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Sport Über'n Tellerrand

Sport: Matthias Schindler mit Rückblick auf erfolgreiche Wettkämpfe

Lesezeit etwa 8 Minuten

matthias_schindler[at] Paracycler Matthias Schindler blickt aus dem Höhenlager in St. Moritz zurück auf erfolgreiche Wettkämpfe und gibt einen Einblick in den Traininsalltag.

“Die Deutsche Meisterschaft in Köln lief für mich besser als erwartet. Eine Podiumsplatzierung im Zeitfahren hatte ich im Vorfeld auf Grund der Faktorwertung für unrealistisch gehalten. Ich fuhr jedoch erneut ein sehr starkes Zeitfahren, war deutlich schneller unterwegs als im Vorjahrauf derselben Strecke und wurde am Ende Deutscher Vizemeister hinter Michael Teuber und 3 Sekunden vor Steffen Warias! Das hatte ich selbst nicht für möglich gehalten. Es war für mich die Bestätigung, dass sich der Fokus im Training auf das Zeitfahren auszahlt.

Zwei Tage später im Straßenrennen konnte ich meinen Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen. Ich wurde Zweiter hinter Steffen Warias. Er konnte sich zur Hälfte des Rennens aus dem Feld lösen und eine Flucht starten. Auch mir gelang später die Flucht aus dem Feld, ich konnte jedoch die Lücke zu Steffen nicht mehr schließen und kam 11 Sekunden hinter ihm, aber knapp 2 ½ Minuten vor dem Feld ins Ziel. Mit meiner Leistung im Straßenrennen war ich sehr zufrieden und die Deutsche Meisterschaft war mit zwei Vizemeistertiteln wieder ein Erfolg für mich.

Direkt im Anschluss an die Deutsche Meisterschaft habe ich eine kleine Saisonpause eingelegt. Mit meiner Frau Siw habe ich eine Städtereise nach Porto unternommen und konnte gut von der bisher intensiven Saison abschalten und mich etwas erholen.

Nominierung für WM in Maniago und letzten World Cup der Saison

Vom Bundestrainer Patrick Kromer wurde ich nach meinen starken Leistungen beim World Cup in Ostende und der Deutschen Meisterschaft in Köln für die WM in Maniago sowie den letzten World Cup der Saison in Kanada nominiert. Damit verbunden ist ein Höhentrainingslager in St. Moritz in Vorbereitung auf die WM.

matthias_schindler_mtbDas war natürlich mein großes Ziel, bei diesen Events für Deutschland an den Start gehen zu dürfen, daher war die Freude über die Nominierung bei mir groß.

 Zum Abschluss der Saisonpause habe ich an einer „Dealer-Ausfahrt“ meines Sponsors Harley-Davidson Nürnberg teilgenommen. Ich habe das Sportster Modell „Forty-Eight“ für diese Ausfahrt zur Verfügung gestellt bekommen.

Das Motorrad war der Hammer, der Tag sehr entspannt und ich habe die Ausfahrt über die Landstraßen ohne meine üblichen Tretbewegungen sehr genossen. Vielen Dank nochmal anHarley-Davidson und die HOG Chapter Nürnberg für den tollen Tag und die Unterstützung!

Zu Beginn der Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte bin ich mit Freunden für 3 Tage nach Garmisch-Partenkirchen zum Mountainbiken gefahren. Es war ein tolles Wochenende und ein guter Einstieg in eine intensive Trainingszeit. Solche Qualitätszeit mit Freunden habe ich während der Saison leider viel zu wenig.

Von meinem Ausrüster SQlab habe ich zuvor noch ergonomische Komponenten für mein Mountainbike bekommen. Vielen Dank auch an dieser Stelle noch mal an SQlab für die Unterstützung!

Trainingsalltag

Zurück im Trainingsalltag begann für mich eine heftige Zeit. Neben dem Radtraining, Krafttraining, Ausgleichstraining und Athletiktraining sowie der organisatorischen und der „social Media“ Arbeit war ich auch mal wieder im Dienst bei der Polizei. Dazu standen ein paar Modernisierungsprojekte an unserem Haus an.

Zu spät habe ich bemerkt, dass diese Belastung für mich zu viel ist. Die Erholung kam viel zu kurz und nach einigen Wochen war ich absolut am Limit. Das wurde mir auf einer Geburtstagsfeier bei Freunden bewusst, als ich seit längerer Zeit mal wieder einen freien Abend, ohne offene Punkte auf der To-do-Liste und ohne eine noch wartende Trainingseinheit hatte.

Mir wurde klar, dass ich im Alltag deutlich mehr Erholungsphasen brauche, um physisch und psychisch wieder fit für die nächsten Trainingseinheiten zu werden. Nur dann ist eine weitere Leistungssteigerung möglich. Glücklicherweise hatte ich noch ein paar Tage Zeit bis zum nächsten World Cup in Emmen und konnte mein Zeitmanagement entsprechend anpassen.

Silber beim World Cup in Emmen

Am 03.07.2018 bin ich top fit nach Emmen zum zweiten World Cup der Saison angereist. Ich hatte dort noch zweimatthias_schindler_cooldown Tage Zeit um mich bestmöglich auf das Zeitfahren am Freitag den 06.07.2018 vorzubereiten. Im Vorjahr wurde ich in Emmen vierter und in diesem Jahr wollte ich natürlich erneut mindestens eine Top fünf Platzierung erreichen.

Die Vorbereitung auf das Rennen verlief gewohnt gut. Ich konnte meine beste Saisonleistung auf der flachen Zeitfahrstrecke zeigen. Hinter dem Weltmeister Michael Sametz aus Kanada wurde ich zweiter mit knapp 43 Sekunden Vorsprung auf Platz drei!

Das war für mich natürlich ein super Ergebnis: Es war meine erste Silbermedaille in einem World Cup und gleichzeitig die beste Leistung und Platzierung meiner Karriere!

Straßenrennen

Zwei Tage später im Straßenrennen des World Cups hatte ich auf Grund des starken Zeitfahrens keinen Druck. Dennoch wollte ich natürlich erneut eine gute Leistung zeigen.

In dem Rennen starteten die Klassen C1-C3 gemeinsam, wurden allerdings getrennt gewertet. Dadurch standen über 50 Sportler am Start und es krachte ständig irgendwo im Feld. Es gab wirklich sehr viele Stürze und ich wollte einfach nur sicher ins Ziel kommen. Zwei Runden vor Schluss konnte sich ein starkes Trio aus dem Feld lösen und einen guten Vorsprung herausfahren.

Ich wollte mich nicht auf meine nicht vorhandenen Sprintfähigkeiten verlassen und attackierte kurze Zeit später selbst. Überraschender Weise konnte ich mich allein vom Feld lösen! Ich kam gut voran und versuchte die Lücke zu den 3 Ausreißern zu schließen. Leider kam ich nur auf ca. 15 Meter an diese Gruppe heran. Die drei arbeiteten gut zusammen und ich konnte die Lücke nicht schließen.

Die letzte Runde allein vor dem Feld wurde dann für mich um ein paar Meter zu lang. Ich wurde immer langsamer, in der letzten Kehre vor dem Ziel fuhr dann das Feld auf mich auf. Ich war absolut am Limit und am Ende froh, dass ich mit Platz 9 noch ein paar UCI Punkte für Deutschland ins Ziel gerettet habe. Da war zwar mehr drin, es war allerdings auch für mich eine neue Erfahrung.

Platz 3 in der Weltrangliste!

Direkt im Anschluss an das Straßenrennen fuhr ich nach Hause, wo ich in der Nacht auf Montag den 09.07.2018 ankam. Ich hatte nur einen Tag daheim und fuhr am Dienstag den 10.08.2018 nach St. Moritz ins Höhentrainingslager mit der Deutschen Nationalmannschaft.

Der World Cup in Emmen war mit Platz 2 im Zeitfahren und Platz 9 im Straßenrennen mein erfolgreichster World Cup bisher. Aktuell stehe ich auf Platz 3 in der Weltrangliste, was die beste Platzierung meiner Karriere ist.

Ausblick

Noch bis gestern, Montag den 23.07.2018, war ich hier in St Moritz um mich auf die WM in Italien vorzubereiten.
Am Montag den 01.08.2018 ist dann die Anreise nach Maniago zur WM. Die Zeitfahrstrecke dort wird etwas anspruchsvoller sein als die Strecken in den bisherigen World Cups. Ich setze mir also keine Platzierung als Ziel, sondern möchte einfach meine bestmögliche Leistung auf der dortigen Strecke abliefern.

Ähnlich bin ich auch an die WM in Südafrika 2017 heran gegangen, wo ich mich nach einem starken Zeitfahren über Platz 10 sehr freuen durfte. Sollte mir erneut ein gutes Rennen gelingen, ist in diesem Jahr eine noch bessere Platzierung möglich. Für das Straßenrennen ist die Zielsetzung wie immer: Eine gute Leistung zeigen und nicht stürzen.

Nach der WM fliege ich für drei Tage zu meinem Ausrüster Cervélo nach Cloppenburg zu deren Hausmesse, bevor es mit der Nationalmannschaft nach Kanada zum letzten World Cup der Saison geht. Es bleibt weiter intensiv, ich freue mich aber sehr auf die kommende Zeit.”

Das war Matthias’ Bericht der vergangenen Wochen. Platz drei in der Weltrangliste! Eine tolle Leistung, die meiner Meinung nach vollsten Respekt verdient! Ich fiebere mit und drücke die Daumen für eine weiter erfolgreiche Saison!

Aktuelle Infos gibt`s wie immer auf Facebook (www.facebook.com/schindlerparacycling/), Instagram (www.instagram.com/matthias_schindler_official/) sowie Twitter (www.twitter.com/schindlermatze).

[Text & Fotos: Matthias Schindler]

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Alexander Theis

Alexander Theis

Begeisterter Pedelec-Fahrer. Bloggt seit 2011 über seine Erfahrungen mit Pedelecs und ist Herausgeber von VeloStrom.de
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