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Ra(d)tgeber: Was tun mit alten Pedelec-Akkus?

Lesezeit etwa 5 Minuten

[at] Zu jedem Pedelec gehört ein Akku. Was passiert eigentlich mit dem Energiespeicher wenn er im Pedelec nicht mehr praxisgerecht verwendet werden kann?

Seit etwa 2011 beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Pedelec. Vor einiger Zeit erlaubte der Akku meines ersten, (selbst gebauten) Pedelecs nur noch eine Reichweite von ca. 15 Kilometern. Klare Diagnose: Nach rund 8 Jahren Nutzung war ein Austausch fällig. Also habe ich den alten zum Händler geschickt und einen neuen Akku bekommen. Doch was macht der Händler denn mit alten Akku? 

Batteriegesetz – BattG

grs-uebersicht-kreislaufWas mit alten Akkus zu geschehen hat ist im “Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Batterien und Akkumulatoren” kurz Batteriegesetz oder BattG detailliert geregelt. 

Die Hersteller müssen nach §5 BattG die in Verkehr gebrachten Akkus oder Batterien zurücknehmen müssen. Dies wird durch die Einrichtung oder Beteiligung an einem gemeinsamen, nicht gewinnorientierten und flächendeckend tätigen Rücknahmesystem für Geräte-Altbatterien (Gemeinsames Rücknahmesystem) erreicht (§6 BattG).

Hersteller und Importeure von Fahrrädern mit Elektroantrieb sind nach § 8 BattG außerdem verpflichtet, den Vertreibern eine zumutbare und kostenfreie Rückgabemöglichkeit der gebrauchten Akkus anzubieten. Die Vertreiber von Fahrrädern mit Elektroantrieb wiederum sind nach § 9 BattG verpflichtet, vom Endnutzer Altbatterien an oder in unmittelbarer Nähe der Verkaufsstelle zurückzunehmen.

Hinzu kommen Hinweispflichten nach § 18 BattG, die unter anderen beinhalten, dass für den Verbraucher gut lesbare, im “unmittelbaren Sichtbereich des Hauptkundenstroms platzierte Schrift- oder Bildtafeln” anzubringen sind, die auf die Möglichkeit der kostenfreien Rückgabe hinweisen.

Und schließlich sind Verbraucher nach § 11 BattG verpflichtet, Altbatterien einer vom unsortierten Siedlungsabfall getrennten Erfassung zuzuführen.

Wer den genauen Wortlaut nachlesen will kann das hier tun. Doch auch schon beim Lesen der obigen Auszügen wird klar, dass die gesetzlichen Vorgaben nicht einfach zu gewährleisten sind. 

Seit knapp 10 Jahren: Gemeinsames Rücknahme System “GRS Batterien”

Deshalb wurde vor knapp 10 Jahren von der Stiftung GRS Batterien (GRS) in Zusammenarbeit mit dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) eine Branchenlösung für die flächendeckende Rücknahme von Pedelec- und E-Bike-Antriebsbatterien entwickelt. Damals steckte die E-Bike Branche noch in den Kinderschuhen.

Zu dem seither ungebrochenen Boom mit einer Zuwachsrate von zuletzt 36% auf jährlich 980.000 verkaufter E-Bikes in 2018 ist in den kommenden Jahren mit einer starken Zunahme der Rücknahmemenge von E-Bike Alt-Akkus. Dazu kommen noch weitere Akkus beispielsweise aus E-Rollern oder Segways.

Für Hersteller und Importeure von Fahrrädern mit Elektroantrieb übernimmt GRS alle Pflichten gemäß Batteriegesetz (BattG). Dazu zählen die flächendeckende Batterierücknahme und Verwertung sowie die Berichtspflichten gegenüber den Behörden. Fahrradhändler, die zur kostenfreien Rücknahme verpflichtetet sind, erhalten von GRS eine Erstausstattung mit Sammelbehälter, Hinweisplakat und Informationsschreiben zur Abwicklung. Gefüllte Sammelbehälter werden von GRS abgeholt und einer ordnungsgemäßen Verwertung zugeführt.

Dieser Service, der über die gesetzlichen Anforderungen hinaus geht, ist für die Fahrradhändler kostenlos; die Finanzierung erfolgt über die Hersteller.

Hohe Anforderungen an die Rücknahme

li-akkus-richtig-sammelnBei Pedelecs kommen in der Regel Lithium-Ionen-Batterien zum Einsatz. Diese Hochenergiebatterien wiegen meist deutlich mehr als 500g. Es gelten damit besondere gefahrgutrechtliche Anforderungen: Anders als herkömmliche Gerätebatterien dürfen sie nicht über die grünen Sammelboxen entsorgt werden, sondern müssen in speziellen Behältern gesammelt werden. Außerdem müssen Sicherheitsvorkehrungen beachtet werden, um eine mögliche Brandgefahr zu verhindern. Um Kurzschlüsse und eine mögliche Brandgefahr zu vermeiden, müssen die Pole und lose Kabel und Kabelenden beispielsweise mit Klebeband abgeklebt werden.

Denn auch wenn eine Hochenergiebatterie auf den ersten Blick entladen erscheint, kann sie noch Energiemengen enthalten, die bei unsachgemäßem Umgang Gefahren bergen, wie

  • Kurzschlussgefahr
  • Hitzeentwicklung
  • Brand
  • Austreten umwelt- und gesundheitsgefährdender Stoffe

Mit der GRS Branchenlösung werden alle, von der Sammlung über den Transport bis zur Verwertung hin, erforderlichen Sicherheitsanforderungen erfüllt.

Die GRS Service GmbH, ein Tochterunternehmen der Stiftung GRS Batterien, agiert sowohl national als auch international. Das Leistungsspektrum umfasst Rücknahme-, Logistik- und Recyclinglösungen für Altbatterien, sowie die Erfüllung gesetzlicher Berichtspflichten.  Das hochspezialisierte Dienstleistungsangebot basiert auf der jahrzehntelangen Erfahrung der Stiftung GRS, die seit Jahrzehnten europaweit Maßstäbe setzt für eine hochwertige und rechtssichere Erfassung und Verwertung von Altbatterien.

Wie sorge ich für eine lange und gefahrlose Haltbarkeit meines E-Bike Akkus?

Der Akku ist das teuerste Bauteil eines jeden Pedelecs. Damit man diesen Akku möglichst lange und gefahrlos nutzen kann, sollte man folgende Punkte beachten:

  • Ladung nur mit vom Hersteller freigegebenen Ladegeräten bzw. in dafür vorgesehenen Ladestationen
  • Lagerung in sauberer und trockener Umgebung bei Temperauten von 10 – 30 °C
  • Vermeidung einer zu starken Erwärmung (z. B. durch direkte Sonneneinstrahlung)
  • Vermeidung einer Tiefentladung
  • Längere Lagerung in ganz vollem oder völlig leeren Zustand sollte vermieden werden
  • Niemals den Akku selbst öffnen oder selbst reparieren
  • Akku-Reparaturen nur bei vom Hersteller freigegebenen Stellen vornehmen lassen

Woran erkenne ich einen beschädigten Akku?

Erkennungsmerkmale sind z. B.:

  • Akku lässt sich nicht einschalten
  • beschädigtes oder erheblich verformtes Gehäuse
  • Anlaufstellen an Metallteilen der Batterie
  • Schmelzstellen am Kunststoffgehäuse
  • Erwärmung des Akkus in abgeschaltetem Zustand
  • Auslaufen des Akkus
  • durch das Batteriemanagementsystem (BMS) als defekt identifizierte Zellen

Viele weitere nützliche Informationen sind online unter grs-batterien.de zu finden.

[Abbildungen: GRS Service GmbH]

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Alexander Theis