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Test & Technik

Erfahrungen mit dem Powerbutler: Autark unterwegs mit Wohnmobil und Pedelec

Lesezeit etwa 7 Minuten

[at] Autark mit dem Wohnmobil reisen und trotzdem die Akkus des Pedelecs laden: Mit dem Powerbutler klappt das – wenn man ein paar Dinge beachtet.

powerbutlerFahrräder sind seit je her bei Wohnmobilisten beliebt, erweitern sie doch die Mobilität über den Standplatz hinaus. Mit Pedelecs gilt das noch mehr, solange man auf einem Stell- oder Campingplatz mit Anbindung ans Stromnetz (Wohnmobilisten sprechen vom “Landstrom”) steht und den Pedelec-Akku nach der Tour wieder laden kann.

Doch manchmal ist das entweder nicht möglich oder nicht gewollt, denn an den schönsten Plätzen gibt es oftmals keinen Strom. Oder es sind, besonders in diesem durch Covid-19 geprägten Jahr, alle Stromanschlüsse besetzt. In einem solchen Fall kann der Powerbutler weiterhelfen. 

Ich war mit Wohnmobil und dem gebrauchten KTM Machina Race 274 von Greenstorm in Deutschland unterwegs und habe den Powerbutler für euch ausprobiert.

 


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12 Volt -> 230 Volt -> 12 Volt -> 36 Volt

Zuerst einmal: Wie läuft so ein Ladevorgang , vereinfacht dargestellt,ab? Zu Hause macht man sich keine Gedanken darum: Einfach den Stecker des Ladenetzteils in die Steckdose, das andere Ende an den E-Bike-Akku und schon wird geladen. 

Der Akku kann mit den 230 Volt Spannung, wie sie im Haushalt normalerweise an der Steckdose anliegen, nichts anfangen. Deshalb ist es die Aufgabe des Ladenetzteils, den Strom von 230 Volt auf akkuverträgliche 36 Volt zu transformieren. Bei dieser Transformation entstehen Verluste, die man in Form von Wärme am Netzteil fühlen kann.

Zu Hause ist das alles nicht problematisch, man hat ja genügend Strom “in der Wand”. Im Wohnmobil sieht das, zumindest wenn man am Landstrom, hängt ähnlich aus. Steht man aber frei, also ohne Anbindung an das Stromnetz, ist man auf die Energie angewiesen, die man in der Aufbaubatterie des Wohnmobils mitführt. Die wurde üblicherweise am Landstrom von einem Netzteil geladen, das aus 230 V Wechselstrom 12 V Gleichstrom macht, ebenfalls mit Verlusten.

Der Powerbutler lädt den ausgebauten Akku des KTM Macina Race.

Die Wohnraumbatterie speichert den Strom mit 12 V Spannung. Stöpselt man jetzt, autark, also ohne Landstromanschluss, den Stecker des Ladedenetzteils in eine 230V-Dose im Wohnmobil ein passiert – nichts. Denn die 230 Volt-Dosen werden grundsätzlich nur vom Landstrom versorgt.

 

Mit Hilfe eines Wechselrichters kann man selbstverständlich die 12 Volt der Aufbaubatterie auf 230 Volt hochtransformieren, wobei natürlich auch Verluste entstehen. Doch das reicht höchstens für den kurzzeitigen Betrieb eines Föns oder einer Kaffeemaschine, denn die Aufbaubatterie hat schlicht nicht genügend Stromreserven. Dem könnte man zum Beispiel durch mehr Batterien entgegenwirken.

Mal angenommen, es wäre genug Kapazität da: Dann würde man also mit Verlusten 12 Volt auf 230 Volt transformieren um dann mit dem Ladenetzteil des Pedelecs aus 230 Volt wieder 36 Volt zu machen, natürlich wieder mit Verlusten. Zwar bequem, aber das muss doch auch anders gehen!

12 Volt -> 36 Volt

Wenn man aus den 12 Volt der Aufbaubatterie direkt 36 Volt für den Pedelec-Akku machen könnte wäre das eine feine Sache! Und genau das macht der Powerbutler: An einer 12-Volt Steckdose eingesteckt lädt er je nach Version alle gängigen E-Bike-Akkus und bietet damit eine einfache und bequeme (Teil-)Lösung für das Problem. Natürlich ist diese Transformation auch nicht verlustfrei möglich, für die Abwärme sorgt bei Bedarf ein eingebauter Lüfter.

Doch am Problem der zu geringen Akkukapazität der Aufbaubatterie kann der Powebutler nichts ändern. Man muss also irgendwie dafür sorgen, dass die Aufbaubatterie beim Entladevorgang wieder geladen wird. Am einfachsten während der Fahrt mit dem Wohnmobil zum nächsten Ziel, denn dann wird die Aufbaubatterie vom Generator des Fahrzeugmotors geladen.


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Fährt man aber am nächsten Tag nicht weiter, ginge es auch mit einem Solarpanel, das bei vielen Wohnmobilen meist schon auf dem Dach liegt. Doch das klappt nur wenn man bei genügend Sonneneinstrahlung lädt. Typischerweise wird ein Pedelecakku jedoch am Ende eines Tages über Nacht geladen. Eine Lösung wäre, am nächsten Tag einfach eine Pedelec-Fahrpause zu machen.

Eine weitere Möglichkeit wäre es, die Batterie und sinnvollerweise dann auch die Solarkapazitäten zu erhöhen. Der Nachteil daran ist das Gewicht der zusätzlichen Batterien und auch der Solarpanels.

Solarpanel & Brennstoffzelle

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Die Brennstoffzelle ist in der Heckgarage des Wohnmobils verbaut.

Eine besonders ausgefeilte Lösung bietet das Wohnmobil, mit dem ich unterwegs war: Denn es verfügt über Solarpanel und eine Brennstoffzelle. Letztere erzeugt aus einem Medium (in diesem Fall Methanol) elektrische Energie. Als Abfallprodukte entstehen Wasser, Abwärme und ein leises, gleichmäßiges Brummen, das man aber nur hört, wenn man das Ohr in der Nähe des Einbauortes hat.

Kombiniert man die Brennstoffzelle (in diesem Fall eine Efoy comfort 140) mit einem Solarpanel ergänzen sich beide: Ist genügend Sonneneinstrahlung vorhanden lädt die Solarzelle die Aufbaubatterie, fällt die Leistung des Panels ab übernimmt die Brennstoffzelle den Job.

Und das klappte reibungslos und völlig ohne eigenes Zutun: Nach dem Anstöpseln des Powerbutler und dem Beginn des Ladezkylus konnte ich auf den Anzeigen deutlich sehen, das die Solarzelle die Aufbaubatterie nachlädt. Als es dunkler wurde erzeugten die Solarzellen nicht mehr genügend Strom, die Spannung sank unter die Einschaltschwelle der Brennstoffzelle, die dann automatisch startete und den Job der Solarzelle übernahm. Coole Sache!

Der Ladevorgang dauerte etwa drei bis vier Stunde, da es aber über Nacht passierte, war das für mich kein Problem. Der Powerbutler verursacht nur ein leise surrendes Geräusch, wenn der Ventilator anspringt. Beide Geräusche, also das vom Powerbutler und das von der Brennstoffzelle, wirkten zu keiner Zeit störend. 

Rechnet sich das?

Rechnen im Sinne von “amortisieren” wird sich die oben beschriebene Kombination aus Powerbutler, Solarzelle und Brennstoffzelle meiner Meinung nach nie, dafür ist Landstrom zu günstig.

Auszahlen wird sie sich jedoch definitiv: Denn sie schafft mehr Freiheit im Urlaub und das ist es doch, was vor allem freistehende Wohnmobilisten schätzen. Zumindest solange man mit 12-Volt-Geräten ohne zu große Leistungsanforderungen unterwegs ist, sorgt die Kombination von Solar- und Brennstoffzelle für eine lange Stromautarkie was dank Powerbutler dann auch für Wohnmobilfahrer mit Pedelec gilt.

Woher nehmen?

Der Powerbutler wird online von Frank Rosmann aus Berlin vertrieben, er bietet verschiedene Ausführungen, teils sogar mit der Möglichkeit, zwei Akkus gleichzeitig zu laden, an. Preislich geht es ab rund 175 € (Stand 08/2020) los. Wer am neuen Pedelec einen anderen Antrieb hat muss keinen neuen Powerbutler kaufen sondern kann den vorhandenen mit Adapterkabeln umrüsten. Oder mit einem Powerbutler nacheinander zwei verschieden Pedelec-Akkus laden.

Sehr ausführliche weitere Infos gibt es unter https://powerbutler.de/

Fazit

Ich kann den Powerbutler für alle Wohnmobil- und Pedelecfahrer guten Gewissens empfehlen. Er erhöht die Autarkie enorm, denn er ermöglicht, das Pedelec auch weit ab vom Stromnetz zu laden. Je nach Anwendungsfall muss man jedoch eventuell noch etwas mehr aufrüsten.

Für meine Belange (ich brauche weder TV oder Fön, noch einen Kaffeevollautomaten im Urlaub) war die Kombination aus Powerbutler, Solarzelle und Brennstoffzelle genau richtig. Andere werden vielleicht statt der Brennstoffzelle mehr Batterie- und Solarkapazität bevorzugen – auch hier führen viele Wege nach Rom.

[Fotos: VeloStrom]

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Alexander Theis