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Alltag & Urlaub Urlaub

Mit dem E-Bike von Nord nach Süd durch Deutschland

Lesezeit etwa 7 Minuten

Gabriele Storch fuhr mit dem E-Bike von Sylt nach Oberstdorf – selbst organisiert und ohne Reisegruppe.

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Man hört es immer wieder: Mit dem E-Bike kann man keine “echten” Radreisen machen. Das man mit dem E-Bike sogar Deutschland von Nord nach Süd durchfahren kann hat Gabriele Storch aus Wiesbaden in diesem Jahr eindrucksvoll bewiesen. Lest hier den Bericht ihrer Reise:

Eine Idee wird wahr – quer durch Deutschland von Nord nach Süd

Urlaub in 2021- Corona Einschränkungen vielfältiger Art, ständig veränderte Regelungen, Warnungen vor Hochrisiko-Gebieten: Da stellte sich mir die Frage – wo fahre ich in den Sommerferien hin? Ich fahre gerne Fahrrad und habe mit dem E-Bike in dreieinhalb Jahren 14.000 km auf dem Tacho.

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Deutschland ist schön und vielseitig. Wie wäre es einfach einmal durch das ganze Heimatland zu fahren? Nachdem die Idee einmal in meinem Kopf war, musste Google helfen: nördlichster Punkt Deutschlands und südlichster Punkt? Beide waren schnell gefunden und Google Maps machte mir einen Vorschlag. Außerdem las ich mir Berichte von Vorgängern durch, die diese Idee bereits in früheren Zeiten realisiert hatten und überlegte mir eine eigene Route, die ich ungefähr fahren wollte.

Eine Deutschlandkarte mit eingezeichneten Fernradwegen half mir zusätzlich bei der Planung. Ich entdeckte, dass man bei der Durchquerung zahlreiche ebene Flussradwege nutzen kann. Für mich machte ich eine Grobplanung der Etappen. Die Zugverbindungen ab Mainz nach Sylt und auch für die Rückfahrt ab Oberstdorf sind durchgehend, so dass der Plan nach der ersten Idee immer realistischer wurde.

Vorbereitungen zur E-Bike-Reise

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Der nördlichste Punkt Deutschlands ist der Ellenbogen auf Sylt. Dort gibt es sogar ein Schild, das dies bestätigt und „der Ordnung halber“ muss auch dort gestartet werden.

Der südlichste Punkt Deutschlands ist das Haldenwanger Eck in 1931m Höhe, nicht mit dem Rad erreichbar, und da meine bergsteigerischen Zeiten vorbei sind, werde ich mich mit dem südlichsten Gasthof Deutschlands dem Berggasthof Einödsbach, südlich von Oberstdorf begnügen. Wenn alles klappt, würde ich die Radtour zur Belohnung mit einem einstündigen Alpenflug zum südlichsten Punkt krönen.

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Die Grobplanung stand und der Gedanke war: Ich starte mal und schaue, wie weit ich komme. Eine Zugfahrt von Mainz nach Sylt mit Sitzplatz- und Fahrradreservierung war schnell gebucht.

Zwei Packtaschen mit dem Nötigsten für ca. drei Wochen packte ich nach meiner Fahrradurlaubspackliste. In einer extra Tasche nahm ich meinen Schlafsack, Isomatte und Biwaksack für eine mögliche Notübernachtung mit, um autark zu sein, wenn ich mal kein Quartier finden sollte. Denn es waren Hauptsaison und Sommerferien, nur wenige Quartiere und diese sehr teuer, im Angebot.

Ein wichtiger Begleiter waren auch das Handy mit der Handyhalterung und eine Powerbank für den Handyakku.

In meinem Gepäck hatte ich auch Schnellkaffee für den morgendlichen Kaffee. Es gab Quartiere mit und ohne Frühstück. Nachschub beim Bäcker oder Metzger fand sich immer und meine Notration Müsliriegel hat lange gehalten. Wichtig war immer wieder die Brotdose aufzufüllen um auch fürs Abendbrot gerüstet zu sein, wenn am Abend kein Geschäft oder Restaurant in Sicht war.

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Eine fantastischen Reise

Mit etwas „Magengrummeln“ startete ich und dann wurde die Idee Realität und zu einer fantastischen, erlebnis- und abwechslungsreichen Reise. Ich war alleine, fröhlich und zufrieden unterwegs, traf immer wieder nette Menschen, so dass ich mich nie einsam fühlte.

Die erste Übernachtung war in Niebüll, da es in Sylt voll und teuer war. Am nächsten Morgen fuhr ich mit dem Zug nach Westerland, radelte mit dem Rad nach List und auf den Ellenbogen. Es folgte ein Fußmarsch am Sandstrand zu dem obligatorischen Startschild “nördlichster Punkt Deutschlands” und die Reise konnte beginnen.

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Täglich prüfte und entschied ich die weitere Route und das ungefähre Ziel, schaute am Abend vorher schon mal ungefähr nach dem Angebot an Quartieren, startete morgens meist zwischen 9 und 10 Uhr, schaute nach Unterkünften, wenn ich meine Tagesstrecke ungefähr abschätzen konnte und buchte die Übernachtung meistens ab nachmittags über booking.com oder Airbnb, manchmal etwas abseits vom Weg, so dass der Akku des E-Bikes gerade bis zum Ziel reichte.

Die Tageskilometer pendelten sich im Schnitt bei 80 km ein, mit dem E-Bike eine gut zu fahrende Strecke, die auch Zeit für Pausen und Stadtbesichtigungen zulässt.

Unterstützend auf der gesamten Route waren die verschiedenen Flussradwege und besonders „googlemaps“ (an zwei Tagen auch „komoot“) auf dem Handy am Lenker. Ein großes Glück war außerdem mein neues E-Bike: Ein Kalkhoff Entice 5.B Advance+ mit breiteren Reifen, Kettenschaltung, Bosch Performance Line CX-Antrieb und Akku mit 650 Wh.

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Stationen der E-Bike-Tour

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  • Sylt, Niebüll, Dagebüll, auf dem
  • Nordseeküstenradweg: Husum, Tönning, Weddingstedt, Büsum, weiter auf dem
  • Elberadweg: Brunsbüttel, Weddingstedt bis Hamburg; weiter „teilweise“ auf dem
  • Leine-Heide-Radweg durch Hamburg, Hamburg-Harburg, Buchholz, Schneverdingen;
  • eine 20km Extrarunde durch die schöne Lüneburger Heide, dann über Bispingen bis Bergen, Celle, Burgdorf, Lehrte, Sarstedt, Alfeld a.d. Leine, Bad Gandersheim, Northeim, Göttingen, Friedland (ehemaliges Grenzdurchgangslager), weiter zum
  • Werraradweg nach Bade-Sooden-Allendorf, Eschwege, Gerstungen, Bad Salzungen, Meiningen, Mellrichstadt, Bad Neustadt a.d.fränk. Saale, Münnerstadt, Schweinfurt,
  • Mainradweg bis Bamberg;
  • Main-Donau-Kanal bis Nürnberg und Roth, dann im Tal der Rednitz über Pleinfeld, Ellingen, Weißenburg nach Treuchtlingen a.d. Altmühl, danach über Monheim nach Donauwörth a.d. Donau;
  • donauaufwärts bis Günzburg und Ulm, abschließend
  • Illerradweg an Memmingen vorbei, Kempten bis Oberstdorf und zuletzt eine Lagerübernachtung auf dem
  • Berggasthof Einödsbach: 1113 Hm, 17 km südlich von Oberstdorf,
  • insgesamt 1650 km.          

Ein besonderes Highlight waren auch die verschiedenen Unterkünfte: außer Hotels oder mal eine Wohnung hatte ich schöne Privatunterkünfte bei sehr netten Menschen über airbnb, schlief einmal im Zelt, im Heu und sogar eine Nacht in einem Schloss. 

Ein riesengroßes Glück hat mir der Wettergott beschert: in den 3 Wochen gab es drei Regenschauer bei denen ich jedes Mal eine Unterstellmöglichkeit fand und dreimal regnete es, als ich bereits am Ziel war. Meinen Schlafsack konnte ich mehrmals einsetzen da ich unter anderem bei der Übernachtung im Zelt, im Heuhotel und im Lager im Alpengasthof.

Der einstündiger Alpenrundflug am Ende meiner Reise nach 1.650 km war für mich dann noch mal etwas ganz Besonderes, da ich genau auf diesen Bergen und Klettersteigen, über die wir nun flogen, vor 30 Jahren meine Bergsteigerzeit begann: Kleinwalsertal, hoher Ifen, Widderstein, Nebelhorn, Heilbronner Höhenweg, Hindelanger und Mindelheimer Klettersteig.

Und was wäre eine große Radtour ohne Reifenpanne? Auch hier hat mein Schutzengel gut aufgepasst: Nach dem Gepäckabladen am letzten Abend vor meinem letzten Quartier war aus dem Vorderreifen die Luft raus. Nur 900 m entfernt war eine Fahrradwerkstatt, in der ich am nächsten Morgen einen neuen Reifen bekam, so dass ich den Zug zur Heimfahrt pünktlich erreichte.

[Text & Fotos: Gabriele Storch, Google Maps (1)]



Alexander Theis