RLVD-Konferenz Steffen Bilger
Lastenrad

1. Nationale Radlogistik-Konferenz: Bis zu 30 Prozent des Lieferverkehrs in Städten könnten Cargobikes übernehmen

Lesezeit etwa 5 Minuten

Pioniere und Experten der Radlogistik haben am 25. Oktober mit rund 250 Gästen aus Unternehmen, Verbänden, Forschung, Politik und Kommunen über saubere und effiziente Logistikkonzepte mit E-Lastenrädern diskutiert.

RLVD-Konferenz Regine Günther
Regine Günther bei ihrer Eröffnungsrede.

Auf der 1. Radlogistik-Konferenz des Radlogistikverbandes Deutschland (RLVD) stellten sie im Umweltforum in Berlin-Friedrichshein den Status quo und das Potenzial der Räder vor. Das Ziel: Die urbane Logistik soll nachhaltiger werden.

„Dazu können moderne E-Lastenräder mit großem Ladevolumen bei der Zustellung kleinteiliger Sendungen auf der letzten Meile einen wichtigen Beitrag leisten“, sagte der RLVD-Vorsitzende Martin Schmidt. Unterstützung erhält der RLVD dabei von der Politik.

Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Berlin,  hält Cargobikes für eine zentrale Komponente in der zukünftigen City-Logistik: „Wenn es darum geht, Lösungen gemeinsam voranzutreiben, dann haben sie mich an Ihrer Seite.“ Alle Berliner Stadtbezirke seien derzeit aufgefordert, Flächen für neue Mikrodepots vorzuschlagen.

RLVD-Konferenz Steffen Bilger
Staatssekretär Steffen Bilger: “Die Radlogistik ist ein wichtiger und notwendiger Hebel, um Emissionen einzusparen.”

Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, betonte die enorme Bedeutung der Radlogistik, um die Verkehrsproblematik in den Städten zu verbessern:

„Klimaschutz ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Die Radlogistik ist einer der notwendigen innovativen Hebel, mit dem wir Emissionen einsparen und die Verkehrsbelastung in unseren Städten reduzieren können.“

RLVD will Bedingungen für den Radverkehr mit Cargobikes verbessern

RLVD-Konferenz Martin Schmidt
RLVD-Vorstand Martin Schmidt bei seiner Eröffnungsrede.

Verstopfte Innenstädte, zugeparkte Straßen und verpestete Luft – je mehr Lieferdienste sich in die deutschen Innenstädte drängen, um so größer wird die Zustellproblematik und um so schlechter die Lebensqualität. An einem normalen Werktag stellen in Berlin Tausende Lkw Hunderttausende Pakete zu – Tendenz steigend.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, will der RLVD eine Verkehrs- und Infrastrukturpolitik mit dem dazugehörigen Rechtsrahmen schaffen. „Damit wollen wir die Bedingungen für den Radverkehr insgesamt und speziell für den gewerblichen Radverkehr mit Cargobikes und Lastenanhänger verbessern. Die Verkehrswende ist so auch in der Logistik möglich“, so Schmidt.

Für den RLVD ist dabei entscheidend, dass sowohl die Politik als auch die Kommunen gemeinsam an Lösungen arbeiten. „Wir unterstützen dabei als Verband gern alle Akteure, um mehr Lasten auf die Räder zu bekommen“, sagte Arne Behrensen, RLVD Fachvorstand für Konferenzen.

Verkehrsminister will 20 Prozent des urbanen Lieferverkehrs mit Cargobikes ausgeben

Mehr Lasten auf Räder zu bekommen, will auch Verkehrsminister Andreas Scheuer. Er hatte erst kürzlich als Ziel genannt, 20 Prozent des urbanen Lieferverkehrs auf Cargobikes auszugeben. Staatssekretär Bilger brachte eine weitere positive Nachricht mit zur Konferenz. So ist geplant, dass Cargobikes und Lastenanhänger in der Novellierung der StVO vom vorgesehenen Abstellverbot für Fahrräder am Fahrbahnrand und auf dem Seitenstreifen ausgenommen sind.

Branche will sich auf Standards einigen

Großes Potenzial in den Cargobikes sehen auch Wissenschaftler wie Ralf Bogdanski. Der Logistikprofessor an der Technischen Hochschule in Nürnberg spricht sogar von etwa 30 Prozent, die Cargobikes im urbanen Lieferverkehr abdecken könnten. Bogdanski sprach sich für einen stärkeren Dialog mit der Politik aus. Der Branche gab der Wissenschaftler mit auf den Weg, sich auf Standards zu einigen, wie beispielsweise eine einheitliche Größe von Wechselbehältern.

Fachausstellung mit mehr als 20 Unternehmen

RLVD-Konferenz Radlogistikexkurison
Teilnehmer der Radlogistikexkursion radeln durch Berlin.

Begleitend zum Vortragsprogramm präsentierten mehr als 20 Aussteller die neuesten E-Lastenräder und Trends für die urbane Logistik. Weitere Anschauung bot der Exkursionstag am Donnerstag. Die Teilnehmer hatten dabei die Gelegenheit, sich unter anderem über das Berliner Modellprojekts KoMoDo – einen Umschlagplatz für die Paketzustellung per Lastenrad – zu informieren.

Unterstützung erhielt die 1. Nationale Radlogistik-Konferenz von prominenten Partnern. Zu den Konferenzpartnern gehörten die kommunalen Spitzenverbände, die IHK-Berlin, der Bundesverband Elektromobilität sowie führende Logistik- und Fahrradverbände. Hauptpartner der Konferenz war die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

Über den Radlogistik Verband Deutschland e.V.

Der Radlogistik Verband Deutschland e.V. (RLVD) wurde 2018 gegründet und vertritt die Interessen von momentan 35 Pionieren der Radlogistik – darunter Logistiker, Lastenrad-Hersteller und Beratungsunternehmen. Vorsitzender des Verbandes ist Martin Schmidt von der Berliner Cycle Logistics CL GmbH, stellvertretender Vorsitzender ist der Mainzer Radlogistiker Thomas Schmitz von der Schmitz & Bramer GmbH. Der europäische Dachverband des RLVD ist die European Cycle Logistics Federation (ECLF), die seit 2014 besteht.

Mehr Infos: https://rlvd.bike/

[Text: Radlogistikverband Deutschland, Fotos: Sven Buschmeier]

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Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VeloStrom.de
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