Ra(d)tgeber Velomobil

Velomobile: Hocheffiziente Fahrräder für das ganze Jahr

[dl] Velomobile sind voll verkleidete Liegeräder, die für den Alltag und/oder für Rennen konzipiert sind. Sie bieten einen deutlich besseren Regen- und Wetterschutz als normale Fahrräder und sind damit eigentlich die idealen Fahrräder. Ein Gastartikel von Dietrich Lohmeyer.

Dieser Text ist die schriftliche Wiedergabe und Erweiterung eines Vortrages, den ich zusammen mit Oussama Zammouri auf der Eurobike 2016 gehalten habe. Ich selbst habe 20 Jahre lang Velomobile verkauft und bin ca. 100.000 km mit Velomobilen gefahren. In dieser Zeit habe ich hunderte von Interessenten beraten. Oussama Zammouri ist neuer Geschäftsführer der Firma Akkurad GmbH.

Mit diesem Artikel möchte ich Interesse an Velomobilen wecken und Interessenten die Entscheidung für ein konkretes Modell leichter machen. Ich werde auf Eigenschaften von Velomobilen, Wettbewerbe und Rekorde, sowie die Typen von Velomobilen und das Verhältnis von Alltagstauglichkeit und Effizienz eingehen.

Außerdem will ich versuchen, einen Überblick über die Velomobile zu geben, die heute in Europa angeboten werden. Ein Auswahlkriterium dafür war, dass die beschriebenen Fahrzeuge leichter sind als die Last, die sie transportieren können und dass mindestens 10 Stück verkauft wurden.

Eigenschaften von Velomobilen

Helge Hermann schreibt auf seiner Website „velomobil.eu“: „Vom Fahrrad wird gerne gesagt, dass es die Revolution der Evolution darstellt, dadurch, dass das Gewicht von den Laufrädern getragen wird, ist die Fortbewegung mit dem Fahrrad viel effektiver als jede andere Fortbewegungsart von Lebewesen, nur Vögel im Segelflug erreichen ähnlich gute Werte. … Jetzt kommt das Velomobil und setzt in Sachen Effizienz der ganzen Fahrradtechnik die Krone auf: Noch nie war es Menschen möglich, mit so wenig Kraftanstrengung solch große Fahrleistungen zu vollbringen.“

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Velomobile, hier ein Orca von Flevobike, bieten Wind- und Wetterschutz. (Klicken zum Vergrößern)

Velomobile sind voll verkleidete Liegeräder, durch die Verkleidung bieten sie einen deutlich besseren Regen- und Wetterschutz als normale Fahrräder. Sie haben in der Regel eine viel kleinere Frontfläche und eine deutlich bessere Aerodynamik als offene Fahrräder. Mit einigen Serien-Velomobilen können bis zu 80 km/h im Sprint und Stundendurchschnitte von über 50 km/h erreicht werden.Fast alle Velomobile sind auf der Ebene deutlich schneller als Tourenfahrräder. Rekordfahrzeuge und Renn-Velomobile sind auf der Ebene deutlich schneller als Rennräder.

Alle Velomobile, die man zurzeit kaufen kann, sind Dreiräder. Durch das dritte Rad ist die Sturzgefahr vor allem im Winter deutlich geringer als beim Normalrad, und das Ein- und Aussteigen, Losfahren und Anhalten ist wesentlich einfacher als bei 2-rädrigen Velomobilen.

Mit diesen Eigenschaften sind Velomobile eigentlich die idealen Fahrräder für das ganze Jahr, denn ein Hauptnachteil von allen anderen Fahrrädern ist der mangelnde Wetterschutz. Diese positiven Eigenschaften von Velomobilen haben sich leider noch nicht herumgesprochen. Viele Leute kennen den Begriff „Velomobil“ nicht und die Zahl der verkauften Velomobile ist im Vergleich zu anderen Fahrradtypen noch sehr gering.

Effizienz von Rekordfahrzeugen und Renn-Velomobilen

Die größere Effizienz von vollverkleideten Fahrzeuge mit kleiner Stirnfläche wird in der Praxis durch die hohen erreichbaren Geschwindigkeiten deutlich. Es ist fast nicht zu glauben: Mit einem Fahrrad ist es möglich, 144 km/h auf der Ebene zu fahren, wenn man eine aerodynamische Verkleidung montiert und statt eines normalen Fahrradrahmens ein Liegerad verwendet.

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Beim 3h-Rennen Cycle Vision 2014 (Klicken zum Vergrößern).

Beispielhaft hier einige Wettbewerbe und Rekorde:

Spezielle Rekordfahrzeuge, Einzelstücke
• 2016: 144 km/h, Team Aerovelo
• 2016: Stundenweltrekord 94 km, F.Russo

Serienfahrzeug Milan
• 2016: 676 km in 12 Stunden, W. Kraneis
• 2010: 1219 km in 24 Stunden, C.v.Ascheberg
• 2010: 1000 km in 19 Stunden, 27 Minuten

Es gibt Wettbewerbe, die auf Hochstgeschwindigkeit ausgelegt sind als auch solche, bei denen eine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit auf langen Strecken erzielt werden soll. Bei allen Veranstaltungen garantieren sogenannte „Observer“ die Einhaltung unterschiedlicher Reglements, wie z.B. die des WRRA (World Record Recumbent Association) oder des IHPVA (International Human Powered Vehicle Association). Es handelt sich also um anerkannte Weltrekorde.

Natürlich heißt das nicht, dass man im Alltagsverkehr mit Velomobilen eine Spitzengeschwindigkeit von 144 km/h erreichen oder 94 km in einer Stunde fahren kann. Die speziellen Rekord-Fahrzeuge wurden als Einzelstücke nur auf Höchstgeschwindigkeit ausgelegt und wie ein guter Anzug dem Fahrer auf den Leib geschneidert. Beim Einsteigen und Losfahren benötigen die Fahrer einen Helfer, die Verkleidungen werden für eine noch bessere Aerodynamik „eingetaped“, wenn der Fahrer schon eingestiegen ist.

Die Rekorde, bei denen Höchstgeschwindigkeiten erreicht werden sollen, finden in Battle Mountain in Nevada statt. In etwa 1.400 m Höhe erleichtert die dünnere Luft das Erreichen von hohen Geschwindigkeiten.

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Ein Milan SL der Räderwerk GmbH

Die letzten 3 Rekorde aus der Liste wurden aber mit Velomobilen gefahren, die auch im öffentlichen Verkehr benutzt werden. Den Milan kann man wie alle anderen hier vorgestellten Velomobile kaufen.

Alle Rekorde wurden auf abgesperrten Strecken gefahren, nicht im Alltagsverkehr. Die Langstrecken-Rekorde wurden auf Test-Strecken der Automobilindustrie oder auf Autorennstrecken mit gutem Straßenbelag, wenig Kurven und fast keinen Steigungen gefahren.

Praxisnäher waren die Bedingungen bei der Liegeradweltmeisterschaft 2013 in Leer: Dieses Rennen fand in der abgesperrten Innenstadt mit vielen engen Kurven statt. Hier einige Resultate:

Liegerad Weltmeisterschaft Leer 2013
1. Platz: Daniel Fenn mit Velomobil Evo R Durchschnitt 52 km/h
2. Platz: Ymte Sijbrandij mit Velomobil Quest Durchschnitt 49,7 km/h

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Das Evo-R von Go-One

Cycle Vision 2016, 3 Stundenrennen
1. Platz: Daniel Fenn mit Velomobil DF, Durchschnitt 59 km/h
3. Platz: Theo v. Andel mit Velomobil Quest

Es gibt noch zahlreiche andere Rekordveranstaltungen, eine Übersicht findet man beim Human Powered Vehicles e.V (www.hpv.org).

Typen von Velomobilen

Ich werde im Folgenden die 25 Velomobile vorstellen, die man zurzeit in Europa kaufen kann. Es gibt noch zahlreiche Einzelexemplare und historische Velomobile, die heute nicht mehr angeboten werden. Auf die Vorstellung dieser Fahrzeuge verzichte in diesem Artikel. Auch auf die Rekordfahrzeuge werde ich hier nicht näher eingehen.

Velomobile unterscheiden sich mindestens genauso stark wie die Fahrradtypen: Tourenrad, Mountain Bike, Hollandrad, Rennrad und Faltrad. Deshalb stelle ich hier 5 Gruppen von Velomobilen vor:

  • Renn-Velomobile
  • Alltags-Velomobile
  • Alltagsvelomobile 4-rädrig
  • Elektrovelomobile und
  • Velomobile für 2 Personen

Renn-Velomobile

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Ein DF von Intercitybike, hier mit Rennhaube (Klicken zum Vergrößern).

Mit allen hier vorgestellten Rennvelomobilen fährt man mehr als 50 km/h auf der Ebene, wenn man in der Lage ist 250 Watt Tretleistung auf die Pedale zu bringen. Ein Rennrad ist mit gleicher Tretleistung 36 km/h schnell (Quelle: www.kreuzotter.de). „Hochleistung-Velomobile kommen in den Fahrleistungen auf Strecken unter 100km schon sehr nah an die Durchschnittsgeschwindigkeiten von Automobilen heran und schlagen in der Regel sogar die Reisezeiten im öffentlichen Personenverkehr deutlich.“ (Quelle: Helge Hermann: warum Velomobile?)

 

Die Hauptmerkmale von Renn-Velomobilen sind:

  • kleiner Querschnitt
  • gute Aerodynamik
  • geringes Gewicht
  • kleiner Rollwiderstand

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    WAW mit Haube (Klicken zum Vergrößern)

Diese Eigenschaften werden meist durch kleine Einstiegsöffnungen, wenig Bodenfreiheit, geschlossenen Bodenund z.T. durch geschlossene Radkästen und relativ lange Karosserien erreicht.

Flache und schmale Fahrzeuge bedingen eine vergleichsweise niedrige Kopfhöhe ist wenig Platz für Fahrer und Gepäck. Einige Hersteller bieten je eine Version für große und kleine Fahrer an.

Kleine Einstiegsöffnungen verbessern zwar die Aerodynamik weil die Verwirbelungen an den Karosserieöffnungen kleiner sind, erschweren aber das Ein- und Aussteigen. Wenig Bodenfreiheit macht das Überfahren von Bodenschwellen schwierig und zum Teil das Fahren auf Feldwegen unmöglich.

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Eine Leiba Record (Klicken zum Vergrößern).

Geschlossene Böden verhindern, dass man durch Aufsetzen der Füße auf die Straße rückwärts fahren kann, geschlossene Radkästen vergrößern den Wendkreis. Geringes Gewicht wird durch kleinere Materialstärken erreicht, was Haltbarkeit und Unfallschutz verschlechtern kann.

Trotz dieser Einschränkungen im alltäglichen Einsatz üben diese Fahrzeuge, ähnlich wie Rennwagen im PKW-Bereich, eine enorme Anziehnungskraft aus. Hier eine Tabelle der derzeit erhältlichen Renn-Velomobile:

tabelle_rennvelomobile

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Das Quest von Velomobiel (Klicken zum Vergrößern)

Alltagsvelomobile, 3-rädrig

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Das Strada von Velomobiel (Klicken zum Vergrößern).

Alltagsvelomobile sind nicht so konsequent auf Geschwindigkeit getrimmt, die meisten erreichen aber trotzdem mit 250 Watt Tretleistung mehr als 35 km/h auf der Ebene. Ein Rennrad ist mit gleicher Tretleistung etwa gleich schnell, allerdings mit der unbequemen Untenlenker-Haltung. (Quelle: www.kreuzotter.de)

Der Begriff Alltagsvelomobil ist so gemeint, dass bei diesen Fahrzeugen einige Eigenschaften alltagstauglicher sind als bei den Rennvelomobilen. Auch Rennvelomobile werden natürlich im Alltagsverkehr gefahren. Jungen, sportlichen Fahrern sind manchmal die höheren Geschwindigkeiten auch im Alltagsverkehr wichtiger als mehr Platz und kleiner Wendekreis. Bei langen Pendlerstrecken ermöglichen erst schnelle Fahrzeuge, solche Strecken in akzeptabler Zeit zu fahren.

Die größeren Karosserien der Alltagsvelomobile bieten mehr Platz für Fahrer und Gepäck, größere

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Das Alleweder 4, ein Klassiker aus Aluminium von Akkurad (Klicken zum Vergrößern)

Einstiegsöffnungen erleichtern das Ein-und Aussteigen. In höheren Karosserien ist der Fahrer auf Augenhöhe mit den meisten Autofahrern. Das erleichtert die Kontaktaufnahme und das Fahrzeug wird besser gesehen.

Wenn der Boden im vorderen Bereich offen ist, weht im Sommer viel Luft durch das Fahrzeug und der Fahrer kann das Velomobil mit den Füßen zurückschieben.

Offene Radkästen oder außenliegende Räder (z.B. bei der Leitra) ergeben einen sehr kleinen Wendekreis. Größere Materialstärken können den Unfallschutz verbessern. Breitere Reifen mit viel Profil und Pannenschutz ergeben einen kürzeren Bremsweg, vor allem bei nasser Straße.

 

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Ein Alleweder 6 von Akkurad. (Klicken zum Vergrößern)

Jürgen Eick formuliert folgende Anforderungen an ein Alltagsvelomobil:

Der Konstrukteur „… ist gezwungen, einige Zusatzbedingungen zu berücksichtigen, die für Rennvelomobile nicht unbedingt gelten. Diese bei Alltagsvelomobilen zu beachtenden Bedingungen und deren Einfluss auf Gewicht bzw. Aerodynamik sind in Tabelle 2 zusammengefasst. Ein solches Velomobil muss seinem Fahrer ermöglichen, bei Sturm und Regen, in dichtem Stadtverkehr, bei schlechten Straßenverhältnissen und bei Nacht sicher fahren zu können. Es muss also ein auf Dauerbelastung ausgelegtes Fahrzeug sein, was sich nicht mit übertrieben geringem Strukturgewicht und extrem aerodynamischer Verkleidungsform vereinbaren lässt.“ (Quelle: Jürgen Eick: Das Velomobil als Alltagsfahrzeug, http://fahrradzukunft.de/0/alltagsfahrzeug-velomobil/#sicherheit 17.11.2016)

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„Rekorde“ von Alltagsvelomobilen

900 km in 8 Tagen, Karl Georg Rasmussen (80 Jahre alt), Leitra
280 km an einem Tag, Torsten Herz, Alleweder 4 TL45-Motorversion
250 km an einem Tag, Rainer Oertel, Quest

Diese Liste lässt sich beliebig verlängern. Viele Velomobilfahrer nutzen ihre Fahrzeuge seit Jahren im Alltag auf sehr langen Pendlerstrecken und fahren lange Strecken in der Freizeit. Die Jahreskilometerleistungen liegen häufig bei 10.000 km und mehr. Auf der Webseite von Velomobiel.nl und der von Intercity-Bikes kann jeder Fahrer seinen Kilometerstand eintragen. 20 Fahrer geben einen Kilometerstand von mehr als 100.000 km mit dem gleichen Fahrzeug an.

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Alltagsvelomobile, 4-rädrig

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Das Quattrovelo von Velomobiel (Klicken zum Vergrößern).

Noch sehr neu auf dem Markt sind 4-rädrige Velomobile, man kann sie erst seit ca. 2016 kaufen. Sie wurden entwickelt um die Straßenlage bei hohen Geschwindigkeiten zu verbessern. Das Gepäck kann zwischen den Hinterrädern statt auf dem Hinterrad untergebracht werden. Durch eine andere Gewichtsverteilung und durch das 4. Rad ist auch der Bremsweg kürzer, außerdem ist die Seitenwindempfindlichkeit ist geringer.

Hauptmerkmale sind:

  • Gute Straßenlage
  • Großer, tief liegender Kofferraum

Diese Zeichnung zeigt die unterschiedliche Gewichtsverteilung zwischen Quattrovelo (4-rädrig) und Quest (3-rädrig):

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Elektrovelomobile

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Das Alleweder 4 TL 45 von Akkurad (Klicken zum Vergrößern)
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Alleweder 6 TL 45 von Akkurad (Klicken zum Vergrößern)

In dieser Kategorie habe ich Fahrzeuge mit Elektromotor beschrieben, die nur mit Elektroantrieb ausgeliefert werden oder den Segen des TÜV als Kleinkraftrad bekommen haben. Alle Elektrovelomobile bis auf den Sunglider und Elf erreichen auf der Ebene 45 km/h auch mit schwächeren Fahrern. Die Kleinkrafträder haben ein Versicherungskennzeichen und Lichtanlagen, die für Motorräder zugelassen sind. Die schnelle Version des Elf hat keine Zulassung für Deutschland.

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Ein Sunglider One (Klicken zum Vergrößern)

 

Elf
Elf vom amerikanischen Hersteller Organic Transit (Klicken zum Vergrößern)

Fast alle anderen bisher beschrieben Fahrzeuge, auch die meisten Rennvelomobile, können mit Elektroantrieben bis 250 Watt nachgerüstet werden. Wenn diese Motoren bei 25 km/h abgeschaltet werden und die Fahrzeuge mit einem Tretsensor ausgerüstet sind (Motor schaltet ab, wenn nicht mehr getreten wird), gelten sie als zulassungsfreie Elektrofahrräder (Pedelec).

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Eine Leiba Hybrid (Klicken zum Vergrößern)

Die Hauptmerkmale sind:

  • höhere Geschwindigkeiten, vor allem bergauf
  • weinger Schwitzen auf dem Weg zur Arbeit
  • kürzere Fahrzeiten, höhere Durchschnittsgeschwindigkeit
  • besseres Mitschwimmen im Verkehr

In dieser Tabelle sind beispielhaft einige der zur Zeit erhältlichen Elektrovelomobile aufgeführt:

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Velomobile für 2 Personen 

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Ein Milan 4.2 auf der Spezialradmesse 2015 in Germersheim.
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Ein Quattrovelo mit Kindersitz (Klicken zum Vergrößern).

Velomobile für 2 Personen bieten mehr „Platz für Gast oder Last“. Mit diesen Velomobilen kann man z.B. auf dem Weg zur Arbeit Kinder zur Schule oder zum Kindergarten bringen oder Erwachsene an der Bahnstation absetzen.

Das Alleweder 4 und das Quattrovelo kann man auch mit Kindersitz bestellen um auch kleinere Kinder mitnehmen zu können. Der Platz für den Gast kann natürlich auch als Kofferraum genutzt werden.

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Die Leiba Cargo von Velomobiles (Klicken zum Vergrößern)

Verbreitung von Velomobiltypen, Produzenten

Es gibt leider nur wenig quantitative Daten zum Thema Velomobil. Einige Hersteller geben auf Ihrer Webseite Zahlen der verkauften Velomobile an. In der Tabelle habe ich diese Zahlen mit eigenen Berechnungen, eigenen Anfragen bei Herstellern und den Zahlen aus der Hersteller-Umfrage von Anatol Joo 2009 (Quelle: Antal Joó dr. – Gábor Joó: Possibility and Situation of Velomobile Riding in Hungary, 6th European Seminar on Velomobile Design, Copenhagen 2009) kombiniert.

Anatol Joo hat für 2008 eine Gesamtzahl von 2100 produzierten Velomobilen weltweit angegeben. Daraus folgt, dass sich in den letzten 7 Jahren die Zahl der Velomobile verdoppelt hat. Im Jahr 2015 war eine deutliche Steigerung festzustellen. Das erfolgreichste Velomobil in Europa der letzten beiden Jahre war das DF, Rennerfolge beflügeln die Nachfrage.

Im Jahr 2016 hat Velomobil.nl einen Achtungserfolg mit dem vierrädrigen Quattrovelo. Sie haben für dieses sehr innovative Fahrzeug bereits 60 Bestellungen vorliegen, einige Fahrzeuge wurden bereits ausgeliefert (Stand 21.1.2017). Auch Intercitybikes hat den Prototypen für ein vierrädriges Fahrzeug fertig.

Das Velomobil Elf ist in den USA sehr erfolgreich, Rob Cotter sagte gegenüber ElektroBIKE „Innerhalb von 18 Monaten haben wir 425 ELFs in acht Ländern verkauft“ (Quelle: Elektrobike-online.com). Die Firma Organic Transit hat laut Anfrage im November 2016 keinen Händler in Europa, die Fahrzeuge können direkt in den USA bestellt werden.

 
Alltagstauglichkeit u. Effizienz

Ich hatte bereit zu Anfang darauf hingewiesen, dass käufliche Rennvelomobile deutlich alltagstauglicher sind als die 2-rädrigen Rekordfahrzeuge, die in Battle Mountain beim Hochgeschwindigkeitswettbewerb antreten.

Bei den „Alltagsvelomobilen“ versuchen die Hersteller einige Nachteile der Rennvelomobile durch veränderte Konstruktionen zu beseitigen. Tendenziell führen alle dies Versuche, Velomobile alltagstauglicher zu machen, zu Effizienzverlusten. Die spannende Frage ist immer, auf wieviel Effizienz dabei verzichtet wird, um wieviel langsamer das Fahrzeug wird. Das perfekte Velomobil gibt es nicht, jedes Modell ist von seinem Konstrukteur in eine ganz bestimmte Richtung optimiert worden, wiederum jede/r Kunde/in kommt mit ganz persönlichen Wünschen und Erwartungen an ein Velomobil.

Im Folgenden gehe ich auf einige Veränderungen beispielhaft ein.

Offene Radkästen, Wendekreis

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Ein Quest und Strada im Vergleich (Klicken zum Vergrößern)

Der niederländische Hersteller Velomobiel.nl bietet z.B. das „Rennvelomobil“ Quest und das „Alltagsvelomobil“ Strada an. Der vordere Teil der beiden Fahrzeuge ist sehr ähnlich. Der wesentliche Unterschied ist, dass das Strada offene Radkästen hat und 20 cm kürzer ist. Dadurch wird der Wendekreis 3 m kleiner (8 m statt 11 m), das Fahrzeug kompakter, die Aerodynamik wird aber schlechter.

Velomobiel.nl sagt, dass das Quest auf der Ebene 10 % schneller ist. Der Preis ist fast der Gleiche. Der Kunde muss sich nun entscheiden, ob ihm Geschwindigkeit oder Wendigkeit wichtiger ist.

Offener Boden

Auf die Vorteile bin ich bereits im Kapitel „Merkmale von Alltagsvelomobilen“ eingegangen. Einige Fahrer haben bei der Teilnahme an Wettbewerben den offenen Boden wieder geschlossen. Sie berichten, dass sie auf der Ebene ca. 2-3 % schneller waren.

Bequemes Ein- und Aussteigen, viel Luft im Sommer

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Der Einstieg beim Orca (Klicken zum Vergrößern)…

Orca und Alleweder 6 haben sehr große Einstiegsöffnungen, die weit nach unten gezogen sind. Das erleichtert das Einsteigen vor allem für ältere Leute und Behinderte. Wird das Fahrzeug viel im Kurzstreckenverkehr eingesetzt, wird das bequeme Ein- und Aussteigen auch für gelenkige Fahrer zum wichtigen Kriterium, wenn sie auf einer Tour mehrfach Ein- und Aussteigen müssen. Bei zwei langen Fahrten am Tag ist das für gelenkige, schlanke und sportliche Fahrer kein Problem. Vor dem Kauf eines Rennvelomobils mit kleiner Einstiegsluke wie beim Kajak sollte man seinen Buchumfang prüfen. Das Ein- und Aussteigen sollte man vor dem Kauf unbedingt ausprobieren.

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…und beim Alleweder 6 (Klicken zum Vergrößern).

Die meisten Autofahrer, die sich zum ersten Mal mit Velomobilen beschäftigen, fragen nach einer geschlossenen Kabine mit Scheibe und Scheibenwischer. Die Leitra ist das letzte Velomobil, dass mit fester Scheibe vor den Augen und Scheibenwischer angeboten wird. Feste Windschutzscheiben vor dem Gesicht können zufrieren, beschlagen und verdrecken. Um das zu verhindern benötigt man eigentlich einen Scheibenwischer, eine Scheibenwaschanlage und einen warmen Luftstrom. Der Blick zur Seite ist dann bei zugefrorenen Scheiben immer noch nicht möglich

Früher gab es mehrere Hersteller, die Anhänger des „Limousinen-Prinzips“ waren, heute bieten fast alle Hersteller Velomobile mit „Kopf draußen“ an. Hinter dem Kopf ist meist die höchste Stelle, die meist auch die Funktion eines Überrollbügels erfüllt. Alle Velomobile mit „Kopf draußen“ können mit dem leichten Dach des Orca ausgerüstet werden. Dieses leichte Velomobildach kann bei schönem Wetter durch das Lösen von 2 Stiften abgebaut und im Fahrzeug untergebracht werden.

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Hier ein Orca mit dem „Versatile-Dach“ (Klicken zum Vergrößern)

Ein zusätzlicher Wetterschutz entsteht durch einen kleinen Windabweiser vor der Scheibe des Dachs, der Fahrtwind, Regen oder Mückenschwärme vom Gesicht des Fahrers weg auf das Dach leitet.

Diese Version fahre ich privat seit 7 Jahren. Das Dach über dem Kopf hat den Wunsch, bei Regen doch das Auto zu nehmen, deutlich verringert. Ein paar Regentropfen regnen noch auf die Plane, fließen dann aber seitlich ab. Mit dieser Wetterschutzversion fahre ich mit guter Laune durch leichten bis mittleren Regen. Bei Starkregen und Sturm von der Seite bekomme ich etwas Regen an die Wange.

Schöner und aerodynamischer ist eine kleine, gebogene Scheibe weiter hinten. Der Wind- und Regenschutz für den Fahrer ist aber schlechter.

Eine andere Wetterschutzversion ist das klappbare Visier auf der Klappe oder z.B. bei Quest, Strada und DF als Bestandteil der Rennhaube. Wenn das Visier beschlagen ist, kann es etwas hochgeklappt werden (wie beim Integralhelm) so dass ein kleiner Sehschlitz frei wird.

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Ein Visier am WAW (Klicken zum Vergößern).

Durch diesen Schlitz kann dann allerdings Wasser auf die Beine tropfen.

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Zwei Alleweder im „Winterkleid“ (Klicken zum Vergrößern).

Das Alleweder 6 gibt es mit „Sommerkleid“ oder „Winterkleid“.  Im Sommer wird die Einstiegsöffnung mit einer aufknöpfbaren Plane verschossen, im Winter kann die feste abschließbare Klappe montiert werden. Die Plane kann man im Fahrzeug verstauen, die feste Klappe hingegen nicht.

Kofferraum

In fast jedem der hier vorgestellten Velomobile können zahlreiche kleinere Gepäckstücke trocken verstaut werden.

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Ein Velomobil (hier ein Orca) taugt auch prima zum Reisen (Klicken zum Vergößern)

Neben dem Sitz ist z.B. beim Alleweder 4 und Alleweder 6 viel Platz für kleinere Taschen oder einige Stoffbeutel, ca. 16 cm breit, 60 cm lang 30 cm hoch (bei schlanken Fahrern). Im Heck ist meist über dem Hinterrad Platz für eine Sporttasche (z.B.: 30 x 30 x 60 cm). Einige Hersteller bieten Taschen oder kleine Koffer mit optimalen Größen an.

Fahrzeuge mit großem, von außen zugänglichem und z.T. abschließbarem Kofferraum sind z.B. Quattrovelo und der vierrädrige Sunrider. Laut Angaben von Velomobiel.nl ist das geräumigere Quattrovelo langsamer als das Quest, aber schneller als das Strada. Der vierrädrige Sunrider ist deutlich größer und schwerer, er wurde bisher nur als S-Pedelec mit Motor gebaut, fährt dann auf der Ebene ca. 45 km/h.

Sicherheit von Velomobilen

Die erste Reaktion von Menschen, die zum ersten Mal ein Velomobil sehen ist meist: „damit traue ich mich nicht zu fahren, das ist viel zu gefährlich. Im Verkehr wird man übersehen“. Bereits auf dem Velomobilseminar 1993 wurde auf die Sicherheitsvorteile gegenüber einem normalen Fahrrad hingewiesen.

W.Rohmert (Quelle: W.Rohmert, S.Gloger: Passive Security of HPV’s. In: Proceedings of the »First European Seminar on Velomobile Design«, Lyngby, 1993.S.95ff) stellte folgende Tabelle vor:

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Jürgen Eick empfiehlt eine Augenhöhe des Fahrers von „mindestens 1,1 m über dem Boden, um durch Autofenster hindurch sehen zu können.“ (Quelle: Jürgen Eick: Das Velomobil als Alltagsfahrzeug, s.o.). Jürgen Eick ist Fahrer einer Leitra, die mit 1,30 m Gesamthöhe eins der höchsten Alltagsvelomobile, das mit 98 cm auch relativ breit ist. Nur so oder durch ein 4. Rad kann man die Neigung zum Kippen bei sehr hohen Fahrzeugen in den Griff bekommen. Die große Breite hat dann allerdings Nachteile beim Fahren auf Fahrradwegen.

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Ein Alleweder neben einem Sportwagen (Klicken zum Vergrößern)

Ich fahre seit 20 Jahren ein Alleweder 4, das mit 95 cm Höhe (mit leichtem Velomobildach 1,10 m) zwischen den 1,30 m der Leitra und den 64 cm Höhe des EVO R liegt. Entscheidend für das Sehen anderer Fahrzeuge ist die Augenhöhe. Die liegt beim Alleweder 4 bei 92 cm. Beim Fahren auf der Landstraße und auf Fahrradwegen habe ich das nie als Problem empfunden. Ein kritischer Moment ist das Anhalten vor einer roten Ampel auf der Straße neben anderen Autos. Dann ist der Augenkontakt zum Fahrer des Autos wichtig.

Auf dem Foto „Alleweder neben Sportwagen“ wird deutlich, dass beide Fahrer nahezu die gleiche Augenhöhe haben. Sportwagen werden im Allgemeinen nicht als unsicher wegen der geringen Höhe empfunden.

Genauso wichtig wie das Sehen ist das Gesehen werden. Meine Erfahrung ist, dass Autofahrer mehr Abstand halten, wenn ich mit dem Velomobil statt mit dem Fahrrad unterwegs bin. Das liegt wahrscheinlich am ungewohnten Erscheinungsbild und daran, dass ein Fahrzeug mit Verkleidung breiter aussieht als ein Fahrrad fast gleicher Breite. Eine Fahne am Heck des Velomobils trägt dazu bei, dass man besser gesehen wird.

Das Sehen im Dunkeln ist mit hochwertiger Fahrrad- oder Motorradbeleuchtung kein Problem mehr, Blinker undBremslicht sind von Vorteil, wenn man viel auf der Straße fährt.

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Dank moderner Lichttechnik ist ein Velomobil auch im Dunkeln gut zu sehen. (Klicken zum Vergrößern)

Ich bin bis heute 100.000 km unfallfrei im Alltagsvelomobil gefahren. Aus meiner Tätigkeit bei den Firmen Lohmeyer-Leichtfahrzeuge und Akkurad kenne ich nur drei schwere Unfälle in 20 Jahren. Bei diesen Unfällen blieb die Karosserie in ihrer Struktur relativ stabil.

Die schwerste Verletzung, die ich kenne, war ein Armbruch, als das gesamte Velomobil mit Fahrer 6 m über eine Straße weggeschoben wurde. Ein PKW-Fahrer hatte die Vorfahrt mißachtet. Die gleichen Unfälle hätten bei einem normalen Fahrrad weitaus größere Verletzungen hervorgerufen. Die drei schweren Unfälle passierten bei 350 verkauften Fahrzeugen. Im Velomobilforum wird allerdings von einem tödlichen Unfall berichtet.

Ich fühle mich im Velomobil sicherer als beim Fahren mit einem normalen Fahrrad, deutlich sicherer als beim Motorradfahren aber nicht so sicher wie beim Autofahren.

Tretkraft des Fahrers

Velomobile sind meist schwerer als normale Fahrräder. Das wirkt sich beim Fahren auf der Ebene nur in einer schlechteren Beschleunigung aus und wird durch eine größere Durchschnittsgeschwindigkeit mehr als wettgemacht. Beim Fahren bergauf benötigt man dann aber eine gewisse Mindestkraft, um noch einigermaßen flott unterwegs zu sein.

Auf der Webseite www.kreuzotter.de kann man ausrechnen, wieviel Tretkraft man für welche Geschwindigkeit z.B. mit dem Velomobil Quest und einem Rennrad benötigt. Diese Daten und eigene Testergebnisse sind in die folgende Tabelle eingegangen.

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Ein sehr guter Sportler, der in der Lage ist, 420 Watt auf die Pedale zu bringen, schafft mit dem Quest auf der Ebene 62 km/h, mit dem Rennrad nur 44 km/h. Schon bei einer kleinen Steigung von 4 % ist der Rennradfahrer dann schneller. Fährt man viel auf normalen Straßen bei viel Verkehr, ist es von Vorteil, auch bergauf relativ schnell unterwegs zu sein, um nicht zu oft überholt zu werden. Auch die Gefahr von Auffahrunfällen wird geringer, wenn die Geschwindigkeitsdifferenz zu Autos nicht zu groß wird.

Mit schnellen Elektro-Velomobilen und 840 Watt Gesamtleistung fährt man dann eine Steigung von 6 % immer noch mit 35 km/h hoch. Mit einem Quest und einem eher schwachen Fahrer (150 Watt Tretleistung wäre man nur noch mit Fußgängergeschwindigkeit (7 km/h) unterwegs (Quelle: Info Bull 190, August 2016, Magazin von HPV Deutschland und Future Bike). Schwächeren Fahrern, die regelmäßig Steigungen zu bewältigen haben, ist daher Elektrounterstützung zu empfehlen.

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Nachgerüsteter Tretlagermotor, hier in einem Alleweder (Klicken zum Vergrößern)

Ein Kriterium für die Kaufentscheidung für ein bestimmtes Velomobil kann sein, ob der Einbau eines Elektroantriebes möglich ist. Elektroantriebe mindern einige Nachteile von Alltagsvelomobilen, da sie die Kraft des Fahrers verdoppeln oder vervierfachen. Auch Elektro-Velomobile benötigen nur 0,5 – 2 kwh auf 100 km. Damit sind sie ca. 30 Mal sparsamer als ein gleich schneller Motorroller, aber auch 20 Mal sparsamer als die meisten Elektroautos.

Rennvelomobile mit zulassungsfreiem Elektroantrieb sind wohl die effizientesten Pedelecs, die zurzeit angeboten werden. Da hier der Elektromotor nur für eine bessere Beschleunigung und die Bewältigung von Steigungen genutzt wird, sind Reichweiten weit über Pedelec-Niveau möglich. Auf der Ebene sind Elektro-Rennvelomobile mit nur 70 Watt Tretleistung schneller als 25 km/h. Das bedeutet, dass man die meiste Zeit ohne Motor fährt und dann kein Strom verbraucht wird.

Viele Hersteller bieten Elektroantriebe noch nicht als Zubehör an. Es gibt nur wenige kleine Firmen, die in Deutschland den Einbau von Elektroantrieben in Velomobile anbieten, u.a. die Firma Akkurad GmbH, die neben den eigenen schnellen Elektrovelomobilen mit Nummernschild auch zahlreiche Rennvelomobile anderer Hersteller mit zulassungsfreien Elektroantrieben ausgestattet hat.

Wartung und Reparatur, Service

Helge Herrman, einer der Eigentümer von Velomobil.eu und Räderwerk schreibt auf seiner Webseite:

„Bleibt die Frage, warum sich Velomobile nicht schon auf breiter Front durchgesetzt haben? Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind Velomobile in ihrer Vollendung auf der höchsten Preiskategorie angesiedelt, die die Fahrradwelt zu bieten hat und erst langsam setzen sich Finanzierungen im Fahrradbereich durch, ….. zum anderen hat sich noch keine professionelle Vermarktung von Velomobilen etabliert.

Der klassische Fahrradhandel fühlt sich oft schon vom Warten und Einstellen moderner Schaltungen und Bremsen überfordert, da macht ihm eine neue Technik, womöglich noch mit drei Rädern, bei denen dann auch noch die Spur eingestellt werden muss, noch größere Angst, …… Dabei kann eine gute Fahrradmechanikerin einen Reifen beim Velomobil genauso gut reparieren wie beim klassischen Fahrrad und eine Fahrradkette bleibt auch im Velomobil eine Fahrradkette, aber dafür muss sich der Kopf auch drehen können und bereit sein, Neues kennenzulernen.

Infolge der geringen Dichte von geeigneten Werkstätten für Velomobile haben viele potentielle Käufer auch wiederum Angst, ein Fahrzeug zu erwerben, bei dem sie im Schadensfalle nur schwer Hilfe bekommen.“ (Quelle: Helge Hermann: warum Velomobile?)

Die meisten Velomobilfahrer machen Wartungs- und Reparaturarbeiten aus diesen Gründen selbst. Wartungs- und Inspektionsklappen erleichtern dabei manche Wartungsarbeiten. Für Fahrer, die nicht in der Lage sind, Velomobile zu warten, kann die Nähe eines Händlers bei der Wahl des Velomobils sehr entscheidend sein.

Liegerad- und Spezialradhändler sind erfahrungsgemäß eher bereit, sich mit Velomobilen zu beschäftigen. Liegeradhändler gibt es in fast jeder deutschen Großstadt. Mit diesen Händlern sollte man Kontakt aufnehmen, bevor man sich für ein Velomobil entscheidet. In der folgenden Tabelle sehen Sie Hersteller aus Deutschland und den Niederlanden sowie Spezialrad-Händler aus Deutschland, die bereit sind, Velomobile zu reparieren:

tabelle_6_velomobil_haendler_und_werkstaetten
Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Jeder Händler, der diesen Artikel liest und sich gerne mit Velomobilen beschäftigen möchte, möge sich bitte bei mir melden. Ich werde u.a. diese Liste auf hpv.org veröffentlichen und aktuell halten. Fast alle Hersteller sind daran interessiert, neue Händler zu finden. Einige Hersteller vermitteln auch Probefahrten bei Velomobilfahrern, von denen es ca. 1500 in Deutschland gibt, manche Hersteller und Händler vermieten Velomobile auch für mehrere Tage.

Ich hoffe, dass ich bei einigen Lesern Interessen geweckt habe. In meinem Buch „Velomobile, hocheffiziente Fahrzeuge für den weiten Weg zur Arbeit“, das im Herbst 2017 im LD-Verlag erscheinen wird, werden noch viele weitere und tiefer gehende Informationen zu Velomobilen zu finden sein.

Bleibend Begeisterung entsteht beim „Erfahren“, zum Beispiel bei einer längeren Probefahrt auf der Spezialradmesse in Germersheim, wo fast alle Hersteller von Velomobilen vertreten sind. Die „Spezi“ findet 2017  am 29. und 30.April statt.

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Edit 09.02.2017: „Tabelle 2: Alltagsvelomobile“ eingefügt, Erscheinungsjahr Buch korrigiert

Dietrich Lohmeyer

Dietrich Lohmeyer

Dietrich Lohmeyer fährt seit 20 Jahren mit dem Velomobil zur Arbeit und war Produzent der Velomobile "Alleweder".
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4 Kommentare

  1. Das hat aber sehr lange gedauert bis velostrom diese effizienten Fahrzeuge hier vorstellt.
    Falls velostrom es noch nicht gemerkt hat, es gibt auch Pedelecs Liegeräder mit zwei, drei und vier Räder
    die von normalen Menschen ohne Handykap genutzt werden.
    Aufrechträder werden vorgestellt wenn eine andere Biegung im Rahmen gemacht wird,
    aber diese anderen Räder existieren für velostrom nicht?

    1. Hallo,

      vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Selbstverständlich existieren diese Räder auch für mich und ich habe auch schon mehrfach darüber berichtet, zum Beispiel hier (der Beitrag über meinen Orca war einer der sehr frühen auf VeloStrom), hier, oder hier.

      Die Liste lässt sich leicht verlängern: Geben Sie einfach mal „Spezialrad“ in das Suchfeld ein.

      Es macht für mich keinen Unterschied, ob die Spezialräder von Menschen mit oder ohne Handicap genutzt werden. Wichtig ist dass sie zum Spaß an der Bewegung und individuellen, nachhaltigen Fortbewegung beitragen.

      Ich gebe jedoch gerne zu, dass ich nicht den gesamten Markt überblicken kann. Also wenn Sie konstruktive Vorschläge für weitere Beiträge zum Thema „Spezialrad“ haben: Immer her damit.

      Mit freundlichen Grüßen
      Alexander Theis

  2. Hallo Herr Lohmeyer, hallo Herr Theis,
    Vielen Dank für diesen umfassenden Artikel, der schon fast eine kleine Enzyklopädie über das Thema Velomobil und effiziente Transportmittel liefert. Der Gedanke, dass es zwischen Drahtesel und Automobil noch Zwischenkategorien geben könnte, liegt vielen Verkehrsteilnehmern so fern, dass wir mehr dieser informativen Beiträge brauchen. Weiter so!
    Antoine A.

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    Alleweder A4, Evo-KS, Mango Plus, Quest, Strada

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