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Insider-Tipps zum Kauf erschwinglicher E-Bikes, Teil 2

Lesezeit etwa 9 Minuten

Perfekt für preisbewusste Käufer in wirtschaftlich unsicheren Zeiten: Entdecke in unserer E-Bike-Artikel-Serie Expertentipps, wie du kostengünstig an ein E-Bike kommst und was zu beachten ist. Teil 2: Billig E-Bike aus Asien.

In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und einem zunehmenden Bewusstsein für umweltfreundliche Fortbewegungsmittel erfreut sich das E-Bike immer noch größerer Beliebtheit. Doch bleibst du vielleicht aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage skeptisch und fragst dich, wie du dir ein E-Bike leisten kannst, ohne dein Budget zu sprengen?

Diese dreiteilige Reihe bietet dir einen tiefen Einblick in die Welt der erschwinglichen E-Bikes und gibt wertvolle Tipps, wie du dein Traum-E-Bike zu einem erschwinglichen Preis finden kannst.

Im ersten Teil dieser Reihe ging es um das Thema „Nachrüstung“. Dieser Teil beschäftigt sich mit den billigen Asien E-Bikes, den Vor-, aber auch den Nachteilen.

Billig E-Bike

Vielleicht ist es ja nur ein Gefühl. Doch mir scheint, je länger von einer Wirtschaftskrise die Rede ist, je häufiger bekomme ich Werbung für überraschend billige E-Bikes. Meist sind es Falträder mit breiten 20“-Reifen – für teils deutlich unter 1.000€.

Vor einigen Jahren habe ich der Versuchung nachgegeben und habe ein neues Bio-Faltrad für knapp 170€ (mit Versand & Zoll waren es dann am Ende knapp 350€) gekauft. Die Ernüchterung kam schon beim Auspacken: Rost an Rahmen, Rädern und Schrauben, nicht ordentlich schließende Scharniere (Sicherheitsrisiko!), Schutzbleche ohne Eigenbaulösung nicht montierbar, Löcher in den Schläuchen – kurz: Fabrikneuer Schrott! Deshalb lasse ich die superbilligen vermeindlichen Schnäppchen außen vor.

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Vor kurzem spülte mir der Algorithmus aber Werbung für ein ausgewachsenes Fatbike von Fiido aus China auf den Bildschirm. Grundsätzlich muss die Herkunft alleine kein Problem sein, wenn man auf ein paar Dinge achtet.

Ich mag Fatbikes, deshalb habe ich mir das E-Bike mal genauer angeschaut und zeige euch am Beispiel dieses Fiido Titan, worauf ich bei solchen Angeboten achte.

Fiido Titan

Das „Titan“ bietet angeblich bis zu 400 km Reichweite und das für sensationelle 1.699€! Es ist ein ausgewachsenen E-Bike und sieht sehr robust aus. Da muss es einen Haken geben. Achtung, Spoiler: Es gibt mindestens zwei!

Haken 1

Den ersten habe ich auch schnell gefunden: Die 1.699€ gelten nur für die normale Version mit 696 Wh-Akku. Die versprochenen bis 400 km erreicht man nur mit 2 Zusatzakkus, die an einem speziellen Gepäckträger montiert werden. Damit ausgestattet und mit rund 2 kWh Akkukapazität kostet das E-Bike dann 2.397€. Immer noch günstig für die Leistung! Aber wer braucht so eine hohe Reichweite wirklich?

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Haken 2

Der zweite, viel schwerwiegendere Haken: Das Fiido Titan verfügt über einen Hinterradnabenmotor mit 750 W Dauerleistung! Damit ist es nach europäischem Recht kein Pedelec (maximal 250 Watt Dauerleistung) mehr, sondern ein S-Pedelec [E-Bike FAQ: Was ist ein S-Pedelec?].

Als solches braucht es ein Versicherungskennzeichen, einen Spiegel, Seitenreflektoren und noch einiges mehr. Ohne das alles ist man höchst illegal unterwegs.

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Kaufen?

Damit ist das Thema „Pedelec“ an der Stelle erledigt, da hilft auch nichts, dass die Unterstützungsgrenze laut Angabe von Fiido von 45 km/h auf 25 km/h geändert werden kann. Deshalb gilt für mich: Finger weg vom Fiido Titan! Eigentlich schade, denn wie gesagt: Ich liebe FatBikes.

Fiido E-Gravel

Doch Fiido hat noch andere E-Bikes im Angebot, zum Beispiel das Fiido E-Gravel [-> E-Bike FAQ: Was ist ein e-Gravel-Bike?] für 1.799€ (am 15.12.23 für 1.199€ im Weihnachtsangebot).

Das schlanke E-Bike gefiel mir auf Anhieb – und auf den ersten Blick scheint alles ok: Die Höchstgeschwindigkeit mit E-Unterstützung wird mit 25 km/h angegeben, der Akku bietet 80 km Reichweite, mit 17,5 kg ist es rekordverdächtig leicht.

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Antrieb

Aber wirklich elektrisiert hat mich die Angabe des Drehmomentsensors: [E-Bike FAQ: Was ist ein Drehmoment-Sensor?] Fiido verwendet den S200 von Mivice!

Was ist daran so besonders? Der S200 von Mivice ist ein aussergewöhnlich sensibel reagierender Drehmomentsonsor. Daraus ergibt sich, im Gegensatz zu einem Kadenzsensor [->E-Bike FAQ: Was ist ein Kadenzsensor?], ein außerordentlich harmonisches Fahrgefühl. Das konnte ich beim Test des Bellecour (Motor: Mivice M070) und dem Test eines Gravel-E-Bikes (Motor: Mivice M080) bereits erleben.

Ein kurzer Blick auf die technischen Spezifikationen zeigt: Das Fiido E-Gravel verfügt über den Mivice M080 Hinterradnabenmotor, wie das von mir getestete Gravelbike. Motor & Drehmomentsensor von Mivice – beides zusammen macht das E-Bike hochinteressant!

Akku

Als Akku wird beim Fiido E-Gravel einer mit 209 Wh Kapazität verbaut, ganz offensichtlich im Rahmen integriert. Das erklärt das geringe Gewicht. Nachteil dabei ist: Das Bike muss zum Aufladen in die Nähe einer Steckdose. Je nach den individuellen, örtlichen Gegebenheiten kann man damit leben.

Die Reichweite sollte für den Kurzstreckeneinsatz im Pendelverkehr reichen, für längere Strecken gibt’s gegen Aufpreis einen Zusatzakku. Der wird am Rahmen befestigt und hat eine Kapazität von nochmal knapp 209 Wh. Damit dürften, je nach Terrain, auch 50 km mit der höchsten der 5 Stufen drin sein.

Fahrwerk

Die Kraft wird per Kette auf einen 9-Gang-Schaltung [-> E-Bike FAQ: Was ist eine Kettenschaltung?] übertragen, gebremst wird mit hydraulischen Scheiben von Tektro, der Rahmen ist aus Alu. Die Reifen im Format 700×40 sind profiliert und passen prima zum Thema „Gravelbike“, sind aber wahrscheinlich keine von den bekannten Marken. Macht aber nichts, die kann man immer noch tauschen wenn sie abgefahren sind.

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Lieferumfang

Im Lieferumfang sind Fender, Front und Hecklicht sowie ein Hinterbauständer enthalten, sehr praktisch! Selbstverständlich sind auch ein Ladenetzteil und Pedale dabei. Ein Display natürlich ebenfalls, das ist blickgünstig auf dem Vorbau [-> E-Bike FAQ: Was ist ein Vorbau?] montiert, der Bediensatellit findet sich am linken Lenkerende.

Als Sonderausstattung gibt’s zum Beispiel noch einen Front- (66€) und einen Heckgepäckträger (75€), letzteren würde ich direkt mit bestellen. Mit der Fido-Smartwatch soll das E-Bike auch entsperrt werden können – das wäre für mich verzichtbar, ein herkömmliches Schloss ist mir lieber.


Fahrradschloss für E-Bike: Welches ist wirklich sicher?

Ebike mit verschiedenen Fahrradschlössern.
Was ist beim Fahrradschloss zu beachten? Was ist besser, ein Falt- oder Kettenschloss? Verschiedenen Schlossarten im Überblick und meine persönlichen Tipps!

Rahmenvarianten

Das Fiido E-Gravel ist als Version mit Diamantrahmen (in zwei Rahmenhöhen) und mit Trapezrahmen (eine Rahmenhöhe) in 2 Farben verfügbar. Das Gewicht von 17,5 kg gilt allerdings nur für den Trapezrahmen. Der Diamantrahmen ist 500 Gramm schwerer. Doch mit 18 kg ist das E-Gravel-Bike immer noch leicht.

Preis

In meiner favorisierten Ausstattung (Zusatzakku, Gepäckträger) würde mich das Fiido E-Gravel also 2.063€ bzw. 1.463€ (Angebotspreis Stand 15.12.2023) kosten.

Der Versand erfolgt nach Angabe auf der Website kostenfrei innerhalb von 5-10 Tagen aus einem Lager in Polen. Die Rückgabefrist beträgt laut Fiido Rückgabepolitik 15 Tage, auch wenn Fiido auf der Produktseite von 30 Tagen spricht. Gefällt das Bike nicht, muss der Kunde laut „Kleingedrucktem“ die Versandkosten (100-350€ je Modell) tragen. Der Rücktransport muss in der Originalverpackung erfolgen, ausserdem muss das Bike unbenutzt sein (Stand: 14.12.2023). Damit ist eine Probfahrt, zum Beispiel zum Test, ob die Rahmengeometrie passt, zumindest etwas kompliziert und kann zu Diskussionen führen.

Kaufen?

Zum Angebotspreis ist das Fiido E-Gravel aus meiner Sicht ein Schnäppchen. Doch auch der normale Preis ist günstig. Aber nur, wenn man selbst etwas schrauben will oder kann: Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass die Fahrradwerkstatt ums Eck an dem E-Bike etwas arbeiten wird. Denn die hat mit den Kunden, die dort ein E-Bike gekauft haben, meist mehr als genug zu tun.

Fazit

Ein billiges China-E Bike muss nicht zwingend schlecht sein. Es kommt drauf an, was man mit ihm machen will, und auch, welche Einschränkungen man bereit ist zu akzeptieren. Das zeigte zum Beispiel das ENGWE P26. Aber auf jeden Fall sollte man sich die verfügbaren Daten genau ansehen, um nicht schnell mit einem illegalen E-Bike unterwegs zu sein. Ein Beispiel dafür sind meine Erfahrungen mit dem Fafrees F28Pro.

Fiido macht es sich recht einfach und schreibt auf der Website „Haftungsausschluss: Die Rechtmäßigkeit aller Produkte unterliegt den örtlichen Vorschriften. Bitte beachten Sie die örtlichen Vorschriften sorgfältig.“

Mein Tipps

  • Nicht vom billigen Preis blenden lassen!
  • Achtet darauf, dass das E-Bike den europäischen Vorschriften (max. 250 Watt Dauerleistung, Schiebehilfe nur bis 6 km/h, Unterstützung nur bis 25 km/h) entspricht.
  • Seid euch bewusst, dass ihr zur Not selbst schrauben müsst – und das nicht nur beim Zusammenbau.
  • Rechnet damit, dass das Thema „Gewährleistung“ schwierig werden kann.
  • Kalkuliert ein, dass ihr im Zweifel etwas länger auf Ersatzteile warten müsst.
  • Haltet Platz für den Karton des Bikes vor, zumindest bis die Rücksendefrist (s. „Kleingedrucktes“) abgelaufen ist.
  • Lest euch die Versandbedingungen und die Rückgabebedingungen genau durch!
  • Du bekommst, für was du bezahlst: High-End-Ausstattung zum Lidl- oder Aldi-Preis geht auch in Asien nicht! Doch: Nicht jeder braucht oder will High-End.

Alle Artikel dieser Serie

Insider-Tipps zum Kauf erschwinglicher E-Bikes, Teil 1: Nachrüstung

Insider-Tipps zum Kauf erschwinglicher E-Bikes, Teil 2: Billige Asien-E-Bikes

Insider-Tipps zum Kauf erschwinglicher E-Bikes, Teil 3: Online-Schnäppchen

Insider-Tipps zum Kauf erschwinglicher E-Bikes, Teil 4: Gebrauchtkauf

Insider-Tipps zum Kauf erschwinglicher E-Bikes, Teil 5: Bike-Leasing

[Text:[at], Fotos: Fiido, VeloStrom]

Alle Preise und Daten: Stand 15.12.2023

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Alexander Theis
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