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Coboc E-Bike-Tests

Erster Test: Stylisches E-Bike Coboc Sydney

Lesezeit etwa 12 Minuten

Das Sydney ist das neues Modell des Heidelberger E-Bike Herstellers. Was das E-Bike kann und was nicht, das lest ihr in diesem Test.

Ab April wird das Coboc Sydney als neuestes Modell der Heidelberger Pedelec-Bauer im Handel zu haben sein. Als einer der ersten durfte ich das E-Bike schon intensiv erfahren.

Coboc

Von Coboc aus Heidelberg kommen traditionell cleane, puristische E-Bikes. Zu Recht sind die HeidelbergerInnen stolz darauf, das Bike, bis hin zu den Details der Motorsteuerung, selbst zu entwickeln.

Das puristische Design hat sicher seinen Ursprung in der Geschichte der Marke. Die beiden Gründer David und Pius waren als Physikstudenten nebenbei als Radkuriere unterwegs. Später war es dann ihr Ziel, E-Bikes zu bauen, die richtig gut funktionieren, aber auch richtig gut aussehen sollten. Und das zu einer Zeit, in der bei Pedelecs meist weniger Wert auf elegantes Aussehen gelegt wurde.

So war auch bei einem ersten Testbikes der Heidelberger, dem Coboc One Rome aus dem Jahr 2016 die Coboc DNA schon präsent:

  • Hinterradnabenmotor
  • Lenker ohne Bediendisplay, stattdessen
  • Dioden auf dem Oberrohr, die den Betriebsmodus anzeigen.
  • Ein Taster an der Unterseite des Oberrohrs aktiviert unauffällig den E-Antrieb,
  • geladen wird ebenso unauffällig mit einem Rosenberger-Stecker, der vor dem Taster montiert ist.
  • Der im Unterrohr fest eingebaute Akku ist Garant für eine schmale Silhouette.

Während das One Rome ein Singlespeed E-Bike ganz in der Tradition der Radkuriere ist, gibt es bei Coboc mittlerweile auch E-Bikes mit Schaltung.

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E-Bike Coboc Sydney

Genau so eines ist das

Coboc Sydney

Schon beim Auspacken des Sydney kommen Erinnerungen an das One Rome hoch. Denn während andere E-Bikes mühsam aus der Verpackung geschält werden müssen, öffnet man einfach den Radkarton des Sydney an der Seite und rollt das Bike einfach heraus. Einfacher und anwenderfreundlicher geht es eigentlich kaum.

Zumindest, wenn vorne auch das Paket mit den Pedalen und dem Ladegerät untergebracht ist. Bei meinem Testexemplar war es leider hinten im Karton, so musste ich den Karton dann doch an zwei Stellen öffnen. Trotzdem ist das Syndey mit Abstand am schnellsten einsatzbereit: Die schlanken Pedale sind schnell drangeschraubt, der Lenker zügig geradegestellt.

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Mit knapp über 15 kg ist das Coboc Sydnec ein leichtes Pedelec.

Probeweises Anheben lässt bereits vermuten, dass es den Heidelbergern wieder gelungen ist, ein leichtes E-Bike auf die Räder zu stellen. Das bestätigt die Waage: Mit knapp über 15 kg ist das Coboc Syndey ein sehr leichtes Pedelec.

Das sportlich-schlanke E-Bike, dass da, ohne Gepäckträger Schutzbleche und Seitenständer (alles nachrüstbar) vor mir steht, erinnert auf den ersten Blick auch optisch an das One Rome.

Beim näheren Hinsehen fällt jedoch das abfallende Oberrohr auf. Der Gabelschaft ist ebenfalls länger, gemeinsam mit dem höheren Cockpit ergibt das eine angenehmere Sitzposition. Auch die Gabel ist nicht so kerzengerade wie beim One Rome. Das vergrößert beim Sydney den Lenkkopfwinkel und bringt damit mehr Stabilität und besseren Geradeauslauf.

Am Hinterrad freilich hören die Ähnlichkeiten auf. Statt wie beim One Rome auf nur eine feste Übersetzung festgelegt zu sein, gibt’s beim Sydney die Wahl von kettengeschalteten 11 Gängen. Und noch zwei wichtige Unterschiede gibt es:

Im Gegensatz zum Vorfahren aus dem Jahr 2016 verfügt das Coboc Sydney über eine leuchtstarke Supernova Mini vorne sowie ein elegant im Sattelrohr verstecktes LED-Rücklicht. Letzteres ist mittlerweile auch fast ein Markenzeichen der Heidelberger – schon das Coboc Seven Montreal aus dem Jahr 2018 vefügte über dieses feine Detail.

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Während das One Rome sich mit den profillosen Schwalbe Kojak auf glatten, gut geteerten Straßen am wohlsten fühlt, stellt Coboc das Sydney breiter auf: Rahmenlayout und die Schwalbe G-One Allround Reifen machen das neue E-Bike aus Heidelberg optisch zum Crosser.

Damit ist es eine Alternative für alle, denen das Gravel-Bike [-> Was ist ein Gravel-Bike?] Ten Torino mit dem gebogenen Rennradlenker möglicherweise zu unbequem ist.

Bedienung

Ein kurzer Klick auf den bekannten Taster: Der Akku mit 380 Wh Kapazität [-> Wie berechnet man die Kapazität eines Akkus?] ist geladen, es kann also direkt losgehen. Noch Schnell den Sattel in die richtige Höhe gebracht, den Helm geradegerückt und los.

Entgegen meiner sonstigen Angewohnheit starte ich mit dem Coboc Sydney in der höchsten Unterstützungsstufe – von zweien. Welche gerade gewählt ist, wird anhand der Farben angezeigt: Grün, Stufe 1, blau Stufe 2. Der Wechsel zwischen beiden erfolgt durch „Doppelklick“ mit dem Taster. Ein langer Druck schaltet übrigens die Beleuchtung ein.

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Gut zu sehen: Magnetischer Kontakt für den Rosenberger-Ladestecker (links) und Taster zum Aktivieren des Antriebs.

Mit der Coboc-App für Android und iOS kann man die Charakteristik der beiden Unterstützungsstufen an die persönlichen Belange anpassen. Meine Erfahrung zeigt aber, dass für meine Fahrweise die Werkseinstellung passt: Ich bin eh meist in der höchsten Stufe unterwegs.

Ergonomie, Bremsen & Schaltung

Schon nach den ersten Sekunden ist das typische Coboc-Feeling da: Sportliche, aktive Sitzposition mit nicht zu viel Druck auf den Handgelenken. Das bedeutet aber auch: Eine gewisse Körperspannung ist nötig, damit sich das Bike präzise lenken lässt. Außerdem muss ich den Kopf etwas in den Nacken nehmen, um die Straße gut zu sehen. Das Sydney fordert gleich zu Beginn ein wenig.

Doch es gibt auch zurück: Das E-Bike nimmt schnell Fahrt auf, der Hinterradnabenmotor unterstützt mit seinen nominell 35 Nm Drehmoment gut fühlbar. Wie schnell ich genau bin weiß ich nicht: Am Coboc Sydney gibt es kein Display. Zwar ist auf der Steuersatz-Kappe eine SP-Connect-Halterung angebracht. Gut wer eine passende Hülle fürs Smartphone hat.

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Am Ende der Straße bremsen die hydraulischen Scheiben das Bike gut dosierbar ein. Der Schalthebel der Sram NX Kettenschaltung [-> Was ist eine Kettenschaltung?] hilft schon beim Bremsen mit bekannt knackiger Betätigung dabei, den passenden Gang zum Wiederanfahren zu wählen.

Antrieb

Der sollte schon vor dem Stopp aufgelegt sein. Denn der Hinterradnabenmotor braucht gut eine Umdrehung der Pedale um „anzuspringen“.

Weiter geht es zur ersten Schlüsselstelle meiner Testrunde: Die Anfahrt auf die Radbrücke über die Autobahn führt zunächst leicht bergab, denn durch eine Senke und danach bergan. Bergab erreiche ich schnell die Untertstützungsgrenze des Antriebs, als es kurz danach wieder aufwärts geht, springt er wieder assistierend zur Seite. Oben an der Kuppe muss rechtwinklig auf die Brücke gefahren werden. Da diese Stelle nicht einsehbar ist, muss fast bis zum Stillstand verzögert werden.

Ein Manöver, das dank der guten Riderever Arc-U-Bremsen mit 160 mm Scheibendurchmesser problemlos klappt. Jedoch fällt mir auf, dass der Antrieb etwas nachläuft.

Über die Brücke hinweg und die kurvige Abfahrt hinunter zeigt das Coboc Sydney eine gekonnte abgestimmte Rahmengeometrie. Nicht nervös-zappelig sondern souverän-handlich lässt es sich um die Kurven zirkeln, auch ein kleiner Schlenker um eine querende Schnecke ist möglich. Glück gehabt!

Auf der langen Geraden zeigt das Sydney, dass es auch mit höheren Tempi gut zurecht kommt, erfahrungsgemäß stehen hier gut 35 km/h auf dem Tacho.

Bergaufperformance, Teil 1

Auf die erste lange, nicht zu steile Bergaufstecke kann ich Schwung mitnehmen, nach etwa 50 Metern erst höre ich am Geräusch von hinten, das der Antrieb wieder angesprungen ist. Wenige Augenblicke danach fühle ich es auch.

Dank der gut abgestimmten Übersetzung kann ich den Antrieb auch bei Laune halten: Ich habe den Eindruck, das er sich bei eher höheren Kadenzen [-> Was ist „Kadenz“ beim Fahrrad?] am wohlsten fühlt. Das passt zum Grundtenor „sportlich“ und schont darüber hinaus Akku und Knie.

Apropos sportlich: Ein entgegenkommender Rennradfahrer grüßt mich mit einem Kopfnicken, offenbar bin ich mit dem Sydney standesgemäß unterwegs. Die leichte Ironie daran bemerkt er mögicherweise nicht: Ein paar Stunden zuvor kam er mit auf entgegengesetztem Weg entgegen – und hat mich ignoriert: Ich war mit dem Charger 3 GT offenbar nicht standesgemäß unterwegs…

Zum Testen schalte ich mit einem Doppeltipp mal auf die niedrigere Unterstützungsstufe: Ja, der Unterschied ist deutlich zu spüren. Also wieder zurück auf Maximum, das ich bei der kommenden Brückenauffahrt auch brauche, denn der Coboc-eigene Hinterradnabemotor baut relativ früh ab und will mit engagiertem Pedalieren bei Laune gehalten werden.

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Nach der Brücke geht es über eher ondulierten Asphalt weiter. Hier zeigt sich erneut die sportliche Auslegung des Bikes. Die Carbongabel lässt, gemeinsam mit den auf maximalen Druck gebrachte Reifen, keine Zweifel über den Streckenzustand aufkommen.

Abfahrtsperformance

Doch das ist schnell auf der kommenden Ortsdurchfahrt schnell vergessen. Auf glattem Asphalt in bester Qualität lässt sich das Coboc Sydney zügig über die Unterstützungsgrenze beschleunigen und auch dort halten. Richtungswechsel in Kreisel erfolgen knackig und zielgenau, Tempobolzen macht mit dem E-Bike richtig Spaß!

Es nähert sich die nächste Schlüsselstelle: Die schnelle Bergabstrecke, teils zernarbter Asphalt, eine schnelle Bergabrechtskurve und am Ende eine 90 Grad Linkskurve, vor der kräftig verzögert werden muss.

All das stellt das Sydney vor keine große Herausforderung. Es nimmt schnell Fahrt auf und lässt sich auch bei höherem Tempo um die gröbsten straßenbaulichen Versäumnisse zirkeln. Das klappt auch im Stehen, bedingt aber durch die höher Last auf dem Lenker etwas mehr Konzentration. Die schnelle Rechts ist ebenso schnell aufgeschnupft wie sie herankam und die folgende schnelle, gerade Bergabstecke zieht mir die Mundwinkel nach oben.

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Am Ende, vor der Linkskurve lange ich kräftig in die Bremsen. Gut dosierbar beißen die Beläge in die Scheiben, die hydraulische Anlage bringe ich so nicht in Verlegenheit, Rad und Fahrer zielgenau abzubremsen. Allenfalls eine leichte Unruhe im Heck deutet an, das leichtere FahrerInnen möglicherweise etwas konzentrierter verzögern müssten.

Bergaufperformance, Teil 2

In der Folge geht es die gleiche Strecke wieder bergauf. Zuvor aktiviere ich die Bike-Compuer-App, die ich auf dem Smartphone installiert und fast vergessen habe.

In der höchsten Unterstützungsstufe geht es bergan. Doch wo beispielsweise der Bosch Performance Line CX mit der schieren macht des hohen Drehmoments Bike und Fahrer bergauf wuchtet, benötigt das Coboc Syndey sportlichen Einsatz.

Trotzdem baut es nach der Bergauflinks zügig an Speed ab, leicht schnaufend gehe ich in den Wiegetritt über und komme, GPS-gemessen, mit knapp 17 km/h über die Kuppe an. An sich ein guter Wert für einen Hinterradnabenmotor – wenn ich nicht vor kurzem mit einem E-Bike mit Hinterradnabenmotor von Mivice an gleicher Stelle kanpp 20 km/h erreicht hätte.

Fazit: Stilsicher, leicht, dezent

Auf dem Weg nach Hause nutze ich die Steinkiesel des Rhein-Main-Regionalparks als willkommene Rast und betrachte das Coboc Sydney nochmals im Detail.

Das steht ein schön gemachtes, routiniert verarbeitetes E-Bike vor mir. Sportlich-sehnige Optik mit schönen, clever gemachten Details wie dem versteckten Anschaltknopf, dem magnetisch fixierenden Ladestecker oder den LED’s im Oberrohr.

Die elegant ins Erscheinungsbild integrierten Leuchten machen es alltagstauglich, was die Möglichkeit, Schutzbleche und einen Hinterbauständer zu montieren, noch verbessert.

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Gut bedienbar: Schalthebel von Sram am Coboc Sydney

Das hier ein E-Bike steht, werden viele Menschen erst auf den zweiten Blick feststellen, beim typischen Hebetest deutet das geringe Gewicht ebenfalls nicht darauf hin. Typisch Coboc eben, ein Bike, das Spaß macht, wenn es sportlich sein soll. Stilsicher, leicht, dezent.

„Dezent“ ist auch die passende Umschreibung zur Leistungsentfaltung des Antriebs. Ohne die Möglichkeit des direkten Vergleichs ist er präsent und passend zur Übersetzung abgestimmt. Im Vergleich jedoch mit dem Mivice M080, den ich zeitgleich im Test hatte, muss er sich bei Ansprechverhalten und Performance jedoch geschlagen geben.

Ist das Coboc Syndey deshalb ein schlechtes E-Bike? Nein, durchaus nicht. Wer ein leichtes, sportliches E-Bike sucht, das den Antrieb elegant wie kaum ein anderes Pedelec integriert, der ist beim Coboc Sydney genau richtig.

Doch ein Sydney in Kombination mit dem Antrieb von Mivice wäre ein echter Knaller.

Das Coboc Syndey wird ab April 2023 zum Preis von voraussichtlich knapp unter 4.000€ erhältlich sein.

Mehr Infos zu Coboc gibts unter https://www.coboc.biz/

[Text:[at], Fotos: VeloStrom]

Transparenzhinweis: Das Produkt wurde vom Hersteller kostenfrei und ohne Auflagen zur Verfügung gestellt.

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Alexander Theis