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Interview Lastenrad

Themenwoche Lastenrad: Interview mit Katharina Fölsche von Greenpack

Lesezeit etwa 5 Minuten

[at] Cargobikes boomen. Ein Grund für VeloStrom, eine Woche dem Packesel unter den Bikes zu widmen. Den Anfang macht ein Interview mit Katharina Fölsche von Greenpack.

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Katharina Fölsche, Projektmanagerin Standortentwicklung be GreenPack.

Die GreenPack mobile energy solutions GmbH ist ein junges Berliner Startup, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, ein mobiles und nachhaltiges Energienetzwerk zu etablieren, um die Energie- und Mobilitätswende aktiv mitzugestalten. Neben der Entwicklung, der Produktion und dem Vertrieb eines intelligenten, standardisierten Wechselakku-Systems verfolgt GreenPack einen umfassenden Battery-as-a-Service-Ansatz. Dies ermöglicht den Unternehmens- und Standortpartnern einen risikofreien, Kosten-Nutzen-optimierten Einsatz zahlreicher elektromobiler Anwendungen, beispielsweise von Elektro-Lastenräder:

Die standardisierten, leistungsstarken Akkupacks von GreenPack können bei Bedarf einfach, schnell und zu jeder Tageszeit an im Berliner Stadtgebiet verteilten Wechselstationen gegen vollgeladene Akkus getauscht werden.

Wir sprachen mit Katharina Fölsche, Projektmanagerin Standortentwicklung, über das Greenpack Wechselakku-System.

Alexander Theis: Frau Fölsche, das Pilotprojekt in Berlin ist mit 7 Standorten gestartet, jetzt sind es schon 11. Nach welchen Kriterien wurden die Standorte bestimmt?

Katharina Fölsche: Die Standorte für unsere Akku-Wechselstationen, die sogenannten Sharing Points, wurden nach verschiedenen Kriterien ausgewählt. Ganz wichtig bei der Standortauswahl waren natürlich die Wünsche und Standorte unserer Partner und Kunden. Die Sharing Points müssen im Anwendungsalltag ja strategisch günstig gelegen sein und keine zeitraubenden Umwege verursachen. Zudem ist die Nähe zu weiteren potenziellen Nutzern wichtig, denn je mehr Anwender es gibt, desto größer sind bspw. die Vorteile unseres Systems als dezentraler Speicher. Schließlich spielt auch die sinnvolle Verteilung der einzelnen Sharing Points im Stadtgebiet eine Rolle.
So wurden bereits erste Gebiete eingegrenzt, in denen dann nach geeigneten Standorten gesucht wurde. Ein idealer Standort verfügt über einen nahegelegenen Netzanschluss, ist bei Tag und Nacht gut zugänglich und bestenfalls überdacht.

Tankstelle-GreenPack-Sharing-Point
GreenPack-Wechselstation, hier installiert an einer Tankstelle (Klicken zum Vergrößern).

Alexander Theis: Welche baulichen und elektrischen Voraussetzungen sind für einen Akkuwechselstandort notwendig?

Katharina Fölsche: Das Akku-Wechselsystem von GreenPack benötigt keine besonderen Voraussetzungen, das ist ein großer Vorteil, weil so die Zahl möglicher Standorte steigt. Für unsere Sharing Points sind derzeit folgende Kriterien notwendig:

  • Möglichkeit zur sicheren Verankerung an der Wand bzw. am Boden durch GreenPack
  • Telefonempfang 2/3G; für interne Kommunikationseinheit mindestens Datenempfang “E”
  • 230V Steckdose mit mindestens 16 A Sicherung
  • Anschluss mit Anschlusskabel 230V/16A IP44 Gummi H07RN-F 3×2,5 mm² (wird von GreenPack bereitgestellt)
  • rund um die Uhr freie Zugänglichkeit für das Servicepersonal

Nicht zwingend notwendig, aber wünschenswert wäre eine vorhandene Überdachung für den Sharing Point sowie ein Ansprechpartner vor Ort.

Alexander Theis: Wie wird gewährleistet, dass immer genügend voll geladene Akkus vorhanden sind?

Katharina Fölsche: Wir monitoren fortlaufend den Bedarf und optimieren hier, falls nötig. Aktuell stellen wir sogar immer mehr Akkus bereit, als Bedarf herrscht. Unsere Partner und Kunden können somit immer sicher sein, dass sie Zugriff auf einen vollen Akku haben, wenn sie einen benötigen – die sofortige Verfügbarkeit von Energie ist ja auch einer der großen Vorteile des Systems gegenüber zeitraubenden Ladevorgängen.

Mittel- bis langfristig bauen wir gerade unser Sharing Point Netz massiv aus: wir wollen von derzeit knapp 11 Standorten in Berlin auf mehr als 200 Sharing Points in 10 Städten bis Ende 2020 wachsen. Dafür haben wir sogar eine eigene Stelle geschaffen. Sich die eigene Infrastruktur aufzubauen ist zwar aufwendig, lohnt sich aber damit das System dauerhaft und verlässlich funktioniert.

Alexander Theis: Beim Pilotprojekt verwenden Sie einen standardisierten Akku. Wie sind die technischen Daten dieses Akkus?

GreenPack-Akku-MaßeKatharina Fölsche: Der GreenPack Akku nutzt moderne Lithium-Ionen-Technologie, die bspw. auch in Elektroauto-Akkus zum Einsatz kommt, und die in puncto Leistung und Zuverlässigkeit aktuell das beste System darstellt. Die Spannung des Akkus beträgt 48V, die Kapazität 1400Wh bzw. 29Ah. Mit einer Länge von 368mm, einer Höhe von 217mm und einer Breite von 88mm ist der Akku handlich und gut zu transportieren bzw. wechseln. Dank der kompakten Abmessungen eignet sich der Akku auch für zahlreiche Anwendungen.

Alexander Theis: Wie hoch ist der Anpassungsaufwand um das GreenPack-Akkusystem an die verschiedenen Pedelec-Antriebssysteme anzupassen?

Katharina Fölsche: Das kann man pauschal nicht beantworten, das kommt immer auf das Endsystem an. In jedem Fall wird der Antriebsstrang an unser System angepasst, welches über eine standardisierte Schnittstelle verfügt. Aber eines lässt sich immer sagen: Dass sich der Aufwand lohnt, denn durch den Anschluss an das Akku-Wechselsystem ergeben sich vielfältige Vorteile sowohl für Unternehmen als auch Endkunden bzw. Nutzer.

Alexander Theis: Frau Fölsche, vielen Dank für das Gespräch!

Mehr Informationen sind online unter www.greenpack.de zu finden.

[Fotos: Greenpack GmbH]

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Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VeloStrom.de
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