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Urlaub

Bikepacking-Adventure: Mit dem MTB in Kirgisistan

Lesezeit etwa 16 Minuten

Bikepacking Extrem: Cédric Tassan berichtet von seinem MTB-Trip nach Kirgisistan.

Cédric ist professioneller MTB-Fahrer, Autor, Fotograf und Filmemacher. Hier berichtet er von seinem inspirierenden Bikepacking-Abenteuer in Kirgisistan: Ein 12-Tages-Trip mit dem MTB bis auf fast 5.000 m Höhe!

Cédric Tassan

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“Kirgisistan – wohl eines der eines der letzten Länder, in dem es noch möglich ist, große Abenteuer fernab vom Massentourismus zu erleben. Da es sehr gebirgig ist und nur über sehr wenige markierte Routen verfügt wird das wohl für einige Zeit noch so bleiben.   

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Vorbereitungen

Kirgisistan… Nachdem ich die Gesundheits- und Sicherheitsbeschränkungen überprüft habe, besorge ich mir aus einer Laune heraus Flugtickets. In weniger als 3 Wochen geht es los! Ich habe schnell das Gefühl, in Eile zu sein… Ich weiß nichts über das Land, ich weiß nicht einmal, wo ich biken will. Ich kontaktiere Fred Horny, er kennt die Gegend gut. Mit seinem legendären Enthusiasmus vermittelt er mir den Kontakt zu Stéphane, einem Franzosen, der eine eigene lokale Tourismusagentur Kirghizie.fr betreibt. Stéphane ist begeistert von meiner Idee. Er kennt das Land wie seine Westentasche und öffnet sein kirgisisches Adressbuch für mich – ein Segen! Denn da meine Zeit begrenzt ist, kann ich es mir nicht leisten, vor Ort zu viel Zeit für meine Transfers zu verschwenden. 

In der Zwischenzeit arbeite ich hart an der Reise, verbringe Stunden mit Karten, Luftbildern, Websites. Ich konnte keine Mountainbike-Informationen finden, entschied mich aber, meine Reise von einem Tal aus zu beginnen, dessen rot leuchtendes Licht auf den Luftbildern mir ins Auge fiel. Ich sage mir, wenn ich dort keine Strecken zum biken finde, werde ich zumindest schöne Fotos in dieser farbenfrohen mineralischen Umgebung machen können. Zwei Tage vor Abflug beende ich meine Vorbereitungen. Von Frankreich aus wollte ich so viel wie möglich organisieren, da ich nur 15 Tage Reisezeit hatte. Mir ist bewußt, dass ich am Ziel Zeit für andere Dinge brauchen werde. 

Das Bikepacking-Abenteuer beginnt

Nach 3 Flugstunden lande ich in Osch. Mein Fahrer Abdoukadyr ist da, wir verstehen uns sofort. Er nimmt mich mit zum Mittagessen in ein kleines Restaurant. Nachdem wir einen Ersatzreifen geborgen haben, der den Zustand der Straße ankündigt, stürzen wir uns für 4 Stunden in die Alai-Berge, eine riesige, steile Bergkette, deren Gipfel über 5.000 m reichen. Hier beginne ich meine Reise in den Norden des Massivs mit dem Ziel, es vollständig zu durchqueren, um den Pamir zu erreichen. 

Es ist ein schöner Plan, den ich in meinem Kopf wälze. Als wir tiefer in dieses Tal vordringen, das ich mir als Startpunkt ausgesucht habe, überkommen mich eine Reihe von Zweifeln. Ich sehe diese extrem steilen Flanken, diese riesigen Geröllhalden, diese Klippen, diese enge Schlucht, diesen gigantischen Staub, der von der Piste aufsteigt. “Was zum Teufel mache ich hier? ” Wie konnte ich so anmaßend sein, mir vorzustellen, dass ich 5000 km von hier entfernt wissen könnte, dass dieses Tal der perfekte Ausgangspunkt für meine Reise ist und dass ich meine Route alleine und ohne jemanden absolvieren kann? Abgesehen von dieser zerfurchten Piste sehe ich keinen Weg, nur riesige Steine, Klippen. 

Ich fühle mich müde, es ist 35 Stunden her, seit ich von zu Hause aufgebrochen bin, und ich habe nicht viel geschlafen. Schließlich, wenige Kilometer vor dem Ziel, weitet sich das Tal, die Ufer des Flusses werden grün und die Landschaft färbt sich plötzlich wunderschön rot! Wir erreichen das Dorf Kojo Kelen, es ist fast 20 Uhr. Mein Fahrer setzt mich beim einzigen Gasthaus im Tal ab und die Familie heißt mich herzlich willkommen. 

Akklimatisieren auf 2.200m Höhe

Am nächsten Tag nehme ich mir Zeit zum Aufbruch, es ist kalt in diesem Talboden und ich beschließe erst zu starten, wenn die Sonne dieses Ende der Welt erwärmt hat. Mir ist klar, dass es nach 4 Stunden chaotischer Fahrt von der ersten Großstadt besser ist, nichts vergessen zu haben. Ich verbringe den ersten Morgen damit, Eindrücke zu sammeln. Ich bin schon auf 2.200m Höhe, erst muss ich mich sanft akklimatisieren.

Die ersten Einheimischen, die ich treffe, sind erstaunt, hier ein Fahrrad zu sehen. Ich mache mich auf den Weg zu herrlichen Klippen, die mir ins Auge fallen. Fahren ist hier unmöglich das Bike ist von den ersten Schritten auf dem Rücken. Oben klärt sich die Sicht, ich bin im Himmel. Irgendwie halb Engel, halb Schildkröte, weil ich nicht weiterkomme: Zwischen den Fotos die Atempausen, die Zeit vergeht und vor allem das Wetter verschlechtert sich. Auf knapp 3000m erreiche ich einen Pass, hinter mir bricht der Sturm los!

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Ich beginne den Abstieg, der Weg ist gut, ich gehe, die ersten Tropfen holen mich ein, als ich auf eine Hütte am Feldrand stoße. 300 m entfernt pflügt ein Bauer mit Hilfe seines Esels sein Kartoffelfeld. Ich winke ihm zu, um zu sehen, ob ich in seiner Hütte Schutz suchen kann. Er gibt mir zu verstehen, dass er einverstanden ist und kommt ein paar Minuten später zu mir. Die Hütte ist klein, es sind wohl kaum mehr als 15 m². Ein Teppich bedeckt die Hälfte des blanken Bodens. Einige Utensilien sind an die Balken genagelt.  

Akilbek kommt herein, er wohnt hier, mir wird schnell klar, dass mir meine Russischkenntnisse nicht viel nützen werden, aber die Liste von zehn kirgisischen Wörtern, die ich dank meines Fahrers gelernt habe, helfen mir, nicht nur mit Händen und Füßen reden zu müssen. Wir lachen viel, Akilbek probiert meine Brille, meinen Helm. Nachdem der Sturm vorüber ist, verlasse ich meinen Freund und steige einen herrlichen Weg zum Tal hinab. Das war’s, ich bin auf der Reise, alles leuchtet, ich bin jetzt zuversichtlich! 

Biken in eine Sackgasse!

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Am nächsten Tag entschließe ich mich, ein weiteres Tal zu erkunden. Ich fühle mich besser in Form, ich starte diesmal früher, um das heiße Wetter zu vermeiden. Ich klettere in gutem Tempo auf einem gut markierten Weg. Ich treffe Mamat Isa, ganz allein hier oben am Berg, mäht er eine Wiese. Hier gibt es keine Motorwerkzeuge, alles wird wie früher per Hand gemacht!

Er lädt mich ein, Koumis, fermentierte Stutenmilch, zu trinken. Ich kann nicht ablehnen und wage es, aus der Flasche zu trinken. Sollte mein Magen empfindlich auf dieses Getränk reagieren, wäre das das Ende meiner Reise! Aber gleichzeitig ist es Teil des Abenteuers. Das Getränk ist kühl, angenehm zu trinken. Ich bedanke mich und setze meinen Weg fort, bis das Tal zu einer Sackgasse wird. Rechts tiefe Schluchten, unergründliche Klippen, gegenüber ein steiler Hang ohne Ausstieg und links die Gletscher und Gipfel auf knapp 5000 m.  

Hier treffe ich Aptisalam. Er thront auf einem kleinen Felsen, um in einer absolut fantastischen Umgebung über seine Herde zu wachen. Ich teile ein paar Kekse mit ihm, die einzigen Vorräte, die ich zum Mittagessen mitnehme. Am Ende lädt er mich in sein Haus ein, wo ich seine Familie reffe Seine Frau kocht Milch in einem Kessel über einem kleinen Holzfeuer. Ich bekomme den besten Platz zugewiesen und werde eingeladen, mit zu essen: Brot, Käse und Milch.  

2-Pässe-Tag im Schneckentempo

Am nächsten Tag packe ich meine Sachen ein, spanne meinen Schlafsack auf mein Mountainbike, schnalle meine Satteltaschen fest und verlasse dieses schöne Tal mit einem Hauch von Traurigkeit. Ich weiß, es wird ein harter Tag. Solange ich mit dem Rad unterwegs bin, ist es in Ordnung, aber sobald ich es tragen muss, habe ich 26-27 kg auf dem Rücken. Und heute stehen 2 Pässe über 3000 m auf dem Programm.  

Der erste ist nach 1000 Höhenmetern relativ leicht zu erreichen. Ich bike in einem neuen wilden Tal, Pferde und Kühe sind die Könige dieser Orte. Ich treffe auf einen kleinen Jungen, der mir entgegenkommt. Er erklärt mir, er wisse wer ich bin und dass ich heute Nacht bei seinem Vater schlafen werde! Wir sind mitten im Nirgendwo. Ich hatte zwar am Tag zuvor Kontakt mit einem Bewohner des Nachbartals aufgenommen, um den Rest meiner Reise zu organisieren, aber ich hätte nicht gedacht, dass sie mich finden würden, wenn wir mindestens 5 Stunden zu Fuß von der ersten Stadt entfernt sind!  

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Der Junge bringt mich in die Jurte, die er im Sommer mit seiner Mutter bewohnt. Sie bereiten mir ein Mittagessen mit einem wunderbaren Omelett zu. In der Ferne gewittert es, ich beschließe kein Risiko einzugehen. Stattdessen mache ich ein Nickerchen in der Wärme zu machen, wobei mir die Jurte mit ihrer Kreisform wie ein Kokon vorkommt. Später steige ich wieder aufs Fahrrad, nicht in guter Verfassung, um die Wahrheit zu sagen. Ich habe noch 300 Höhenmeter vor mir, eigentlich eine Kleinigkeit. Doch allmählich überkommt mich Übelkeit. Ich bewege mich kaum vorwärts, mein Atem ist kurz. Zuerst mache ich alle 100 Schritte eine Pause, dann schnell alle 10 Schritte. Weiter oben schlafe ich in meinen Poncho gewickelt auf dem Boden ein.

Es ist das Wetter, das mich endlich aus meiner Erstarrung reißt, es ist zu bedrohlich, um hier herumzuhängen. Ich brauche mehr als 3 Stunden, um den Pass zu erreichen, komme mir vor wie eine Schnecke. Auf der anderen Seite dann der lange Abstieg ins Dorf. Ich habe das Gefühl, das Land gewechselt zu haben und direkt auf ein pakistanisches Tal zuzufahren. Ich habe wieder Energie gewonnen, das Adrenalin der Abfahrt, zweifellos.

Ich habe das Gefühl, dass ich den Verlauf meiner Reise wieder selbst übernehmen. Ich erreiche das nächste Dorf, ein paar Häuser verstreut auf einer Kieselebene. Ich suche Begalis Haus. Er ist mein Gastgeber für den Tag und er ist vor allem derjenige, mit dem ich morgen Abend ein Biwak organisieren muss. Er bereitet mir eine holzbefeuerte Dusche zu, dann eine Mahlzeit aus Kartoffeln, Tomaten und Hammelfleisch. Wir verbringen den Abend damit, die Dinge für den nächsten Tag zu organisieren: Essen, Zelt, Matratze, Esel und Pferd. 

Abfahrt von 4.400m

Wir verlassen das Dorf um 11:00 Uhr. Alles ist auf 2 Eseln verladen und ich reite ein Pferd. Für mich eine Premiere! Und es ist eine höllische Feuertaufe, denn wir haben 1.600 Höhenmeter, oder 6 Stunden im Sattel vor uns. Am Anfang ist der Pfad breit, ich lerne schnell, dass ein Pferd ängstlich ist: Beim ersten LKW, dem wir begegnen, wirft es mich fast ab.  

Der Weg steigt an, wir klettern in einem magischen Tal aufwärts. Schließlich, kurz vor 4.000 m, halten wir, um unser Lager zu errichten. Die Sonne ist gerade weg, es ist eiskalt. Begali bereitet einen guten Eintopf vor, wir schlagen das Zelt auf, das an einem Strand auf Bali besser geeignet wäre als hier! Wir haben keine Matratzen, wir essen im Zelt und schlafen schnell ein.

Als wir aufwachen, ist draußen alles gefroren, es ist 6.30 Uhr. Ich steuere auf den großen Tag meiner Reise zu, an dem mir nichts passieren soll, weil ich auf über 4.000m allein sein werde. Menschen kommen selten hierher. Ich gehe in die Kälte, dick angezogen. Der Aufstieg ist anstrengend, in den Felsen, am Hang und im Schatten. Auf der anderen Seite des Passes, auf über 4.400 m, überwältigt mich die Sonne und eine zauberhafte Landschaft: Seen, Gletscher, Gipfel, Ebene.  

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Beim Blick nach Süden begreife ich, wie groß dieses Abenteuer werden wird: Dieses riesige Tal, von dem ich die ersten Kilometer nur erahnen kann, muss mich zum Pamir führen. Ich nehme den Abstieg in Angriff, vorsichtig in den Schieferfeldern. Hier ist alles bereit, um einen Reifen oder Packtaschen aufzuschlitzen, einen Umwerfer abzureißen. Ich muss vorsichtig sein, aber ich will auch Spaß bei der Abfahrt haben. Ich beruhige mich ständig, ich denke über meine Linienwahl nach, als ob jeder Meter höchste Bedeutung hätte. Ich schneide in die Täler, fahre die Almen hinab, fahre nur nach Gutdünken, denn einen Weg gibt es nicht mehr. 

Pamir!

Nach einem kurzen Aufstieg wechsle ich auf die andere Seite, fahre entlang eines Baches talwärts. Später ist der Weg in die Flanken des Berges gehauen, ich muss aufpassen, nicht zu fallen und mir alles zu brechen. Die technischen Passagen folgen aufeinander, ich folge einer schwindelerregenden Schlucht und tauche dann in das große flache Tal ein. Ich habe noch 25 km vor mir und einige Flussüberquerungen.

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Das ist es, was ich hier am meisten fürchte, weil es für sich genommen immer noch gefährlich ist. Die erste Furt geht wunderbar, aber ich wage es nicht, die zweite zu überqueren, als ich sehe, wie Yaks, denen das Wasser bis zum Bauch steht, zögern. Ich fahre am linken Ufer weiter und kämpfe mit einem chaotischen Weg auf der Suche nach einer besseren Passage. Ich versuche eine neue Durchquerung, falle, aber ich lasse mich nicht mitreißen. Schließlich finde ich mich auf der anderen Seite wieder.

Ich fahre in Richtung Pamir, der nach einer Kurve plötzlich auftaucht, es ist wie eine monumentale Ohrfeige! Ich weiß nicht nur, dass ich gerade meine Überquerung beendet habe, sondern betrete ein neues Bild: einen Horizont, der von Bergen zwischen 5.000 und 7.000 m über mehrere Dutzend Kilometer Länge versperrt ist. 

Als ich in Sary Mogol ankomme, wartet Umar, mein Kontakt, auf mich. Unglaublich nett führt er mich durch dieses staubige Dorf. Die Hitze ist überwältigend, in wenigen Kilometern ging es von der Frische der Berge in die Hitze der Wüste. Es ist 16 Uhr, seit gestern Abend habe ich nur 4 Kekse gegessen. Ich habe endlich ein richtiges Essen mit einem Liter Cola! Danach laden wir mein Fahrrad in den Kofferraum von Umars Allrad-PKW und fahren zum Pic Lenine Basislager.

Dort angekommen, am Rande einer Seenkonstellation, nehmen die hängenden Gletscher die letzten Sonnenstrahlen in sich auf. Wenn es Nacht wird, sinkt die Temperatur plötzlich. Mein kirgisischer Fotograf Meder schließt sich mir an. Wir haben uns kennengelernt, es ist eine großartige Gelegenheit, zusammen zu arbeiten. Als er seine Tasche auslädt, überrascht mich die Menge an “Industrieschrott”, die er mitnimmt: Cola, eine Tüte voller Schokoriegel…  

Am nächsten Tag geht es zum Petrov Peak Grat, einem Gipfel, den viele Kletterer besteigen, um sich zu akklimatisieren. Um zum Gipfel zu kommen, keine Frage, braucht man Seil, Steigeisen und Eispickel. Aber erst ab etwa 4200 m Höhe wird es zum Bergsteigen. Doch die Aussicht ist auch hier grandios, dieser Grat ist ein echtes Juwel. Wir verbringen dort wir den ganzen Nachmittag – und sind gerade noch rechtzeitig vor meinem Sturm zurück.   

Ziel: 5.150m!

Als wir aufwachen, liegt ein schöner Tag vor uns. Der Pik Lenin grüßt uns. Es geht ins Lager 1! Ich nehme den Trail mit dem Rad auf dem Rücken in Angriff. Damit das Bike nicht zu schwer wird habe ich ein paar Sachen im Basislager gelassen. Doch auch so sind es mit dem Bike etwa 20 kg. 

Ich bin in guter Verfassung, treffe Franzosen und sogar einen meiner Instagram-Follower! Nicht zu glauben! Am Traveler’s Pass gehen wir über 4.000 m, danach in ein langes Tal, das aus tonnenweise Pamir-Eis entsteht. Die Abfahrt auf der anderen Seite ist eine Freude auf dem Rad, manchmal eine Show. Dann muss man lange an sehr steilen Hängen queren, wo ein Sturz tödlich wäre. Die Leute, die ich hier treffe, und sogar die Bergsteiger, die zum Pik Lenin gehen, sind fassungslos. Ich bewege mich in einer absolut fantastischen Umgebung, wie aufgeputscht von der magischen Energie dieses Ortes. 

Am Ende des Tages komme ich endlich in Lager 1 an, die Temperaturen sind drastisch gesunken. Die Begrüßung bei Tien Shan Travel ist hervorragend: Heiße Dusche und ausgezeichnetes Essen. Ich versinke in einen tiefen Schlaf, der Wind schlägt die ganze Nacht an das Zelt. Ich habe im Schlaf eine Apnoe, es ist die Höhe, ich wache müde auf…  

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Meder, der Fotograf, ist völlig k.o., er hat nicht die Kraft, mich höher zu begleiten. Ich glaube, seine “Zuckerdiät” ist daran schuld. Ich gehe allein mit der Vision vor Augen: Ich will sehen, ob ich einen Gipfel auf 5.150 m erreichen kann. Ich trage mein Mountainbike auf dem Rücken und steige langsam auf. Die Landschaft scheint gefroren, die hohen Gipfel sind so nah und scheinen dieses Tal zu blockieren. 

Auf 4.800 m muss ich meinen Aufstieg beenden. Ich bin nicht sehr schnell, spüre die Höhenlage, während ich mein Rad auf sehr steilen, bröckelnden Hängen trage. Es erschöpft mich. Wenn ich nach oben schaue, sehe ich, dass es noch steiler ist. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich den oberen Teil in einem begradigten felsigen Teil fahren kann. Dazu kommt: Heute Nacht muss ich bis zum Ende des Tals gekommen sein, denn es ist mein letzter Tag.

Ich gebe auf, ich glaube, ich hätte noch einen Tag gebraucht, um hier weiterzumachen. Die Zeit war einfach zu kurz, ich bin müde, aber gleichzeitig froh, alles geschafft zu haben. Ich drehe mich um und beginne einen wunderbaren Freeride zum Lager 1. Von dort hole ich Meder ab und wir steigen in die Pamir-Ebene ab.   

Abschied von Kirgisistan

Im Basislager angekommen nehme ich mir die Zeit, mich ein wenig auszuruhen. Mein Freund Umar kommt pünktlich. Wir durchqueren die Pamir-Ebene in einem apokalyptischen Licht. Aus dem Autoradio des 4×4 kommt traditionelle Musik von unglaublicher Melancholie. Es ist, als ob das Land nicht will, dass ich gehe. Gleichzeitig möchte ich es wirklich nicht verlassen. Dieses Land hat mir so viel gegeben, ich habe so viele wundervolle Begegnungen gehabt, großartige Landschaften gesehen, mich völlig von meinem westlichen Leben getrennt.  

Wenn ich euch sage, dass ich bereits den Gedanken hege, in diesen Teil der Welt zurückzukehren, würdet ihr mir glauben?”

Demnächst wird ein Film über Cedrics Kirgisistan-Abenteuer zu sehen sein. Den Trailer gibt es schonmal hier:

Cedrics Infos zu Kirgisistan:

Anreise: 

Die Hauptstadt Bischkek ist mit 2 Flügen zu erreichen. Für die Verbindung mit Osch ist es notwendig, eine der inneren Linien des Landes zu nutzen. Das Problem ist, dass diese auf der schwarzen Liste der gefährlichen Fluggesellschaften stehen… Es scheint, dass Turkish Airlines kürzlich auch eine Verbindung nach Osch eröffnet hat.  

Sprache: 

Englisch wird nur sehr wenig gesprochen, außer in der Touristenregion Lenin Peak und in den größeren Städten. Sonst, vor allem von älteren Menschen, russisch, und natürlich kirgisisch. 

Übernachten: 

In Gastfamilie. Entweder indem man um Gastfreundschaft bittet und die Nacht bezahlt, oder in Gästehäusern. Es gibt jedoch nur wenige Hinweisschilder. 

Verpflegung: 

In den Bergen gibt es keinen Supermarkt! Man muss daher sicherstellen, Lebensmittel aus den Städten mitzunehmen. Ich für meinen Teil musste nur ein paar Kekse zum Mittagessen und eine große Flasche Wasser mitbringen, um die ersten 2 Tage etwas zu essen zu haben. 

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Reiseroute: 

Die Reise, die ich mir vorgestellt habe, ist eine rein persönliche Kreation, die auf viele individuelle Wünsche eingeht. Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Abenteuer für andere geeignet ist, da es etwas Besonderes ist. Ich empfehle daher, sich an die Agentur von Stéphane Aubrée zu wenden: www.krghizie.fr Er kann die gewünschte Reise organisieren und vor Ort so gut wie möglich begleiten. Er kennt das Land wie seine Westentasche und ist schon sehr lange dort. 

Ich danke meinen Unterstützern: 

  • www.sunn.fr 
  • www.met-helmets.com
  • www.bluegrasseagle.com 
  • www.julbo.fr 
  • www.dtswiss.com 
  • www.vtopo.fr 
  • www.gorewear.com 
  • www.hutchinsontires.com 
  • www.sidi.com 
  • www.mulebar.com 
  • www.authentic-bicycle-shop.com 

Über Cédric

[Text: Cédric Tassan, Übersetzung: [at], Fotos: Cédric Tassan]

Alexander Theis

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