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Urlaub

Radurlaub „auf Rezept“

Lesezeit etwa 8 Minuten

Einmalig in Deutschland und nur im Hasetal zwischen Osnabrück und Meppen: Radurlaub mit Präventionskursen – bezuschusst durch Ihre Krankenkasse.

Es gibt sie schon länger, diese speziellen Kurzreiseangebote mit Gesundheitsprogramm. Ob zum Nordic Walking an die Ostseeküste oder zum Aqua Jogging nach Bad Salzuflen – Gesundheitsurlaub liegt voll im Trend.

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Jetzt kommt eine neue Idee aus dem Hasetal: Radurlaub „auf Rezept“.

Erstmalig wird eine Kombination aus einer mehrtägigen Radreise und Präventionskursen angeboten. Die Kurse gesunde Ernährung, Kräftigungs-Training, Progressive Muskelentspannung und Autogenes Training sind zertifiziert nach §20 SGB V und werden daher durch die gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst. Das gab es so bislang noch nicht. Radurlaub „auf Rezept“ ist somit das einzige kassenunterstützte Radreiseprogramm Deutschlands. Mit durchschnittlich 150 € Förderung für die Teilnahme an den jeweils 2 im Gesundheitsurlaub enthaltenen Präventionskursen wird dieser äußerst günstig.

So kostet z. B. eine fünftägige Radreise in Haselünne im 3/4-Sterne-Hotel mit Halbpension, fünf geführten Radtouren und den Präventionskursen gerade mal 275 € nach Abzug der Zuschüsse. Der Gesundheitsurlaub kann 2020 an 8 verschiedenen Reisezielen gebucht werden: in Ankum und in Rieste am Alfsee im Osnabrücker Land sowie in Meppen, Haselünne und Hebelermeer bei Twist im Emsland. Ganz neu dabei sind drei weitere Standorte außerhalb des Hasetals: Leer in Ostfriesland, Münster im Münsterland und Neumünster in Schleswig-Holstein. Einige Termine sind auch “nur mit E-Bike” buchbar. Da fällt die Auswahl nicht leicht!



Vital und Fit mit jedem Tritt

Wer jetzt denkt, Urlaub in dieser Idylle und Fitness passen nicht zusammen, irrt sich. Die Präventionskurse im Programm Radurlaub „auf Rezept“ passen thematisch und inhaltlich bestens zur Hauptbeschäftigung, dem Radfahren. Und das ohne Beeinträchtigung des Urlaubsgefühls.

Wie von Zauberhand vorbereitet, warten an verschiedenen Stationen Outdoor-Fitnessgeräte oder Kneipp-Anlagen auf die Radwandergruppen, die dabei die ganze Zeit von qualifizierten Radreiseleitern begleitet werden. Damit das Erlernte nicht in Vergessenheit gerät, bekommen alle Teilnehmer Anleitungen und sogar ein kleines Kochbuch für zu Hause mit.

Erfahrungsberichte

„Was stresst Sie?“, fragt die Kursleiterin Angela Koopmann in die Runde. Eine Frau meldet sich und sagt knapp: „Mein Mann!“ Der sitzt neben ihr und lässt die Mundwinkel hängen, alle anderen in der Gruppe ziehen sie dagegen hoch und lachen herzhaft. Es sind meist Paare im reiferen Alter, die den bundesweit einmaligen Radurlaub „auf Rezept“ im Emsland gebucht haben. Neben fünf geführten Radtouren und vier Übernachtungen gehört das Autogene Training oder die progressive Muskelentspannung dazu, wie sie gerade Angela anbietet. Auch ein Kursus über gesunde Ernährung mit aktivem Kochen und fundiertem Hintergrundgespräch mit einer Ökotrophologin ist auf vielen Reisezielen fester Bestandteil. Ganz neu dabei ist auch ein Reiseziel, in dem der Kurs Kräftigungs-Training neben den täglichen Radtouren und einem Entspannungskurs angeboten wird.

„Wir haben in den ersten beiden Jahren einen Zulauf erlebt, den wir nicht erwartet haben“, freut sich Wilhelm Koormann. Er ist der Initiator des Radurlaubs „auf Rezept“ und leitet die Hasetal Touristik GmbH. Aktuell haben wir im Jahr 2019 1.500 Anmeldungen für diese Saison entgegen genommen.“

Das „Fahrradies Hasetal“ im Nordwesten Deutschlands ist bundesweit als innovationsfreudig bekannt und wurde bereits mit dem Deutschen Tourismuspreis ausgezeichnet. Es bietet 2 000 Kilometer an ausgewiesenen Radwegen durch Wald und Wiesen, die meisten Radwege verlaufen direkt entlang der Hase oder der Ems, abseits der Verkehrsstraßen.

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Vom Gesicht bis zum Gesäß

Bis Angela mit ihren Kursteilnehmern alle 17 Muskelgruppen vom Gesicht bis zum Gesäß und den Füßen, von der Brust bis zu den Schultern, entspannt hat, vergeht eine Weile. Es sind lange Pausen zum Atmen dazwischen. Die Augen sind geschlossen. „Ich beginne mit der Rückholung“, sagt Angela und fängt an zu zählen, bis sie von zehn bei eins ankommt. Der Einklang von Körper und Seele ist das wichtige, wie sie betont. Gerda aus Wuppertal ist begeistert: „Das mache ich jetzt abends beim Schlafengehen.“ Walter aus Kiel hingegen will sich beim Fernsehen auf diese Art die Muskeln durch Anspannen und Lockerlassen trainieren. „Die nehmen alle was für Zuhause mit“, freut sich Angela, „und hier haben sie ihren Spaß.“

Das zeigt sich auch auf der Radtour, die heute Nachmittag von Meppen über 19 Kilometer in Kurven und an der Ems entlang bis Haren führt. Der kleine Ort hat eine lange Tradition als Schifffahrtsort seit 1575. Noch heute sind hier Reedereien angesiedelt; viele Binnen– und Hochseeschiffe weltweit werden von hier aus gelenkt. Doch schon auf den ersten Radkilometern hinter Meppen zeigt sich, wie schnell die bunt zusammengewürfelte Gruppe auf derselben Wellenlänge schwingt. Die Emsländer sind zudem sehr kontaktfreudig, sie sprechen die Radler schon im Vorbeifahren an. „Wohin geht’s denn heute?“, fragen sie, „und ihr habt Glück, bei dem Wetter.“ „Stimmt“, erwidert Herbert, „herrliche Sonne, aber kommt noch Regen?“ Der einheimische Spaziergänger wehrt ab: „Nein, nein, und wenn: Zwischen den Regenschauern ist es trocken.“

Auch Bier auf Rezept?

Die Gruppe lacht wieder. „Macht auch nichts“, sagt Herbert zu den Mitradlern, „wir sind doch gerade in der Ruhephase.“ Ihn kann also nichts erschüttern. Sein Nachbar Hans auf dem schicken E-Bike denkt in anderen Kategorien: „Die Krankenkasse zahlt uns ja die Präventionskurse, gibt’s denn das Bier heute Abend auch auf Rezept?“

Beim ersten Stopp verteilt Ulla aus Köln Bonbons an alle. Die Gruppe postiert sich zum gemeinsamen Erinnerungsfoto. Fröhliches Lachen. Der Weg führt durch Wälder, an Feldern und Wiesen vorbei. Gerüche von wilden Blumen umwehen die Nasen. „Hier ist noch heile Welt“, stellt Erwin aus Düsseldorf fest, als die Gruppe durch eines der sehr aufgeräumt wirkenden Dörfer fährt. Ein Fasan sucht das Weite. Flüsschen ziehen sich durch die Wiesenlandschaft. Aus der Ferne ist am Kühlturm eines stillgelegten Gaskraftwerks die weltgrößte Weltkarte zu sehen. Sie hat ein Künstler dort verewigt. In Haren geht es zum Mittagessen in der Nähe des Doms. „Wir sind in der Ruhephase“, sagt wieder ein anderer aus der Gruppe und lacht. Es hört sich wie ein Mantra an. Entschleunigung steht über allem.

Was gegen Cellulitis

Das wird ihnen am nächsten Tag auch Annette Beuckmann-Wübbels erzählen. Die diplomierte Ernährungsberaterin betreibt mit ihrer Familie einen Reiterhof mit 450 Pferden und hat eine Tierheilpraxis. „Doch die Ernährungskurse gebe ich besonders gern“, verrät sie und erläutert präzise und anschaulich die „Ernährungspyramide“. Sie verteilt Rezepte und bittet, doch in 45 Minuten alles für das gesunde Mittagessen in der Küche zuzubereiten. Annette erklärt, wie Cellulitis an den Oberschenkeln entsteht, wie Schmerzen in Schultern und Gelenken eine Reaktion des Körpers sein können und wie sich Fußbäder mit Natron positiv auswirken.

Gertrud, Herbert und Werner sind beim Schafskäse-Auflauf vorn. Elfriede und Gundula haben dem Quinoa-Salat den letzten Pfiff gegeben. Sabine glänzt mit einer Zucchini-Torte, die formvollendet ist und besser aussieht als das Bild zum Rezept. „Kochen verbindet“, meint Gundula noch. Es wird draußen an zwei großen Tischen im Garten mit Blick auf die Pferdeweide unter blauem Himmel serviert. „Das ist ganz entspannt, gesund und jeder lernt etwas Neues für seine Ernährung zu Hause“, sagt Annette strahlend. Abwaschen? „Wir sind in der Ruhephase“, zitiert jetzt Klaus das Mantra, und die anderen lächeln beim Befüllen des Geschirrspülers. „Wir jetzt auch.“

Endlich mal ein guter Ra(d)t

Zwischen Teutoburger Wald und Ems erstreckt sich das Hasetal. Im Jahr 1989 beschlossen die an der Hase gelegenen Städte und Gemeinden Bersenbrück, Quakenbrück, Essen (Oldb.), Löningen, Herzlake, Haselünne und Meppen, das Hasetal als Fremdenverkehrsgebiet auszubauen.

Heute hat es sich mit einem mehr als 1.000 Kilometer umfassenden Radwanderwegenetz, einschließlich einer modernen, lückenlosen Wegweisung und vielen Extras für Radfahrer zu einem wahren Paradies für Radler entwickelt. So entstand auch der Begriff „Radfahrradies“, der mittlerweile weit über die Grenzen des Hasetals hinaus Bekanntheit genießt.

Die stetig steigende Zahl der Gäste ist von der Freundlichkeit der Bewohner und dem Service der Beherbergungsbetriebe begeistert. Die hohe Zahl der „Wiederholer“ bestätigt diesen Trend. Und es lohnt sich, denn die mit dem deutschen Tourismuspreis gekrönte Region trägt nicht umsonst liebevoll den Namen „Radfahrradies“.

Information und Beratung:
Hasetal Touristik GmbH
Langenstraße 33 ·
49624 Löningen
Tel. 05432 599599 ·
E-Mail: info@hasetal.de
Homepage: www.radurlaub-auf-rezept.de

[Text: Hasetal Touristik GmbH/ Knut Diers, Fotos: Hasetal Touristik GmbH]

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Alexander Theis