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Interview

1 Jahr mit dem Lastenrad unterwegs

Lesezeit etwa 4 Minuten

Gunnar Fehlau ist seit dem 2. Januar auf einer einjährigen Lastenradtour durch Deutschland.

Der 49-Jährige nimmt sich jedoch keine Auszeit, sondern arbeitet mobil. Laptop und Telefon sind immer mit dabei. „Workpacking“ nennt der Bikepacking-Fan deshalb seine Tour.

Ein Kurzinterview über die Hintergründe und mit welchen Erwartungen Fehlau in das Jahr startet.

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Gunnar Fehlau ist unterwegs mit E-Cargobike in Deutschland.

pressedienst-fahrrad: Gunnar, du wirst ein Jahr lang mit dem Lastenrad durch Deutschland touren. Wie kam es zur Idee des Workpacking?

Gunnar Fehlau: Nach Corona hatte ich so eine große Sehnsucht, unterwegs zu sein, Leute zu treffen und sich zu begegnen. Zudem haben wir unser Büro während Corona auf Remote-Betrieb umgestellt und sind mittlerweile hybrid, teils vor Ort teils remote, unterwegs. Als zudem klar wurde, dass unsere beiden Kinder zum Studieren ausziehen werden, fügten sich diese Aspekte zu der Idee, ein Jahr remote vom Rad aus zu arbeiten.


Workpacking: Mit Laptop, Zelt und Cargobike.

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Was hast du an Ausrüstung dabei und vor allem: wie packt man für ein Jahr?

Alleine darüber kann man sicher ein Buch schreiben. Ich habe alle Radkleidung mit, um zwischen ‑15°C, bei Regen und bis zu sommerlichen Temperaturen unterwegs zu sein. Gleiches gilt für die Arbeits- bzw. Alltagskleidung. Dazu kommt ein geräumiges Zelt mit Titan-Ofen und Kamin. Jede Tasche entspricht gewisser Weise einem Zimmer: Bad, Schlafzimmer, Küche, Vorratskammer, Fahrradwerkstatt, Arbeitszimmer und so weiter. Alles zusammen sind es gut 60 Kilogramm Gepäck, verpackt in wasserdichten Ortlieb-Taschen.

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Die Workpacking-Ausstattung.

Du bist mit einem elektrifizierten Cargobike unterwegs. Bei so viel Gepäck kommt natürlich gleich die Frage nach der Reichweite auf. Wie viele Akkus sind dabei?

Ich habe vier 630 Wattstunden-Akkus dabei, das sollte für ausreichend Reichweite sorgen. Generell geht es mir aber nicht um extreme Reichweiten und Distanzen, sondern ums Unterwegssein. Deshalb auch die Wahl für einen leisen und gleichsam durchzugsstarken Brose S‑Mag-Antrieb.

Denkst du, die Technik hält? Erfahrungswerte für ein solches Projekt gibt es ja kaum.…

Das ist eine spannende Frage. In jedem Fall habe ich meist eher „zum Besten“ gegriffen als zu den „Schnäppchen“-Bauteilen. Dabei war es natürlich hilfreich, dass ich viele Akteure der Branche seit vielen Jahren kenne und so Dinge möglich wurden, die sonst sicher schwierig sind. Manche Teile wie der „Marathon 365“-Reifen passen von ihrem Konzept perfekt zu meinem Vorhaben, andere Teile darf man getrost als „zweckentfremdet“ bezeichnen: So ist die Winterbekleidung von 45NRTH sicher in Deutschland üblicherweise nicht im 365 Tage-Einsatz. Auch sind manche Kombinationen bisher so wohl keinem derartigen Härtetest unterzogen worden: Gates-Riemen, 3X3-Schaltung und Brose-Antrieb zum Beispiel.

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Mit welchen Erwartungen startest du in das Jahr und somit auch in dein Projekt?

Ich möchte Alltag, Arbeit und Abenteuer in eine neue Balance für mich bringen und einfach einmal ausprobieren, wie so ein digital nomadisches Leben für mich ist. Ich werde dieses Jahr 50 Jahre alt … ein Alter, indem Männer gerne einmal verrückte Dinge tun. So kann ich auch einmal 50 Wochen „remote velophil“ leben.

[Text: PD-F, Fotos: www.pd-f.de / Kay Tkatzik]

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Alexander Theis
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