Brennstoffzellenantrieb und Fahrrad
Lastenrad Test & Technik

Brennstoffzellen-System für Pedelecs, Teil 4: Wie geht es weiter?

Lesezeit etwa 5 Minuten

Wie geht es nach der Hannover-Messe und der Spezialradmesse mit dem vom Fraunhofer-Institut entwickelte Brennstoffzellensystem für Pedelecs weiter?

Nach dem das System auf der Hannover-Messe vorgestellt wurde und auf der Spezialradmesse in Germersheim den zweiten Platz beim Erfinderwettbewerb erringen konnte schien es etwas ruhiger um das System zu werden. Doch das täuscht, wie Projektleiter Dr. Timo Kurz vom Fraunhofer-Institut ausführt: 

Kurz-Timo
Dr. Timo Kurz vom Fraunhofer ISE.

“Nach unserer Präsentation des LiteFCBike auf der Hannovermesse und der Spezialradmesse in diesem Jahr bekamen wir vielen Anfragen per Webformular zu unserem Brennstoffzellen-Fahrrad.

Wir sind von dem Feedback, dass wir seit der Messe erhalten haben, sehr erfreut. Viele Fragen drehten sich zurecht um das “Was kostet das System oder wo und wann kann man es kaufen?” und um “Wie geht es weiter mit dem Projekt?”

Gerne gebe ich auf diesem Wege Auskunft zu den häufigsten Fragen.

  •  Wann gibt es das System zu kaufen und was wird es kosten?
    Das ist verständlicherweise die erste Frage der allermeisten! Wir als Fraunhofer ISE entwickeln in der Regel eine Technologie oder einen Demonstrator. Den Schritt zu einem Produkt, welches dann im Laden gekauft werden kann, ist dann noch ein sehr weiter – das macht dann im Idealfall ein Industriepartner, der Interesse und die Ressourcen für Herstellung und Vermarktung hat. An diesem Punkt sind wir leider noch nicht. Das System wurde zusammen mit und für unseren Partner und Mitentwickler José Fernández entwickelt und bleibt vorerst ein “Unikat” (es wurden zwei Systeme entwickelt).

    Brennstoffzellenantrieb und Fahrrad

  •  Wie und wo kann kann man die Wasserstoff-Speicher aufladen?
    Das LiteFCBike-System besitzt aus Platzgründen einen sogenannten Metall-Hydrid-Speicher. Dieser Tanktyp ist bei kleinen Wasserstoffmengen (ca. 10 g beim LiteFCBike) deutlich kompakter als ein Drucktank. Er lässt sich problemlos auf moderatem Druckniveau (30 bar oder weniger) beladen, somit kann sich im Prinzip jedermann – mit inzwischen auf dem Markt erhältlichen Klein-Elektrolyseuren – seinen Tank zu Hause laden. Der Nachteil sind jedoch längere Tankzeiten als bei Drucktanks.Für größere Wasserstoffmengen und bei mehr Platz wäre ein Drucktank die bessere Wahl: Hier wird je nach Typ mit 300 bar oder mehr getankt (700 bar bei Brennstoffzellen-Autos). Die Tanks sind leichter als vergleichbare Metallhydridtanks und lassen sich deutlich schneller befüllen, vergleichbar mit Benzin an der Tankstelle. Der einzige Nachteil ist die benötigte Betankungsinfrastruktur: Hier muss zum Befüllen eine entsprechende Tankstelle angefahren werden.
  • Was für Vorteile hat das LiteFCBike überhaupt gegenüber normalen Akku-Pedelecs?
    Die Hauptvorteil eines Brennstoffzellensystems liegt prinzipiell in der Trennung von Energiespeicher (Tank) und Wandler (Brennstoffzelle). Um höhere Reichweiten zu erzielen, muss nur der Tank vergrößert werden. Außerdem ist die Betankung deutlich schneller (bei Druckspeichern) oder etwas schneller (bei Metall-Hydrid-Speichern) als bei Akkus.Das LiteFCBike wurde aber in erster Linie entwickelt, um zu zeigen, dass es möglich ist, ein komplettes Brennstoffzellensystem in einem beengten Akku-Gehäuse zu integrieren, und das bei einem Gesamtgewicht von unter 15 kg.
  • Wie geht es weiter?
    Das ist für uns aktuell die drängendste Frage, denn die vielen Rückmeldungen von Ihnen zeigen, dass es starkes Interesse an einem Brennstoffzellensystem im Fahrrad gibt.Wir sind daher stark an einer Fortsetzung in Form von Folgeprojekten interessiert. Daher sind wir im Gespräch mit diversen Partnern, wie eine Fortsetzung aussehen könnte. Derzeit gibt es aber leider noch kein konkretes Ergebnis aus diesen Gesprächen. Vereinzelt wurde auch nach Möglichkeiten der Beteiligung für Privatpersonen im Rahmen von Crowdfunding o.ä. gefragt. Diese Anfragen freuen mich und wir werden auch darüber ernsthaft nachdenken, wenn eine Fortführung anders nicht möglich wird.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen hiermit die wichtigsten Antworten geben. Ich freue mich weiterhin, wenn das Interesse am Thema Brennstoffzellenfahrrad erhalten bleibt und bin für Rückmeldungen dankbar – auch wenn ich nicht immer alles zeitnah beantworten kann. 

Kurz noch ein aktuelles Anliegen:
Derzeit arbeitet einer unserer Master-Studenten an einer Studie zum Thema Elektro- und Brennstoffzellenfahrrad. Dazu gibt es eine kurze Umfrage zu Wünschen und Anforderungen von Nutzern an einen Fahrrad-Antrieb unter

https://forms.gle/GwdtdD9gxvRHwLLz9

Ich würde mich freuen, wenn Sie ihn mit Ihrer Teilnahme unterstützen könnten!”

Soweit Dr. Timo Kurz zum Stand des Projekts “Brennstoffzellensystem für Pedelecs”.

Aus meiner Sicht ist der Einsatz des Systems im Lastenradbereich besonders interessant. Denn durch die hohen zu bewegenden Massen sind herkömmliche Energiespeicher für die Lastenradlogistiker eher unpraktisch, da mit ihnen nicht die notwendige Reichweite erzielt werden kann. Die Vorstellung,statt eines herkömmlichen Akkus, der mehrere Stunden für eine komplette Ladung braucht, einen Wasserstofftank innerhalb weniger Minuten füllen zu können, dürfte gerade im Bereich der Lastenradlogistik für glänzende Augen sorgen.

Ich bin gespannt, wie es mit dem Projekt weitergeht und werde berichten, wenn es etwas Neues gibt.

[Text & Fotos: Fraunhofer-Instiut]

Der erste Teil ist hier, der zweite Teil hier, und der dritte Teil der Serie ist hier zu finden.

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Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VeloStrom.de
Alexander Theis