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Messen & Veranstaltungen

Spezialradmesse 2019 – meine persönliche Nachlese

Lesezeit etwa 10 Minuten

[at] Am 27. und 28.04.2019 fand die 24. Spezialradmesse in Germersheim statt. Ich war für euch vor Ort, erfahrt hier meine persönlichen Highlights.

alexander_theis_vor_spezi_bannerDie Spezialradmesse in Germersheim ist für mich immer etwas Besonderes. Das liegt vor allem an dem familiären und entspannten Flair der Messe sowie dem umfangreichen Messeangebot.

Eine solche Vielfalt an allem, was sich mit Pedalen fortbewegen lässt, findet man so auf keiner anderen Messe. Und dank der Probefahrtparcours kann man auch die allermeisten Produkte Probe fahren.

Besonders für alle, die an einem Velomobil interessierte sind, gibt es keine bessere Gelegenheit um diese besonderen Fahrzeuge zu erfahren: Auf der Spezi sind praktisch alle Velomobilhersteller vertreten.

Hier ein kurzes Video zu “meinen” Spezi-Highlights:

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Erfinderlabor – Verleihung des “Spezi 2019”

Am Spezi-Samstag fand zum zweiten Mal der Wettbewerb um den “SPEZI” statt: Das Erfinderlabor im Innenhof von Halle drei entwickelte sich im zweiten Jahr erneut zum Publikumsmagneten. Das dieses Jahr größere Zelt war besonders international und hochwertig besetzt. Die aus den Bewerbern ausgewählten Tüftler und Erfinder aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Italien hatten sich zum Ziel gesetzt, die Jury und das Publikum von ihren Innovationen zu überzeugen.

Die hochkarätig mit Daniel Pulvermüller (Gründer und Geschäftsführer von HP Velotechnik), Dietrich Lohmeyer (Gründer von Lohmeyer Leichtfahrzeuge und Akkurad sowie Fachbuchautor zum Thema “Velomobile” ) sowie Werner Stiffel (Urgestein der Szene, baut und teste seit über 50 Jahren alle möglichen Radtypen und ist Mitbegründer des HPV) hatte es nicht leicht, die Gewinner zu küren.

Das fachkundige Publikum hatte ebenfalls eine schwere Wahl zu treffen. Denn jeder Besucher hatte nur eine Stimme in Form eines Tischtennisballs, der in eine der für jeden Wettbewerbsteilnehmer bereitstehenden Gefäße geworfen wurde.

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Die Preisträger des Erfinderlabors (v.r.n.l.): Thibaut Salloignon, José Fernandez und Peter Paul van der Ven (Klicken zum Vergrößern).

Den “SPEZI 2019” errang schließlich Thibaut Salloignon aus Frankreich: Sein kompaktes 20-Zoll-Fahrrad kann als Aufrecht- oder Liegerad, Mixed-Tandem, Lastenrad, Kindertransportrad oder Liege-Tandem genutzt werden. Daniel Pulvemüller in seiner Laudatio: “Die hohe Flexibilität und Innovation, der hohe Gebrauchswert und die neue Kombination bewährter Lösungen hat uns überzeugt.”

Auf Platz zwei landete ein zukunftsträchtiger Brennstoffzellen-System für Pedelecs aus Deutschland: José Fernandez entwickelte das System, der nicht mehr Platz braucht als ein herkömmlicher Pedelec-Akku. Der Treibstoff Wasserstoff wird chemisch gebunden vorgehalten. Adaptiert an ein Lastenrad hat das System das Potenzial, das Reichweitenproblem bei E-Cargobikes zu lösen. Daniel Pulvermüller: “Die Umsetzung einer hohe Leistungsdichte mit einer ausgereiften, zukunftsweisenden Technologie bietet hohe Marktchancen.”

Das dritte Siegertreppchen erklomm der Dijker, ein vierrädriges, leichtes Velomobil vom Niederländer Peter Paul van der Ven mit einem speziellen Antrieb, der in den flachen Carbon-Sandwich-Boden integriert ist. “Der hohe Innovationsgrad, das neuartige Antriebskonzept und das saubere Design haben uns sehr beeindruckt” erklärt Pulvermüller die Entscheidung.

Die Preise wurden von Spezi-Organisator Hardy Siebecke überreicht, der Erstplatzierte wurde außer durch die Trophäe auch mit einem kostenlosen Stand auf der Spezi 2020 belohnt.

Erfinderlabor als Sprungbrett

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Zweiter Platz 2018 und dieses Jahr Aussteller: Benur (Klicken zum Vergrößern)

Aber auch die anderen Mitbewerber profitierten von der Teilnahme: Während des Wettbewerbs fand ein intensiver Meinungs- und Erfahrungsaustausch untereinander statt und wer genau hinschaute konnte auch schon den ein oder anderen etablierten Hersteller im Gespräch mit den Erfindern sehen. Der Zweitplatzierte, José Fernandez berichtet, dass er schon mehrere Anfragen von Lastenradherstellern zur Adaption seines Brennstoffzellensystems erhielt.

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Vorjahressieger des Erfinderloabors: TReGO (Klicken zum Vergrößern)

Dass die Teilnahme am Erfinderlabor ein Sprungbrett für den Markteintritt und die weitere Entwicklung ist zeigte direkt in Halle 3 das “Project Benur”: Letztes Jahr wurde das innovative Mobilitätskonzept für Rollstuhlfahrer Zweitplatzierter beim Erfinderlabor – bei der diesjährigen Spezi wurde schon das Serienprodukt in Halle drei präsentiert und auf Probefahrten im Innenhof auch der praktischen Prüfung unterzogen.

Und noch ein Teilnehmer am letztjährigen Erfinderlabor konnte auf der Spezi sein Produkt der Öffentlichkeit präsentieren: In Halle 1 zeigte der Gewinner des “SPEZI2018” TReGo, wie einfach und schnell sich aus einem normalen Rad ein Lastenrad machen lässt.

Die Spezialradmesse trägt ihren Namen völlig zu Recht, nahezu alles, was es an Spezialrädern weltweit gibt, findet sich in den drei Hallen und dem großen Außengelände in Germersheim.

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Ascendu (Klicken zum Vergrößern).

In Halle drei stellte ASCENDUBIKES ein ganz spezielles MTB vor: Mit Hilfe von zwei Vorderrädern, die über eine spezielle Kinematik miteinander verbunden sind, sollen auch die steilsten Aufstiege per Rad bezwingbar werden. Die clevere Radaufhängung lässt eine große Verschränkung der Achse zu, ideal um auch gröberes Terrain zu meistern. Der Rahmen ist zum besseren Transport teilbar. Nähere Informationen sind online unter ascendubikes.com zu finden; dort kann das Bike auch von vorbestellt werden. Der Preis soll bei 9.900€ zzgl. Versand liegen.

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Klicken zum Vergrößern.

Ebenfalls in Halle drei war zu bestaunen, was mit Elektroantrieb möglich ist:  Am Stand der Initiative Energieeinsparung e.V. standen E-Bikes, die mit einer Motorleistung von bis zu 6 KW mit einem herkömmlichen Pedelec nichts mehr zu tun haben. Die Bikes sind nur für den Off-Road-Betrieb gedacht und werden dort sicher viel Spaß machen. Mehr Infos unter i-e-e.info

Wohl schönster Pedelec-Testparcours

Folgerichtig waren diese Boliden auf dem wohl schönsten Pedelec-Testparcours aller deutschen Fahrradmessen nicht anzutreffen. Dafür jedoch zahlreiche Testfahrerinnen und Fahrer, die Gelegenheit nutzten, die Bikes von unter anderem HP Velotechnik, Binova, YouMo oder Hase Probe zu fahren.

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Der wohl schönsten Pedelec-Testparcours aller deutschen Fahrradmessen.

Die Firma Hase feiert in diesem Jahr 25jähriges Betriebsjubiläum.

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Das “Biest” von Haase (Klicken zum Vergrößern).

Zum Auftakt der Feierlichkeiten auf der Spezi hat man sich bei Hase etwas Besonderes einfallen lassen: Das Hase Biest, bestehend aus gut 140 Metern Stahlrohr und fast 700 Kugellagern wurde an den beiden Messetagen mehrmals freigelassen und von Schauspieler Waldemar Kobus gebändigt. Unerschrockene Besucher der Spezi nutzen die Gelegenheit zu einem Proberitt.

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Messerschmitt und Velayo (Klicken zum Vergrößern).

Im Außenbereich vor Halle 1 scharte der Nachfolger des Messerschmitt Kabinenrollers “Tiger” viele Interessenten um sich. In strahlendem Blau lackiert ist der Messerschmitt KR25-E die Velomobil-Version des berühmten Vorbilds mit Pedelec-Antrieb. Das Konzept wirkt hochwertig, doch die kleinen 16’’-Vorderräder könnten bei Borsteinkanten ein Problem werden, da diese schlechter überrollt werden können.

Dieses Problem hat das nebenan stehenden Velayo dank 28’’-Reifen nicht. Sehr schön, dass dieses faszinierende und außergewöhnliche Velomobil bald wieder erhältlich sein soll. Mehr unter idmoove.com

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Pedilio, klicken zum Vergrößern.

Ebenfalls hoffentlich bald erhältlich ist das Pedilio von Dipl. Ingenieur Thomas Viebach. In seinem hochinteressierten Vortrag im Audimax der Uni in Germersheim erläuterte er den etwas anderen Ansatz seines Pedilio. Denn bisher sind Velomobile immer automatisch mit schnell und sportlich assoziiert. Das Pedilio hingegen bietet einen bequemen Einstieg, eine hohe Sitzposition und einen Wetterschutz durch ein Solardach. Damit bietet es eine Alltagstauglichkeit, die vielen andere Velomobilen so nicht eigen ist. Laut Thomas Viebach beträgt die “Wohlfühlgeschwindigkeit” des als S-Pedelec zugelassenen Pedilio 35 km/h. Eine erste Kleinserie wird derzeit aufgelegt, mehr Informationen sind online unter pedilio.de zu finden.

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Mö, klicken zum Vergrößern

In eine ähnliche Kerbe schlägt das Mo des spanischen Herstellers evovelo. Aus Holz gefertigt wird das Mö mit seiner Breite von 1,4 m wohl auf die wenigsten Radwege passen. Auf der Länge von 2 Metern bietet es Platz für zwei Passagiere nebst Gepäck, verfügt über Gurte und ABS und ist als (S-)Pedelec klassifiziert. Die Höhe von 1,3 m sorgt für eine gute Übersicht, das Solardach an sonnigen Tagen für Nachschub im Akku. Mehr Informationen sind online unter evovelo.com zu finden.

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Tilting-Solartrike, klicken zum Vergrößern.

Apropos Solarzelle: Nicht weit vom Mö entfernt hatte Daniele Gonano sein Tilting-Trike mit Solardach aufgebaut. Am Samstag war er mit dem Solardach Teilnehmer am Erfinderlabor, konnte aber leider keinen Platz auf dem Treppchen erringen. Trotzdem ist seine Entwicklung sehr interessant. Sein Trike mit extrem schmaler Spur kann sich in Kurven neigen, was sowohl Geschwindigkeit als auch Fahrspaß steigert. Gleichzeitig wird über die große Solarfläche der Akku des Pedelec-Antriebs wieder aufgeladen, was für eine hohe Reichweite sorgt. Mehr Informationen gibt es online unter gonano.eu.

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Mehr Glück beim Erfinderlabor hatte, wie schon berichtet, der “Dijker” aus den Niederlanden. Das innovative und einzigartige Velomobil errang den dritten Platz beim Wettbewerb. Der Dijker zeichnet sich durch einen linearen Antrieb aus: Statt durch eine Kreisbewegung eine Kette bewegen die Beine durch Strecken und Beugen einen Zahnriemen. Dieser ist an je einem Hinterrad spiralartig aufgerollt, was mich irgendwie an den Friktionsantrieb von Spielzeugautos erinnert. Die Beine können sowohl parallel als auch gegenläufig bewegt werden, eine Schaltung ist ebenfalls vorgesehen. Gelenkt und gebremst wird mit einem Lenkrad. Ein wirklich sehr spannendes Konzept, dass durch den verwendeten selbsttragenden Sandwichboden auch noch recht leicht ist. Mehr Infos: dijker.eu

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In Halle zwei faszinierten mich die Solar-Lastenanhänger von Burkholz Industrie&Fahrradtechnik. Diese sollen mit einem Gewicht von ca. 11.2 kg bzw. 13,8 kg besonders leicht sein und mit “Ernterträgen” von 460Wh bis 800 Wh pro Tag die Möglichkeit bieten, an sonnigen Tagen den (Reserve-)Pedelecakku wieder aufzuladen. Voraussichtlich werden die Anhänger demnächst im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne über Indigogo zu kaufen sein. Mehr dazu gibt es online hier.

Wenn sich der Akku des Fantic Fatsport während der Fahrt laden ließe…das werde ich mal in Erfahrung bringen.

Während den beiden Messetagen konnte ich viele Gespräche, sowohl mit Ausstellern als auch Besuchern, führen. Und alle sind mit mir der Meinung, dass ein Besuch auf der “Spezi” immer lohnt.

Im nächsten Jahr findet die 25. Spezialradmesse am 25. und 26. April 2019 statt, und ich werde zur Jubiläumsmesse natürlich wieder mit dabei sein.

[Text & Fotos: VeloStrom]

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Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VeloStrom.de
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