Foto eines iBullitt von urban-e
Fertig-Pedelecs Lastenrad Test & Technik

Lastenrad: Pedelec iBullitt von Urban-e

Lesezeit etwa 3 Minuten
Foto eines iBullitt von urban-e
Ein Pedelec-Lastenrad: Das iBullitt von Urban-e

[at] Lastenräder, gerade solche in der Pedelec-Version, liegen im Trend. Doch wie fährt sich denn so ein Lasten-Pedelec?

Auf der VELOBerlin hatte ich Gelegenheit ein Pedelec iBullitt von Urban-E probezufahren. Entstanden ist Urban-e aus dem Projekt “Ich ersetze ein Auto”, in dessen Verlauf 40 iBullitts in 8 Städten über 500.000 km zurückgelegt und dabei mehr als 125.000 Sendungen befördert haben.

Im Ergebnis zeigte das Projekt, dass bei 15%iger Kostenersparnis bis zu 85% der städtischen Autokurierfahrten ersetzt werden können (Quelle: Urban-e, DLR/DPD). Durch den robusten und tragfähigen Rahmen transportieren die iBullitt Lasten bis zu 100kg. Dabei ist natürlich ein Pedelec-Antrieb zur Überwindung der Massenträgheit sehr hilfreich.

Urban-e verbaut den Pedelec-Antrieb im 20”-Vorderrad (hinten: 26”), das gibt dem Rad die gewünschte Tendenz zum Untersteuern, was der

Foto des Vorderrads und des Akku-Kastens eines iBullitt von urban-e
Der Akku (Pfeil) ist schwerpunktgünstig untergebracht.

Handlichkeit zu Gute kommt. Apropos Handlichkeit: Der Akku  in Lithium-Mangan-Technik ist schwerpunktgünstig unter der Ladefläche verbaut und bietet in der Basisversion eine Kapazität von 612 Wh, was eine Reichweite von bis zu 70 km ergibt. Die Reichweite lässt sich in Stufen (936 Wh/bis 100km, 1.152 Wh/bis 125 km, 2.304 Wh /bis 250 km(!!)) steigern, so dass individuelle Anforderungen erfüllt werden können.

Geschaltet wird mit Shimano (Alfine 8) oder NuVinci (N360), was nach Angaben von Urban-e gerade im Fall der NuVinci mehr als ausreichend ist. Dem Vortrieb wird durch leistungsfähige Scheibenbremsen von Shimano (Alfine) oder Magura (MT4) bei Bedarf Einhalt geboten. Gerade bei einem Lastenrad ist das besonders wichtig.

In der Basisversion werden die Lasten in einer abschließbaren und wasserdichten Cargo-Box aus

Foto der geschlossenen Cargo-Box eines iBullitt von urban-e
Abschließbar, wasserdicht…

Aluminium untergebracht, das beugt versehentlichem Verlieren von wertvoller Fracht nachhaltig vor. Und wo ich gerade beim Thema “Nachhaltig” bin: Gegen Aufpreis ist ein Solar-Modul erhältlich, das auf der Abdeckung der Transportbox montiert wird und bei entsprechendem Wetter als “Range-Extender” fungiert.

Nun aber: Wie fährt sich so ein Pedelec -iBullitt? Ich gebe es zu, es war das erste Mal überhaupt, dass ich ein Lastenrad gefahren bin. Zunächst war es etwas ungewohnt, das Vorderrad nicht zu sehen. Insbesondere beim Schieben durch die Halle zur Teststrecke habe ich den ein oder anderen Messebesucher mit dem Vorderrad touchiert, weil ich die Länge des Rades nicht

Foto der offenen Cargo-Box eines iBullitt von urban-e
…und geräumig: Die Cargo-Box des iBullitt

bedacht hatte. Erstmal in Fahrt irritierte mich zunächst das Untersteuern etwas, das Pedelec wirkte etwas kippelig. Nach ein, zwei Runden um den Parcours hatte ich mich daran gewöhnt und konnte den kräftigen Antritt des Motors geniessen. Die Sitzposition (sie lässt sich durch einen kurzen oder normalen Vorbau anpassen) ist angenehm aufrecht und sorgt für eine gute Übersicht. Der gut ausbalancierte Rahmen vermittelt mit dem niedrigen Schwerpunkt (auch ein Verdienst des tief montierten Akkus) viel Vertrauen, bei Geradeausfahrt sorgt die schiere Länge (“Länge läuft” gilt auch für’s Pedelec) für guten Geradeauslauf, in Kurven die Fahrwerksauslegung für eine überraschende Handlichkeit des iBullitts.

Viel zu schnell waren die paar Proberunden auf dem Pedelec iBullitt vorbei, doch zeigten sie, das sich ein Lasten-Pedelec nach (sehr) kurzer Eingewöhnung fahren lässt, wie jedes andere Pedelec auch. Welche Dynamik Lastenrad-Profis an den Tag legen konnte man auf dem 1. Berliner Lastenrad-Rennen bestaunen, das während der VELOBerlin stattfand.

Foto eines Lastenrad-Rennfahrers, der einen Teil der Ladung verliert
Im Renneinsatz kommts auf jedes Gramm an, aber im Alltag ist eine Cargo-Box klar im Vorteil
Foto von zwei Lastenrad-Rennfahrer in einer Kurve
Voller Einsatz beim ersten Lastenrad-Rennen auf der VELOBerlin 2015

Doch davon bin ich noch eine ganze Weile entfernt.

Während ich das Pedelec-Lastenrad wieder zum Messestand zurückschob, überlegte ich mir, das so ein Lasten-Pedelec doch eigentlich ideal für einen Campingurlaub wäre. Oder zum Getränkeholen, oder Gartenabfälle wegfahren, oder für’s Einkaufen zum Bau- und Gartenmarkt, oder, oder, oder… Die Liste liesse sich lange fortsetzen.Insofern ist das schon was dran an dem Spruch “Ich ersetze ein Auto”.

Urban-e baut nach eigenen Angaben etwa 100 Pedelec -iBullitt pro Jahr, meist für gewerbliche Kunden im In- und Ausland, zu Preisen ab 4.150 € (zzgl. MwSt.). Bedenkt man die Unterhaltskosten für ein Auto, ist ein iBullitt sicher auch für Familien eine Überlegung wert. Selten gehen Praktikabilität und Fahrspaß eine bessere Symbiose ein.

Weitere Informationen sind auf der Website www.urban-e.eu zu finden.

Alexander Theis

Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VelΩstrΩm.
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