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Alltag Test & Technik

Testfazit: I LOCK IT, smartes Fahrradschloß aus Brandenburg an der Havel

Lesezeit etwa 10 Minuten

[at] Das smarte Fahrradschloß ist bei VeloStrom im Dauertest. Wie schlägt es sich bisher?

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Im Dauertest: I LOCK IT mit Handsender (im Schließbereich des Schlosses zu sehen) und Einsteckkette (klicken zum Vergrößern).

Bei I LOCK IT handelt es sich um ein Hinterbausschloß, das ohne Schlüssel auskommt, per App oder Codegeber bedient wird und außerdem noch über eine Alarmfunktion verfügt.

Erfunden und auf den Markt gebracht wurde es von Haveltec, einem Start-Up aus Brandenburg an der Havel.

Seit etwa einem Jahr ist I LOCK IT inkl. Einsteckkette an verschiedenen Pedelecs bei VeloStrom im Einsatz und muss sich bei Wind und Wetter, Kälte und Hitze beweisen.

Montage

Montage mit Kabelbindern geht zur Not auch (klicken zum Vergrößern). Eleganter sind allerdings die ebenfalls erhältlichen Adapter.

Wie jedes andere Hinterbauschloß auch wird I LOCK IT mit den beiliegenden, hochwertigen, langen VA-Schrauben am Rahmen des Fahrrades befestigt. Der Einbau ist normalerweise eine Sache von wenigen Minuten, vor allem wenn passende Befestigungsmöglichkeiten am Rad bereits vorgesehen sind.

Doch auch wenn keine rahmenfesten Befestigungspunkte vorhanden sind, kann I LOCK IT mittels verfügbarer Adapter, oder wie im Bild zum Test mit Kabelbindern, montiert werden. Solange die Reifen nicht breiter als 64 mm sind und der Platz zur Montage reicht:

Da I LOCK IT elektrisch bedient wird, ist der obere Schloßkörper deutlich voluminöser als bei herkömmlichen Hinterbauschlössern; schließlich müssen Stellmotor, Akku und Elektronik noch in das Gehäuse integriert werden. Deshalb kann bei manch einem Rad der Einbauplatz knapp sein; meist ist das bei Rädern mit sportlicherer Geometrie der Fall. Dann ist die Montage etwas aufwendiger, weil noch Hinterrad und eventuell auch das Schutzblech demontiert werden müssen.

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Bei manchen Räder (hier beim QWIC RD 10) kann der Platz zur Montage knapp werden.

Das Qwic RD-10 war so ein Kandidat, die Montage war nur knapp möglich. Wer vor Bestellung testen will, ob das Schloß ans eigene Rad passt kann sich auf der Website von I LOCK IT eine Montageschablone herunterladen.

Das Testexemplar kam mit der Einsteckkette und einem zusätzlichen Handsender. Ist man “nur mal eben” beim Bäcker reicht es meist, das Rad nur mit I LOCK IT zu sichern, im Fall der Fälle macht der eingebaute akustische mit 110 dB lautstark auf sich aufmerksam.

Einsteckkette

ilockit_tascheBei längerer Abwesenheit ist es dank der Einsteckkette möglich, das Rad an einem festen Gegenstand anzuschließen. Die Kettenglieder sind mit einem kräftigen Gewebe ummantelt und ist rund 90cm lang. Und damit lang genug auch für stärkere Pfosten. Mit einem Gewicht von 700g macht die Einsteckkette insgesamt einen sehr robusten Eindruck.

Sehr praktisch ist die Lösung mit Öse und Zapfen: Auf diese Weise hat man nur ein “offenes” Ende: Das Ende mit dem Zapfen wird um den Gegenstand und dann durch die Öse geführt, anschließend wird der Zapfen in der vorgesehenen Stelle in das Schloß gesteckt und beim Schließen automatisch mit dem Bügel verriegelt.

Die Kette muss natürlich mitgeführt werden. Das haben ich meist in der Packtasche erledigt. Beim S-Pedelec-Dauertestbike E-Triton nutze ich dazu eine Rahmentasche, in welches die Kette genau reinpasst. Die Rahmentasche war noch von der Tour mit dem Binova-Bike auf der Strecke des Candy-B-Gravellers im Fundus. So ist die Kette immer mit dabei, auch wenn gerade keine Packtasche mitgeführt wird. Bei neueren I LOCK IT’s ist  eine Tasche im Lieferumfang enthalten.

App

I LOCK IT wird normalerweise per App und Bluetooth bedient: App öffnen, die Verbindung zum Schloß wird automatisch hergestellt, auf die Schaltfläche “Öffnen” oder Schließen” tippen und leise surrend bewegt sich der Schließbügel. Eine grüne (offen) oder rote (geschlossen) LED signalisiert den Zustand. 

Bedenken, man könnte das Schloß unbeabsichtigt während der Fahrt bedienen, sind unbegründet: Der integrierte Bewegungssensor verhindert das zuverlässig.

Die App, erhältlich für Android und iOS, bietet neben der reinen Bedienung noch einige weitere Funktionen. So kann man beispielsweise die Warntöne beim An- und Abschließen abschalten. Das ist besonders sinnvoll, wenn man oft zu nachtschlafener Zeit unterwegs ist und Nachbarn nicht unnötig stören will.

Screenshot_app_i_lock-itDie App übernimmt das Update der Firmware im Schloß, was bisher stets völlig reibungslos funktioniert hat, oder lässt die Konfiguration der Automatik-Funktion zu: I LOCK IT ver- oder entriegelt dann das Rad, wenn das steuernde Bluetooth-Device gerade in Reichweite ist. Eine sehr praktische Funktion, die aber durchaus ihre Tücken hat, doch dazu später mehr.

Die Bluetooth-Verbindung ist überraschend flink aufgebaut und sehr stabil. Das galt für alle getesteten Smartphones (Samsung Galaxy J7 DUOS, Huawei P9 lite und Blackberry Key2).

Wie bei jedem anderen Hinterbauschloß auch kann dem schließenden Bügel eine Speiche im Weg sein. Dies “bemerkt” ein Sensor und der Bügel fährt, von einem Signalgeräusch begleitet, wieder zurück. Bei der jetzt verfügbaren verbesserten Version ist ein dynamisches Speichenausweich-System integriert.

Handsender

Das I LOCK IT wird normalerweise per App und Bluetooth gesteuert. Doch nicht jeder hat immer und überall das Smartphone griffbereit, manchmal ist es schon in der Arbeitstasche verstaut und man merkt es erst am Rad.

Der Handsender dagegen kann einfach am Schlüsselbund angebracht werden und ist damit meist viel schneller parat. Die Bedienung könnte simpler nicht sein: Mit einem Tastendruck wird ver- oder entriegelt, je nach aktuellem Status.

 

YouTube

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Wer sein Rad mal verleihen will braucht also auch nur den Handsender mitgeben anstatt des Smartphones.

Das Testexemplar von I LOCK IT kann entweder nur mit der App oder nur mit dem Handsender bedient werden. Bei der seit kurzem verfügbaren Version ”I LOCK IT +” ist beides möglich.

Da die Konfiguration nur mit der App möglich ist, hat diese Priorität. Und das ist auch gut so: In einem Fall war der Schlüsselbund, warum auch immer, zu Hause geblieben. Nach ein paar Kilometern Fahrt wollte ich das Rad abschließen und merkte erst dann, dass ich den Handsender inklusive Schlüsselbund nicht dabei hatte. Also: Smartphone raus, App starten, Handsender deaktivieren und I LOCK IT mit der App verriegeln. Prima!

Der erste Handsender war nach einem selbstverschuldeten unfreiwilligen Wassereinbruch ins offene Batteriefach verständlicherweise nicht mehr zu gebrauchen. Am zweiten Handsender ist die Kette zur Befestigung am Schlüsselbund aus dem Gehäuse ausgerissen. Ersatz ist mit 25€ relativ teuer, und so nutze ich seit geraumer Zeit nur noch die App zur Bedienung.

Übrigens: Auch mit abgeschlossenem Rad und defektem Handy steht man nicht im Regen: Jedes I LOCK IT kommt mit einem individuellen Farbcode. Damit kann das Schloß im Notfall auch geöffnent werden. Funktioniert, ist aber etwas zeitaufwendig.

Alarmfunktion

Der Alarm beim I LOCK IT ist sensibel, sehr sensibel. Wer morgens um 6 Uhr in der Garage die Tasche ans Rad hängt wird das bei verriegeltem Schloß in der Regel nur einmal tun – oder bald einen neuen Rekord in der Disziplin “Smarphone rausholen-entsperren-App öffnen-Schloß entriegeln” aufstellen.

Gleiches gilt übrigens beim Abnehmen der Tasche: Wenn man es vergessen hat, ist es weniger aufsehenerregend und schneller, I LOCK IT zu entriegeln, die Tasche abzunehmen und dann wieder zu verriegeln.

Die schon besprochenen Automatikfunktion verhindert das natürlich, aber seit einem sehr-frühmorgendlichen Erlebnis ist diese Funktion bei mir abgeschaltet: Am Abend bereits hatte ich das Rad auf den Heckgepäckträger am Auto verladen. Beim Entfernen verriegelt das I LOCK IT wie es sollte.

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Noch ist alles friedlich und vor allem ruhig:-)

Sechs Stunden später, am nächsten morgen kurz nach vier Uhr:

Um die Nachbarn nicht zu stören steige ich ganz leise und vorsichtig ins Auto ein, starte den Motor, fahre rückwärts…das I LOCK IT wird wach und vermeldet mit 110 dB seine Vermutung, geklaut zu werden! Eigentlich würde ein Druck auf den Handsender jetzt den Alarm beenden. Doch der liegt irgendwo in den Tiefen des Gepäcks.

Also Smartphone raus, App anwerfen, Handsender aus der Steuerung entfernen und mit dem Smartphone den Alarm abschalten. Jetzt sind auch die Nachbarn mit Ohrstöpseln wach.

Seit diesem “Erweckungserlebnis” ist die Automatikfunktion bei meinem I LOCK IT deaktiviert. Und wer sein Rad in der Fahrradwerkstatt des Vertrauens zur Reparatur abgibt, sollte die Automatik auch besser abschalten. 😉

Akkulaufzeit

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Dieser Hinweis kam leider immer erst, wenn der Akku wieder geladen wurde (klicken zum Vergrößern).

Das I LOCK IT ist ein smartes Schloß und wird per Stellmotor geöffnet und geschlossen. Der dazu notwendige Strom kommt aus einem Akku und es stellt sich natürlich die Frage: Wie lange hält der Strom?

Das ist genauso schwierig zu beantworten wie die Frage nach der Reichweite eines Pedelec-Akkus, denn die Antwort ist von zu vielen Einzelfaktoren wie Außentemperatur, Anzahl der Schließvorgänge oder Anzahl der Alarm abhängig.

Die App gibt mit einem Symbol einen Hinweis auf den Akkustand, doch wenn dieses Symbol noch einen halben Akkustand anzeigt, ließ sich unser I LOCK IT bereits nicht mehr zum Schließen überreden.

Geladen wird das Schloß per USB-Kabel, entweder vom Stromnetz oder auch per Powerbank. Während des Testzeitraums von jetzt fast einem Jahr mussten das Schloß viermal geladen werden. Zukünftig wird es wohl einmal monatlich an die Steckdose kommen.

Fazit: Kaufempfehlung für technikaffine RadlerInnen

Erfahrene VeloStrom-Leser wissen, dass ich den “smarten” Themen kritisch gegenüberstehe. So war es auch bei I LOCK IT: Warum soll ich ein Schloß elektrisch betätigen, wenn ich das auch ohne Strom ganz einfach mit einem Schlüssel kann?

Doch I LOCK IT hat mich überzeugt und deutlich gezeigt, dass die automatische Verriegelung durchaus ein Komfortgewinn sein kann. Es ist einfach zu bedienen, die Bluetooth-Verbindung ist schneller und zuverlässiger als bei vielen anderen Produkten, die auf Bluetooth setzen.

Gehäuse und Einsteckkette sind robust und die Mechanik ausgereift: Während des gesamten Zeitraums kam es zu keiner Fehlfunktion. Die Schlüsselbundbefestigung des Handsenders könnte jedoch etwas stabiler sein.

Für technikaffine Menschen, die sich nicht von der Akkustandsanzeige in der App täuschen lassen und den Akku von I LOCK IT regelmäßig aufladen, ist das smarte Schloß aus Brandenburg an der Havel eine echte Kaufempfehlung. Vor allem jetzt in der Version I LOCK IT+ mit der automatischen Speichenerkennung.

Ich jedenfalls würde das I LOCK IT nicht mehr missen wollen.

[Fotos: VeloStrom]

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Alexander Theis

Experte für alles Rund ums Thema Pedelec und E-Bike. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VeloStrom.de
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