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Test & Technik Zubehör

Abus-Helm Pedelec 2.0 ACE Silver Edition zum Dauertest eingetroffen

Lesezeit etwa 9 Minuten

Der Abus Pedelec 2.0 ACE startet zum Dauertest: Helm fürs S-Pedelec.

Inhaltsverzeichnis

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Allgemeines

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Der Pedelec 2.0 ACE Silver Edition von Abus ist zum Dauertest bei VeloStrom eingetroffen (Klicken zum Vergrößern).

Ein Pedelec gilt in Deutschland rechtlich als Fahrrad, demnach ist es  Fahrerin oder Fahrer freigestellt, ob ein Helm genutzt wird oder nicht.

Anders ist das beim S-Pedelec: Dieses gilt als Kraftfahrzeug, das Tragen einen “geeigneten” Helms ist deshalb Pflicht. Seit dem 01.01.2017 muss dies in vielen Ländern Europas ein Helm sein, welcher der Norm “ECE22.05” entspricht.

Das Problem: Helme dieser Norm sind meist schwere Integralhelme, die für Motorradfahrer gedacht sind. Jedoch bewegt sich auch ein S-Pedelec nicht ohne körperliche Tätigkeit. Und deshalb sind alleine schon aus thermischen Gesichtspunkten Motorradhelme fürs S-Pedelec nicht geeignet.

Auf Initiative des niederländischen Industrieverbandes RAI und des Niederländischen Standardisierungs-Instituts (NEN) startete im Januar 2015 die Entwicklung eines speziellen Helms für S-Pedelec-Fahrer, an der sich auch Abus beteiligte.



Sonderfall Deutschland

In Deutschland muss beim Fahren eines S-Pedelec (Unterstützung bis 45 km/h) ein “geeigneter Helm” getragen werden. Welcher Helm jedoch “geeignet” ist, wird im Gesetzestext nicht definiert; die Entscheidung darüber wird demnach in zukünftigen Gerichtsverfahren getroffen werden müssen. Eine Situation, die für alle Beteiligten unbefriedigend ist.

Abus Pedelec 2.0

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Passt fürs S-Pedelec aber nicht fürs Motorrad: Abus Pedelec 2.0

Der Abus Pedelec 2.0 entspricht der niederländische Norm NTA 8776,  und darf dort somit auch von S‐Pedelec‐Fahrern getragen werden. Er ist im Double‐Shell-In-Mold-Verfahren mit stoßabsorbierendem EPS-Material gefertigt und soll mit 4 Luftein- und 9 Luftauslässen hohen Tragekomfort gewährleisten. Zsätzlich wird durch eine spezielle Aussparung im Verstellsystem ausreichend Platz für lange Haare oder einen Zopf geboten.

Der komfortable Fidlock-Magnetverschluß, das integriertes Rücklicht und eine integrierte Regenhaube sind zusätzliche Features. Im Fall des Modells “ACE Silver Edition” kommt noch ein verstellbares, klares Visier dazu.

Der Helm ist in den Größen “M” und “L” für ca. 139,95 €  (Pedelec 2.0) bzw. 199,95 € (Pedelec 2.0 ACE Silver Edition) im Handel erhältlich (Stand: 03/2019).

Vergleich Pedelec 2.0 und Abus Urban-I V.2

Doch wo liegen denn nun genau die Unterschiede zu einem anderen Helm? Dazu habe ich den Pedelec 2.0 mal mit meinem Abus Urban-I V.2 verglichen.

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Abus Pedelec 2.0 und Urban I von vorne.

Von vorne betrachtet fällt die Anzahl und Größe der Lüftungsöffnungen sofort ins Auge. Obwohl nur die zentrale, kopfmittige Öffnung des Urban-I beim Pedelec 2.0 fehlt, wirkt der Urban-I luftiger. Die geschlossene, robuster wirkende Form des Pedelec 2.0 erscheint schon optisch schwerer, der Urban-I kommt dagegen fast schon filigran daher.

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Abus Pedelec 2.0 und Urban I seitlich.

Von der Seite betrachtet wird deutlich, dass der Nacken‐ und Schläfenbereich beim Pedelec 2.0 im Vergleich zum Urban-I tiefer heruntergezogen sind. Das Erscheinungsbild wirkt deshalb etwas massiver, die silberne Farbgebung wirkt dem etwas entgegen. Interessant finde ich, dass die Kontur der Helme mit der “Abrisskante” am Hinterkopf durchaus Ähnlichkeiten aufweist.

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Abus Pedelec 2.0 und Urban I von hinten.

Auch von hinten wirkt der Pedelec 2.0 massiver, im Vergleich ist besonders gut der weiter herunter gezogene Nackenbereich zu sehen. Das Rücklicht ist beim Urban-I batteriebetrieben, beim Pedelec 2.0 ist ein per USB aufladbarer Akku verbaut. Während beim Urban-I die hinteren Entlüftungsöffnungen großflächig mit Reflektormaterial umgeben sind finden sich beim Pedelec 2.0 nur zwei kleine Winkel aus Reflektorfolie unterhalb der Entlüftungen.

Der Gewichtsvergleich der beiden Helme zeigt deutlich, dass der Pedelec 2.0 nicht nur schwerer aussieht:

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Gewichtsvergleich Abus Pedelec 2.0 und Urban I.

Beim Pedelec 2.0 bleibt die Waage bei 495 Gramm stehen, der Urban-I wiegt 305 Gramm. Das macht 190 Gramm Unterschied, die man aber nach ersten kurzen Tests tatsächlich nur im direkten Vergleich bemerkt. Das spricht für die gute Ergonomie.

Wie von Abus gewohnt lassen sich die Kinnriemen einfach und schnell verstellen, der Sitz im Nacken ist über das Rändelrad komfortabel anpassbar. Der magnetische Fidlock-Verschluß begeistert mich auch beim Urban-I immer wieder: Kein nerviges Gefummel, die beiden Enden des Verschlusses müssen einfach nur nahe genug aneinander gebracht werden und fixieren sich dann magnetisch von selbst. Das klappt mit ein wenig Übung sogar einhändig.

Besonderheiten Pedelec 2.0 ACE Silver Edition

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Beim Gewichtsvergleich muss man jedoch die unterschiedliche Ausstattung der Helme berücksichtigen. Denn der Pedelec 2.0 ACE Silver Edition bietet neben der cleveren eingebauten Regenhaube auch ein verstellbares Visier.

Dieses macht einen sehr hochwertigen Eindruck, es ist aus klarem Kunststoff gefertigt und ist wegen der höheren Geschwindigkeit insbesondere beim S-Pedelec sinnvoll um die Augen vor Zugluft zu schützen. Auf eine zusätzliche Radbrille kann so verzichtet werden.

Es ist nach der Norm EN ISO 12312 Cat 0 zertifiziert und bietet so eine Lichtdurchlässigkeit von 80-100%, entsprechend einer leicht getönten Sonnenbrille. Das bedeutet, dass bei starker Sonneneinstrahlung einen Sonnenbrille angeraten ist. Folgerichtig passt auch noch eine Brille unter das Visier wenn es geschlossen ist. Somit ist der S-Pedelec-Helm “Pedelec 2.0 ACE Silver Edition” auch für Brillenträger geeignet.

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Das Visiermechanik ist gut bedienbar und  rastet leicht in zwei Stellungen ein, die Oberkante ist mit einer Art Moosgummi beklebt, auf diese Weise dichtet das Visier zusätzlich gegen Zugluft ab.

Als weitere Besonderheit liegen dem Helm zwei Ohrwärmer bei, die an entsprechenden Aussparungen im Helmrand bei Bedarf eingeclipst werden können. So steht dem S-Pedelec-Spaß auch bei tieferen Außentemperaturen wenig entgegen.

Ich bin gespannt wie sich der Pedelec 2.0 ACE Silver Edition im praktischen Einsatz auf dem S-Pedelec Stevens E-Triton 45 Gent schlägt.

Meine Erfahrungen seit Testbeginn (Update: 25.01.2021)

Seit Beginn des Tests habe ich mittlerweile mehre tausend Kilometer mit dem Fahrradhelm Abus Pedelec 2.0 ACE Silver Edition zurückgelegt.

Wie geschrieben fällt das vergleichsweise hohe Gewicht des Abus S-Pedelec-Helms nur im direkten Vergleich auf. Der Helm fällt allerdings recht groß aus. Mein Kopfumfang bewegt sich an der Grenze zwischen der Größe “M” und “L”, deshalb habe ich “L” gewählt. Auch weil ich im Winter eine Haube unterziehen wollte.

In der Praxis ist es so, dass ich den Helm ohne Unterziehhaube enger stellen müsste als es der Einstellbereich zulässt. Das führt dazu, das der Helm auf meinen Ohren aufsitzt, was im Stand etwas unangenehm ist. Während der Fahrt hebt der Fahrtwind den Helm offenbar ein wenig an, so dass es dann weniger stört. Die Belüftung des Pedelec 2.0 ACE Silver Edition ist für sommerliche Temperaturen ok, nur bei sehr langsamen Tempo oder bei einem Ampelstopp wird es einem naturgemäß warm um Haupt.

Bei Regen freuen sich Brillenträger über das Visier am Pedelec 2.0 ACE.

Bei kälteren Außentemperaturen bin ich total begeistert von den Ohrwärmern! Sie sitzen nach dem Einclipsen sehr fest im Helm und wärmen die Ohren prima! Die Polster fühlen sich angenehm flauschig an. Sie schützen prima vor dem Fahrtwind, der bei Tempi über 30 km/h im Winter viel eisiger ist, als man denkt. Gleichzeitig hört man noch, was um einen herum los ist.

Je nach Kälte des Windes habe ich zunächst eine Haube unter dem Helm angezogen. Mittlerweile finde ich die Kapuze der Men’s Velez Jacke von Paramao viel praktischer. Zum einen weil sie schneller griffbereit ist und zum zweiten weil es mit den Brillenbügel wesentlich weniger Fummelei gibt als wenn ich eine Haube benutze.

Die Men’s Velez-Jacke ist auch der Grund, warum ich die eingebaute Regenhaube tatsächlich nur einmal genutzt habe. Die Haube ist zwar schnell herausgeholt, die Befestigung über den Helm finde ich, gerade mit montiertem Visier, etwas fummelig. Nach dem Einsatz muss die Haube zudem mit etwas Nachdruck wieder zurück ins Fach gestopft werden. Unbestritten ist jedoch, dass die Haube ein prima Backup ist, wenn man gerade nichts passenderes greifbar hat.

Im Winter bei eisigem Wind, aber auch im Sommer hat sich das Visier bewährt. Im Winter schützte es wunderbar vor Zug, im Sommer ist es für mich als Brillenträger viel angenehmer, das Visier abzuwischen als die Gläser der Brille. Gleichzeitig minimiert das Visier die Beschlagneigung der Brille. Das Visier ist an den Kanten gerundet. Da der Helm mir jedoch etwas zu groß ist, sitzt es bei mir allerdings leicht auf dem Nasenrücken auf. Dagegen hilft, es etwas nach oben zu schieben, was durch die stufenlose Einstellung kein Problem ist.

Mein Fazit:

Der Fahrradhelm Pedelec 2.0 ACE Silver Edition ist eine gute Investition. Die Verarbeitung sowie die Ausstattung sind super, besonders im Winter begeistern die Ohrwärmer. Das Visier ist, gerade für Brillenträger, bei Regenfahrten eine echte Erleichterung. Im Winter schützt es zudem prima vor dem kalten Fahrtwind.

Da der Abus 2.0 ACE Silver Edition etwas groß ausfällt, empfiehlt es sich, den Helm unbedingt anzuprobieren – oder, in Corona-Zeiten, beide Helmgrößen zur Ansicht zu bestellen.

Eine Alternative könnte der KED MITRO UE-1 MIPS sein, der ebenfalls als Helm für S-Pedelecs zugelassen ist.

Transparenzhinweis: Der Helm wurde von Abus für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt.

[Text: [at],Fotos: VeloStrom]

Alexander Theis