Schaltwerk der kabellosen Schaltung Red eTap von Sram
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Über’n Tellerrand: Schalten ohne Bowdenzug oder Kabel

Lesezeit etwa 3 Minuten

Rennrad mit kabelloser Schaltung: Komponentenhersteller Sram präsentierte mit der Schaltgruppe Red eTap auf der Eurobike 2015 die erste elektrische Schaltung mit drahtloser Signalübertragung.

[at] Die Eurobike hat kaum begonnen und schon ist die erste Sensation da: SRAM stellt die weltweit erste kabellose elektrische Schaltung vor

Zunächst erkennt man nichts Besonderes: Carbonschwarz steht das Rennrad da, mit den Hochprofilfelgen wirkt es schön aggressiv. Erst auf den zweiten Blick fällt das komische Kästchen auf, das das Schaltwerk ungewohnt kantig über die Kassette hinaus verlängert. Erst beim genauen Inspizieren entpuppt sich eine der spannendsten Weltpremieren der Eurobike 2015: Sram hat mit der „Red eTap“ die Funkschaltung herausgebracht, von der so lange gemunkelt wurde.

Und was bringt das nun?

Neben der Faszination Technik vereinfacht die E-Schaltung vieles am Rad. Keine verschleißenden Schaltzüge, schnellere und präzisere Schaltvorgänge stehen gegenüber den mechanischen Varianten auf der Plusseite. Anderen elektrischen Schaltungen hat die neue Sram den Verzicht auf Kabel voraus, was wieder eine Schwachstelle ausschließt. Das Hauptaugenmerk allerdings lag laut eTap-Entwicklungsleiter Brian Jordan auf der Ergonomie – und das heißt hier vor allem intuitive Schaltlogik: Ein Schalter links für leichter, einer rechts für schwerer. Gemeinsam gedrückt, bewegt sich der Umwerfer.

Elektrisch geschaltete Räder gibt‘s ja schon eine Weile und Sram hielt lange am mechanischen Prinzip fest. Dass ihre erste E-Schaltung gleich drahtlos kommen würde, stand früh fest und war Bestandteil der jahrelangen Tests. Diese fanden aus Gründen der Geheimhaltung stets mit eigentlich funktionslosen Kabeln statt – witzigerweise wurden selbst die Mechaniker der testenden Teams nicht darüber informiert, dass die Komponenten sich per Funk unterhielten.

Hintergrund:

Schaltet elektisch und kabellos: SRAM "Red eTap"
Ungewohnt: Kein Bowdenzug, kein Kabel.

Mit der „Red eTap“ stellt US-Hersteller Sram die weltweit erste kabellose elektrische Schaltung vor. Der Schaltvorgang wird nicht durch Seilzug und Feder ausgelöst, sondern durch Elektromotoren in Schaltwerk und Umwerfer. So wird er schneller, präziser und verschleißärmer. „Natürlich gibt es schon andere elektrische Schaltungen am Markt“, erklärt eTap-Entwicklungsleiter Brian Jordan, „für uns stand jedoch von Anfang an fest: Wenn elektrisch, dann wireless.“ Außerdem stand besonders die Ergonomie im Fokus, wie Jordan erklärt: „Wie bei allen Sram-Schaltungen verwenden wir auch hier den feststehenden Bremshebel – und ebenso einen Taster pro Lenkerseite.“ Das Schalten folgt einer überzeugend einfachen Logik: Links schaltet leichter, rechts schwerer und beide Schalter zusammen aktivieren den Umwerfer, der die Kette auf das jeweils andere Kettenblatt bewegt. Zur Verwendung an Triathlonlenkern oder der individuellen Anpassung bietet Sram Extraschalter namens „Blips“, die nach Belieben am Lenker – auch unter Lenkerband – positioniert werden können, dort jedoch per Kabel.

Kommentar:

„Elektrische Schaltungen am Rennrad sind etabliert. Srams Verzicht auf Kabel bringt nun verblüffende Konsequenzen: Als Montagezeit für die gesamte Schaltung gibt der Hersteller 15 Minuten an – ein Traum für Mechaniker. Das kabellose System bedingt zudem, dass die elektrischen Bauteile (Schalthebel, Schaltwerk und Umwerfer) einzeln mit Strom versorgt werden müssen. Darin sieht Sram den Vorteil, keinen Akku am Rahmen unterbringen zu müssen. Während die Schalthebel mit Knopfzellen ähnlich wie beim Autoschlüssel versorgt werden, sind die Sram-eigenen Akkus für Schaltwerk und Umwerfer austauschbar, was das Akkureichweitenproblem galant löst: Das Schaltwerk wird häufiger genutzt und braucht mehr Strom. Vergisst man das Laden, ist der Akku vom Umwerfer die Reserve. Für mich steht fest: Das wird der am heißesten begehrte Test der Saison.“

(H. David Koßmann, Redakteur pressedienst-fahrrad)

Details:

  •     Extra-Schalter (Blips) mit vier Kabellängen (15, 23, 45 und 65 cm)
  •     Schaltbox (Blipbox) zur Nutzung mit und ohne Schaltbremshebel
  •     Kompatibilität mit Garmin-GPS-Geräten in Vorbereitung
  •     Elektrische Rennradschaltgruppe mit 2 x 11 Gängen
  •     Kabellose Signalübertragung per eigens entwickeltem Airea-Standard (128-Bit-verschlüsselt)
  •     Kompatibel mit mechanischen Komponenten der Red22-Gruppe
  •     Zur Verwendung mit mechanischen Bremsen
  •     Schaltwerk für Kassetten mit maximal 28er-Ritzel
  •     Akkuladung per USB, Ladezeit 45 Minuten, Betriebszeit 60 Stunden
  •     Firmware-Updates per USB-Stick von jedem Rechner aus möglich

Material: Kurbelarme, Bremshebel und Schaltwerkkäfig aus Carbon, sonst Aluminium

Farbe(n): Schwarz und Silbergrau eloxiert, mit roten Akzenten

Gewicht: Komplettgruppe ab 1.911 g

Preis: Komplettgruppe ab 2.691 Euro

[Quelle Text & Bild: Pressedienst-Fahrrad, www.pd-f.de]

 

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Alexander Theis

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Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VelΩstrΩm.
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