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Alltag Meinung

„Her side“ – ein ganz persönlicher, weiblicher E-Bike-Fahrbericht

Lesezeit etwa 8 Minuten

Ganz persönliche Erfahrungen mit dem E-Bike – eine Leserin von VeloStrom berichtet.

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: ja, ich bin übergewichtig. Nicht so ein bisschen, keine 5 oder 10 Kilo, sondern so richtig. Angefuttert in vielen Jahren. Und außerdem bin ich auch noch alt. Na ja, noch nicht ganz alt, sondern eher „mittelalt“ mit meinen 52 Jahren.

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Trotzdem fahre ich Fahrrad. Früher mal habe ich gelernt, dass Rad fahren anstrengend ist. Also die Hügel und Steigungen runter fahren am Rande des Sauerlandes bzw. Bergischen Landes, das war toll. Bloß wieder hoch: das hieß das Rad musste geschoben werden. So sehr das Runterfahren prima war, so mühselig war es wieder nach oben zu kommen. Und meine Eltern wohnten oben am Berg 😊

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Als meine Kinder klein waren, wohnten wir im Rhein-Main-Gebiet. In einem Ort, der eine Ebene oben hat und eine Ebene unten am Main. Also wurde mit dem Kindersitz eben nur auf der oberen Ebene gefahren, runter lieber nicht. Als die Kinder dann größer wurden und selbst Radfahren lernten, war das Thema Rad erledigt. Es verstaubte im Keller und wurde nicht mehr bewegt. So wie ich selbst eher auch nicht. Dachte ich jedenfalls.

Dann traf ich jemanden, der auszog, mir das E-Bike Fahren näher zu bringen.

Und so machte ich mit 48 Jahren die erste Fahrt rund um den Industriepark Höchst. Wochenlang hatte ich auf dem Heimtrainer im Keller trainiert, um überhaupt mal wieder eine längere Zeit auf einem Fahrradsattel zu überleben. Mein Hinterteil hat offensichtlich ausgeprägte Sitzbeinhöcker und die sind nicht wirklich gut geeignet, um längere Zeit auf einem wie auch immer gearteten Sattel zu sitzen.

Also schwitzte ich im Keller, jeden Tag so 3 Minuten mehr, und dann war ich bei 1 Stunde schweißtreibendem Gestrampel angekommen. Die Fahrt um den Industriepark hatte 40 km und ich dachte mit Grausen an die einzige 40 km lange Fahrradtour mit Kollegen zurück, die ich vor vielen Jahren nur knapp überlebt hatte und die mich tagelang daran zweifeln ließ, dass ich je wieder normal würde sitzen können.

Aber der Anfang war gemacht und ich hatte Blut geleckt. Die erste Tour war noch mit einem Leihrad, im August musste dann ein eigenes E-Bike her. Und siehe da: strampeln muss ich ja noch selber, aber durch die elektrische Unterstützung wird jeder Berg und jeder Hügel auf einmal machbar und ist nicht mehr besetzt mit einem „Auweia“, sondern jetzt mit einem „ach ja, geht schon.“

Was mich beim Radfahren genauso wenig interessiert wie beim Autofahren: die technischen Details. Ein Fahrrad muss 2 Räder, einen Lenker und einen Sattel haben. Für mich existieren Kategorien wie „blau“ oder “der Akku hält ca. 80 km weit”. Aber ob das diese Speichen sind oder jener Antrieb, die Bremsen einen Markennamen haben oder nicht – Hauptsache ich kann bremsen 😊.

Seit nunmehr 4 Jahren bin ich ebenfalls begeisterte E-Bikerin,

habe inzwischen (für übergewichtige Damen ja nicht so einfach zu findende) vernünftig sitzende Sportkleidung und bewege mich gerne. Das gut versicherte Fahrrad steht in der Garage und so düse ich frühmorgens durch die Felder und lasse die aufkommende Hektik eines Samstag Morgens gerne hinter mir, sobald ich die große Autobahn überquert habe, die das Rhein-Main-Gebiet verbindet.

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Die landwirtschaftlichen Wege sind nicht immer geteert, manchmal sind es auch nur einfache Schotterwege, aber dank meines robusten Fahrrades macht das nichts. Das Geschuckel und Geruckel stört nur wenig dank meines stabilen Weggefährten von Pegasus, und wenn das Schlagloch sich nicht umfahren lässt, dann gehe ich eben aus dem Sattel. Bergab stehe ich auch gerne mal beim Fahren, um meine Sitzbeinhöcker zu entlasten. Das tut meinem Allerwertesten gut, denn egal wieviel ich fahre, dieser Körperteil tut früher oder später immer weh. Aber sei’s drum.

Thema “Gesamtgewicht”

Inzwischen bin ich bei meinem zweiten E-Bike angekommen, einem Pegasus für „Dicke“. Das hält 180 Kilo aus und ist so stabil verarbeitet, dass mich auch die teils deutlichen Schlaglöcher nicht mehr stören.

Wusstet Ihr, dass die meisten E-Bikes „nur“ 120 Kilo aushalten? Gut, mag da der eine oder andere übergewichtige Mensch denken, das wiege ich ja nicht. Ja, so habe ich auch mal gedacht. Bis mir dann klar wurde, dass von den 120 Kilo Gesamtgewicht die ca. 25 Kilo für das eigene Fahrrad wieder abgezogen werden müssen. Dazu kommt in meinem Fall noch eine robuste Fahrradtasche, in der auch meine Handtasche Platz findet und natürlich eine Flasche Wasser für unterwegs und die Handschuhe, das Werkzeug und sonst auch noch so ein bisschen Krims Krams. Somit wiegt die Tasche auch locker 5 Kilo, wenn nicht mehr.

Ziehe ich also jetzt von den 120 Kilo Gesamtgewicht die 30 Kilo ab für das Eigengewicht des Rades und der Fahrradtasche, dann bin ich schon nur noch bei 90 Kilo, die ich als Fahrer wiegen darf. Ohne Klamotten versteht sich. Aber so fahre ich dann nie durch die Gegend, ich bin ja keine moderne Jeanne D’Arc 😊.

Also hat mein Pegasus 180 Kilo zulässigesGesamtgewicht und da spielt es gar keine Rolle, ob ich gestern Abend beim Geburtstags-All-you-can-eat zugeschlagen habe oder nicht.

Mit dem E-Bike unterwegs

Ich strampele mit meinen 4 Unterstützungsstufen durch den frühen Morgen und fühle mich eins mit dem E-Bike. Klar schwitze ich auch, welcher übergewichtige Mensch kennt das nicht, aber der Fahrtwind kühlt herrlich. Die durchschnittlichen 20 Kilometer pro Stunde, die ich fahre, bringen mich zügig von A nach B. Die Unterstützungsstufen haben so tolle Namen wie „Turbo“, „Sport“, „Tour“ und „Eco“. Ich fühle mich deutlich besser, wenn ich auf Stufe „Sport“ fahre, fühle mich sportlicher und somit ist die Unterstützungsstufe der Wahl meistens eben „Sport“.

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Es geht bergauf durch die Weinberge, meine „Hausstrecke“ führt auch über die nächste Autobahn, d.h. so einige Autobahnbrücken. Ich freue mich, dass ich Radfahren kann und die anderen, die über die Autobahn donnern, wer weiß was vorhaben, während ich etwas für mich und meine Gesundheit tue.

Der Feldberg liegt in weiter Ferne, aber er ist zu sehen, was für das klare Herbstwetter spricht. Auf den Feldern sehe und höre ich lauter Krähen, Tauben und sogar 2 Reiher kann ich im Vorbeifahren sehen. Die Hunderte von Gänsen am Bauernhof höre ich mehr als dass ich sie sehe, aber das scheint sie beim Schnattern nicht zu stören.

Das heutige Highlight sind aber die beiden verspielten Rehe, die erst auf dem Weg inmitten der Weinberge stehen und als sie mich bemerken, beide auseinander rennen, das eine nach rechts, das andere nach links. So nah – vielleicht 30 m – war ich Rehen noch nie! Ein schöner Moment.

Die Gangschaltung benutze ich viel, mache mir (und meinen Knien) das Treten einfacher. Nachdem mein erstes E-Bike eine stufenlose Nuvinci-Schaltung hatte, musste ich mich erst an die 10-Gänge-Kettenschaltung gewöhnen. Aber inzwischen läuft es gut mit mir und dem Pegasus.

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Abnehmen auch dank E-Bike: -19 Kilo in 4 Monaten!

Als ich nach 50 Minuten wieder zuhause ankomme, stehen 18,5 km auf dem Tacho und ich freue mich sehr, dass ich schon um 8.30 Uhr mein Tagespensum an Bewegung eigentlich erledigt habe. Na ja, ein paar Kilometer mit dem Hund bewege ich mich beim Gassigehen natürlich auch, aber das Gros ist erstmal mit dem Rad erledigt. Natürlich ist das E-Bike auch im Urlaub mit dabei.

Wer hätte das je gedacht, dass ich mich mal so auf’s Radfahren freuen würde und freiwillig morgens eher aufstehe, um mir etwas Gutes zu tun? Ich jedenfalls nicht.

Ach ja, und in 4 Monaten sind übrigens jetzt 19 Kilo runter bei mir – mit dem Klassiker von mehr Bewegung und weniger, aber dafür bunterem Essen. Eine prima Belohnung und so stelle ich das Rad wieder zufrieden in die Garage und freue mich schon auf morgen früh 😊

[Text & Fotos: Petra Heck]

Ein Kommentar

  1. Sehr geehrte Spezialisten,
    Ich habe mit Vergnügen von der Freude gelesen, die eine übergewichtige 51-jährige Dame an ihrem E-bike hatte, und dabei an Gewicht abnahm.
    Auch ich bin mild übergewichtig. 81-jährig und nicht mehr ganz stehfest, deshalb bin ich ab und zu von meinem E-bike gefallen. Das hat mich veranlasst, einen Velotechnik Scorpio aus 2. (3.,4….?) Hand zu kaufen. Diese Dreisine habe ich mit einem sehr leicht installierbaren Bafang- Motor beflügelt. Seitdem genieße ich die Landschaft, ohne die Halswirbelsäule strecken zu müssen, brauche nie die Füße auf den Boden zu setzen, sitze nicht etwa nur auf meinen Sitzhöckern, fühle meinen Rücken in ganzer Länge gestützt, fühle Schultern, Nacken, Arme, Handgelenke völlig entspannt, kann riesige und schwere Packtaschen transportieren, die die Fahreigenschaften nicht beeinflussen. Die SRAM- Dreigangnabe leistet im Zusammenspiel mit 8- Gang-Kettenschaltung und Bafang-Motor ausgezeichnete und geräuschlose Arbeit.
    Kurz: eine Art der Fortbewegung, die älteren Radlern fabelhaften Komfort und Vergnügen bietet! Und Ihr Interesse verdient!
    Beste Grüße, Dr.A.Poll

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