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Lastenrad Neues aus der Szene

Innovatives Cargobike Ponyjohn von Retrovelo aus Leipzig

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Innovatives Lastenrad: Das Ponyjohn von Retrovelo aus Leipzig (Klicken zum Vergrößern).

[at] Am Lastenrad Ponyjohn von Retrovelo ist einiges anders als an anderen Cargobikes. Aber alles ist gut durchdacht und nichts davon ist reiner Selbstzweck.

Der erste Blick auf das Ponyjohn täuscht, wie so oft. Wer denkt, das hier einer mal eben ein Cargobike zurechtgebrutzelt hat, liegt falsch. Denn Frank Patitz, Inhaber und Gründer der Leipziger Fahrradmanufaktur “Retrovelo” und Konstrukteur des Ponyjohn weiß sehr genau, was er tut. Und wenn es was zu verbessern gibt, wird das zügigst umgesetzt denn “das Ponyjohn ist derzeit noch im Prototypenstadium, sozusagen  ‘Work in progress’. Das fertige Serienmodell wird das gleiche hochwertige Erscheinungsbild haben wie alle Räder von Retrovelo” verspricht Patitz “und wie alle anderen meiner Räder auch wird das Ponyjohn von Velotech in Schweinfurt gnadenlos auf Rad und Rahmen geprüft.”

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Profi am Werk: Konstruktionszeichnung des Ponyjohn (Klicken zum Vergrößern).

Bei Retrovelo baut er schon seit Jahren erfolgreich Stahlräder, eben Retrovelos vom Erscheinungsbild her, aber hochwertig verarbeitet, technisch auf dem neuesten Stand und mit modernen Komponenten versehen. “Das Thema ‘Lastenrad’ fasziniert mich schon seit einiger Zeit. Aber mich hat immer gewundert, warum sehr oft schmale Reifen verbaut werden, die dann teilweise aufwändig gefedert werden.”erklärt Frank Patitz die Idee hinter dem Ponyjohn.

Ungewöhnliche Lösungen

Das Ponyjohn wurde, gemeinsam mit Rahmenbauer Sören Marx von Unique Cycles, direkt als Pedelec entwickelt, folgerichtig benutzt Patitz für das Cargobike 20”-Räder mit einer Breite von 3 Zoll. “Die senken zum einen den Schwerpunkt und erlauben zum anderen die Montage von fetten, tragfähigen Reifen, die dem Rad dann auch eine hervorragende Fahrsicherheit und einen tollen Komfort bescheren.” Der höhere Rollwiderstand wird mit Hilfe eines Pedelec-Antriebs kompensiert, auf Grund der möglichen Zuladung eines Lastenrads ist ein Pedelec-Antrieb gerade für diese Radgattung ideal. “Ich bin seit einigen Jahren mit meinem 140 kg-“Schallplattenspielerfahrrad” mit 2-Gang Schlumpf-Getriebe und ohne Elektrounterstützung unterwegs. Das Ponyjohn ginge auch ohne Pedelec-Antrieb, macht aber mit mehr Spaß!” lacht Patitz.

Für den Endantrieb kommt ein Riemen zum Einsatz, die Riemenspannung wird nicht an den Ausfallenden sondern durch Verschieben des Antriebs im Rahmen eingestellt. Zur Familientauglichkeit des Ponyjohn trägt auch der tiefe Durchstieg bei. So kann das Rad von Menschen jeder Größe und Kleidung gefahren werden. “Die Abmaße der Ladefläche orientieren sich übrigens an den Bäckerkisten. Mir ging es nicht darum, möglichst schwere Ladung unterzubringen, sondern ein möglichst praxistaugliches Lastenpedelec auf die Räder zu stellen. Auch deshalb kommen nur Fahrrad-Serienteile zum Einsatz.” betont  Frank Patitz.

Trotzdem kann naürlich einiges zugeladen werden. Deshalb galt das besondere Augenmerk dem Fahrverhalten im beladenen Zustand. Die Straßenlage muss satt und sicher, die Lenkung feinfühlig aber nicht nervös und die Bremsen kräftig dimensioniert sein. Wie bei den meisten Lastenrädern wird beim Ponyjohn die Ladung zwischen dem Lenker und dem Vorderrad platziert. Normalerweise wird die Lenkbewegung per Gestänge einseitig auf das Vorderrad übertragen. Nicht so beim Ponyjohn: Hier wird das Vorderrad über Teleflex-Züge angesteuert. Das spart den Bauraum für das Lenkgestänge und ermöglicht eine überaus stabile, zweiseitige Vorderradführung mit vier Ahead-Steuersätzen. Dass diese Lenkung tatsächlich und gut funktioniert kann man in diesem Facebook-Video sehr schön sehen:

“Letztes Jahr auf der Wiener Fahrradschau fuhr ein Besucher sogar freihändig mit dem beladenen Ponyjohn. Spätestens da wusste ich: Ich habe alles richtig gemacht” freut sich der sympathische Sachse. Und das fehlende Lenkgestänge trägt auch zur eleganten und individuellen Erscheinung dieses Cargobikes bei.

Die Konstruktion ist dabei so variabel, dass verschiedene Motoren zum Einsatz kommem können, die Fertigung einer ersten Serie von 15 Stück ist für 2017 geplant.

Doch das, was jetzt schon zu sehen ist schon so vielversprechend, dass ich mich auf die erste Probefahrt freue, zum Beispiel auf der Berliner Fahrradschau oder der Cyclingworld in Düsseldorf.

Viele weitere Bilder und Infos zum Ponyjohn sind auf Facebook zu finden.

[Text: VeloStrom, Foto & Film: retrovelo.de]

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Alexander Theis

Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VelΩstrΩm.
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