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Test & Technik Zubehör

Wissen wo’s langgeht: Bikemap.net

[at] Tools zur Streckenplanung für Rad und Pedelec gibt es einige. Bikemap bietet aber mehr als manch andere Plattform. In den letzten Wochen habe ich den Dienst für euch getestet.

Hinter Bikemap steht die Idee von begeisterten Radfahrern, die ihre Routen und Strecken schnell und einfach teilen wollten. Daraus entstand in den vergangenen mehr als acht Jahren eine Gemeinschaft mit mehr als 750.000 Nutzern. Diese Community begeisterter Radfahrer ist fast über die ganze Welt verteilt: In mehr als 80 Ländern fahren die User von Bikemap mit dem Rad und teilen ihre Strecken. #Cyclingunites. 🙂

Mit Sitz in Wien wird Bikemap und die Community von einem neunköpfigen Team betreut (Stand: 04/2017), das einen außergewöhnlich guten und engagierten Support bieten. Vor jedem der Team-Mitgliedern ziehe ich meinen Radhelm!

Bikemap im Web

bikemap_startpageBikemap ist im Web unter www.bikemap.net zu finden. Die Nutzung ist grundsätzlich auch ohne Registrierung möglich, jedoch kann man geplante Routen beispielsweise nicht speichern. Zum Reinschnuppern reicht’s, aber mit der registrierten Version kann man schon viel mehr anfangen. Die Registrierung ist einfach und schnell erledigt.

Nach der Anmeldung stellt man am besten die Sprache der Seite um: Da es sich bei Bikemap um eine internationale Community handelt ist die Systemsprache zunächst englisch. Das ist aber schnell geändert: Einfach ganz nach links unten scrollen und die gewünschte Sprache auswählen. Fertig!

Auf dem Startbildschirm kann man sofort nach Routen suchen oder mit der Routenplanung beginnen. Aber ich möchte euren Blick zunächst ein Stück tiefer lenken. Denn dort werden die neuesten Routen (nach Ländern), neueste ausgewählte Routen und die neuesten Bewertungen angezeigt. Wenn man nur mal eine Weile schaut sieht man, wie dynamisch die Community ist: Alle paar Sekunden kommen neue Routen hinzu, werden Routen ausgewählt oder bewertet.

Als ich den Artikel hier schreibe, sind mehr als 3,2 Millionen Routen online, die mehr als 281 Millionen Kilometer umfassen! Beeindruckende Zahlen, oder?

Bikemap Special Storys

Noch ein Stück weiter unten entdeckt man  „Bikemap Special Storys“ aus der Community zu Themen rund ums Radfahren. Hinweise zum Radfahren auf Island, Trainingstipps für das erste Radrennen oder den Ironman, ausgewählte Routensammlungen oder Infos zu den spektakulärsten Radrennen…schon alleine bei dieser kleinen Auswahl kann man ins Schwärmen geraten und, wichtiger noch, auf inspirierende Ideen kommen.

Beliebte Regionen

Wer es schafft, sich bei den „Bikemap Special Storys“ loszueisen und auf der Startseite von Bikemap noch ein wenig nach unten scrollt, kann in der Rubrik „Beliebte Regionen“ eine Auswahl der schönsten Regionen der Welt entdecken, allesamt mit Guides von Bikemap beschrieben.

Top-Radrouten in der Nähe

Als letzte, aber gewiss nicht uninteressanteste, Rubrik auf der Startseite werden Top-Radrouten in der Nähe des Ortes angezeigt, den man im Suchfeld eingibt. Warum in die Ferne schweifen, wenn sagenhafte und womöglich unbekannte Radtouren vor der eigenen Haustür beginnen?

Erfahrung zählt

Wieder zurück zum oberen Bereich der Startseite. Wer auf die Schnelle Inspiration sucht, gibt einfach mal (Bundes-) Land oder Stadt, eine gewünschte Tourenlänge (beliebig, <5km,<50km,50km+) und die gewünschte Steigung (beliebig, <50m,<500m,50m+) ein und erhält sofort eine veritable Auswahl passender Routenvorschläge.

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Die Auswahl der Routenvorschläge kann auch mit Schiebereglern angepasst werden (Klicken zum Vergrößern)

Diese können mit Schiebereglern einfach und schnell angepasst und je nach Radtyp (Rennrad, MTB. Citybike) detailierter gefiltert werden.

Sehr praktisch: Das Programmfenster ist zweigeteilt: Links sind die Routenvorschläge in einer Übersicht mit den wichtigsten Daten zu sehen, während rechts auf einer Kartenansicht die Startpunkte der verschiedenen Routen mit einem passenden Symbol versehen angezeigt werden.

Die Symbole sind übrigens klickbar, das heißt ein Klick darauf führt zur ausführlichen Routenbeschreibung, die teils auch touristische Informationen beinhaltet. Die Route kann selbstverständlich gedruckt, oder als GPX- oder KML-Datei heruntergeladen werden.

Ein Highlight: Bei den Routenvorschlägen handelt es sich um Routen, die individuell von Community-Mitgliedern erstellt wurden.

Ein weiteres Highlight: Die Kartenansicht kann mit oder ohne Radwege, als Heatmap (zeigt an wo besonders viel Routen erstellt oder aufgezeichnet wurden) oder in verschiedenen Kartendaten (u.a. auch Goolge Hybrid) angezeigt werden. Das erleichtert das Einschätzen der geplanten Route enorm: Wer beispielsweise lieber außerhalb ausgetretener Pfade unterwegs ist, wählt eine Route, die in der Heatmap eher unscheinbar dargestellt wird.

Individuell geplant

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Start- und Zielort eingeben oder auf der Karte anklicken, fertig ist der Routenvorschlag… (Klicken zum Vergrößern)

Wer nicht die passende Route findet oder ganz andere Ideen hat, kann natürlich auch eine Strecke manuell unter dem Register „Route Planner“ planen.

Nach Eingabe von Start- und Zielort (alternativ kann man beides auch in der Karte anklicken) berechnet Bikemap zunächst die Route.

Das Routing erfolgt Hausnummerngenau, doch die Eingabe der Adresse muss nach einem, zumindest für mich, ungewohnten Muster erfolgen: Straße, Hausnummer, Stadt/Ort, Land.

Trotzdem hat mich persönlich dabei die Geschwindigkeit der Berechnung beeindruckt, aber mehr noch der Verlauf der Strecke: So nah an der Strecke, die ich als Radfahrer fahren würde, war bisher noch keine Routingsoftware.

Passt der von Bikemap berechnete Verlauf nicht zu den persönlichen Vorlieben, zoomt man in die Kartenansicht hinein, klickt auf einen Wegpunkt und zieht ihn mit gedrückter Maustaste an die gewünschte Stelle. Daraufhin wird der Punkt automatisch als neues Zwischenziel eingerechnet und die Route korrigiert.

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…der durch ziehen der Route angepasst werden kann (Klicken zum Vergößern)

Praktisch: Im linken Fensterbereich, unterhalb der Liste der Zwischenziele, werden die geschätzte Fahrzeit, die Entfernung und die Höhenmeter (getrennt nach Aufstieg und Abstieg) angezeigt und natürlich auch jeweils aktualisiert.

Direkt darunter kann man die Route entweder downloaden (auch hier als GPX- oder KML-Datei), ausdrucken, zur persönlichen Routensammlung hinzufügen oder aufs Smartphone senden. Und hier kommt die Bikemap-App ins Spiel.

Bikemap als App

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Entdeckermodus in der Bikemap-App (klicken zum Vergrößern).

Bikemap steht auch als kostenlose App fürs Smartphone (iOS & Android) bereit. Nach Download und Installation loggt man sich mit Benutzername und Passwort der Web-Version ein und hat sofort Zugriff zu allen gespeicherten Routen oder kann sich die individuell geplante Route aufs Smartphone senden. Das ist vor allem für jeden praktisch, der das Smartphone als Navi nutzt und sich das hantieren mit verschiedenen Dateiformaten und das hin- und herkonvertieren sparen will.

Wirklich super ist Einsatz der Bikemap-App unterwegs: Denn dank Zugriff auf die Position des Smartphones (abschaltbar) kann man sich Routen in der Nähe des aktuellen Standorts (Menüpunkt „Entdecken“)anzeigen lassen. Besonders im Urlaub ist das eine tolle Sache.

Grundsätzlich ist die Nutzung von Bikemap kostenfrei möglich. Als Premium-Kunde hat man jedoch den Vorteil, Kartenmaterial auf das Smartphone laden und damit offline routen zu können. Das schont das Datenvolumen des Mobilfunkvertrages und den Akku des Smartphones.

Routing per App

Das Routing per App, also die Zielführung nach Eingabe des Zielortes, funktioniert in sowohl in der Premium- als auch in der kostenfreien Version. Plant man eine Route auf diese Weise, kann man sich in der Premium-Version (ab 2,50€/Monat) sogar per Sprachführung leiten lassen.

Dazu Julia Rotte von Bikemap: „Eigene oder geplante Routen können auf der Karte nachgefahren werden. Turn-by-turn Navigation bieten wir für jede Route an, die User von A-B planen. Diese Funktionen sind völlig frei verfügbar. Navigation für User-Routen (eigene und auch jene von anderen) kommt noch diesen Sommer – da befinden wir uns aktuell in der Testphase.“

Während meiner Testphase funktionierte die Sprachansage mit einem Android-Device (Huawei K9-Lite) mit der Version 6.0 und 7.0 leider nicht, mit Android 4.0 (Fairphone 1) aber prima. Wobei der limitierende Faktor beim Fairphone das nicht ganz so präzise arbeitenden GPS-Modul ist, bei Huawei K9 dagegen ist die Positionsbestimmung deutlich genauer.

Ich vermute als Ursache für das Problem meine Hardware (Huawei K9-lite) in Verbindung mit Android 6.0 bzw. 7.0 und der Doze-Funktion: Android legt wenig gebrauchte Apps einfach schlafen. Das kann man zwar in den Einstellungen ändern, es scheint aber nicht unbedingt Auswirkungen zu haben. Ich habe auch mit anderen Apps (wie z.B. Wunderlist oder K-9 Mail) Probleme, die ich auf die Doze-Funktion zurückführe.

Das Problem betrifft nach Information von Bikemap nur vereinzelte User. Aber man arbeite gerade intensiv daran die gesamte Sprachnavigation, vor allem bei Android, zu verbessern.

„Bitte fahren Sie zur geplanten Route“

In meiner Versuchskonfiguration beim Test des Lidl-Bike in Berlin hatte ich wegen der oben beschriebenen Problematik das K-9 mit aktiviertem Hotspot im Rucksack, das damit gekoppelte Fairphone in der Jackentasche und die Fahranweisungen kamen dann per Kopfhörer.

Das funktionierte prächtig, aber da ich das Kartenmaterial auf dem Huawei hatte, schmolz natürlich mein Datenvolumen: Das Fairphone musste sich die Infos ja aus dem Netz fischen.

Witzig: Obwohl ich einmal die App sowie die Hotspot-Koppelung auf dem Fairphone beendet hatte erteilte eine Stimme aus dem Rucksack ab und an Fahranweisungen. 🙂 Da half letztendlich nur ein Neustart.

Aufnahme bitte!

bikemap-app-screenshotDie App ist natürlich auch im normalen Radfahreralltag einsetzbar, eine der für mich interessantesten Funktionen ist die Möglichkeit, gefahrene Strecken aufzuzeichnen. Es werden die Höchstgeschwindigkeit, die gefahrene Zeit, natürlich die zurückgelegte Strecke und die Höhenmeter registriert.

Die Aufnahme kann auch pausiert werden, wenn man zum Beispiel auf dem Heimweg einkaufen geht. Nach dem Stoppen hat man die Wahl: Aufgezeichnete Strecke verwerfen oder direkt zu Bikemap hochladen.

Beim Hochladen schlägt die App, basierend auf Strecke, Entfernung und Geschwindigkeit bereits einen Namen vor, der sehr oft erstaunlich gut passt.

Weitere notwendige Angaben wie Steigung oder Streckenbeschaffenheit sind schnell erledigt. Vor dem Upload kann man noch entscheiden, ob die Route privat oder öffentlich sichtbar sein wird.

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So sieht eine aufgezeichnete Route aus, die von der App ins Portal hochgeladen wurde (Klicken zum Vergrößern).

Nach dem Upload ist es möglich, die Route in der Webversion noch zu bearbeiten. Wird die Route als „öffentlich sichtbar“ gekennzeichnet, ergänzt sie als weitere Radtour den Streckenvorrat von Bikemap.

Mitglieder der Community können die Strecke bewerten, worüber der Ersteller der Strecke dann auch per Mail informiert wird.

Trainingstagebuch

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Auch ein Trainingstagebuch kann man in Bikemap führen (klicken zum Vergrößern).

Es gibt auch die Möglichkeit ein Trainigstagebuch in der Web-Version von Bikemap zu führen. Vor allem, wenn man die gefahrene Trainingsstrecke mit Bikemap aufzeichnet ist das fix erledigt:

Auf „Trainingstagebuch“ und danach auf „Trainingstagebucheintrag hinzufügen“ klicken. Jetzt gibt man dem Training einen Titel, fügt wahlweise eine Beschreibung hinzu und hat die Möglichkeit eine aufgezeichnete und hochgeladene Route auszuwählen. Sehr praktisch wie ich finde.

Jetzt noch die Dauer eintragen, auswählen ob es eine Rundtour war, das Datum ergänzen und speichern.

Im Trainingstagebuch sieht das dann so aus:

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So sieht die Startseite des Trainingstagebuchs in Bikemap aus (klicken zum Vergrößern).

Da ich selbst eher ein Tourenfahren bin habe ich das Trainingstagebuch nicht regelmäßig genutzt, wollte euch aber die Funktion trotzdem vorstellen. Für regelmäßig Trainierende ist das Trainingstagebuch von Bikemap sicher von Nutzen um eine Übersicht über den Trainingsfortschritt zu bekommen.

Standard oder Premium?

Bikemap gibt es in drei Versionen:

In der kostenlosen Version ohne Registrierung sind die Grundfunktionen aktiv. Da man aber beispielsweise keine geplanten Routen speichern kann, bietet sich zum kurzen „Reinschnuppern“ an.

Die kostenlose Standardversion mit Registrierung ist werbefinanziert und bietet keinen Offline-Karten sowie -Navigation. Jedoch ansonsten alle notwendigen Funktionen

Bei der Premium-Version erscheint keine Werbung, es können Karten offline benutzt und ebenso ohne Datenverbindung navigiert werden. Zusätzlich ist es möglich unlimitiert viele Routen in der persönlichen Sammlung aufzubewahren. Zum Preis von 4,90€/Monat oder 29€/Jahr inkludiert die Premium-Version zusätzlich den Premium-Support, der wirklich fix ist.

Die Monatsversion ist meiner Meinung besonders praktisch für die Urlaubszeit, die Kosten dürften sich durch die Ersparnis beim Datenvolumen, insbesondere beim Auslandsaufenthalt, schnell amortisieren.

Fazit: Sehr empfehlenswert!

Ich gestehe, dass ich bisher kein große Freund von Streckenplanungstools war. Zum einen weil ich meine täglichen Strecken und die möglichen Radtouren in meiner Umgebung gut kenne (dachte ich zumindest…). Und für Radreisen nutzte ich bisher am liebsten ganz altmodisch Karten.

Der Test von Bikemap hat mir aber gezeigt, dass dieses Streckenplanungstool tatsächlich Mehrwert bietet. Wobei der Begriff „Streckenplanungstool“ zur kurz gesprungen ist. Denn Bikemap ist durch die Community sehr viel mehr.

Zum Beispiel hätte ich die ein oder andere, mir bisher unbekannte, Strecke in meiner Nähe ohne Bikemap wohl nicht gefunden. Zusätzlich war das Routen einer fahrradgeeigneten Strecke mit der Web-Version von Bikemap so einfach und vor allem rasend schnell, wie ich es bisher noch nie erlebt habe. Außerdem wurde die Strecke fast genau so geroutet, wie ich sie als Radler auch fahren würde. Wurden doch Anpassungen nötig ginge diese fix von der Hand.

Aber vor allem wäre die Fahrt mit dem Lidl-Bike durch Berlin mit dem ständigen Blick auf die Karte sicher nicht so entspannt gewesen, wie sie es mit Nutzung der Bikemap-App war.

Übrigens arbeitet man bei Bikemap intensiv an dem Problem mit der Sprachausgabe bei Android 6 und 7. Ein Problem, das meiner Meinung nach nicht Bikemap sondern der Betriebssystemarchitektur in Android geschuldet ist.

Bikemap ist im Web unter www.bikemap.net zu finden, surft mal vorbei, es lohnt sich!

Für den Zeitraum des Tests hat mir Bikemap den Premium-Account kostenfrei zur Verfügung gestellt.

[Fotos: Bikemap.net/VeloStrom.de]

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Alexander Theis

Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VelΩstrΩm.
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