Marktaufbau und Vertrieb von QWIC in Deutschland verantwortlich ist: “Um das für den Kunden richtige Pedelec zu finden, ist die Antriebstechnik zunächst unerheblich. Es kommt darauf an, dass sich der Kunde auf dem Rad wohlfühlt. Und je nach Einsatzzweck hat jedes der Antriebskonzepte seine Vorteile.”

Erfolgreiches Konzept 

Seit 2015 sind die Pedelecs von QWIC auch in Deutschland erhältlich. Das Jahr 2017 brachte für den Hersteller aus den Niederlanden ein großes Wachstum: Aus 27 Mitarbeitern wurden 49 und wurden 113 neue Händler gewonnen. Die werden sich insbesonder darüber freuen, das es bei QWIC keine Vororder gibt: Im großen Zentrallager sind alle Modelle vorrätig und sind in kurzer Zeit beim Händler vor Ort. Das erspart dem Händler die Vor- oder Zwischenfianzierung und hilft ihm, teuren Lagerplatz einzusparen.

Im nächsten Jahr wird QWIC überdies das erste S-Pedelec vorgestellen, das soll besonders Pendler ansprechen, die weitere Strecken zurückzulegen haben. Damit Tacos Traum ein Stück weiter seiner Erfüllung näher kommt: “Große Städte ohne Autos”.

 

QWIC Performance MN380

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QWIC Performance MN380 (Klicken zum Vergrößern).

Zum Test fand ein QWIC Performance MN380 seinen Weg in den Redaktionskeller von VeloStrom. Ganz bewusst habe ich mich für dieses Bike, das Topmodell von QWIC entschieden, denn der Antriebsstrang verspricht besonderen Komfort.

Da ist zum einen der bekannt kultivierte und mit 90 Nm Drehmoment sehr kraftvolle Brose-Motor. Statt wie bei anderen Motoren die Antriebskraft intern mit Zahnrädern zu verteilen, nutzt Brose einen Riemen zu Kraftübertragung, was das oft als störend empfundene, mahlende Geräusch anderer Antriebe eliminiert.

Konsequenter Weise leitet der Antrieb seinen Kraft beim QWIC Performance MN380 über einen Gates-Riemen weiter. Das bürgt für Wartungsarmut und, da hier keine Kettenglieder rasseln, für leisen Vortrieb.

Die Antriebskraft wird schließlich über die stufenlose NuVinci N380-Nabenschaltung an das Hinterrad übertragen. Die Nabenschaltung sorgt auch hier für Wartungsarmut und lautlose Schaltvorgänge.

Cruisen…

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Verstellbarer Vorbau am QWIC Performance MN 380 (Klicken zum Vergrößern).

Der Rahmen des QWIC Performance MN380 ist sauber verarbeitet und macht in der dezenten grau-mattierten Lackierung einen sehr distinguierten und stabil-vertrauenserweckenden Eindruck. Die Schutzbleche machen ihrem Namen alle Ehre: sie sind aus Metall gefertigt. An der Front federt eine hochwertige Gabel, vorn und hinten sorgen die famosen Magura MT-4 Scheibenbremsen für stets verlässliche Verzögerung.

Der Vorbau des Lenkers ist verstellbar und führt gemeinsam mit dem, für mich ungewohnt breiten Sattel zu einer sehr komfortable Sitzposition. Eine gefederte Sattelstütze ist nicht verbaut, wird aber auch wegen der schluckfreudigen Big Ben-Bereifung von Schwalbe nicht vermisst.  Die hochwertige, helle Busch und Müller-Beleuchtung sorgt für gutes Sehen und gesehen werden.

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Der Drehgriff der NuVinci-Nabe. Auch gut zu sehen: Lederne Handgriffe, edle Magura MT-4 und die in der Vospannung verstellbare Federgabel (Klicken zum Vergrößern)

Die Ausstattung ist komplett,  ein stabiler Hinterbauständer sorgt für guten Stand auch bei beladenem Gepäckträger, die hochwertigen Ledergriffe sind wahre Handschmeichler, sogar ein rahmenfestes Hinterradschloß von bekannt guter Qualität ist dabei.

Obwohl der Gepäckträger fast ein wenig über dem Hinterrad zu schweben scheint, ist aus dem voran gesagten leicht zu erkennen: Ein Leichtbaurad ist das QWIC Performance MN380 nicht, mit gut 30 kg gehört es im Gegenteil eher zu schweren Vertretern der Gattung.

Das Gewicht fällt beim Herumheben oder bei der Montage auf dem Fahrradträger am Auto natürlich auf, doch einmal in Fahrt sorgt es auch für ein sehr sattes Fahrgefühl. Dazu trägt auch die Rahmengeometrie bei, die eher auf guten Geradeauslauf als auf zackige Spurwechsel ausgelegt ist.

Kurz: Das QWIC Performance MN380 ist zum Cruisen gebaut, nicht zum rasen.

…leise,

Was die Papierform vermuten ließ, bestätigt die Realität: Das Performance M380 ist leise, so leise, das man fast vergisst, das da ein Elektromotor mit im Spiel ist. Zusammen mit dem sämigen Abrollen der Big Ben und dem feinen Ansprechen der Gabel ergibt sich ein tolles, fast schwereloses Fahrgefühl.

…komfortabel,

Auch die NuVinci trägt dazu bei, wenn gleich ich mich an die Bedienung zunächst erst gewöhnen muss. Jahrzehntelang daran gewöhnt, dass feste Gangabstufungen die Kadenz (Drehzahl der Kurbel) vorgeben, bin ich nun permanent dabei, die Übersetzung durch Drehen des rechten Griffs an meine Wünsche anzupassen. Und die ändern sich erstaunlich häufig.

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Die stufenlose NuVinci N380 und der Gates-Riemen sorgen für viel Komfort (Klicken zum Vergrößern)

Bald wird mir klar, dass die „Harmony“ genannte Weiterentwicklung der NuVinci N 380 wirklich Sinn macht: Denn dort sorgt ein Stellmotor stets für die zur gewünschten Kadenz passende Übersetzung, die rechte Hand hat Ruhe und der Fahrgenuß wird nochmals gesteigert.

Doch zurück zur manuellen NuVinci. Was mir schon sehr bald positiv auffällt ist das Fehlen der Belastungsspitzen beim Schalten. Bei herkömmlichen Schaltungen kommt es nach einem Gangwechsel in Richtung „schwer“ zu durchaus spürbaren Belastungsspitzen an den Knien. Bei der stufenlosen NuVinci entfallen diese, was das Fahrvergnügen nicht nur bei Knieproblemen steigert.

Allerdings könnte die Übersetzung für mich persönlich ruhig etwas länger sein.

Bedingt durch das relativ hohe Gewicht des QWIC Performance MN380 verhält es sich auch im Hängerbetrieb sehr laufruhig und lässt sich kaum durch den Hänger beeinflussen. Hier passt dann wieder die für mein Gefühl sonst etwas kurze Endübersetzung.

…souverän.

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Das große, gut ablesbare Display des QWIC Performance MN 380 (Klicken zum Vergrößern)

Alles in allem strahlt das Fahren mit dem QWIC Performance MN380 eine fast majestätische Souveränität aus, Hektik fällt automatisch ab, Entspannung stellt sich ein.

Aber bitte nicht missverstehen: Das MN380 ist ein Pedelec und in der höchsten Unterstützungsstufe ist man trotzdem fast permanent mit 25 km/h unterwegs. Aber eben ohne ständig das Gefühl zu haben, sich mit anderen messen zu müssen. 

So hat man Zeit die Natur in aufrechter Fahrhaltung zu genießen oder die Informationen des eleganten und übersichtlich gestalteten Displays abzurufen.

Display und Bedienung

Das große Display ist in der Mitte des elegant geschwungenen Lenkers montiert. Es ist auch bei hellem Sonnenschein gut abzulesen und zeigt unter anderem Akkustand, aktuelle Geschwindigkeit, Tages- und Gesamtkilometer an. Darüber hinaus wird die gerade anliegende Unterstützung durch den Motor über eine ansteigende Kurve visualisiert.

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Das Bedienteil reicht zum Betrieb aus (Klicken zum Vergrößern)

Bedient wird das Pedelec über ein am linken Lenkerende montiertes Bedienelement. Mit diesem kann das System aktiviert, Licht eingeschaltet oder die Unterstützungsstufe gewechselt werden. Auch mit Handschuhen ist es gut zu handhaben.

Aber es kann noch mehr: Wer das Display nicht braucht, kann das MN380 auch nur mit dem Bedienelement steuern: Fünf LED-Indikatoren zeigen, farblich unterschieden, die wichtigsten Funktionen an. Zum Beispiel die eingestellten Unterstützungsstufen oder die Akkuladung.

Was zunächst wie ein Spielerei anmutet, hat einen durchaus ernsthaften Hintergrund: “Ich denke, dass die Zukunft von E-Bike-Displays nicht in der Weiterentwicklung der Displays liegt, sondern in einer sich schneller entwickelnden Technologie: Ihrem Smartphone.”, so Jos Schutte, Product Manager von QWIC.

Denn eine App kann viel schneller an anderen (Anzeige-)Optionen angepasst werden als ein fest konfiguriertes Display. Die Verbindung zwischen der kostenfrei in den App-Stores zur Verfügung gestellten App und dem Pedelec wird per Bluetooth hergestellt, das klappte im Test stets zuverlässig. Neben der reinen Anzeige der Fahrdaten kann mit der App auch navigiert oder das Ansprechverhalten des Motors beeinflusst werden.

“Wir ermöglichen es unseren Kunden sogar, mit der App eventuelle Fehler des Pedelec-Systems auszulesen. Dies können dann mit einem Vertriebspartner in der Nähe besprochen werden um dem Kunden möglichst rasch weiterzuhelfen. Das geht sogar so weit, dass wir ein passendes Ersatzteil, sollte es tatsächlich nötig werden, direkt zum Händler senden können. Damit halten wir auch unsere Kunden auf Reisen mobil.” stellt Christian Schertel heraus.

Hier eine kurze Demo, was mit der App möglich ist:

 

Reichweite

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Am Akku können auch USB-Geräte geladen werden (Klicken zum Vergrößern).

QWIC bietet für das Performance MN380 verschiedene Akkugrößen (525Wh bis 735 Wh) an. Beim Testrad war der größte Akku verbaut, der eine theoretische Reichweite von 135 km bieten soll. In der Praxis reichte diese Akkugröße für Touren bis zu 80 km locker aus.

Natürlich ist klar, dass die Reichweite je nach Einsatzzweck (z.B. mit Hänger) oder Topologie (Rheinradweg oder rheinhessisches Hügelland) variiert. Aber sie ist eigentlich immer mehr als ausreichend. Wer mehr braucht, zum Beispiel auf Reisen, nimmt einfach das kompakte Ladegerät mit und hat bei leerem Akku nach rund 8 Stunden wieder einen vollen Energiespeicher. Dieser kann außerdem mit dem integrierten USB-Anschluss noch als gigantische Powerbank für Smartphone und Co. dienen kann.

Fazit: Ideales Pendler- und Reiserad für mittlere und lange Touren. Gerne auch mit Hänger.

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Funktioniert prima: Big Ben-Bereifung am QWIC Performance MN380

Nach einigen hundert Kilometern ist mir das QWIC Performance MN380 ans Herz gewachsen. Es ist sehr hochwertig ausgestattet, die Verarbeitung und das Finisch passen zum Premium-Anspruch des Herstellers. Das Pedelec begeistert besonders durch seinen fast lautlosen Vortrieb und die sehr praxisgerechte Ausstattung. Das gediegene Erscheinungsbild sorgt für einen hohen Aufmerksamkeitswert, gerade eben weil das Rad nicht an jeder Ecke steht.

Die Stufenlose NuVinci N380 sorgt für ein zunächst ungewohntes Fahrgefühl, das man aber schnell zu schätzen lernt. Insbesondere (aber nicht nur) für Menschen mit Knieproblemen ist diese Art der Schaltung kaum zu überbieten: Denn durch die gleitende, stufenlose Übersetzungsänderung entfallen Belastungsspitzen an den Gelenken. 

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Gut zum Sehen: Hochwertige Lampe. Leider nicht zu sehen: Die Schutzbleche sind aus Metall (Klicken zum Vergrößern).

Der Brose-Antrieb glänzt mit starker Unterstützung, das MN380 ist aber trotzdem weniger gut für sportliche Fahrer geeignet.

Die auf möglichst hohe Wartungsarmut (z. B. Riemenantrieb, Nabenschaltung, Scheibenbremsen), Alltagstauglichkeit (u.a. stabiler Gepäckträger, breite stabile Schutzbleche, hochwertige Beleuchtung, Rahmenschloß) und Komfort (bequeme Sitzposition, verstellbarer Vorbau) ausgelegte Ausstattung macht das QWIC Performance MN380 für mich zum idealen Pendler- und Reiserad für mittlere und lange Touren. Gerne auch mit Hänger.

Diese Qualitäten haben ihren Preis: Das Pedelec steht mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 3.899 € (Stand: Dezember 2017) beim Händler.

Neben dem hier vorgestellten QWIC Performance MN380 bieten die Niederländer noch viele weitere Pedelecs an. Ausführliche Informationen dazu sind im Internet unter qwic.de zu finden.

Ich danke QWIC für das kostenfreie zur Verfügung stellen des Testrades.

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Alexander Theis

Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VelΩstrΩm.
Alexander Theis

2 Kommentare

  1. Eine wirklich tolle Zusammenfassung, Fragen bleiben eigentlich keine offen. Von der Lautlosigkeit bzw. dem sehr geringen Geräuschpegel würde ich mich sehr gern selbst überzeugen, das ist schwer vorstellbar. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieses Bike in den letzten paar hundert Kilometern ans Herz gewachsen ist.

    Gibts auch ein Foto von Fahrer und Bike nach einer sehr matschigen und regnerischen Fahrt?
    Ich freue mich auf die nächsten Tests und die dazugehörigen Texte!

    Gruß Alex

    1. Hallo Alex,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Deine anerkennenden Worte freuen mich sehr!

      Mit Bildern von mir und dem Rad nach einer Regenfahrt kann ich leider nicht dienen.

      Ich war selbst überrascht, wie leise das Rad tatsächlich ist. Der Brose ist, gerade verglichen mit einem Bosch-Motor schon leise, der Gates-Riemen setzt da, gemeinsam mit der hochwertigen und klapperfreien Verarbeitung noch einen drauf.

      Zum Thema “selbst ausprobieren”: Schau mal hier https://qwic.de/verkaufsstellen/

      Gruß
      Alex

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